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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Rc. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 333 Geschäfte überführt wurden, auf administrativem Wege zu je drei Monaten Polizeiarrest verurteilt. Mit diesem Urteil findet eine Affäre ihren Abschluß, welche, von antisemitischen Hetzern in Szene gesetzt, am 1. und 2. März d. I. zu blutigen Ausschreitungen gegen Juden in Lodz geführt hat. Bekanntlich haben die antisemitischen Rädelsführer den Versuch gemacht, in Lodz eine Ritualmordgeschichte zu fabrizieren, und während die Ritualmordlüge aufgedeckt wurde, gelang es doch, den Pöbel gegen die Juden aufzureizen und die berüchtigsten Huligans der Stadt zu Mißhandlungen und Plünderungen anzuführen. Die auffallend milde Bestrafung der gefährlichsten Pogromhelden hat in ganz Polen einen betrübenden Eindruck hervorgerufen und die Befürchtung erweckt, daß eine solche gelinde Strafe die Huligans nicht nur nicht abschrecken, sondern eher zu neuen Ausschreitungen aufmuntern werde. Geheilte Volksverbändler. Dem „Haint" kommt aus Kursk die sensationelle Meldung zu, daß der dortige, besonders berüchtigte Polksverband dieser Tage eine Beratung abhielt, in welcher offen und ehrlich eingestanden wurde, daß die Verfolgung der Juden in den letzten Jahren das wirtschaftliche Leben in der Stadt und der Umgebung vollständig lahmgelegt hat. Es wurde anerkannt, daß die Stadt vollends zugrunde gehen müsse, wenn diese Taktik weiter geführt werden sollte. Bezeichnend für die Stimmung in diesen Kreisen sowie für die Furcht, mit der alten Politik restlos aufzuräumen, ist, daß in dieser Versammlung eine Liste jüdischer Kaufleute festgestellt wurde, welchen das Wohnen in der Stadt gestattet werden soll, beziehungsweise welche von den bereits ausgewiesenen Juden wieder zurückgerufen werden sollen. Wie schlecht es um den Handel in Kursk jetzt bestellt sein muß, geht auch daraus hervor, daß in der erwähnten Versammlung der Volksverbändler der Beschluß gefaßt wurde, jüdischen Geschäftsreisenden wieder den Besuch der Stadt zu erlauben. Ueberwachung der getaufen Juden in Rußland. Die getauften Juden in Rußland werden jetzt, wie aus einem Erlasse des Charkower Gouverneurs hervorgeht, unter ständige Polizeiaufsicht gestellt. Die Polizei hat die Pflicht, genau zu beobachten, ob diese getauften Juden wirklich nach den christlichen Religionsgesetzen leben, da die Behörden den Verdacht schöpfen, daß diese Getauften ähnlich wie die Marannen seinerzeit in Spanien und Portugal nur Scheinchristen seien und im Geheimen die jüdischen Religionsgesetze beobachten. Die Polizei ist beauftragt, ihre Wahrnehmungen dem Gouverneur zu melden. Es besteht die Absicht, im Sinne eines Vorschlages des Erzbischofs von Odessa den Juden, welche sich zur Taufe melden, eine sechsmonatige Frist festzusetzen, und erst, wenn die Taufkandidaten während dieser Zeit den Nachweis wirklichen christlichen Lebens erbracht haben, dieselben ins Christentum aufzunehmen. Der Tallis, ein gangbarer Artikel in Newyork. In Newyork wurden dieser Tage zwei verdächtige Individuen zur Polizei gebracht. Bei ihrer Leibesvisitation fand man ihre Taschen angefüllt mit seidenen Talesim, welche sie sogar um den Leib gewickelt trugen. Sie gestanden, diese Gegenstände bei einem Einbruch in einer Synagoge erbeutet zu haben und gaben auch weiters an, daß ihre Spezialität der Diebstahl von Talesim sei. Auf die Frage des Polizeikommissärs, warum sie sich gerade dieses seltsame „Spezialfach" ausgesucht hätten, gaben die Strolche an, daß^der Tallis in Newyork ein gangbarer Artikel sei, für den man auch in den Pfandleihanstalten verhältnismäßig größere Darlehen erhalte, als für andere Gegenstände. Bei einer Hausdurch suchung in ihrer Wohnung wurden auch tatsächlich zahlreiche Pfandscheine über verpfändete Talesim vorgefunden. Ein jüdisches Freispital in San Francisco. In San Francisco wurde vor kurzem das neue Har-Zion-Hospital feierlich eingeweiht und eröffnet. Zu den Kosten des Hospitalbaues, 'welche sich aus zwei Millionen Kronen beliefen, hat der deutsche Jude Hellmann, ein angesehener Großkaufmann in San Francisco, allein 500.000 Dollar gespendet. Das Har-Zion- Hospital ist das einzige freie Spital in Kalifornien, in welchem, soweit Plätze vorhanden sind, Kranke ohne Unterschied der Konfession und der Rasse unentgeltliche Aufnahme finden. _ Vermischtes. Emigranten-Fürforge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates April 1914 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz zu Wien insgesamt 78 Emigranten, davon 52 russische und 26 rumänische weiterbesördert, und zwar nach den Vereinigten Staaten 44, nach Argentinien 8, nach Kanada 2, nach England 4, nach Frankreich 12 und nach anderen Ländern 8. In ihre Heimat zurückbesördert wurden 8 russische und 16 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate April für 31 Personen zusammen 110 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 65 Personen zusammen 271 Speisemarten für die Israelitische Volksküche ausgegeben. Es fuhren zu ihren Männern 8 Frauen mit 21 Kindern, zu Eltern, resp. Kindern 12 Personen, zu Geschwistern 15, zu sonstigen Verwandten 18 und ohne nähere Verwandte 4 Personen. Dem Berufe nach waren unter den Weiterbeförderten: 12 Schneider bezw. Schneiderinnen, 7 Händler und Handelsangestellte, 3 Tischler, je 2 Schuster, Bierbrauer, Hutmacher, Kappenmacher, je 1 Schlosser, Putzer, Uhrmacher, Faßbinder, Perückenmacher, Lehrer, Ehaufseur und Metalldreher; 19 konnten einen bestimmten Berus nicht angeben, meist Frauen. Oberstaatsbahnbeamter Heinrich Knöpfelmacher. Am 29. April v. M. wurde der Oberstaatsbahnbeamt? Ingenieur Heinrich Knöpfetmacher unter allgemeiner Teilnahme und in Anwesenheit hoher Staatsbeamten und Würdenträger zur ewigen Ruhe bestattet. Der Heimgegangene, der im Alter von 57 Jahren plötzlich verschieden ist, zeichnete sich seit feiner frühesten Jugend durch besondere Tüchtigkeit aus und hat sich durch musterhaften Fleiß und Treue die Achtung seiner staatlichen Vorgesetzten erworben, so daß er als Jude die hohe Stelle als Oberstaatsbahnrat bekleidete und Besitzer verschiedener hoher Orden war. Seine Ernennung zum Direktor in Prag stand bevor, als ihn ein plötzlicher Tod ereilte. Der Verstorbene, ein Zwillingsbruder des Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde in Kremsier, Herrn kais. Rates Ignatz Knöpfe5macher, war ein glaübenstreuer Jude und hing dem Judentum mit kindlicher Liebe an. Bei der Beerdigungsfeierlichkeit, an welcher Minister Förster, Geheimrat und Sektionschef Banh a n s, Hofrat B o y e r sowie zahlreiche andere höhere Staatsbeamte teilnahmen, zeichnete Herr Rabbiner Dr. Grunwald in einem warmempfundenen Nachruf das Leben und die Tätigkeit des Verstorbenen in kurzen und beredten Worten. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Morgenstern mit Chor. Wien. (Verlobung.) Herr Leopold Weiß, Religionslehrer der israel. Kultusgemeinde, hat sich mit Fräulein Berta Q u i t t n e r aus Ung.-Brod verlobt.

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