Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 290 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 17 Eine Interpellation wegen der PogromagitMon in der ReichBduma. Aus Petersburg wird uns gemeldet: Die sozialdemokratische Fraktion in der- Reichsduma richtete dieser Tage an den Ministerpräsidenten Goremikin und den Minister des Innern Maltakoff eine Interpellation wegen der von den Antisemiten im ganzen Lande geführten Pogrömägitation gegen die Juden. In der Interpellation wird darauf hingewiesen, daß die politischen Uebergriffe, welche zur Zeit des Beilis-Prozesses stattgefunden haben, ihre gefährlichen Symptome zurückgelassen haben. Die Regierung hat während dieser letzten drei Jahre die gegen die Juden erhobene Ritualmordbeschuldigung aufs eifrigste gefördert und unterstützt. Der nichtjüdischen Bevölkerung in Rußland wurde suggeriert, daß die Juden außerhalb des Gesetzes stehen, und nach dem Fiasko Von. Pastow haben die Reaktionäre die Ergebnisse der judenfeindlichen Politik der Regierung während der letzten Jahre weidlich ausgenützt und die Folge davon ist, daß aus den verschiedensten Städten des Reiches Meldungen einlangen, wonach dort Vorbereitungen zu Pogromen auf Juden gemacht werdend Die Pogromarbeit der Rechten wird systematisch geführt und ist zentralisiert. Die Interpellanten zählen eine ganze Reihe größerer und kleinerer, Städte im jüdischen Ansiedlungsgebiete auf, wo die Volksverbändler bereits den Versuch gemacht haben,. durch falsche Blutbeschuldigungen Pogrome zu inszenieren, und sie weisen darauf hin, daß die Juden durch diese Hetze sich in unausgesetzter Angst und Unsicherheit befinden müssen. Die Interpellanten stellen daher die dringende Anfrage, was die Regierung zum Schutze der jüdischen Bevölkerung gegen die von Seiten der Reaktionäre nachweislich geplanten Ueberfälle vorzukehren gedenke. Züm Jubiläum David Frischmanns. Die Festveranstaltungen zu Ehren des jubilierenden Schriftstellers David Frischmann nehmen in Rußland einen imposanten Charakter an. In Hunderten von Städten werden Tag für Tag Festabende zu Ehren Frischmanns veranstaltet und auch ganz spontan Geldsammlungett zu dem Zwecke eingeleitet, um dem gefeierten Publizisten ein Nationalgeschenk zu überreichen. Besonders feierlich werden sich diese festlichen Veranstaltungen in Lodz, dem Geburtsorte des Dichters, und in Warschau, dem gegenwärtigen Wohnorte Frischmanns gestalten. In beiden Städten werden weitgehende Vorbereitungen für dieses Jubiläum getroffen. Frisch- . mann, der überdies bisher schon ungezählte Glückwunschtelegramme und Zuschriften in allen möglichen Sprachen erhalten hat, wird wahrscheinlich an den ihm zu Ehren zu veranstaltenden Jubelfeiern in Lodz und Warschau persönlich teilnehmen. Die Abberufung des Botschafters Morgenthau. Es wurde bereits berichtet, daß Gerüchte im Umläufe sind, wonach der amerikanische Botschafter der Türkei Henri Morgenthau von seinem Posten abberufen werden soll. Es wurde darauf hingewiesen, daß diese Meldungen hauptsächlich von rumänischer Seite in die Welt gesetzt werden, von wo aus auch gegen Morgenthau verschiedene Jntriguen in Szene gesetzt wurden. Nun wird der Warschauer „Hazefirah" aus Newhork gemeldet, daß' Botschafter Morgenthau tatsächlich seinen Posten in Konstantinopel verlassen werde, allerdings um im. Kabinett von Washington ein wichtiges Portefeuille zu übernehmen. Gleichzeitig weiß „Häzefirah" auch zu melden, daß Präsident Wilson sich entschlossen habe, für den" Fall, als Henri Morgenthau das Ministerporte- - feüille übernimmt, an dessen Stelle einen bedeutenden Mischen Politiker aus Chicago als Botschafter nach - Konstantinopel zu entsenden. Vermischtes. Men. (T % a u u ng.) Sonntag, den 26. April 1914, V'45 Uhr nachmittags, findet im Stadttempel, I., Seitenstettengasse, die Trauung des Fräulein Frieda Faltitschek, Tochter des Herrn Oberlehrers Isidor F a l t i t sch e k, mit Herrn Markus P i ck, Religionslehrer der israelitischen Kultus gemeinde, statt. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 26. April 1914, 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel Floridsdorf, Holzmeistergasse, die Trauung des Fräulein Malvine Eisinge r, Tochter des Herrn Friedrich E i s i n g e r, mit Herrn Berthold Dukes, Sohn des Herrn Gebriel Duke s, statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag, den 26. April, 2 Uhr nachmittags, findet im Tempel, VI., Schmalzhofgasse, die Trauung des Fräulein Coela Goller stepp er, Tochterdes Herrn kais.' Rat Leopold Goller st epper, mit Herrn Sigmund Grosz aus Komadi, statt. Wien. (Silberne Hochzeit.) Sonntag, den 26. ds., feiert der k. u. k. Rechnungsrat Herr Albert Löwit, IX., Liechtensteinstraße 157, mit seiner Gattin Rosa das Fest der silbernen Hochzeit. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- «nd Arb eiterinnen-H eim. Wie alljährlich wurde auch das heurige Osterfest im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeit e r i n n e n - H ein in festlicher Weise begangen. — Die Sederabende, an denen die üblichen Gebete und Vorträge von dem Vorstandsmitgliede Herrn Josef May in liebenswürdigster und feierlichster Weise geleitet wurden und denen der Präsident Herr kaiserl. Rat Dr. S. Krüger und Gemahlin sowie einige Herren und Damen des Vereinsvorstandes anwohnten, verliefen in erhebender Weise und trugen neuerlich dazu bei, die Zusammengehörigkeit und das religiös-sittliche Gefühl in den Herzen der im Heime bl kindlichen 70 jugendlichen, durch den Verein heranzubildenden Schützlinge zu wecken und' zu erhalten. Wien. In Ihrem Atelier, IX., Nußdorferstraße 26, veranstaltet gegenwärtig die Porträtmalerin Anna Walt, eine Schülerin von David Kohn, eine Ausstellung einiger ihrer Werke, die von dem großen Können dieser noch sehr jungen Künstlerin Zeugnis gibt. Die Porträts dieser vielversprechenden.Malerin, deren Werke in bloß zweifarbigen Kreiden bereits vor 2 Jahren in der Künstlerhaus-Jahresausstellung lobend hervorgehoben wurden, zeichnen sich durch strenge Zeichnung, herrliche Modellierung und insbesonders brillante Ausführung der Köpfe aus und sind voll Ausdruck und Leben — man sieht selten Porträts, die so sprechend sind und mit solch vielem Empfinden und Geschmack gebracht werden. Die Ausstellung, die bis inklusive Samstag den. 25. d. M., täglich von 4 bis 7 Uhr allgemein zugänglich ist, erfreut sich zahlreichen Zuspruches und findet bei allen Besuchern (darunter Fürstin C a a v, Gräfin Mensdorff- P o u i l l y, Graf Mensdorff, Clarisse v. Gut m a n n, wie anderen hervorragenden Persönlichkeiten der Gesellschaft und Kunstwelt) ungeteilte Anerkennung, .. Wien. Donnerstag, den 3Ö. April 1914, abends 7 Uhr, findet im Restaurant Tonello, II., Obere Donaustraße 99, die 17. ordentliche G e n e r a l v e r s a m mlnng des Vereines „Kinderheim", Verein,, zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für' verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession, statt. Im Anschlüsse an die Generalversammlung ein interessanter Bortrag des Schriftstellers Herrn Siegfried Fleischer. Gäste willkopimen! °