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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr, 18 Dr. Blocks Wochenschrift Seite 303 Hülle unserer geliebten Toten uns abnimmt vom Eintritt des Todes bis feur würdigen Bestattung; wenn die Chewra uns selber, und gingen wir noch so einsam durchs Leben, den einen Trost läßt, und wenn auch sonst kein Mensch', wenn selbst unser Kind, unser Fleisch und Blut, unserem Sarge nicht folgen sollte: die Chewra, sie bleibt uns treu, sie verläßt uns nicht auf unserem letzten Gange, ihre Liebe durchduftet und verklärt unsere letzten Stunden: unser Sterbelager, unseren Sarg, unser Grab schmückt sie mit den Blüten der Taharo und der Zedokot Für den Fortbestand unseres Vereines kann es keine bessere Bürgschaft geben als die Tatsache, daß so manche Lücken, die der Tod in unsere Reihen gerissen, vollwertig sich schlossen durch den Eintritt von Kindern und Enkeln in unausgesetzt fortlaufender Geschlechterfolge p HTTP “TH nr*ö p “X" n—im?*« Ein Verein, in dem die Jugend das Werk der Väter in ihrem Geiste fortsetzt., ein solcher Verein, der kann, nicht untergeben, über den hat der Zahn der Zeit, der Geist der Vernichtung die Macht verloren. Was unser Verein, dieser Hohepriester des Mitleids, schon an Segen nur allein im Trauerhause gestiftet, wo selbst die härtesten Gemüter weich und wie das Saatfeld nach Gewitterregen. empfänglich werden für jeden kleinsten Liebesdienst, für jedes teilnehmende Wort, — was er dort für die Aufrichtung gebeugter Seelen, für die Bekehrung Gott längst entfremdeter Herzen geleistet, daran reicht keines Priesters Kunst und keines "Wortes Macht. Stumm wie der Tod ist ihre Tat, abgrundtief wie das Lehl ist. ihre "Wirkung. "Wenn sich mit dieser "Wirkung an Segen noch ehrns messen darf, so ist es höchstens ein zweiter Tätigkeitskreis der Chewra. ' In unserem Hauptgebet, der Schemaune esre, nreison wir bekanntlich Gott aU i-th ■»•f* . als Emvecker der Toten. Im Tempel zu Jerusalem aber, da wurde am Versöhnungstage in einer Botschaft an den Hohenpriester Gott nicht bezeichnet als r*!-*- -r-»?. sondern als als Erhalter des Lebens, der des Lebens Lehen ist. de" alles, was mit dem Leben um das Leben ringt, am Leben erhält. Und welcher Schöpfung von Menschenhand gebührt dieser Ehrentitel i-»-rt —mit größerem "Recht als unserem Verein, der als eehtnr Hohenwiestru’ "HW sowohl den Toten den letzten Liebesdienst als vor allem den Lebenden. Kranken und Heilbedürftigen, die um ihre Gesundheit ringen, sich hilfreich erwe’st! "Wer verdient, mehr als er für seine unermeßliche Betätigung des Mitleids alle" "Welt ungeteilte Mitfreude heute an seinem Ehrentage, der 'zugleich ein Triumnh der Menschenliebe, ein Fest- und Jubel- und Ehrentag ist für unsere ganze "Wiener Kultusgemeinde! TH.' Und dies in mehr als einem Sinne! "Wenn wir die - Chronik unserer Chewra durchmustern, dann erfüllt es uns mit. Stolz, daß so oft die klangvollsten Kamen der Wiener Judenschaft, oft Führer unserer Gemeinde in goldenen. Lettern auf den Ehrenblättern unserer Chewra prangen. Namen, die der ganzen Judenheit und unserer herrlichen Stadt, ja der gesamten Menschheit zur Zierde gereichten und von denen so mancher einen Adelsbrief bedeutet und einen Ritterschlag reinster Humanität.. War es doch einst, wie noch heute in anderen Großgemeinden, auch hier in Wien stillschweigende Ve":nflichtung für ieden Juden, den das öffentliche Leben auf ragenden Posten stellte, mit stolzem Bekennermut auch im jüdischen Leben, in Gemeinde und Chewra ein Ehrenamt zu führen getreu-der Familientradition i-k-v** v; ..Das Wohl Deiner jüdischen Brüder muß dir heilig und ans Herz gewachsen sein!“, so daß unsere heutige Vereinsgedenkfeier eigentlich auch ein Famib’engedenkfest sein sollte für manches stolze Haus der Wiener Judenschaft. Und blicken wir gar auf die Liste der Männer, die uns die Geschichte als Gründer und erste Führer unserer Chewra" nennt, so gereicht es uns zur Genugtuung nicht nur. daß" die Familiennamen der Gründer unserer Gemeinde unter ihnen glänzen, sondern weit mehr noch, daß von diesen Werth’eimer, Leidersdorf und manchen anderen noch' heute Urenkel und Urenkelinnen durch rühmenswertes Wirken in unserer Gemeinde das Andenken ihrer Ahnen mit immer neuem Lorbeer schmücken. Aber noch weit mehr erfreut uns eine andere Erinnerung aus den Anfängen unserer Chewra. Nicht mir fortgesetzt hat unsere Jugend der Väter Werk, nein, die Jugend — und das steht wohl einzig da in der Geschichte aller Chewrns —. die Wiener jüdische Jugend, sie hat dieses Werk eingeleitet, sie hat zur Gründung un^e"e" Chewra das Vorbild und den Anstoß gegeben, so daß wir. ein altes Wort variierend, heute nach 150 Jahren jenen wackeren jungen Juden ins Grab nachrufen dürfen: Tnr-j-n r« H'-rr ..PeJ dieser Jugend-, die da-- Alter t>e--cbämte, ihm mit guten Beisniel voranging!“ Hier bei der Gründung unserer Cbewra war wirklich das Kind de" Vater des Mannes, die Jugend die richtunggebende Meisterin des reipen Alters. Und wenn unsere Weisen sägen: *4*t',**“? w.f'Hi ..die Jugend ist ein Kranz duftiger Rosen“ — Heil jener unserer jüdischen Jugend vor 150 Jahren, die ihre Zeit der Rosen dazu nützte mit dem Eeue"eifer jugendlicher Begeisterung und dm- Reinheit, kindlich-frommer Seelen die heiligen Werke, der Chewra zu üben! Diese Erinnerung, dieses strahlende Bild aus der Vorgeschichte unserer Chewra. ist es nicht ein glückverheißend Wahrzeichen für alle Zukunft? Dieses Erinnerungsbild ist die schönste Titelvignette, mit der wir unser ruhmreiches Sefer tillim. die Geschichte unserer Chewra, schmücken können. Das bib’ische Buch de" Psalmen beginnt mit dem Worte: 'HrK „Heil“, und schließt, mit einem jubelnden .-p-hLy, Audi die Chronik der Ruhmestaten unserer Chewra nimmt ihren Anfang mit einem *hpk- *rpiH*?' „Heil unserer Jugend“. Diesen Geist der Jugend aus der Frühzeit unserer Chewra. ihn möge nie aus unserer Mitte schwinden lassen der ewige Gott, dem wir jetzt aus tiefster Steele danken' für die Gnade, mit der ec unsere Chewra in Ehren und zum Siege'i für Unzählige bis heute geleitet! Dank den Behörden unserer Stadt und der Bevöl kerung. die im Laufe dieser l1/., Jahrhunderte so oft durch freundliches Entgegenkommen und verständmsvoRes Zusammenwirken unsere Chewra-Kadischa gefördert haben, deren Name längst volkstümlich geworden in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft. Dank den erlauchten Herrschern aus dem Hause Habsburg, unter deren huldreichem Schutz unsere Chewra sich so friedlich und erfreulich entwickeln konnte! Dank in erster Reihe unserem edelherzige», innigstgeliebfen Kaiser, der uns in allen Werken der .Menschen pflfcht und Nächstenliebe gedeihliche Bahnen weist durch weises Wort, vor allem aber durch das eigene leuchtende Beispiel, — dem unermüdlichen Helfer aller Bedrückten und Notbefadenen. für dessen völlige Genesung und langes Leben wir die heißesten Bitten gen Himmel senden in dieser feierlichen Stunde! Mit einem HCK hat unser Werk einst begonnen, und so wollen wir es jetzt zum Schluß mit einem zuversichtlichen Hallelujah feiern.

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