Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 19 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 328 Dr. Bloch'H Wochenschrift Nr. 19 amtenkörpers gesagt werden, daß die Leistungen desselben zum weitaus größten Teile derartige sind, daß man nicht behaupten kann, es seien die ihnen..zugebilligten Gehalte zu hoch bemessen. Damit Sie selbst sich, was die Richtigkeit dieser meiner Behauptung betrifft, ein Urteil in diesem Punkte bilden, gestatte ich mir, Ihnen nur einige wenige Datei: vorzuführen. Die Leistungen des Sekretariates und der im Verhältnisse zu? den AgeÄen desselben geringen Zahl von Beamten, Sie demselben zugewiesen sind, kennen wir zumeist aus eigener Wahrnehmung und kann ich mir diesbezüglich jede Bemerkung ersparen. Das Friedhofsamt hatte im Jahre 1913 2501 Leichenbestattungen und die damit verbundenen, eine außerordentliche Sorgfalt und Akuratesse bedingenden Arbeiten zu leisten, und ich brauche es wohl nicht hervorzuheben, wie delikat einerseits gerade in diesem Ressort die Verhandlungen geführt werden müssen und wie wieder andererseits von so vielen Parteien Ansprüche gestellt werden, denen nicht Rechnung getragen werden kann und darf. Unsere Kassa hatte im laufenden Jahre ein Revirement pro und kontra von Kr. 16,671.163.—, wobei die Gebarung in Effekten nicht berechnet ist. Der Parteienverkehr bei der Hauptkasse betrug Kr. 47.643.—. Diese Ziffern sprechen zu deutlich für die bezüglichen Aemter, als daß noch ein Weiteres hinzugefügt werden müßte. Das Steueramt hat die Behandlung von mehr als 25.000 Zensiten und die zahllosen sich hieran anknüpfenden Erledigungen zu besorgen. Diese wenigen Daten, die ich Ihnen hier vorzutragen mir erlaubt habe, werden Ihnen ein genügendes Bild über den Umfang der Agenden unserer Beamtenschaft gegeben haben und meine früher angeführte Behauptung als berechtigt erscheinen lassen. Außer der Mehrauslage jedochvon der ich zuletzt gesprochen habe, werden uns, wenn nicht schon im nächsten Jahre, so doch spätestens im Jahre 1916 neue Aufgaben und neue Auslagen erwachsen. Wie schon des öfteren an dieser Stelle vorgebracht wurde, müssen wir noch heuer mit den Arbeiten aus dem neuen Friedhofe beginnen, und da der Belegraum in der gegenwärtigen Abteilung des Zentralfriedhofes kaum noch für zwei Jahre hinreichen dürfte, so werden wir jedenfalls schon im Jahre 1916 mit der Belegung des neuen Friedhofes beginnen müssen, und damit wird eine Quelle neuer Auslagen erwachsen. Wir werden auf dem bisherigen Teile des Friedhofes noch eine große Anzahl von Jahren die Bestattungen in Grüften, reservierten Gräbstellen und Beilegungen zu leisten haben, und was besonders ins Gewicht fällt, die Instandhaltung derselben, daneben aber auch die ganze Gebarung auf dem neuen Friedhofe besorgen müssen. Daß die Behandlung dieser Frage nicht bloß reifliche Erwägung und zutreffende Anordnung erfordert, sondern auch mit namhaften Mehrauslagen verbunden sein wird, liegt klar zutage, wobei ich selbstverständlich jene Auslagen, welche durch die Anlage des neuen Friedhofes notwendig sein werden, nicht in Betracht ziehe, weil diese Auslagen Investitionen darstellen und selbst ein Vermögensobjekt bilden. Unser Wohltätigkeitsbudget wächst von Jahr zu Jahr und beträgt derzeit ca. Kr. 380.000.—. Ich habe diese Daten und die Bemerkungen, die ich hieran knüpfe, nicht zu dem Zwecke vorgebracht, um Sie pessimistisch zu stimmen oder selbst dem Pessimismus Ausdruck zu geben, sondern aus dem Grunde, weil ich es sür richtig halte, allen Dingen, die in unsere Gebarung kommen werden und müssen, rechtzeitig ins Auge zu sehen, damit wir in unserer weiteren Gebarung hierauf Rücksicht nehmen können, und ich zweifle nicht, daß wir auch diesfalls wie bisher mit Vorsicht und in reiflicher Erwägung aller maßgebenden Umstände das Nötige und Sachliche besorgen werden, und uns dies auch künftighin auf das gewissenhafteste werden angelegen sein lassen. Hiermit schließe ich, indem ich dem Bureau und insbesondere den Herren Moritz Ruf und Leopold Schäfer für die Unterstützung, die sie mir bei dem heutigen Referate gewährten, bestens danke und Sie ersuche, den vorliegenden Rechnungsabschluß Lu genehmigen." Die interessanten und instruktiven Ausführungen des Referenten wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen; Vizepräsident Dr. Gustav Kohn gab diesem Beifall Ausdruck, als er namens des Vorstandes dem Herrn Dr. Leopold Kohn für sein ausgezeichnetes Elaborat und die große Mühewaltung, die er beim Studium des gesamten Rechnungsabschlusses auswendete, den Dank ausfprach. Zum Rechnungsabschluß erhielt in der hierauf eröffneten Debatte zunächst Kultusvorsteher Oberingenieur Stricker das Wort, welcher aus die Anomalie hinwies, daß, während in anderen Gemeinden die F l e i schregie bedeutende Zuschüsse ergebe, bei uns diese Post alljährlich ein ganz bedeutendes Defizit aufweist, welches im Jahre 1913 Kr. 50.973.33 betrug. Redner urgiert ferner die Bestellung eines verläßlichen, verantwortungsvollen Leiters für das Technische Amt der Kultusgemeinde, da der gegenwärtige Leiter krankheitshalber schon seit langer Zeit auf Urlaub ist und es angesichts der bevorstehenden großen Baudurchführungen der Kultusgemeinde undenkbar sei, daß das Technische Amt eines Leiters entbehre, der geeignet wäre, diese Arbeiten zu überwachen und sür alle Vorkommnisse bei denselben die Verantwortung zu tragen. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn ist gegenüber den Ausführungen des Vorredners der Ansicht, daß der steigende Rückgang im Konsum des Koscherfleisches ein Symptom für den Rückgang der Religiosität unter den Wiener Juden sei. Der Vorstand beschäftigte sich mit dieser Frage und dürfte bald in der Lage sein, auch hierin eine Wandlung zum Besseren eintreten zu lassen, ohne dadurch die Konsumenten zu belasten. Was das Technische Amt betrifft, so werde auch in dieser Richtung bald etwas geschehen, denn er stimme darin mit dem Kultusvorsteher Stricker überein, daß diesem Amte wichtige Aufgaben bevorstehen, welche nur unter einer vollständig nicht nur technisch-wissenschaftlichen, sondern auch physischrüstigen Leitung mit Erfolg gelöst werden können. Dr. Leopold Kohn stellt gegenüber einer Bemerkung des Kultusvorstehers Stricker fest, daß der Beamte, in dessen Ressort die Fleischregie fällt, für die Zustände in dieser Richtung nicht verantwortlich gemacht werden könne, da er stets objektive Berichte über die tatsächlichen Verhältnisse erstattete und aus den weiteren Gang der Angelegenheit keinen Einfluß hat. Auf eine Anfrage des Kultusvorstehers S. B r o d bezüglich der Gräberschmückungen auf dem jüdischen Friedhofe gibt der Referent Dr: Leopold Kohn die Aufklärung, daß in dieser Angelegenheit Reformvorschläge ausgearbeitet werden, welche den Kultusvorstand schon demnächst beschäftigen sollen. Vizepräsident Hofrat Dr. R a p p a p o r t stellt einen Irrtum in den Ausführungen des Kultusvorstehers Stricker hinsichtlich der Heizanlage im Versorgungshause richtig, indem er darauf verweist, daß diese bemängelte Anlage ja schon vor 30 Jahren errichtet worden sei. Ueber Antrag des Kultnsvorstehers Emanuel Hoffmann wird dann der Rechnungsabschluß en bloc an-