Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 19 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Srire 326 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 19 morgen schon seine Mörder mit uns zusammen arbeiten werden . . und sie traten in den Streik. Zwei Monate währt nun bereits dieser Kamps und die „zionistische" Gesellschaft will von keinen Verhandlungen wissen. Erfolg eines jüdischen Aviatikers. Aus Budapest wird uns geschrieben: So wie in anderen Ländern haben auch die Juden in Ungarn die Aviatil seit ihren Anfängen auss kräftigste gefördert. Aber nicht nur dadurch, daß sie die verschiedenen aviatischen Vereine imb Unternehmungen materiell unterstützten, sondern auch dadurch, daß sie persönlich als Flieger zur Entwicklung des Flugsports beitrugen. So ist auch der Gewinner des Verläßlichkeitspreises von 30.00:) Kr., der Budapcstcr Ingenieur Viktor Wittmann, ein Jude, der nicht nur für die Aviatik, sondern auch für die Angelegenheiten im Judentum lebhaftes Interesse besinn. Ingenieur Wittmann hat aus seiner Flugmaschine die Strecke Budapest- Wien in vier Stunden zurückgelegt und ist glatt gelandet. Eingesendet. Wien, 27, April 1914. Löbl. Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" II., Praterstraße 9- Durch Veröffentlichung nachstehender Zeilen würden Sie gewiß viele Mitglieder der Cheirra-Kadischa zu besonderem Tanke verpflichten: Die ansehnliche Berfannnluug der Mitglieder der Chewra- Kadischa anläßlich des Brudermahles bot schon durch den entzückenden Rahmen ein prachtvolles Bild, aber die Zuhörer kamen, nicht aus ihre Rechnung, denn im Grunde genommen sind die wenigsten des Essens halber erschienen — da sie ja für 12 Kronen bei Herrn Tonello zu jeder Zeit ein so.vorzügliches Souper bekommen können—, sondern meiner Ansicht nach sind die meisten Herrn gekommen, um die ausgezeichneten Herren Redner an der Quelle zu hören, was aber nur den allerwenigsten möglich war. Ich möchte daher die Anregung geben, die löbl. Chcwra-Kadischa möge bei ähnlichen Anlässen den Präsidententisch nicht an ein Ende, sondern in der Mitte des großen Saales etablieren, wodurch die Mehrzahl der Anwesenden die Ansprachen klar und deutlich vernehmen könnte. Hochachtungsvoll H e r m a n n S t e r n. Löbl. Redaktion von Dr. Bloch’s »Österreichische Wochenschrift«. Im Interesse vieler jüdischer Hausfrauen gestatte ich mir Sie höflichst um Aufnahme folgender Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte zu bitten. Es erscheint seit einiger Zeit,ein Inserat im »Neuen Wiener Tagblatt«, in welchem der »Verein deutsche Dienstbotenvermittlung Wiens«, IV., Rainergasse 13, Dienstmädchen, resp. Dienstpersonal an die Wiener Hausfrauen empfiehlt. Kommt nun eine jüdische Frau in der Absicht, dort ein Dienstmädchen aufzunehmen, so wird ihr nach erfolgter Feststellung, daß es sich um eine jüdische Familie handelt, bedeutet, daß diese Dienstpersonal an Letztere nidjit vermittelt. Nachdem dieses Inserat nicht in der »Ostdeutschen Rundschau«, sondern im »Neuen Wiener Tagblatt« erscheint, so glauben gewiß die meisten jüdischen Frauen, daß es sich um deutschsprechendes Dienstpersonal handelt. Um diese Irreführung und gewiß auch unangenehme und zeitraubende Wege vielen unserer jüdischen Frauen zu ersparen, würden Ihnen Letztere für die Veröffentlichung dieser Mitteilung gewiß sehr dankbar sein. Hochachtungsvoll Moritz Duschinsky. Ein hygienischer Rat! Bei der sonst in unserem kulturellen Leben so starken Betonung des hygienischen Momentes muß um so störender ein Mißstand wirken, der in jedem Zeugen unserer Trauungszeremonien Bedenken erwecken mutz. Es wird oft einer langen Reihe von Brautpaaren hintereinander bei der Trauung aus demselben Becher der Wein gereicht. Man braucht nicht in Einzelheiten einzugehen, um die Gefährlichkeit eines solchen Verfahrens jedem einleuchten zu lassen. Es empfiehlt sich dringend, 1. mehrere Becher zu diesem Zwecke bereit zu hallen und 2. nach jedesmaliger Benutzung den gebrauchten Becher in einer desinfizierenden Lösung gründlich zu säubern. Vor allem darf nicht derselbe Wein einem nach dem andern gereicht werden! Davon, daß die Form des Bechers ein Trinken ganz illusorisch macht, wollen wir nicht reden. Der Kultusvorstand sollte diesem Punkte tatkräftig sein Augenmerk widmen und eine entsprechende, streng durchzuführende Anordnung treffen. L. B. Verletzung der Staatsgrundgesetze. In dem österreichischen Aerztekammerblatt Nr. 9 1914 findet sich die Ausschreibung einer „Sekuudararzt-Stelle", publiziert vom Gemeindeamt der Stadt St. Pölten, datiert 15. April 1914. Unterzeichnet ist der Bürgermeister Otto Eybner. Von dem Bewerber wird verlangt „Vorlage eventueller Zeugnisse und des Taufscheine s". Das ist wiederum eine flagrante Verletzung der Staatsgrundgesetze. In derselben Nummer des österreichischen Aerztekammerblattes findet sich die Ausschreibung einer „Gemeindearztstelle für die Sanitätsgruppe Spannberg, polit. Bezirk Gänserndorf. Sitz des Arztes ist Spannberg." Unterzeichnet der Bürgermeister Grün. Auch in diesem Falle wird die Vorlage von „T a u s - und Heimatsch ei n" eingefordert. Die Verletzung der Staatsgrundgesetze wird zur ständigen Uebung. Ein Jude als Kavalier des Ordens der katholischen Jsabella. Der König von Spanien hat den Juden Abraham Pinto in Tanger zum Lavaller des Ordens der katholischen Jsabella ernannt. Abraham Pinto war der Führer jener spanisch-jüdischen Deputation, welche vor kurzer Zeit vom König in Madrid in Audienz empfangen wurde. Pinto ist Vizepräsident des in Tanger ins Leben gerufenen spanisch-jüdischen Vereins und ist als Philanthrop und Förderer mehrerer Wohlfahrtsanstalten in Tanger auch bei den Nichtjuden in großem Ansehen. Das Krönungsbild König Eduards von England. Aus London wird uns geschrieben: Es ist eine alte Tradition, daß der König von England nach seiner Krönung in der Guildhall in den historischen Saal der Stadt London kommt und an dem Huldigungsbankett der Stadt teilnimmt. Dieser Huldigungsakt pflegt dann durch ein Bild, dessen Ausführung dem bedeutendsten Maler des Landes anvertraut wird, verewigt zu werden. Die Festhaltung des Huldigungsbanketts der Stadt London für König Georg wurde dem berühmten englischen Maler Bacon anvertraut. Der Künstler hatte die Arbeit begonnen, wurde jedoch plötzlich von einer Krankheit befallen, der er erlag, noch ehe das historische Bild vollendet war. Auf seinem Totenbette erklärte er, daß es nur einen Maler gebe, den er für würdig halte, das Bild auszuführen, und nannte den jüdischen Maler Salomon I. Salomon, der nächst Bacon der bedeutendste Maler Englands ist. Wie nun aus London gemeldet wird, haben der König und die Königin sowie die übrigen maßgebenden Kreise beschlossen, das Krönungsbild von Salomon I. Salomon anfertigen zu lassen. Das Königspaar hat dem jüdischen Künstler bereits eine Sitzung gewährt. Zar und Huligan. Aus Petersburg kommt uns eine Nachricht zu, welche die hoffnungslose traurige Lage der russischen Juden am sinnfälligsten kennzeichnet und ohne jeden Kommentar wiedergegeben werden soll: Zar Nikolaus II. hat dem Führer der blutrünstigsten Huligans, dem Stifter unzähliger Pogroms auf Juden, Purischkewitsch, einen hohen Orden verliehen.