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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 310 Dl. Blochs ben, eines Sinnes und eines Herzens, ihre Ehrfurcht der Chewra-Kadischa bezeugen. Heil einem Volke, das solche Feste begeht! Ich möchte zum Schlüsse wiederholt auf das biblische Jubeljahr Hinweisen, daß für uns eine große, weittragende Bedeutung hat und so recht zeigt, daß die Gesetze unserer Lehre sür alle Zeiten chre Lebenskraft besitzen und nie >veralten. Wenn wir das Jubiläum eines hochverdienten Mannes feiern, so Preisen wir dessen hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft oder dessen Verdienst um die Gemeinde, um das Wohl der Allgemeinheit, und sprechen den Wunsch aus, daß der reiche Inhalt dieses Menschenlebens aus der Erinnerung nie verschwinden möge. Anders' das biblische Jubiläum, das das Wiedererwachen jenes Geistes anstr^bt, der vor fünfzig Jahren lebendig war, daß die Vergangenheit wieder zur Gegenwart gestaltet werde, daß das Eigentum, welches durch wirtschaftliches Mißgeschick verloren ging, dem alten Eigentümer wieder zufalle, daß die Freiheit, die im Laufe der Jahre eingeschränkt und Schaden gelitten, wieder unversehrt erstehe, daß die Familienbande, die sich gelockert, wieder fester geknüpft .werden. Und so spreche ich den heißen Wunsch und die mich beseelende Hoffnung aus, daß jene heilige Begeisterung, die vor 150 Jahren die Gründer der Chewra-Kadischa erfüllte und durchdrang, auch in den spätesten Geschlechtern in unverwüstlicher, unzerstörbarer Jugeudfrische sortlebe, daß unsere heilige Bruderschaft für und für, das hochragende Wahrzeichen des Judentums, das kräftig pulsierende, lebenspendende Herz der Gemeinden bleibe, die reichste Fülle von Segen verbreitend! - : Möge das hohe Lied der Menschenliebe und der .Brüderlichkeit, das hier erklungen, in aller Zukunft mächtig in gewaltigen Akkorden forttönen, und ich lade Me ein, hierauf Ihr Glas zu erheben und mit mir eM zustimmen in ein dreifaches Hoch auf unsere Chewra- Küdischa! ' - Die glänzenden, von tiefem Wissen zeugenden und in chrer jwahrhasten Begeisterung poetischen ^Ausführungen des hervorragenden Redners lösten den größten Beifall der Anwesenden aus. Tonst auf die jüdischen Wohltätigkeits-Vereine und -Anstalten. l. Vizepräsident der Kultusgcmeinde Dr. Gustav Kohu: .Hochgeehrte Festgenossen! Ein seltenes Fest hat uns heute hier versammelt, ein pietätvolles Freudenfest für unsere Gemeinde, aber auch für die ganze Judenheit. 150 Jahre! Gewiß, die sozusagen formuliert älteste Chewra-Kadischa; aber, wie schon der verehrte Herr Oberrabbiner herrlich ausgeführt, nicht die älteste, denn die Chewros-Kadischas sind so alt wie das Judentum; sie sind hervorgewachsen aus dem jüdischen Familiensinn. ffiix wurde — wie schon wiederholt im Laufeder Jahre bei den Chewra-Suden — die freundliche Einladung,.den Toast auf. die jüdischen Wohltätigkeitsvereine .und' -Anstalten zu sprechen, eine Aufgabe, der ich mich heute um?so freudiger unterziehe, als die Wohltätigkeitsanstalten in den : heutigen Tagen der persönlichen Gehässigkeit, der Zerklüftung, einem Lichtstrahl''bildest/einen Lichtstrahl, denn hier ist im Gegensätze zu den ttaürigen Erftheinungen der Jetztzeit volle Einigung in der Beurteilung der. Leistungen, volle Eintrachüund der Ausdruck und die Betätigung zu finden, daß unsere altehrwürdige Lehre und Religion eine Lehre und Religion der Liebe ist. An der Spitze aller jüdischen Wohltätigkeitsanstalten, -Vereine und Wohlfahrtseinrichtungen , steht unsere Chewra-Kadischa, über welche, über deren Geschichte, deren Wesen und Tendenz der verehrte Herr Oberrabbiner sich Wochenschrift. Nr. 1» beredten Wortes ausgesprochen hat; nichtsdestoweniger muß dieselbe nochmals erwähnt und genannt werden, wenn von Wohltätigkeits-Institutionen die Rede ist. Es gibt kaum ein Gebiet der Menschenliebe, das sie nicht erfaßt. Sie widmet ihre Fürsorge nicht bloß pietätvoll unseren teuren Toten, sottden mitten im Leben stehend, wendet sie ihre hingebende Tätigkeit den Lebenden zu und lebt bei dem steten herzerhebenden Verkehr mit den Lebenden selbst ein kräftig pulsierendes Leben. Um unsere Chewra-Kadischa gruppieren sich eine große Zahl von jüdischen Wohltätigkeitsvereinen, Wohltätigkeitsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen, welche sich der Jugend und des Alters, der Kranken, Bresthasten und Bedürftigen, der Witwen und Waisen warm annehmen; der Jugend in richtiger Würdigung, daß diese das wertvollste Element der Völker und Religionen ist und daß sie die Garantie für den Bestand und für die Erhaltung, sowie für das Wachstum derselben gibt, daß in ihr unsere Zukunft ruht; des Alters in der richtigen' Erwägung, daß wir schon wegen der Jugend dem Alter unsere Dankbarkeit bekunden müssen, daß die jüdische Geschichte auch eine Geschichte der jüdischen Pietät ist ■ daß wir unsere Alten zu ehren schon von unserer heiligen : Lehre angewiesen sind, daß unsere Gebete zu Gott dahin st gehen, daß er uns im Alter nicht verwerfen, nicht verstst lassen möge, und.daß wir in der anzustrebenden höchstem'-.")! Sittlichkeit und Gottähnlichkeit unsere Alten nicht verlassen dürfen, um selbst nicht verlassen zu werden; der Kranken und Bedürftigen, der Witwen und Waisen in' vollster Erfüllung der Vorschriften unserer heiligen Bibel, j welche die liebevolle Unterstützung derselben uns immer und immer zur Pflicht macht. . j-,: So entstanden die vielen Wohltätigkeitsinstitutionen für die Belehrung und Erziehung unserer Jugend, für u ihre Ausbildung und Heranziehung zu ehrlichen Berufen, im zu wackerest nützlichen Mitgliedern der Menschheit, zu : braven, edlen Menschen, zu treuen, unentwegt' stolzen / Bekennern unserer altehrwürdigen Religion, zu Kämpfern;j für Ideale und Menschheit, zur Ausrüstung für den,f-V Kampf des Lebens; durch die Schaffung von Kindergärten, M; Kinderhorten und Kinderbewahranstakten, von Ex-l ziehungsinstituten in der Form der Waisenhäuser, so insbesondere des Max Springerschen Waisenhauses aus /st der Initiative des Baron Gustav Springer, Knaben- und' Mädchenwaisenhauses des Waisenvereines und der von stst einer edlen Frau errichteten Merores-Jtzeles-Stiftung, M; durch das Baron Königswarter'sche Blindeninstitut, das Kolisch'sche Taubstummeninstitut, Königsberg'sche M} Mädcheninstitut, eine Fülle von Talmud-Thora- und, st Schulvereinen, durch den Mädchenunterstützungsverein, sts den Handwerkerverein, das Ferienheim, Speiseanstaltest/!st und Lehrmädchenheime, das Institut für Verkrüppelte st in Laa und viele, viele andere.!a SP. entstand für die Ehre des Judentums die Jsrae-st litischr'Allianz, so entstanden für alle Zwecke der Wohl-st" tätigkeit die vielen Schöpfungen der B'nai B'rith; fürstst unsere Kranken das aus der hochherzigen Initiative beS.j'j Hauses Rothschild gegründete Gemeindespital, die ver-^st schiedenen Krankenvereine Und Kurverbände, das Rekonfl valeszentenheim Philanthropia, das Arbeiterinnenheim des Frauenhorts, der Seehospizvereist und viele andere!' st So entstand für unsere Alten das VersorgungspMstH Siechenhaus unserer Gemeinde, welches 300 HersostssNstst faßt, aber trotzdem leider kaum der Hälfte der aufnahE^st heischenden Glaubensbrüder und -Schwestern dies.notwendige Hilfe bieten kann, der Greisinnen upd alhs.-chj Männer-Fürsorgeverein und viele andere, für& Armen die Baron Hirsch-Stiftungen, BekleidUngsvereine, l / Volksküche und Ausspeisungsvereine, die vielen ftgenAstj!.. reichen Frauen-Vereine, junb JastBotlerstbie alte Armenanstalt unserer Gemeinde, die Zentralstelle für das jüdische

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