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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19; Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 325 jestät wirklicher Oberst und Kommandant des Artillerieregiments Nr. 7, Karl Pelz." Herr Wortmann, der trotz seines hohen Alters noch frisch und agil wie ein Fünfziger ist und noch kein graues Haar hat, ist heute noch von militärischem Geiste erfüllt und bringt allem, das unsere Wehrmacht betrifft, das regste Interesse entgegen. ^Er besitzt auch die Kriegs- und Kaiserjubiläums- Erinnerungsmedaille. Mickiewicz und die Juden. In der Petersburger wissenschaftlichen Gesellschaft hielt vorige Woche der jüdische Publizist I. A. Kleinmann einen interessanten Vortrag über das Verhältnis des größten polnischen Dichters Adam Mickiewicz zu den Juden. Der Referent wies vor allem nach, daß Mickiewicz, der Stolz der Polen, zweifellos von Juden abstamme, daß seine Mutter, eine geborene Majefska, einer srankiftischen Familie entstammt, welche im Jahre 1759, also 28 Jahre vor der Geburt des Dichters Mickiewicz, zum Christentum übertrat. Diese Abstammung war Mickiewicz bekannt, wenngleich seine Biographen dieses Faktum gewöhnlich verschweigen und seine Mutter kaum erwähnen. Auch die Werke Mickiewicz', seine Psychologie und sein Glaube an den Messias sowie die Tatsache, daß in den Werken des Dichters jüdischen Fragen ein großer Platz eingeräumt wird, beweisen seine seelische Verwandtschaft mit dem Judentum. In der zweiten Periode seines Lebens verfocht Mickiewicz eine Lehre, daß es nur drei auserwählte Völker gebe, welche Gottes Sache verfechten, das sind: die Juden, die Polen und die Franzosen. Und es wäre ein Unglück für die Welt, wenn das jüdische Volk, welches Träger einer hohen historischen Mission ist, sich verleugnen und sein Volkstum aufgeben würde. Interessant sind die Episoden, welche Kleinmann aus dem Leben Mickiewicz' erzählt. Am Tischabeab des Jahres 1845 begab sich Mickiewicz, der damals in Paris wohnte, in die dortige Synagoge und rief den versammelten Juden Zu, es sei nahe der Tag, an dem die Völker zu neuem Leben erwachen werden, und daß die Polen den 9. Ab aus Mitgefühl für die Juden als einen Trauertag anerkennen. Als Mickiewicz im Jahre 1848 sich an die Spitze einer polnischen Legion stellte, -lädierte er für die Einreibung von Juden m diese Legion und erklärte in seinem Aufrufe, daß in dem wiedererstandenen Polen „Israel, unserem ältesten Bruder, gleich allen anderen Ehre, Brüderlichkeit und Hilfe zuteil werden wird". Trotz der notorischen Judenfreundlichkeit Mickiewicz mißbrauchen die heutigen polnischen Antisemiten seinen Namen, um gegen die Juden zu hetzen. Rothschild als Verteidiger des Sabbat. In einer Kommission des englischen Parlamentes wurde dieser Tage über eine Vorlage beraten, welche vorschlägt, daß in Hinkunft die Wahlen im gesamten britischen Reiche an einem und demselben Tage und nicht wie bisher an verschiedenen Tagen durchgeführt werden sollen. Lyonel de Rothschild, der Mitglied dieser Kommission ist, stellte hiezu den Antrag, daß die Wahl an jedem Tage, nur nicht am Freitag und Samstag stattfinden möge, da sonst ein großer Teil der Juden sozusagen durch das Gesetz des Wahlrechtes beraubt würde. Mr. Jessel, gleichfalls Jude, unterstützte diesen Antrag und wies statistisch nach, daß am Samstag eine viel geringere Zahl von Wählern ihr Wahlrecht ausübe, als an anderen Tagen. Die Kommission hat jedoch den Antrag mit fünfzehn gegen zehn Stimmen abgelehnt. Eine neue Synagoge in Shanghai. Die-jüdische Gemeinde in Shanghai nimmt, wie dem „Jewifh Chronicle" von dort berichtet wird, einen immer größeren Aufschwung, war jedoch bisher nicht in der Lage, eine den Bedürfnissen entsprechende Synagoge zu errichten. Diesem Bedürfnisse wird nun durch eine Spende des Sir Jacob Sassoon abgeholfen. Sir Sassoon übermittelte dem Präsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde eine Anweisung auf 150.000 Rupien, welche für einen Synagogenbau und den Bau einer Schule verwendet werden sollen. Sir Jacob Sassoon ist der Enkel des berühmten Bagdader Kaufmannes David Sassoon, der auch in Shanghai eine große Zentralstelle seines Geschäftes hatte. Sobald der Tempel-, ünd Schulbau vollendet sein wird, soll auch ein Rabbiner aus England berufen werden. Tempelweihe in Silistria. In Silistria fand, einem dortigen Berichte zufolge, vor einigen Tagen die feierliche Einweihung einer neuen Synagoge der sephardischen Judengemeinde statt. Zur Feier waren Vertreter aller in Silistria wohnenden Nationalitäten, Rumänen, Bulgaren, Türken, Armenier, erschienen. Nach den üblichen Gebeten, unter anderen auch dem Gebete für König Karo! und die Königsfamilie, hielt der Sekretär der Gemeinde die Weiherede. Einen recht unangenehmen Eindruck machte die Rede, welche hierauf der anwesende Unterpräfekt in der Synagoge hielt. Er forderte die Anwesenden auf, rumänische Patrioten zu werden, sich zu romanisieren und vor allem so rasch als möglich die rumänische Sprache zu erlernen und zu pflegen. „Ichchabe die Empfindung," so schlotz der Unterpräsekt seine Sittenpredigt, „datz viele unter Euch mit der rumänischen Herrschaft unzufrieden sind, und wagt Ihr es auch nicht selbst zu gestehen, so geht es mit Bestimmtheit aus Berichten in den ausländischen Zeitungen hervor, und da noch keiner dieser Berichte von Euch hier dementiert wurde, ist ein Beweis, datz Ihr diese Unzufriedenheit teilet. Ich ermahne Euch, alle diese Hintergedanken zu lassen, Euch keinen Illusionen hinzugeben, denn in diesen Dingen versteht Rumänien keinen Spatz, und es ist mächtig genug, um seinen Willen durchzusetzen." Ein jüdischer Arbeiterstreik in Palästina. Die jüdisch-sozialistische Zeitschrift „Neuer Weg" meldet in Nr. 5: Diesmal handelt es sich nicht um einen Schülerstreik „zur Wahrung der nationalen Güter", und so gibt es auch diesmal keine „Bewegung", keine Aufrufe und Versammlungen des Aktionskomitees, keine Entrüstungskundgebungen und Geldsammlungen — in aller Stille geht der Streik in Sedscherah seit zwei Monaten vor sich. Es sind ja „nur" Arbeiter, die da streiken, und es handelt sich auch um gar keine hohen „Kulturgüter". Um das primitivste Recht des Proletariats stehen dort unsere Genossen in einem schweren Kampfe -- um das Recht auf Arbeit. Die „Agudath n'taim", bei der gestreikt wird, ist eine „zionistische" Gesellschaft. Als ein Hauptprinzip des Unternehmens wurde bei seiner Gründung die „Beschäftigung nur jüdischer Arbeiter" proklamiert (offizielles Communique „Haolam" 1908 Nr. 4), Gründer und Leiter der Gesellschaft sind im zionistischen Lager als führende Persönlichkeiten hervorragend tätig. Und so mutet es nur wie ein bitterer Scherz an, daß diese „Agedath n'taim" gerade die zarischen Judengesetze nach Palästina importiert: Jüdische Arbeiter werden nur nach einer bestimmten Perzentnorm ausgenommen. Dieses „Prinzip" wird von der „Agudath" auf ihren Besitzungen strenge durchgesührt. Als vor kurzem die Farm Sedscherah von der I. C. A. in die Hände der „Agudath" überging, da ging sie gleich daran, auch h/ier ihr „Prinzip" durchzuführen. Das war aber für unsere dortigen Genossen ein zu harter Schlag. Sedscherah hat sich der jüdische Arbeiter mit seinem Blute erkauft und in letzter Zeit erst hat dort unsere Bruderorganisation „Der Wächter" einen ihrer Besten, der auf seinem Posten siel, verloren. Ein Genosse aus Sedscherah schreibt im „Ha'achduth": „Der Boden am Tore der Farm war noch feucht vom Blute unseres Genossen Salzmann, der dort aus seinem Posten fiel, und es schmerzt der Gedanke, daß

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