Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 17 Dr. Vkochs Wochenschrift. 6. Die '„Fürsorge" will kein Unter st ützungsverein s ein, sondern nur ihre Regiekosten, welche die Ihrigen mindern werden, decken. Deswegen ist der -Jahresbeitrag mit 10 Kr. für Vereine, 2 Kr. für Private bestimmt (gütigst an Frau Bankdirektor Helene K u r a nd a,. XVIII., Colloredogasse 40, zu senden). Ein eventueller Ueberschuß wird der UnterstützungsseUion zugewiesen werden. Wir erblicken in Ihrem Beitritte nicht nur die Möglichkeit, unsere Neufchöpfung ins Leben zu rufen; wir erhoffen von Ihrer Mitarbeiterschaft die Bürgschaft für den endlichen Erfolg, wie ihn die „Fürsorge" in Amerika und Deutschland errungen hat. Die Wiener Wohlfahrtspflege, die an Herzensgüte so hoch steht, möge auch an Tatkraft und Opferwilligkeit bei der Fürsorge für die Armut allen anderen vorangehen und die Wiener „Weibliche Fürsorge" bald alle andern überflügeln. Ihrer geneigten Zusage entgegensehend, verbleiben wir hochachtungsvoll Tas vorbereitende Komit.e: Frau Clotilde Benedikt, Frl. Lea Bondi, Frau Dr. Thekla Blech-Mervin, Frau N. Bunzlau, Frau Helene Deutsch, Frau Sofie Deutsch, Frau Jda Diamant, Frau Jenny Frank, Frau Cäcilie Frankl, Frau Charlotte Frischauer, Frau Hofrätin v. Frhdmann-Pravy, Frau Else Ehrlich- Fränkel, Frau Sabine Förster, Frau Elise v. Goldberger, Frau Sofie Grünfeld, Frau Marianne Hämisch, Frau Bertha Hopfinger, Herr Dr. Otto Hochfeld, Frau Hermine Kadisch, Frau Sidonie Kahn, Frau Luise Kuffler, Frau Helene Kuranda, Frau k. Rat Krennberger, Frau Josefine König, Frl. Emma Leitner, Frau Gisela Zirner-Zwieback, Herr Heinrich Mendl, Frau Anita Müller, Frau Hermine Pisko, Frau Sofie Quittner, Frl. Paula Roth, Frau Clara Samuely, Frl. Röschen Schur, Frau Malvine Schütz, Frau Else Spitzer, Frau Helene Stein, Frau Direktor Ulmann, Frau Henriette Weiß, Herr Dr. Adolf Koprallik. Jeder, der sich für diese geplante Zusammenfassung der Privat- und Vereinswohltätigkeit interessiert, wird daraus aufmerksam gemacht, daß demnächst über Einladung des Hietzinger Vereins die hochgeschätzte bisherige Alterspräsidentin der „Fürsorge", welche alle Vorberatungen so glänzend geleitet und als Direktorin des Mädchen-Unterstützungsvereins sowie als Schriftstellerin die berufenste Vertreterin der Neuschöpfung ist, Frau Regine U l m a n n, in der Generalversammlung des Hietzinger Vereines ein Referat 'über die „Fürsorge" abstatten wird, das zweifellos volle Aufklärung über die Tendenzen und Ziele der Vorschlagenden bringen wird. _ Erfolge jüdischer Patronagetätigkeil. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der Ausschuß des israelitischen Landespatronagevereines hielt dieser Tage unter dem Vorsitze des Hofrates Franz Szekely eine Sitzung ab. Der Präsident teilte mit, der Verein habe auf dem Schwabenberge ein 3000 Quadratklafter umfassendes Grundstück käuflich erworben, auf dem eine zur Aufnahme vor;, 40 Mädchen geeignete Anstalt errichtet werden wird. .Es wurde beschlossen, in Verbindung mit der am 21. Mai stattfindenden Generalversammlung des Vereines eine Versammlung der Provinzfilialen desselben zu 'veranstalten, um einerseits Propaggstha für.chie Patronage zu machen, anderseits die Teilnahme des Vereines und seiner Filialen an den im September .in Klausenburg stattfindenden Landespatronagekongreß vorzubereiten. Dr. Edmund Weiß verdolmetschte dem Präsidium den Dank des Ausschusses dafür, daß es in wenigen Jahren gelungen ist, den Verein so zu kräftigen, daß er heute bereits für 1600 Kinder zu sorgen vermag. Zum Schluß teilte der Präsident Seite 289 mit, daß der anläßlich der Purimfeier veranstaltete Kindertag dem Vereine einen Reinertrag von 6000 Kr. gebracht hat. Auszeichnungen in Sarajevo. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Anzahl von Auszeichnungen, welche der Kaiser dieser Tage den geistlichen Häuptern der einzelnen in Bosnien und der Herzegowina vertretenen Konfessionen verliehen hat. Aus diesem Anlasse wurden auch der Oberrabbiner der österreichisch-ungarischen israelitischen Kultusgemeinde in Sarajevo Dr. Samuel Weszel und der Rabbiner der sephardischen Kultusgemeinde Jeschua M. Salom mit dem Ritterkreuze des Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet. Rumänien läßt auch in Amerika gegen die Juden Hetzen. Aus Newyork wird uns geschrieben: Der jüdische Advokat James I. Elman in Detroit hat an den Generalstatsanwalt in Washington ein ausführliches Memorandum gerichtet, in welchem er die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft auf die Tatsache lenkt, daß jetzt in den Vereinigten Staaten von rumänischer Sei.e eine systematische Hetze gegen die Juden, insbesondere gegen ldie rumänischen Juden geführt wird. Das Zentralorgan dieser Judenhetze ist die „Foya Populara" (VoUszeitung) und erscheint in Cleveland. Dem Memorandum sind mehrere Nummern dieses Schmutzblattes beigelegt, aus denen hervorgeht, daß die rumänischen Juden als förmliche wilde Bestien dargestellt werden, welche mit Recht verfolgt und unschädlich gemacht werden. Der Zweck dieser besonders in letzterer Zeit mit großer Schärfe betriebenen Hetze gegen die rumänischen Juden ist klar und durchsichtig. Es soll^ damit in Amerika eine für Rumänien günstigere Stimmung geschaffen und versucht werden, die öffentliche Meinung gegen die rumänischen Juden, welche nun gezwungen sind, den Gewalttätigkeiten Rumäniens zu weichen und auszuwandern, in Amerika, wohin sich die meisten wenden, einzunehmen. Advokat Clman fordert von der Staatsanwaltschaft, daß sie auf Grund der bestehenden Gesetze das erwähnte Blatt, welches nicht nur gegen einzelne Personen, sondern gegen eine ganze große Gruppe von Menschen Verleumdungen aus streut, von der Beförderung durch die Post aus schließe. Ein Protest der jüdischen Studenten in Jassy. Bekanntlich veranstaltet die Czernowitzer Universität soeben ihre erste Universitätsreise nach dem Balkan und dem nahen Orient. Die Reisegesellschaft hat auch Jassy in ihr Reiseprogramm ausgenommen, und zwar hätten sich dort die Studenten ihren Czernowitzer Kollegen anschließen sollen. Wie nun aus Jassy gemeldet wird, hat der Zentralverein der Jassyer Universitätsstudenten den dortigen jüdischen Studenten die Einschreibung zur Teilnahme an dieser Universitätsreise verweigert. Eine Abordnung der jüdischen Studenten begab sich infolgedessen dieser Tage zu Professor Filipide, der mit der Organisation der Universitätsreise, soweit die Jassyer Universität dabei in Betracht kommt, betraut ist, und forderte von ihm Genugtuung. Professor Filipide erklärte, daß er nicht wisse, ob die jüdischen Studenten ausgeschlossen seien, daß er übrigens keinerlei diesbezügliche Maßregeln ergriffen habe, fügte jedoch merkwürdigerweise hinzu, daß er auch nicht befugt setz: etwa vorhandene Mißhelligkeiten beizulegen. Die Studenten,t mögen sich diesbezüglich an den Rektor wenden. Die jüdischeu Studenten begaben sich hierauf zum Rektor, dem sie auf Verlangen ein Memorandum in dieser Frage überreichten. In einer hierauf abgehaltenen Beratung beschlossen die jüdischen Studenten von Jassy, in dieser Frage, in der ihrer Ansicht nach ihre studentische Ehre und ihre studentischen Rechte engagiert sind, einen energischen Kampf zu führen.