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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 287 Dr. Blochs Wochenschrift. Künstler, dem es gegönnt war, an der Seite des großen Meisters Friedrich Schmidt än dem Bau unseres prächtigen Rathauses mitzuarbeiten, der sein ganzes Können der Kunst, sein tiefes Gemüt und seine Liebe dem Judentum gewidmet hat; der geistvolle Theodor v. Go ld sch.m id t, der tüchtige Salomon Frankl, unser kluger Emil Horner, und auch alle jene, die wir zu unserer Freude noch in unserer Gemeinde wirken sehen. Tiefen Eindruck machte die Reminiszenz, welche Dr. T a u s s i g dem ersten Vizepräsidenten des Vereines, dem seligen Hofrat Sigmund Taussig, widmete. Keine Straße ist nach ihm benannt, — rief Dr. Taussig — kein. Denkmal ist ihm errichtet, und doch, es wird die Zeit kommen, wo die Geschichte der Stadt Wien diesen Mann als einen der größten Wohltäter dieser .Stadt anerkennen wird. Und mit packenden Worten schildert der Redner jene großen Gefahren, welche über Wien schwebten, ehe Sigmund Taussig, damals noch ein einfacher Ingenieur der Donauregulierungskommission, sein großes Regulierungswerk durchgeführt hatte. Was er geschaffen, steht da, die Kammerschleusen, der Winterhafen, der regulierte Donaukanal, schon während des Entwurfes von allen Fachleuten anerkannt, heute bewundert, nach menschlicher Voraussicht ein bleibender Schutz unserer Stadt, ein Monument für den Erbauer, wenn auch sein Name kaum mehr genannt wird. Und dieser Mann, Beamter des Landes Niederösterreich, abhängig von den Kurien des antisemitischen Landtages und der antisemitischen Stadt, widmete seine ganze Liebe offen und ohne Scheu seinen bedrängten Glaubensgenossen, denen Arbeit und Existenz zu schaffen seine letzte Lebensfreude war. Mit der gleichen Liebe und Verehrung gedachte der Redner des verewigten Gründers und Präsidenten des Vereines Baurat Wilhelm.Stiaßny. Auch das Monn-. ment dieses Mannes in der Schilderung seines ganzen. Lebenslaufes, seines Wirkens und Schaffens, wird hoffentlich alsbald zu unserer aller Ehre errichtet werden. Dr. Taussig schloß seine mit..stürmischem Beifall ausgenommene Rede mit folgenden Worten: Die Nachfolger solcher Männer zu sein, legt Pflichten auf. Ihnen war es nicht gelungen — ebenso wie sie dies nicht für |ie erzielten —, für den Verein große materielle Erfolge zu erzielen. Aber den Boden für uns im idealsten Sinne des Wortes haben. sie vorbereitet, und unsere Aufgabe ist es, diesen mit kräftiger Hand zu bearbeiten. Sehr geehrte Versammlung! Ein auf moderner Basis stehender Verein für Wohlfahrtspflege darf sich nicht damit begnügen, momentaner Notlage abzuhelfen, Üntertauchenden Hilfe und Unterstiitzung zu bringen, er muß vielmehr den Quellen der Notlage nachgehen, dieselben aufdecken auf Grund wirtschaftlicher Gesetze, den verheerenden Wirkungen derselben entgegenwirken. Dieses hohe Ziel stecke ich meinen geschätzten jetzigen Mitarbeitern und meinem Nachfolger für ihre zukünftige Tätigkeit ab. Möge es ihnen gegönnt sein, demselben möglichst nahe zu kommen. (Langanhaltender Applaus.) Hiernach verliest Schriftführer Richard P e t s ch e k den Rechenschaftsbericht, in welchem gleichfalls der Begründer des Vereines mit ehrenden Worten gedacht wird. Von den anderen Daten über die Entwicklung des Vereines seit seiner Gründung seien hier die folgenden wiedergegeben: Trotzdem der Verein in den ersten Jahren davaust bedacht sein mußte, sich zunächst durch Schaffung eines entsprechenden Fonds zu konsolidieren, so daß in diesen Jahren Darlehen nur in bescheidenem Umfange erteilt werden konnten, beträgt die Darlehensziffer in diesen 25 Jahren die ansehnliche Summe von 151.084 Kr. Mit, besonderer Genugtuung wird darauf verwiesen, daß auch das Ergebnis des Rückzahlungskontos ein günstiges ist. Die Gesamteinnahmen betrugen im Jahre 1913 23.132.80 Kr., denen Ausgaben im Gesamtbeträge von 21.207.37 Kr. gegenüberstehen. Nach einem Dankesworte an die Kultusgemeinde, die Humanitären Vereine „Wien" und „Eintracht" für die gewährten Subventionen, sowie einem Dankesvotum für die Spenden, den Rechtskonsulenten des Vereines, Dr. Rudolf Fürth, für die uneigennützige Rechtsvertretung, ferner für die Damen Anna G e r st m a n n, Charlotte Zolles und Julie Stiaßny, die sich an den Arbeiten des Vereines rege beteitigten, ferner für den Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, die Zeitschriften „Qesterreichische Wochenschrift" und' „Wahrheit" für die unentgeltliche Veröffentlichung der Publikationen, die Niederösterreichische Eskomptegesellschaft für die kostenlose Verwahrung der Effekten des Vereines und schließlich für die Beamtin des Galizischen Hilfsvereines, Fräulein Regina Flaschner, für ihre unermüdliche Mitarbeit, schließt Herr Petschek seine - Ausführungen wie folgt: „Leider ist unsere Mitgliederzahl eine zu geringe, und es zeigt sich in dieser Richtung seit dem Bestände unseres Vereines kein bemerkbarer Fortschritt. Hoffen wir, daß es auch da besser werden wird. Und so wollen wir denn auf der eingeschlagenen Bahn weiterschreiten und bestrebt sein, die Not unserer armen jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden nach Kräften zu mildern, was wohl am wirksamsten geschehen könnte, wenn jeder von uns in seinen Kreisen für das Prosperieren des Vereines rührig Propaganda macht. Der Handwerker von jetzt ist, wie bekannt, in bezug auf seine Existenzbedingungen nicht gle chzustellen mit jenen von ehemals, wo man noch sagen konnte, „Handwerk hat einen goldenen Boden". Dieser goldene Boden ist ihnen durch die Zeitverhaltnisse leider entzogen worden, aber wir wollen für sie und für die Gewerbetreibenden einen anderen goldenen Boden schaffen, das goldene, mildtätige jüdische Herz, es sei der Boden, der den Bedrängten Hilfe bringen soll und hoffentlich auch bringen wird." Präsident Dr. Taussig weist im Anschlüsse an den mit großem Beifall aufgenommenen Rechenschaftsbericht auf die ganz besonderen Verdienste des Verfassers desselben, des Schriftführers Richard Petschek, hin, der in seiner Bescheidenheit diese Verdienste im Berichte verschwieg. Der Bericht wäre jedoch unvollkommen und auch historisch unrichtig, wenn die verdienstvolle Tätigkeit des Herrn Petschek nicht in dieser Versammlung in der anerkennendsten Weise konstatiert würde. Er entspreche nur der Gerechtigkeit, wenn er ihm auch namens der Generalversammlung für seine hingebungsvolle Mitarbeit den wärmsten Dank aus spricht. (Zustimmung.) Der vom Kassier Gustav Frankl verlesene Kassabericht wurde genehmigt und zur Kenntnis genommen, dem Vorstande auf Grund des Berichtes des Revisors Alfred W a i z n e r das Absolutorium erteilt. Nun ergreift Kultusvorsteher Ernst Hirsch das Wort, ukn namens des Kultusvorstandes den Verein zu begrüßen und ihn zu seinem 25. Jubiläum zu beglückwünschen. Der Kultusvorstand habe die Tätigkeit des Vereines stets mit Anerkennung und Wohlwollen verfolgt, und Redner wünscht im eigenen Namen sowie namens des Kultusvorstandes auch für die Zukunft stetes Gedeihen, und daß dem Vereine die Männer, die an seiner Spitze stehen, noch lange erhalten bleiben mögen, zum Wohle jener, denen ihre segensreiche Tätigkeit gilt. (Lebhafter Beifall.) Namens des Humanitären Vereines „Wien" B'nai B'rith überbringt dessen Präsident Rudolf Kohn die besten Glückwünsche. Er unterziehe sich dieser ehrenvollen Aufgabe mit um so größerer Freude, als er alle

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