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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · page 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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§ir. 18 Dr. Bkochs Wochenschrift. Regine Mmann. Zu ihrem Vierzigjährigen Schriststellerjllbilämn. Es ist allbekannt, wie nach der Kriegsnot der 60er Jahre ein kleines Kränzchen junger, aus der Nachkommenschaft des berühmten Mordechai Benet entsprossener Mädchen, zu denen Regine Benedikt, spätere Frey, und Regine Kohn, unsere heutige Jubilarin, gehörten, mit ihrem bescheidenen Taschengeld eine uw' so notwendigere Nähschule, den heutigen Mädchenunterstützungsverein für junge jüdische Mädchen, gründeten, als der Jndustrieunterricht damals vorzugsweise noch in Klosterhänden ruhte. Damais ahnte Regine U l m a n n noch nicht, daß der Ernst des Lebens auch an sie selbst herantreten werde und sie in wenigen Jahren als aufopfernde Gattin und Familienmutter an die Spitze des von ihr mitgegründeten Unternehmens gelangen werde. Schon als Kind habe ich sie bewundert, die neben der aufreibenden Tätigkeit als Leiterin einer Gewerbeschule, trotz mancher Kümmernisse ein Fachwerk nach dem andern erscheinen ließ, als Herausgeberin des Blattes der Hausfrau in Hunderte Familien Belehrung und Anregung brachte und dabei die zärtlichste Mutter und Gattin war. Wie sie, die selbst die Mutter in frühester Kindheit verloren hat, es zuwege brachte, Tausenden von gewesenen Schülerinnen die mütterliche Beraterin in allen schwierigen Lebenslagen zu bleiben, wie ich es nur noch bei einer anderen Dame, Fräulein Eleonore I e i t e l e s, gesehen, ist mir rätselhaft geblieben. In spätereil Jahren eroberte sich Regine Ulmmin als Mitglied der Gewerbekommission des österreichischen Frauenbundes und Präsidentin des Vereines der sozialen Hilfe ein immer lveiteres Wirkungsfeld. Da ihr die „Wissenschaft von den Grenzen", wie eine geistreiche Französin den Takt genannt hat, in seltenstem Maße zu eigen ist, so hat sie, eine der wenigen Frauen, die bei der bedauerlichen Ghettoabschließung der letzten Jahre in beiden Lagern wirkten, manches berechtigte und unberechtigte Vorurteil gegen die Jüdin in weiten Wiener Kreisen zerstört. Ihren seltenen Takt hat sie als Alterspräsidenten bei den dornenvollen Vorarbeiten für die Weibliche Fürsorge, bewiesen, und es wird ihre Schuld nicht sein, wenn dieses im Interesse unserer unter einer zersplitterten und oft unrationellen Arme-npflege leitender Arme dringend notlvendige Unternehmen nicht rasch gedeiht. Noch ziert keine äußere Auszeichnung, die sich so viele Damen mit den leichterworbenen Geldspenden ihrer Gatten eroberten, die in vierzigjähriger Tätigkeit ergraute Dame; aber der Vorstand ihres Mädchenunterstützungsvereines hat in rührender Weise sie in ihrem 'sonnigen Heim mit Gaben überschüttet. Möchte Regine U l m a n n nicht nur in dem Prachtbau der Schule in der Seegasse, die Tausende von Existenzen begründet hat, sondern in der gesamten Wiener Frauenbewegung noch lange mit Schrift und Tat als guter vermittelnder Geist in ihrer schlichten Vornehmheit und reichsten Erfahrung wirken und an ihren zahlreichen Kindern und Enkeln die reinste Freude und Befriedigung finden. C. B e n e d i kt. Zu den Kammerwahlen in Frankreich. Bei den im Zuge befindlichen Kammerwahlen in Frankreich hat die antisemitische Presse es selbstredend nicht verabsäumt, gegen die gewesenen jüdischen Deputierten sowohl, als auch gegen die neuen jüdischen Kandidaten zu Hetzen. Sie hatte diesmal besonders schwere Arbeit, da in den letzten französischen politischen Skandalen kein einziger Jude auch nur die geringste Ro l gespielt hat. Die ausgelöste Kammer zählte fünf südi.che Deputierte, und zwar Joseph Reinach, Theodore Reinach. Camille Picard, der gewesene Minister Klotz und Andrst- Hesse. Alle diese sind auch in diesem Wahlkampf als ScNe 317 Kandidaten eingezogen, außerdem kandidierten noch die jüdischen Politiker Louis Dreyfus, Sohn des rumänischen Generalkonsuls, der seinerzeit auch Mitglied der Kammer war, ferner ein Sohn des berühmten Senators Cremieux und der Sekretär Clemenceaus, I. Mandel. Vermischtes. Wien. Die öffentliche Plenarsitzung deS Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde findet Montag, den 4. Mai 19 l4. 6 Uhr abends, I., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock, statt. Tagesordnung : Prüfung und Erledigung der Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fände und Anstalten für das Jahr 1913. Wien. (Trauung.) Am 26. d. M. fand im Stadttempel. I.. Seitenstettengaff-', die Trauung des Schriftstellers und Arztes Dr. M. M. Tauber mit Fräulein Anna Wasservogel Tochter des weiland I. A. Waffervogel, Vorstand des Bethausvereines „Montefiore", statt. Aerzte-, Künstler- und Schriftstellerwelt waren sehr zahlreich vertreten. Wien. (Trauung.) Donnerstag, den 14. Mai 1914. präzise V23 Uhr, find.t im Tempel, 1., Seitenstettengaffe 4, die Trauung des Fräulein Elisabeth 8 ouris, Tochter des Herrn Leopold 8 o u r i 6, mit Herrn Dr. Wladimir Eliasberg, S-Hn des Herrn ing. ehern. Scnnm l Eliasberq in Berlin, statt. Wien. (Chewra-Kadischa Wien I.) Zn der am 27. April 1914 unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Salo Cohn stattgefundcnen Plenarsitzung des Vorstandes der Chewra- Kadischa wurde dem Chef des Friedhosamtes der Aullusgemeinde und Sekretär der Chewra-Kadischo, Wilhelm F r e i st a d t, und dem Sekretärstellvertreter der Kultnsgemeinde und 2. Sekretär der Chewra-Kadischa, Emil Engel, für ihre vieljährige vorzügliche Amtstätigkeit im Dienste der Chewra-Kadischa der ganz besondere Dank und die vollste Anerkennung ausgesprochen. Weiters wurde dem Offizial der Kultusgemeinde und Beamten der Chewra-Kadischa Richard Vogel für seine Tätigkeit die vollste Anerkennung gezollt. Auszeichnung für Professor Joseph Sulzer. Professor Joseph Sulzer. der ausgezeichnete Wiener Cellist, gab in Konstantinopel mehrere glänzend besuchte Konzerte, welchen kaiserliche Prinzen, Vertreter der Diplomatie und der Finanzwell mit ihren Damen beiwohnten. Der Künstler spielt auch vor dem Sultan, der ihm schmeichelhafte Worte des Lobes sagte, eine kostbare goldene Tabat'ere mit dem kaiserlichen Namenszuge in Rubinen spendete und den Osmanje-Orden verlieh. Sulzer ist der erste österreichische Künstler, den Sultan Muhamed V durch diesen hohen Orden anszeichn'te. Wien. Mittwoch, den 29. d., feierten Herr Julius Jungmann und seine Gattin Rosa ihr 25jähriges Geschästsjubiläum als Casetier in ein und demselben Lokale. Dem im Bezirk allgemein beliebten und geachteten Jubilare kamen aus diesem Anlasse zahlreiche Glückwünsche und Telegramme zu. Am Abend versammelten sich zahlreiche Freunde und Stammgäste» um persönlich an dieser Feier teilzunehmen. Hier bewies sich, welcher Beliebtheit und aufrichtigen Freundschaft Herr Julius Jungmann, der auch Mitglied sämtlicher Ottakringer Wohltätigkeitsvereine ist, sich erfreut. Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender Wien, II.. Malzgasse 1. ' In der Dienstag, den 21. April d. I., in M. Guths Saallotalitäten staltgesundenen ordentlichen Generalversammlung widmete der Vorsitzende Herr Saul Klausner oor allem beit im abgelausenen Vereinsjahre dahingeschiedenen Mitgliedern und Gönnern des Vereines warme Worte des Gedenkens, welche zum Zeichen der Trauer von der Versammlung stehend angehört wurden. Herr Schriftführer F. Goldsarb erstattete den Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1913, der von der Versammlung beifälligst ausgenommen wurde, woraus dem Vorstande über Antrag der Revisoren einstimmig das Abfolutorium erteilt wurde. Die Anträge der Vereinsleitung betreffend die Monatsbeiträge, Kranken-

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