Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 18 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Sette 307 Nr. 18 Dr. NLochs fSoMrift des Allerhöchsten Thrones niederzulegen. Die Mitglieder dieser im Dienste der Krankenhilfe, der Linderung der Not und der Unterstützung von Witwen und Waisen tätigen Vereinigung fühlen sich eins mit allen Bürgern dieser Monarchie in dem tiefiünigsten Wunsche: Unser heißgeliebter Kaiser, der gütigste Herrscher, der liebevolle Vater der Kranken und. Bedrückten, möge baldigst gesunden und erstarken und den Völkern dieses Reiches noch lange, lange erhalten bleiben. Präsident J&alo Cohn. Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann. Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern. Vizepräsident Dr. Markus Spitzer." Hiemit war der Reigen der offiziellen Trinksprüche eröffnet. Den Toast auf die Chewra-Kadischa sprach Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann. Toast auf die Chewra-Kadischa. Oberrabbiner Dr. Güdemann; Ehrenmitglied der Chewra-Kadijcha Hochgeehrte Versammlung! Wenn ich heute das Wort ergreife, so geschieht es im Hinblick auf den außerordentlichen Anlaß dieses Festes, im Hinblick auf das Jubiläum der Chewra-Kadischa. Sie schaut heute auf einen Zeitraum von 150 Jahren ihres Bestandes zurück und ich darf mich rühmen, ihr fast während eines Drittels dieses Zeitraumes als Ehrenmitglied anzugehören. Ich begehe also in dieser Eigenschaft gewissermaßen auch-ein Jubiläum, und ich kann den Dank für dieses Erlebnis nicht besser betätigen als dadurch, daß ich dem Alter und den Werken der Chewra-Kadischa meine Huldigung darbringe. " Wie alt ist das ehrwürdige Institut der Chewra- Kadischa? Unsere Weisen machen darauf aufmerksam, daß Gott auf dem ersten Blatt der Thora das Amt des Brautführers ausübt, indem er Eva dem Adam chs Gattin zuführt, und daß er auf dem letzten Älatt der Thora die Totenbestattung vollzieht, indem er. Moses zur letzten Ruhe bettet. In dieser letzteren Eigenschaft ist also Gott selber der Gründer der Chewra-Kadischa. So alt und ehrwürdig ist ihr Ursprung, fie; ist eine Schöpfung von Gottes Gnaden. Diesem heiligen Ursprung der Chewra-Kadischa entspricht auch ihre heilige Tätigkeit. Die Chewra-Kadischa hat es nur mit Werken des Friedens und der Liebe zu tun. In Dantes „Göttlicher Komödie" steht auf dem Portal der Hölle die Inschrift: „Laßt alle Hoffnung fahren, ihr, die ihr eintretet!" Die Chewra-Kadischa macht aus der Menschheit, die auch oft eine Hölle ist, einen Friedenstempel, an dessen Portal die Inschrift glänzt: „Friede, Friede dem Fernen wie dem Nahen!" In dieser Hinsicht ist die Chewra-Kadischa das Vorbild für unsere Gemeinde, und diese hat sich jenes schöne Vorbild immer vor Augen gehalten. Von unserer Gemeinde kann man wie von Schillers „Glocke" sagen:„Concordia soll ihr Name sein", oder auch, um ein anderes Wort Schülers zu Zitieren, ihre Devise war und ist: „Seid einig, einig/ einig!" Ich beglückwünsche deshalb den verehrten Präsidenten ünserer Gemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, der ihre Einigkeit sorgsam hütet, ich beglückwünsche meinen alten und lieben Freund Herrn Salo Cohn, den Präsidenten der Chdwra-Kadischa, der gleichfalls das Panier der Einigkeit hochhält, ich beglückwünsche endlich alle, die bei diesem Brudermahle in Liebe und Eintracht versammelt find, und als ältestes Ehrenmitglied der Chewra-Kadischa lade ich Sie ein, mit mir einzustimmen in den Ruf: „Möge unsere Chewra-Kadischa als ein Bild und Vorbild des Friedens blühen und gedechen! Sie lebe hoch!" Unter dem Eindrücke dieser Ausführungen erhöh sich der Präsident Salo Cohn, um der Versammlung die Mitteilung zu machen, daß er sich entschlossen habe, der Chewra-Kadischa neuerlich eine Spende von hunderttausend Kronen zu widmen. Er sagte: Die wahrhaft zu Herzen gehenden Worte unseres hochverehrten Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann kann ich nicht anders und nicht besser würdigen, als daß ich die Spende von 50.000 Kr., welche ich im vorigen Jahre anläßlich meines 70. Geburtsfestes für Zwecke der Chewra-Kadischa gespendet habe, heute durch eine weitere Zuwendung von hunderttausend Kronen auf 150.000 Kr. ergänze. Ich widme diese Spende aus Anlaß der 150jährigen Jubelfeier der Chewra-Kadischa, zur Erinnerung an diesen Festabend und nicht zuletzt als ein Zeichen der besonderen Verehrung für unseren » hochverehrten Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann. (Anhaltender, sich mehrfach wiederholender stürmischer Beifall und Hoch!-Rufe.) Den Dankgefühlen aller Anwesenden für diese hochherzige Entschließung gab in seiner gewohnt meisterhaften Art der Vizepräsident der Chewra-Kadischa Dr. Markus Spitzer durch folgende Ansprache beredten Ausdruck: Ich halte es für meine unabweisbare freudige Pflicht, unserem hochverehrten Präsidenten Herrn Salo Cohn für seine hochherzige Spende den> innigsten Dank des Vorstandes wie auch sämtlicher Mitglieder der Chewra- Kadischa zum Ausdruck zu bringen, und möge man es mir gestatten, daß, nachdem wir uns bei einer Chewra-Sude befinden, ich einige wenige Bemerkungen unter Anlehnung an unser Schrifttum hinzufüge: Die Bibel erzählt uns in allen Details die Einrichtung der Arche Noahs, und da wird u. a. davon gesprochen, daß Noah in der Arche einen Zohar anbrachte. Ein alter Lehrer bemerkt hiezu, daß Zohar ein helkfunkelnder, kostbarer, glänzender Edelstein war, der in der Nacht strahlendes Licht verbreitete. So ist auch das Herz des hochherzigen Spenders ein weithin leuchtender Edelstein, der die Nacht der Not, des Elends und der Sorge erhellt. Unser Präsident stammt aus dem Geschlechte der Kohaniten, und wenn auch das Priestertum seit der Zerstörung des Tempels aufgehört hat, die Priesterschaft lebt doch weiter. Eine der wichtigsten Aufgaben der Priester war, das Volk zu segnen, u. zw. sollte dieser Segen von den Priestern „bi-n'siaß kapajim", „mit offenen, erhobenen Händen", erfolgen. Unser Präsident ist ein solcher Priester, der mit offenen Händen segnend durchs Leben schreitet. Die Heilige Schrift fügt dem Priestersegen zwei Worte, welche Gott gesprochen hat, hinzu: „wa'ani aworachem" r— „Die segenspendenden Priester werde ich segnend' Und so möge der reichste Segen Gottes dem Präsidenten unserer Chewra-Kadischa zuteil werden, sein Haus möge -stets eine Stätte unseres Glaubens, eine Zierde und Vorbild unserer Ge-- meinde bleiben, und ich lade Sie ein, mit mir ein dreifaches Hoch auszubringen auf Herrn Salo Cohn, dessen edle, hochherzige Gattin und lassen Familie! Wir lassen nun der Reihe nach die weiteren offiziellen Trinkfprüche in ihrem Wortlaute folgen: