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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 17 291 Dr. Blochs Wien. In der Rede- und Leseh-alle j üdischer Hochschüler (IX., Türkensträße 9) findet Zarnslag, den 25. April, ein Vortrag des Herrn Dr. Plaschkes über „Jüdische Zeit- und Streitfragen" statt. Beginn 8 Uhr. Gäste willkommen. Rudolf Fachs f. A. Einer unserer verdienstvollsten Männer, der zeitlebens ' für die Schaffung vortrefflicher hebräischer Lehrmittel und Lehrbücher für den öffentlichen Religionsunterricht sein bestes Wollen und können eingesetzt, von den hohen k. k. Schulbehörden, aber auch vou den Kennern und Freunden der hebräischen Literatur vielfache Anerkennung und Förderung erfahren hat, i)t nichtem -r noai am vergangenen 4. Pessachhalbsesttage seinen 88. Geburtstag gefeiert, wenige Tage später, am 20. April, seiner Familie und seinen zahlreichen Freunden und Verehrern im In- und Auslande durch den Tod entrissen worden Es wird sein Tod den ungezählten Tausenden von jüdischen Kindern, die seine ausnehmend korrettcu nnd schön ausgestatteten hebräischen Lehrbücher mit gutem Erfolge benützten, besonders nahe gehen und von Lehrern und Schülern tief betrauert werden. Rudolf Fuchs wurde als Sohn frommer und guter- Eltern zu Wieszka im Trentschiner Komitat in Ungarn am 27. April 1826 geboren, begann mit 5 Jahren schon zu lernen und kam nach der Barmizwah mit bedeutendem hebräischen Wissen ausgerüstet, an die Pretzburger Rabbinatsschule, die damals unter der Leitung des berühmten Chatham ^>ofer. stand. Nach mehrjährigem Studium wurde Fuchs erst Lehrer, dann Kaufmann, wandte sich aber später in Wien, wohin er, hauptsächlich behufs höherer Ausbildung seiner Kinder, mit seiner Familie im August 1659 übersiedelt war, der Beamtenlaufbahn, und zwar beim Rabbinat in der Leopoldstadt unter Leitung Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann, zu. Er verwandte hierbei alle seine verfügbare freie Zeit zur Ausarbeitung seiner trefflichen hebräischen Lehrmittel und Lehrbücher — Siddur und Pentateuch — die heute zu den verbreitetsten und beliebtesten im In- und Auslände gehören. Roch bis kurz vor feinem 38. Geburtstage fast er unermüdlich bei seinen Büchern, die er, der innig und aufrichtig religiöse Mann, für unsere moderne Jugend, um sie gut jüdisch zu machen, geschrieben hatte, arbeitete und verbesserte daran, nahm jede Anregung seitens der Lehrerwelt dankend entgegen, liefe mit bedeutenden Kosten herrliche hebräische Lehrtabellen noch in der letzten Zeit hersteilen, damit das Kind nur gründlich das Hebräischlesen erlerne, und fühlte sich glücklich, von den guten Erfolgen zu hören, die ihm hierüber von allen Seiten genieldet wurden. Das war seine einzige Freude, auch als ihm seine biedere Gattin, die Mutter von sieben musterhaft und religiös erzogenen Kindern — vier Söhnen und drei Töchtern, die in angesehener Stellung sich befinden — entrissen wurde und wohl fühlte er sich im Kreise von Kindern, Enkeln und zahlreichen Freunden und Verehrern, die ihn alle liebevoll umgaben. Besondere Freude bereitete es ihm, als zu seinem 87. Geburtstage <n der verbreiteten Prager Jugendzeitschrift „Jung-Juda" von Freundeshand ein Aufsatz über ihn mit aufrichtigem Glückwunsch und seinem wohlgetroffenen Bildnisse, dem einzigen, das in die Oeffentlichkeit kam, zu seiner Ueberraschung erschien. So hat er den Dank der Nachwelt, speziell unserer Jugend, die mit neuer Begeisterung heute unserer altkiassischen heiligen Sprache und unserer heiligen Schrift sich wieder zuwendet, reichlich verdient, und der Name Rudolf Fuchs wird als ein gesegneter stets fortleben. Moritz Antscherl. Wien. (Die Brüder.) Mittwoch, den 15. ds., hielt der Verein „Die Brüder" im Saale des Restaurants Kohn im 20. Bezirk seine Generalversammlung ab, die von der besten Brigittenauer Gesellschaft derart besucht war, dag kein Sessel im Saale frei blieb. Der Obmann Herr Heinrich Weiner begrüßte die Erschienenen und hob unter diesen hervor: die Vertreterinnen des Brigittenauer Frauenvereines Frau Dr. Weiß und Marie Kohn, die Präsidentin des Vereines „Zuflucht" Herrn und Frau Dr. Hopsinger, den Delegierten des Untecstützungsvereines Herrn Bernhard Körner usw. Hierauf erstattete Herr S. L i e b e l den Rechenschaftsbericht, nach welchem der Verein Kr. 7906.— eingenommen und Kr. 7925.— ausgegeben hat, so datz sich ein kleines Gebarungsdefizit von Kr. 19.— ergibt.. Herr Lehrer Josef Faltitschek, welcher sodann das _ Wort ergriff, wies zunächst daraus hin, dag der Verein bis auf etwa 3—4 o/o für Spesen den ganzen Restbetrag seiner Einnahmen, pet6 ca. Kr. 7500. -, für seinen edlen Zweck, nämlich für die Belleidung armer Schulkinder in der Brigittenau, verausgabt habe. Diesem Umstande äst es zu verdanken, datz im heurigen Winter von,- diesem Vereine 217 Schulkinder vollkommen und 184 Schillkinder teilweise,. d. i. mit Schuhen und Mantel oder Kleider und Schüßen, beteilt wurden. Herr Faltitschek schildert das große Elend, das in einem sehr ansehnlichen Teil unserer Glaubensgenosseügeradezu wütet und ersucht, nachdem er dem löblichen Kultusvorstand, dem Brigittenauer Frauenverein, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Liechtenstein und noch anderen Gönnern, für. ihre Beiträge gedankt, um weitere Förderung des Vereinszrveckes der Wochenschrift. „Brüder". — Hierauf erbat sich der Obmannstellvertreter Herr Sekretär Josef Kohn -das Wort und führte aus, dag die „Brüder" nebst dem wohltätigen Zwecke, armen Schulkindern zur Winterszeit gute Kleider zu verschaffen und sie dadurch schulfähig zu niachen und vor den Gefahren des Winters zu beschützen, ursprünglich, d. i. bei seiner Entstehung vor 24 Jahren, noch den einen weiteren Zweck gehabt hat, nämlich die Juden in der Brigittenau gesellschaftlich einander näher zu bringen. Auch heute wäre dies von nicht zu unterschützendem Vorteil, da vielfach über den Mangel einer solchen Vereinigung im Bezirke Klage erhoben wird. Deshalb wird der Verein, vo n/Herbste d. I. angefangen, unter der Devise: „Hebung des Wohltuns und Pflege der edlen Eesellkeit sowie Beseitigung jedes Unfriedens' >';> ma' ui jedem Wintermonate eine gemütliche Zusammenkunft mit Vortrügen verschiedener, immer aber vergnüglicher Art veranstalten, in der Hoffnung, datz wir hierdurch die Zahl unserer Freunde und unserer Mitglieder vermehren werden. Mit einem warmen Appe.l zur Einigkeit schlotz der Redner seine beifällig aufgenommene Ausführung. Sodann wurde dem Vorstande das Absolutorium erteilt und in den Vorstand folgende Herren gewühlt: Joses Faltitschet, Sekretär Joses Kohn, Jakob Kohn, Ignaz Körner. S. L i e b e l, Josef M a r k st e in , Cafetier Popper, Michael Reiter, Dr. Jakob Roth, Adolf et e r n, Isidor S t r a s s e r, Heinrich Weiner. D^r Obmann Herr Heinrich Weiner sprach seine Freude aus über den würdigen Verlauf der Generalversammlung und schlotz dieselbe mit nochmaligem Danke an die verehrten Anwesenden. Sodann hielten die kleine Rose vom Carltheater, Herr Ed. H a l l er vom Etablissement Gartenbau und Herr Breuer vom Cafä Adlon sehr gelungene humoriitstckre Vorträge, welche die Gesellschaft bis gegen Mitternacht gemütlich beisammen hielten. Generalversammlung der jüdischen Portiere und Hausbesorger Wiens. ,m Restaurant B o n d y, II., Untere Augartenstratze 8. Bor kurzem hielt der so rührige und erfreulicherweise sich vieler Sympathien erfreuende „B erein jüd. Portiere und Hausbesorger" seine 4. Generalversammlung ab, die schon durch die durchwegs in ihren Uniformen so zahlreich erschienenen Mitglieder nach autzen hin ein imposantes Bild bot, zum Unterschiede gegen ähnliche Versammlungen der nichtjüdischen Vereine, deren Teilnehmer es ängstlich vermeiden, autzer Dienst als Portiere auszutreten. Obmann Karl Z e r k o w i tz konnte die fortwährende Würdigung der jüdischen Portiere konstatieren, die auch das namentlich in jetziger Zeit so kräftige Anwachsen des Vereines als höchst erfreuliche Tatsache konstatieren lätzt, und als der Vorsitzende des lebhaften Interesses erwähnte, das namentlich der allverehrte Präsident der Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern den so schönen sozialen Einrichtungen des Vereines gegenüber bekundet und dem es zu danken ist, datz mehrere frei gewordene stellen durch den Verein zur Besetzung gelangen konnten, da wurde Herrn Dr. Stern eine ebenso herzliche als stürmische Ovation dargebracht, unter deren Eindruck die übrigen Punkte der Tagesordnung erledigt wurden. Da die vom Vereine eingeführten Lehrkurse sich so trefflich bewähren und die Vereinsmitglieder daher in der Lage sind, allen an sie gestellten Anforderungen vollkommen zu entsprechen, und die Dienstleistungen zum vollen Lobe ihrer Dienstgeber zu bewältigen, könnten oder sollten die jüdischen Hauseigentümer und Administratoren, namentlich jedoch die zahlreichen Vereine und Anstalten, die ja doch auch oftmals Gelegenheit haben, Portiere, Hausbesorger, Gärtner rc. anzustellen, einmal den an sie jeweilig ergehenden Einladungen Folge leisten, um sich zu überzeugen, mir welcher Begeisterung, Liebe und Aufopferung die Juden ihre Dienste den Herren widmen, welch letztere sich doch auch des seiner schönen Aufgabe voll bewußt hingebenden Vereines bei Vakanzen erinnern mögen. Es wurde einstimmig beschlossen, eine Deputation zum Präsidenten Herrn Dr. «lern zu entsenden, um demselben den herzlichsten Dank des Vereines für die wohlwollende Unterstützung zum Ausdrücke zu bringen. Gründung eines neuen israelitischen Wohlfahrts- Verbandes. Am 8. ds. fand die konstituierende Generalversammlung des neu gegründeten Vereines unter dem Namen „V e r h a n d der in W.ien bestehenden Humanitären Vereine der g a l i z i s ch e n Juden" statt. Dem Verbände sind vorläufig nachstehende 6 Vereine beigetreten: der „Verein der Brodyer", „Verein der Kolomeaec", „Verein der Lemherger", „Verein der Rzrizower", ...Verein der Tarnopoler" und' der ,,Verein der Tarnower". Statutenmäßig war jeder dem Verbände angehörige Verein durch je zwei Delegierte vertreten. Nachdem die Proponenten, die Herren Dr. Mar Jakobs o h n^ Dr. Josef Zipfer, Dr. Moritz K a h a n e, Ignatz Platz und I. M. Beer der Versammlung den Zweck des Verbandes, bestehend in Wahrung der Interessen der Verbandsmitglieder auf humanitärem u. wirtschaftlichem Gebiete eingehend auseinandergesetzt

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