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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift Seile 331 große Umsicht, mit welcher der gewiegte Oekonom Herr Adolf Fischer all das herbeischaffte, was für die Ausspeisung so vieler Personen sich als notwendig erwiesen hat. Aber allen kam auch der Appell in Erinnerung, den Herr Hofbauer mit so vielem Rechte in der letzten Generalversammlung des Vereines an die große Oeffentlichkeit ergehen ließ: diesem so segensreich wirkenden und bei den Wiener Verhältnisseil so unentbehrlich gewordenen Vereine zur Unterbringung seiner einer großen Erweiterung bedürftigen Volksspeisehalle mit den Küchen- und anderen Anlagen die Errichtung eines eigenen Heimes zu ermöglichen. Dieser Appell, der jetzt wiederholt wird, ist um so beachtenswerter und verdient um so eher erhört Zu werden, als der Vorstand nunmehr beschlossen hat, in Ausübung seiner weitereil statutarischen Aufgaben einen sehr wichtigen Ausbau der Speiseanstalt in nächster Zeit vorzunehmen. Der Volksspeisehalle wird nämlich eine Kaffee-, Tee- und Suppenanstalt angegliedert werden, und wer sich der herzzerreißenden Szenen erinnert, welche sich im vorigen strengen Winter gerade in jenen Teilen der Leopoldstadt abgespielt habeil, welche von der ärmeren jüdischen Bevölkerung bewohnt werden, wird die große soziale Bedeutung ermessen, welche diesem neuen Zweige humanitärer Tätigkeit des Vereines „Einheit" zukommt, und wird sich veranlaßt fühleil, je nach seinen Mitteln einen Beitrag zum Baufonds der Volksspeisehalle des Vereines „Einheit", Wien, II., Malzgasse 12, zu widmen. Aktion der galizischen Kultusgemeinden gegen die Boykottbewegung. Die unendlichen wirtschaftlichen Verheerungen, welche die antijüdische Boykottbewegung der Polen in Galizien bereits angerichtet hat, zwingt die gesetzlichen Vertreter der galizischen Judenschaft zu einer Abwehraktion. Die Lemberger Kultusgemeinde als die größte im Lande, beschäftigte sich in einer ihrer letzten Sitzungen mit je einer Zuschrift aus Szambor und Szanok, welche Hilferufe aus den bedrängten Provinzorten darstellen. In diesen Zuschriften wird verlangt, daß der Lemberger Kultusvorstand sich an die Spitze einer Abwehraktion gegen den polnischen Boykott stelle, der bisher schon so viele Existenzen vernichtet hat. Nach eingehender Debatte, in welcher von allen Rednern die Dringlichkeit einer solchen Aktion anerkannt wurde, hat der Kultusvorstand beschlossen, so rasch als möglich eine Versammlung der Delegierten der galizischen Kultusgemeinden behufs Beschlußfassung über die zu ergreifenden Maßnahmen gegen den polnischen Boykott einzuberufen. Außer den Delegierten der Kultusgemeinden werden auch die jüdischen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten aus Galizien sowie einzelne jüdische Persönlichkeiten an der Tagung teilnehmen. Genehmigung der Jto-Statuten in Ungarn. Die Statuten der ungarischen Jto-Landesorganisation wurden mit Erlaß vom 18. April 1914 genehmigt. Die Genehmigung seitens der ungarischen Regierung ist deshalb von ganz besonderer Bedeutung, weil die zionistische Organisation schon seit länger als 12 Jahren vergeblich auf die Genehmigung ihrer Statuten seitens der Regierung wartet. So oft auch der Versuch gemacht wurde, die Regierung günstiger zu stimmen, erhielten die Vertreter der zionistischen Organisation stets die Antwort, daß die Bestrebungen der zionistischen Organisation als einer nationalen Bewegung in Ungarn als unpatriotisch angesehen werden, weshalb ihre Statuten nicht genehmigt werden könnten. Als nun die Jto-Organisation, welche innerhalb einiger Monate in Ungarn einen ungeahnten Aufschwung nahm und von den Juden aller Richtungen ^ruch finanziell in außerordentlicher Weise unterstützt wurde, ihre Statuten behufs Genehmigung der Regierung unterbreitete, wandte sich die zionistische Organisation mit einer Eingabe an die Regierung, in welcher dargetan wurde, daß die Jto ähnliche Ziele verfolge wie der Zionismus, und daß daher für den Fall, als die Regierung die Jto-Statuten genehmigen sollte, auch diejenigen der zionistischen Organisation genehmigt werden müßten. Die ungarische Regierung hat diesen Standpunkt nicht geteilt, sondern hat bloß die Jto legalisiert, während sie dem Statuten der zionistischen Organisation nach wie vor die Genehmigung verweigert. Auszeichnung eines jüdischen Hochschulprofessors. Wie das ungarische Amtsblatt meldet, hat der Kaiser den außerordentlichen öffentlichen Professor an der Budapester Universität und Direktor der Augenabteilung des Pester israelitischen Spitales, Dr. Adolf v. Szili, in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Hochschulunterrichtes und der wissenschaftlichen Literatur den Titel eines königlich ungarischen Hof rates verliehen. Professor Dr. Szili genießt als Augenarzt einen europäischen Ruf. Im Jahre 1848 in Budapest geboren, wurde er im Jahre 1884 als Privatdozent an der «Budapester Universität zugelassen. Nach 25jähriger Tätigkeit wurde er vom Kaiser in den Adelsstand erhoben. Die von Dr. Adolf Szili geschriebenen wissenschaftlichen Werke bilden eine ganze stattliche Bibliothek, und dennoch hat er, weil er Jude ist, noch nicht den Rang eines -ordentlichen Universitätsprofessors zu erlangen vermocht. Vor etwa 12 Jahren erschien in einem Wiener Blatte die Mitteilung, daß Professor Szili angeblich seine Söhne taufen ließ. Hierauf erschien er in der Redaktion des Budapester orthodoxen Blattes und bat in rührenden Worten um die öffentliche Widerlegung dieses Gerüchtes. Er sei, sagte damals der betroffene Professor, wohl kein frommer Jude, der die Zeremonie einhält, aber er beteuerte, daß er zu einer Taufe seiner Kinder nicht nur nicht zustimmen konnte, sondern er würde es als sein größtes Unglück betrachten, wenn seine Kinder der jüdischen Gemeinschaft untreu würden. „Dank vom Hause Juda." Unter diesem Titel haben kürzlich mehrere antisemitische Blätter die Mitteilung gebracht, daß der berühmte Verteidiger im Tisza-Eszlarer Prozeß, Karl Eotvös, der jüngst auf seine Advokatur verzichtete, nun in Budapest in großer Notlage lebe. Die Juden, für welche Eotvös seinerzeit so Hervorragendes geleistet habe, hätten -- so wurde weiter behauptet - trotzdem ihnen die trifte Lage Eotvös' bekannt sein mußte und trotzdem sie von des berühmten Rechtsanwalts befreundeter Seite zu einer Aktion zugunsten desselben eingeladen worden seien, in schnödem Undank diese Einladung unberücksichtigt gelassen. Demgegenüber wird uns von autoritativer Budapester Stelle mitgeteilt, daß diese ganze Behauptung jeder Grundlage entbehre. Abgesehen davon, daß die nraßgebenden Faktoren der ungarischen Juden auch seinerzeit schon sich dankbar erwiesen haben, sind dieselben anläßlich der vor einigen Monaten abgehaltenen Monstreprotestversammlung gegen die Kiewer Blutlüge, da ihnen schon damals die prekäre materielle Lage Eotvös bekannt geworden war, zu einer Beratung zusammengetreten und haben eine Aktion beschlossen und durchaeführt. deren günstiges Ergebnis es ermöglichte, dem greisen, durch Familienzerwürfnisse gebrochenen Schriftsteller und Politiker Karl Eotvös einen materiell sorgenlosen Lebensabend!zu sichern. Tatsächlich bezieht auch Karl Eotvös von diesem ausschließlich jüdischen Komitee allmonatlich die seinen Verhältnissen und Lebensgewohnheiten angemessene monatliche Ehrengabe. Dies zur Steuer der Wahrheit.

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