Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3022089-3022108--23099-3048279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 18 Dr- Blochs Wocheirschrist Sette 315 Korrespondenzen. Eduard Sueß. Abermals ist in die unergründliche Tiefe der Ewigkeit eine große Seele gesunken, ist ein Geist verstummt, der so vieles seinen Zeitgenossen und seinen Nachfahren zu sagen wußte. In der Tat, Eduard S u e ß gehörte zu jenen Naturen, welche nur zu geben vermögen. Er gab uns Wienern da,s köstliche Trinkwasser, um welches uns jede Großstadt immerwährend beneiden wird, er befreite uns damit von der mörderischen Krankheit, dem Typhus, welcher ein -zweiter ..morbus vierrntis genannt werden konnte, er gab uns feste Schranken gegen das Anstürmen aus das freiheitliche Volksschulgesetz: er gab von seinem enormen Wissen und Können, wo sich die Gelegenheit hiezu immer bot, stets für das allgemeine Wohl das Beste ab. Seine Ratschläge bewährten sich immer, weil sie stets von einem höheren Gesichtspunkte geleitet, nie von der vergänglichen Momentstimmung eingegeben waren. Seinem scharfen Forschcrauge konnte der verderbliche Einfluß der fast alljährlichen Ueberflntung niedrig gelegener Stadtteile, wie der Leopoldstadt, des Lichtentales u. a., durch die Donau, sowie die damit verbundene Durchseuchung des Bodens nicht entgehen., seinem machtvollen Eingreifen zum großen Teile ist auch die diesen Mißstand beseitigende Regulierung der Donau bei Wien und damit eine weitere Assanierung zu verdanken. Seinem vom Einheits-Gedanken und -Gesetze der Schöpfung durchsetzten Geiste — sicherlich ein Attribut seiner Abstammung — konnte eben nirgends das zersetzende, eine ruhige Entwicklung und den Zusammenschluß, zum Ganzen hemmende Gebaren einzelner turbulenter Kräfte behagen, am wenigsten daher jenes in der menschlichen Gesellschaft, das ihn mit Ekel und Abscheu erfüllte. So finden wir ihn denn auch unter den ersten Mitgliedern unseres Vereines schon im Jahre 1892, seine Unterschrift ziert als Vorstandsmitglied einen klassisch gehaltenen Aufruf, dessen Autorschaft ihm zusällt und der in seiner Formvollendung die seine Feile Nothnagels verrät. In diesem ..documom immnia" finden sich die großzügigen Gedanken wieder, welchen er stets in seinem tatenreichen Leben gefolgt war. Da dasselbe auch für heute — leider — noch immer seine Geltung besitzt, so sei es hier auszugsweise als Beweis seiner vornehmen Gesinnung zum ewigen Gedenken mitgeteilt: „Der Antisemitismus ist eine tief beklagenswerte Verirrung. Sein inneres Wesen ist der vollkommene Gegensatz und das gänzliche Aufgeben der Gerechtigkeit: und Humanität. Seine äußere Betätigung ist das Zerrbild alles Edlen und Guten. Seine Folgen sind die moralische Verwilderung und Verrohung. Unsere jüdischen Mitbürger, uns gleich in allem, was dem Menschen eigen ist, unsere Mitarbeiter an den großen Ausgaben der Menschheit, sind den empörendsten Beschimpfungen, ja selbst. Gewalttätigkeiten ausgesetzt. Man ficht ihre gesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung an und bringt. Unfrieden und Verbitterung, Haß und Neid in unser öffentliches Leben. Unbefriedigende wirtschaftliche Verhältnisse werden nicht auf ihren inneren Grund geprüft, sondern zum Ausgangspunkt einer leidenschaftlichen und ungerechten Agitation genommen. . ." Es war Sueß nicht vergönnt, die Venvirklichung seiner Menschheitsideale zu erkÄen. :Die Gesinnung und Gesittung im öffentlichen Leben sank immer tiefer, und er konnte unmöglich mehr dem Tone und öer Denkungsweise seiner politischen Feinde folgen. Bedauerlicherweise blieb es ihm gleich allen großen Tribunen nicht erspart, auch im Rücken angefallen zu werden. — Unter, diesen Umständen blieb ihm, dem Gelehrten, wohl nichts mehr übrig, als sich allmählich ganz wieder auf sich selbst zurückzuziehen, d. h. der Politik gänzlich zu entsagen. Seine Größe erlitt hiedurch. keine Einbuße. Ehre seinem Andenken! Verein zur Abwehr des Anti'ewilismns Galizifcher Hilssverein. Sonntag, den 26. April d. I., fand in den Räumen der Israelitischen Humanitätsvereine „B'nai B'rith", IX., Universitätsstraße 4, die Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Den Vorsitz führte dessen Vizepräsident, Herr Moriz Sonnenschein. Der Sekretär Herr. Dr. Wilhelm Lö w y, Sekretär des Wiener Magistrates i. P., begrüßte hierauf die in der Versammlung erschienenen Vertreter der Körperschaften und Vereine, die übrigen Gäste, ferner die Mitglieder des Aussichtsrates und des Schiedsgerichtes, endlich die Delegierten der Ortsgruppen des Hilfsvereins. Insbesondere erwähnte er, daß der Verband der Israelitischen Humanitätsvereine B. B. in Oesterreich durch Herrn k. k. Universitätsprofessor Dr. Ehr mann, die Jewish Colonisation Association (I. C. A.) in Paris durch Herrn David Rotter, die Oesterreichische israelitische Allianz zu Wien durch Herrn Dr. Armand Kain in ka, die Israelitische Kultusgemeinde in Wien durch Herrn Dr. Isidor L a m u e l y, die Israelitische Kultusgemeindc in Krakau durch Herrn Dr. L-amuel Dilles, der Israelitische Humanitätsverein B. B. „Wien" durch Herrn Dr. Albert Kuh, die k. k. Anstalt für Frauen- Hausindustrie durch ihren Direktor Herrn Mar Holler, die Oesterreichische Hausindustriegesellschaft durch ihren Präsidenten Herrn Dr. Fritz M i n k u s, die Ortsgruppe Bielitz durch Herrn Siegmund Wachtl, die Ortsgruppe Linz durch Herrn Emil Bruder und die „Oesterreichische Wochenschrift" durch chren Herausgeber Dr. Bloch vertreten sind. Er teilte ferner mit, daß von der Großloge für Deutschland, U. O. B. B. in Berlin, von dem Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M., von der I. C. A. in Paris, von der Handels- und Gewerbekammer in Lemberg je eine schriftliche und von der Ortsgruppe Reichenberg eine telegraphische Begrüßung vorliegt, ferner daß ihre Abwesenheit entschuldigt haben: Herr Rudolf Kohn, Präsident des Israelitischen Humanitätsvereines B. B. „Wien", ferner die Herren Mitglieder der Vereinsleitung : Wilhelm Bachrach, Dr. Adolf Kapralik, Josef. l, L e i n k a u f, Joses Mandl, Kommerzialrat Max L ch w e i g e r, Jakob S. S t r a ß b e r g, Hugo Tugendhat, sämtlich in Wien, Schulrat Alois Schwarz aus Mährisch-Ostrau, das Mitglied des Aussichtsrates Herr Wilhelm Pappenheim und die Ortsgruppen-Delegierten kais. Rat Dr. Arnold Ascher und kais. Rat Joses Freudenberg, beide in Wien. Bevor in die Tagesordnung eingegangen wurde, sprach der Vorsitzende zu Ehren der im letztabgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Vereinsleitung, Herren kais. Rat Adolf Pick und Alexander Schorr, Worte des Dankes und der Erinnerung, wobei sich die Anwesenden zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben hatten. Auf die Erstattung eines Berichtes über die Vereinstätigkeit im Jahre 1913 und über die Einnahmen urch Ausgaben während dieser Zeit, ferner über den Verm. ögensftand des Vereines zu Ende des Jahres 1913wird mit Rücksicht darauf, daß der gedruckte Jahresbericht, der über diese Gegenstände ausführliche Angaben enthält, sich bereits im Besitze der an der Versammlung teilnehmenden Herren befindet, verzichtet. Herr Dr. Albert Kuh spricht im Namen des Israelitischen Humanitätsvereines B. B. „Wien" und Herr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.