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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 304 Dr. Slochs Wochenschrift Preis und Lob denen, die vor uns waren und die uns unübertreffliche Muster echten und rechten Chewrawaltens hinterlassen haben in Werken, die nicht nur der Vergangenheit, die vielmehr der Geschichte, der Geschicte unserer Gemeinde angehören. Aber nicht daran, sie zu preisen, dürfen wir uns genügen lassen no-i rr dtoh ab lortwirken soll ihr Geist in uns, fortwirken in unseren Kindern und Kindeskindern! cbw -lynnpa ,T ■'ins« zum Preise Gottes, zur Ehre des Judentums, zum Wolile unserer Gemeinde und zu immer höherem Glanz und Ruhm unserer mit unvergänglichem Lorbeer geschmückten Chewra! Unserem 150 jährigen Jubilar, der noch immer jugendfrischen Bruderschaft, der Chewra-Kadis e h a Wien, ein jubelndes Hallelujali heut Und immerdar! Amen. Mit beut ,.Adaun 3CuIo:n", welches burch Oberkantor Morgenstern unb dem Verstärkten Chor zum Vorträge gebracht würbe, schloß die synagogale Feier, bie sowohl burch biefe Festpredigt als burch bie außerorbentliche Gesangsleistung bes Oberkantors weihevollste Stimmungen auslöste unb allen Teilnehmern in bauernder Erinnerung bleiben bürste. * * * Das B rüde finalst. Das Brudermahl in bem herrlichen großen Saale des Wiener Konzerthauses gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis ersten Ranges. Für viele, die der Einladung des Vorstandes der Chewra-Kadischa gefolgt waren, war dieses festliche Brubermahl ein Erlebnis, welches chnen die große erhaltende Kraft, die dem Judentume innewohnt und sich jedem, der an ihm teilhaben will, mit überwältigender Macht mitteilt, zum Bewußtsein brachte. Und wieder für andere war das Erscheinen bei diesem Feste der Erinnerung an hundertfünzigjährige jüdische Wohltätigkeit, an den Anteil, welchen die Juden an allen Kulturwerken und Errungenschaften auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge in den verflossenen eineinhalb Jahrhunderten hatten, ein offenes Bekenntnis ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft, die sich auch in einer aktiveren Form als in der Entrichtung der Kultussteuer dokumentieren möchte. Das Bild, welches sich an jenem Abend dem Beschauer darbot, war ein imposantes und zum Nachdenken anregendes. Es war eine Versammlung aus den besten Kreisen der Wiener Judenschaft, eine Versammlung von Vertretern aller Gebiete unseres modernen Lebens, und alle, die an den gedeckten Tischen bei festlichem Mahle Platz nahmen, hatten bas Gefühl, einen historischen Gedenktag mitzufeiern, dessen Bedeutung in der Geschichte der Wiener Judenschaft und mittelbar in der Geschichte der Juden Oesterreichs diejenige einer Veranstaltung eines Vereines weit übertrifft. Und so wurde in den einzelnen Reden und insbesondere vom Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, in seinem Trinlspruch auf den Kaiser darauf hingewiesen, daß bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Chewra- Kadischa das einzige festgefügte soziale Gebilde in der österreichischen Judenschaft war, und daß das Juhiläum des hundertfünfzigjährigen Bestände?, der Wiener Chewra- Kadischa eigentlich zum Teile ein Jubiläum der,gesamten Judenschaft in Wien und — man darf es ohne Uebertreibung sagen — auch ein Jubiläum der Judenschaft der Monarchie ist. Dieser Gedanke kam denn auch in den weitesten Kreisen zum Durchbruch und gelangte in den verschiedensten Formen zuut Ausdruck. In zahllosen Zuschriften sowie durch die Entsendung von Deputationen sowohl zum herrlichen Festgottesdienste als auch zum Brudermahle, wurde der bisherigen hervorragenden Nr. 18 Tätigkeit dieser großen Humanitären Körperschaft die uneingeschränkteste Anerkennung gezollt. Diese Anerkennung fand auch ihren Ausdruck darin, daß sehr viele der Chewra als Mitglieder beitraten, um von nun ab teilzunehmen an/den verschiedenen segensreichen Aktionen der Chewra-Kadischa in Wien. Diese Form der Anerkennung ist um so bedeutsamer und um so wünschenswerter, als die Chewra-Kadischa gerade in jüngster Zeit ganz neue, moderne Bahnen der öffentlichen Wohltätigkeit und der Krankenfürsorge eingeschlagen hat, welche einen ganz bedeutenden Aufwand an Mitteln erheischen und nur dann so großzügig werden durchgeführt werden können, wie es den Führern der Chewra-Kadischa vorschwebt, wenn alle Wiener Juden, treu der Tradition ihrer Väter, es als ihre eminenteste Judenpflicht ansehen werden, der Chewra-Kadischa in Wien als Mitglieder beizutreten und ihre Wohlfahrtspläne kräftigst zu fördern. In anderen Städten, besonders im Auslande, wurde die Wahrheit dieses Gedankens längst erkannt. In Wien sollte es wenigstens von nun ab auch so werden. Ein herrliches, nachahmenswertes Beispiel für die richtige Erfassung der Wichtigkeit der Chewra-Kadischa und ihrer Institutionen hat der Präsident dieser angesehenen Körperschaft, Herr Salo Cohn, gegeben, indem er anläßlich dieser Jubelfeier die vor kurzer Zeit, 'gewidmete Spende, von Kr. 50.000.— zugunsten des demnächst in Baden zu eröffnenden Erholungsheimes der Chewra-Kadischa auf Kr. 150.000.— erhöht hat. Herr Salo Cohn hat durch diese Spende ein sehr wichtiges Werk der Wiener Chewra-Kadischa für alle Zukunft gesichert, und es wird den, Intentionen des Spenders sicherlich am besten entsprechen, wenn er recht bald Nachahmer finden würde, damit das durch seine Munifizenz möglich gewordene Erholungsheim baldigst erweitert und ausgestaltet werden könne. Kurz nach 7 Uhr — das Orchester hatte bereits Meyerbeers Krönungsmarsch gespielt — erfolgte die M itC', Begrüßung der Festgäste durch Präsident und Ehrenmitglied der Chewra-Kadischa Salo Cohn: Hochverehrte Festversammlung! Im Namen unseres Vorstandes begrüße ich-. Sie, nperehrte Herren, auf das Herzlichste und freue mich, die Vertreter unserer auswärtigen Kultusgemeinden und Chewra-Kadischas in unserer Mitte zu sehen. Ich habe bereits vor mehreren Jahren darauf hingewiesen, daß sich in unserem Archive nach Dr. Gerson Wolf eine Einladung zu einer Chewra-Sude aus dem Jahre 1320 unter der Regierung Friedrichs des Schönen befindet. Die Namen der Unterzeichner haben sich teilweise noch bis heute in unserer Gemeinde erhalten. Seitdem haben harte Schicksalsschläge unsere Glaubensgenossen betroffen, aber der hohe Sinn für Wohltätigkeit ist ihnen stets getreu geblieben. Im Jahre 1763 fanden sich einige junge Männer, die bei der Hofkammer der Kaiserin Maria Theresia um die Bewilligung der Statuten unserer heutigen Chewra-Kadischa einkamen und im Jahre 1764 wurde ihnen dieselbe gewährt. •. ♦ So feiern wir heute den 150. Jahrestag der Gründung unseres heiligen Vereines, und wir wollen in aufrichtiger Dankbarkeit unserer Gründer gedenken. Wir selbst haben zur Erinnerung an den heutigen Tag ein Haus mit Garten in Baden gekauft, um Erholungsbedürftigen unentgeltlich eine gesunde Wohnung zu überlassen. '

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