Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 18 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 316 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 18 Dr. Isidor Samuely im Namen der Israelitischen Kultusgemcinde der Vereinsleitung und dem Sekretär in warmen Worten die Anerkennung und den Dank für ihre Tätigkeit auch im letztabgelaufenen Jahre aus. Herr Dr. Samuely ist überzeugt, daß durch die Bemühungen der I. C. A., der Baron Hirsch-Stiftung> und des galizischen Hilfsvereines das kulturelle, sittliche und wirtschaftliche Niveau der galizischen Juden allmählich denn doch gehoben werden wird, insbesondere wenn sich auch die derzeit geradezu traurigen ökonomischen Verhältnisse in Galizien bessern werden. Er betont ferner, daß die Wirksamkeit des galizischen Hilfsvereines dadurch eine überaus segensreiche sei, daß einer Bevölkerung, die bisher an eine regelmäßige Erwerbsarbeit nicht gewohnt war, die Erkenntnis des Wertes der Arbeit beigebracht werde. Der vom Obmann des Auffichtsrates Herrn Dr. Wilhelm Knöpfmacher erstattete Bericht über die finanzielle Gebarung der Vereinsleitung wird zur Kenntnis genommen und der Antrag des Äufsichtsrates, der Vereinsleitung das Absolutorium zu erteilen, einstimmig zum Beschluß erhoben. Die Wahlen werden, da keines der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder dagegen einen Einspruch machte, per atfamationem vorgenommen. Hiebei wurden einstimmig in die Vereinsleitung gewählt, und zwar auf 3 Jahre die Herren: Wilhelm Bach rach, Hermann D e n e s, Dr. Julius G r ü n w a l d, Dr. Adolf K apralik, Jacq. Karpeles, Karl Klemperer, Leopold L o u r i e, Komm.-Rat S. Rosenzwei g, Dr. Julius S ch o r, Jacques T r e b i t s ch, sämtliche in Wien, Dr. 'Adolf Groß, Reichsratsabg., Krakau, Dr. Adolf Ringelh.eim, Tarnow, Dr. Samuel T i l l e s, Krakau, Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau; ferner auf 2 Jahre Herr Dr. M. R ö s e n m a it n und auf 1 Jahr Herr Jakob Hermann, beide in Wien. Zu bemerken ist, daß die Vereinsleitung aus 42 Mitgliedern besteht und sich alljährlich zu einem Dritteile erneuert. In den Auffichtsrat wurden gewählt die Herren: Siegfried Engl, Dr. Wilhelm Knöpfmacher. Siegmund Frankl, Dr. Leopold Kohn, Ferdinand L ö w y, Wilhelm Pappen heim und Richard Wiener; in das Schiedsgericht die Herren Wilhelm Anninaer, kais. Rat Michael Benes, k. k. Notar Dr. Julius Bermann. Oberrabbiner R Dr. Moriz Güdemann, Direktor Alexander H e ch t. Dr. Albert Kuh, kais. Rat Leopold v. Sachs. Dr. Alfred Stern, Julius Wolf und k. k. Komm.-Rat Josef Zucker. Sodann wurde die Generalversammlung geschlossen. csr- Unter den Anwesenden bemerkten wir außer den früher als anwesend Erwähnten noch folgende Herren: k. k. Notar Dr. Julius Bermann, Mitglied des Schiedsgerichtes. Naffali Brandeis, Delegierter der Ortsgruppe Wien VII., Hermann Denes, Mitglied der Vereinsleitung. Adolf Friedländer, Vertreter des Israelitischen Humanitätsvereines B. B. „Wien". Siegmund Frankl, Mitglied des Aufsichtsrates, Dr. Julius Grünwald, Ludwig Herz, Delegierter der Ortsgruppe Wien V., David Horowitz, Delegierter der Ortsgruppe Wien I.. Karl Klemperer. Mitglied der Vereinsleitung, Hugo Kadisch, Dr. Gustav Lang stein. Delegierter der Ortsgruppe Wien I.. kais. Rat Dr.. Theodor Lieben, Mitglied der Vereinsleitung. Leopold Lourie, Mitglied der Vereinsleituna. Richard Petschek, Mitglied der Vereinsleitung. Joi'ef R eimann, Delegierter der Ortsgruppe Wien II., Komm.-Rat S. R o s e n z w e i g, Mitglied der Vereinsleitung. Heinrich Sprecher. Anton Ster n, Delegierter der Ortsgruppe Wien IV., Dr. Bela Taussig, Delegierter der Ortsgruppe Wien I., und Richard Wiener, Mitglied des Auffichtsrates. In der nach der Generalversammlung abgehaltenen Sitzung der Vereinsleitung fand deren Konstituierung statt und es wurden gewählt die Herren: Moriz Sonnenschein zum 1. Obmann-Stellvertreter, Leopold L o u r i e zum 2. Obmann-Stellvertreter, Hugo Tugend hat zum Schriftführer, Dr. Edmund Kornfeld zum Schriftführer-Stellvertreter, Wilhelm Knx zum Zahlmeister und S. Rosenzweig zum Zahlmeister-Stellvertreter. Die Stelle des Obmannes wurde vorläufig nicht besetzt. In den engeren Ausschuß wurden aus der Vereinsleitung delegiert die Herren: Moriz S o nnenschein, Leop. Lourie, Hugo Tugend hat, Dr. Edmund Kornfeld, S. Rosen zweig, Gustav Brüll, Dr. Julius Grünwald, Karl Klemperer, Dr. Edmund Kohn, Josef I. Leinkauf, Josef Mandl, David Rotter, Dr. Julius Schor, Max Schweiger und Jacques Trebitsch. Dem Tätigkeitsberichte aus dem Jahre 1913 entnehmen wir, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse Galiziens im Jahre 1913 infolge der Einschränkung des Kredits durch die Banken und der kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan, ferner infolge von Mißwuchs und Überschwemmungen daselbst besonders traurige gewesen sind. Da sich die Wirkungder politischen Vorkommnisse nicht bloß auf Galizien beschränkte, sondern auf ganz Oesterreich und zum Teile auch auf das Ausland erstreckte, war der Absatz jener Waren, die durch die Tätigkeit des Hilfsvereines in Galizien erzeugt werden, ein bedeutend geringerer als in früheren Jahren, indem der durch den allgemeinen schlechten Geschäftsgang hervorgerufene Minderverbrauch sich in erster Linie bei Luxuswaren, wie z. B. bei Spitzen und Stickereien, äußerte. Dazu kam, daß sich die Mode von einem der hauptsächlichsten Spitzenartikel, die bisher in Galizien erzeugt wurden, abwendete. Der Hilfsverein bemühte sich mit allen Kräften, der Ungunst! der Lage entgegenzuarbeiten; er forcierte jene Industrien, die einen besseren Absatz hatten' und veranstaltete, um den Absatz zu steigern, in Wien und Brünn und anfangs 1914 auch in Prag Verkaufs-Ausstellungen, die einen Bruttoerlös von Kr. 56.000 ergaben. Hoffen wir, daß das Jahr 1914 die Schäden, welche die beiden vorausgegangenen Jahre gezeigt haben, wieder gutmachen werde. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugeführt wird, werden diese unsere Glaubensgenossen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten unermüdlichen Tätigkeit als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser, ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträat jährlich Kr. 4.—; Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggässe 4, zu richten. Wien. Gegen einen hervorragenden Funktionär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ist in einem Wiener zionistischen Organ ein Angriff erschienen voll ehrenrühriger diffamierender Anschuldigungen, welcher selbstverständlich in die antisemitische Presse übergeaangen ist. Da der Inhalt des Artikels gegenwärtig Gegenstand der Verhandlung vor dem kompetenten Forum bildet, erachten wir es nicht für angemessen. durch eine publizistische Diskussion störend in den Gang der Verhandlung einzuareifen. Wir behalten uns vor, die Affaire zur Erörterung zu stellen, sobald sie auf ordnungsmäßigem Wege Erledigung gefunden haben wird.