Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 292 Dr. Blvchs hatten, wurde die Wahl des 'Ausschusses vorgenommen. Am 15. ds. konstituierte sich der Ausschuß und wurden Dr. Jakobs o h n zum Präsidenten, die Herren Platz und Beer zu Vizepräsidenten, Dr. Kahane und Dr. Wolfmann zu Schriftführern, Adolf Hecht und Isidor Willner zu Kassieren einhellig gewählt. — Allfällige Zuschriften sind zu richten an: Dr. Mar I a k o b s o h n, I., Biberstraße 11. Akademischer Verein „Mdische Kultur". Der akad. Verein „Jüdische Kultur" veranstaltet aus Anlaß des 50jährigen Geburtstages seines Gründers Dr. Nathan Birnbaum in der Wiener Universität eine große Jubiläumsfeier, bei welcher Herr Dr. I. W e r t h e i m die Lestrede Hallen und Herr Dr. Mar Präger aus den Werken des Jubilars lesen wird. Saal und Zeit wird später bekannt gegeben. Montag, den 27. d. M. wird der Schriftsteller Herr Jehuda Langen maß aus seinen Dichtungen vorlesen. Donnerstag, den 30. d. M., spricht Herr cand. jur. Wachmann über: „Podle- Zionismus". Beginn 7 Uhr abends im Vereinslokale, IX., Hörlgasse 11. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Der Verein „Kaiser Franz Josephs-Kinder- Hvrt" zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XII. bis XV. Bezirk, Herklotzgasse 21, veranstaltet am 9. Mai dieses Jahres im Hietzinger Parkhotel ein F r ü h l i n g s f e st, zu dem folgende Künstler ihre Mitwirkung zugesagt haben: Fräulein Günther vom Theater a. d. Wien, Fräulein Ä l d e r vom Johann Strauß-Theater, Herr Joses Mann von der Volksoper, das Ehepaar Tautenhayn vom Theater a. d. Wien und Homunkulus Herr Dr. Robert Weil. Nach den Vorträgen wird getanzt. Die Musik besorgt dir Kapelle des 24. Infanterie-Regiments. Wir machen alie Freunde und Gönner dieses Vereines auf die Veranstaltung aufmerksam, um deren Gelingen das rührige Komitee, mit der Präsidentin Frau Emmy Fischler- L a n d e i s an der Spitze, sehr bemüht ist. Austritte aus dem Judentum. Vom 12. April bis 18. April 1914. Bernstein Paniine, Bankbeamlin, geb. 6. August 1889, Wien, VII., Kaiserstraße 6. Böhm Richard, Privatbeamter, XVIII., Gerslhoferstraße 67. Fachs Helene, Private, geb. 3. August 1890, Wien, II., Rembrandstraße 37. Hantner Albert, Zeitungskorrespondent, geb. 14. April 1872. Tr?-- bitscb, IX., Schubertgassc 14 Mahr.-Ostrau. Eine der populärsten jüdischen Persönlichkeiten unserer Stadt, Herr Moritz Krasny, begeht am 28. d. den 70. Geburtstag. Diesen Anlaß benützte der Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, dem Herr Krasny seit längerer Zeit als erster Vizepröses angehört, um demselben beim öffentlichen Morgengottesdienste des achten Pessachtages eine allgemeine Ehrung zu bereiten. Im dichtgefüllten Tempel, im Beisein aller Kultusräte. und der Ausschußmitglieder sowie der Vertreter der zur Gemeinde gehörigen Tempelvereine wurde der Jubilar zu Maftir aufgerufen, wobei die Mastirlektion aus der neuen prächtigen Thorarolle, die eine Spende des Jubilars ist, vorgelesen wurde. Nach dem zweiten Segensspruche sang Herr Kantor Kläger einen feierlichen Mischeberach. Herr Rabbiner Dr. Spira hielt eine Ansprache und überreichte eine hebräische Urkunde, mit welcher ihm das Rabbinat den Morenu-Titel verlieh. Sodann trug Herr Oberkantor Löwy einen zu diesem Zwecke versüßten großartigen Mischeberach in künstlerischer Weise vor. Herr Krasny bedachte die jüdischen Ortsarmen, die religiösen Institutionen und humanitären Anstalten mit namhaften Spenden. Nach dem Gottesdienste geleitete der Gesamtvorstand den Gefeierten in den Sitzungssaal der Kultusgemeinde, wo Herr Kultusvorsteher Dr. Alois Hilf in einer gediegenen Festrede die Verdienste des ersten Kultusvor-- steher-Stellvertreters würdigte und das über Bestellung des Vorstandes angefertigte Oelbildnis enthüllen ließ. Diesem solennen Akte folgten die Gratulationen des Bikurcholim-Vereines, des Gemiluthchäsiodim-Vereines, des Vereines Jüdische Volksschule, des Hilfsvereines jüdischer Handwerker rc. Der jüdische Frauenwohltätigkeitsverein, welchem die Gemahlin des Jubilars, die unermüdliche Frau Lina Krasny, vorsteht, entsandte noch am selben Tage in -Hie Krasny'sche Wohnung eine Deputation, welche die Glückwünsche des Vereines üherbrachte. Am darauffolgenden Sonntage gratulierten korporativ" die Beamten und Angestellten der Kultusgemeinde unter gleichzeitiger Uebergabe eines schön ausgestatteten Photographie-Tableaus,.!wobei Herr Rabbiner Dr. Spira und Herr Rabbiner-Stellvertreter Dr. Faerber;,,je eine Ansprache hielten. Herr Dr. Faerber übermittelte eine soeben den Druck verlassende und dem Vizepräses gewidmete Schrift als' Zeichen persönlicher Wertschätzung, Herr Oberkantor Löwy den kalligraphisch ausgeführten Mischeberach. Nachmittags versammelten sich die Mitglieder der Humanitätsvereinigung B'ne Berith-Troppau im Saale der hiesigen Kultusgemeinde ebenfalls zu einer außerordentlichen Ehrung Krasnys. — Herr Moritz Krasny, kommerzieller Direktor der Firma Gebrüder Eutmann-Wien, steht seit 45 Jahren «miamtffl. I? ununterbrochen in diesem Verhältnisse. Seit 33 Jahren gehört Krasny der Leitung unserer Kultusgemeinde an. Es gibt kein Gebiet des hiesigen jüdischen Gemeindelebens, auf dem er sich nicht reichlich betätigt hätte. Er ist regelmäßiger Besucher der Freitagabend- und sabbatlichen Gottesdienste, und es ist eine wahre Freude, zu sehen, wie der greise Großvater mit seinen Enkelkindern zur Andacht erscheint, dieselben belehrend und im Gebetbuchs unterweisend. Alle Kinder leben im Geiste des Judentums und lieben mit inniger Zärtlichkeit den Vater. F. Ausweis -er Pesfachspenden für die jüdischen Grenzsoldaten in Tnzla (Bosnien). Israelitische Kultusgemeinde Drohobycz Kr. 25.—, Dr. Sicher, Rabbiner in Nachod (Böhmen) 20.—, Alfred He l:r, Altlengbach, 10.—, Brünn 11 5.—, Jul. Platschet, Straßnitz, 3.—, Chewra- Kadischa und Privatleute in Saaz 40.—, L. Brer's Witwe u. Söhne, Holleschau, 20.—, Dr. M. Nadel, Krakau, 5.—, Langer u. Nadel, Krakau, 5.—. Zusammen Kr. 133.—. Unterzeichnete sagen aller an der guten Sache Beteiligten bestens Dank. Moritz Kronberger, Dr. E. Frankel, Tempelvorsteher. Rabbiner. Spenden sind zu senden an das Rabbinat Dol. Tuzla, Bosnien. Lautenburg Wpr. Am sch'wi schel Pessach verschied nach einigen Monaten schweren Leidens im Alter von kaum 38 Jahren die Gattin unseres allseits beliebten Oberkantors Herrn Markus May geb. Minna Scharfer aus Stanislau. Die zahlreiche Beteiligung an der Sonntag, den 19. April, stattgehabten Beerdigung war ein beredter Beweis für die Liebe und Verehrung, die sich die Verstorbene in allen Kreisen erworben hatte. Im Trauer hause hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Pick-Strasburg Wp. der Verblichenen einen warmen Nachruf, welcher auf alle Anwesenden tiefen Eindruck machte. Eine unübersehbare Menschenmenge gab der Toten das letzte Ehrengeleit auf den israelitischen Friedhof, wo Herr Kantor Rainowitsch - Strasburg die hebräischen Ecvete vortrug. Auch hier hielt Herr Rabbiner Dr. Pick die Grabrede, in welcher er die Religiosität und stille Wohltätigkeit der Heimgegangenen schilderte. Zum Schlüsse nahm der trauernde Gatte Abschied von der teuren Toten auch namens der Kinder. Der Hube auf dem Theater. Rach einem Vortrage von Tr. S i m ch o w i tz, Dramaturg der Kölner Theater. , Das Theater ist nicht nur eine Stätte der Kunst, sondern auch ein Spiegelbild der Kultur. Darum gibt das Theater auch Aufschluß über die kulturellen Vorgänge im Judentum, vor allem über seine Achtung und Nichtachtung in den verschiedenen Zeiten. So lange es ein Theater gegeben hat, sagt Dingelstedt, hat es auch Juden auf dem Theater gegeben. So war es schon in der Antike. Ein ägyptisch-hellenischer Jude schrieb schon im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ein Drama, das den Auszug aus Aegypten behandelt und dessen Held Moses ist. Das aus uns gekommene Fragment beweist, daß es ein Drama zur Verherrlichung der Juden war,, hie damals eine außerordentliche Propaganda unter den ^Völkern der römisch-hellenistischen Welt entfalteten. Das mittelalterliche Drama zeigt ausgesprochen christlich-religiösen Charakter; es ist entweder hohen Stils und beschäftigt sich mit dem Leben Jesu (Passion) oder schwankhaft voll Realistik und derben. Humors. In der Passion ist der Jude naturgemäß, der Gegenstand des Abscheus, in den Schwänken ist er die Zielscheibe "des Spotts. Abscheu und Spott, das waren die beiden Pole, zwischen denen der Jude des Mittelalters hin- und he rgeworfen wurde. ' Als im 16. Jahrhundert auf dem Theater das" moderne Drama sich zu entwickeln begann, tauchte auch sofort der Jude wieder auf. Christoph Marlowe, dÄ: Vorläufer- Shakespeares, schrieb 1590 das Judettdrama „Der Jude von Malta". Der Held, ein Abbild des historischen Statthalters Don Jose von Naxos, ist auch noch