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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 286 Nr. 17 Dr. Blochs Neumann und Apothekenbesitzer O. Schlesinger hatte, soweit das Interesse der Körperschaften, Gesellschaften und Vereine in Frage kommt, unerwartet große Erfolge. Die Breslauer Gemeinde wurde mit einem Schlage in allen ihren Teilen mit der Frage der Taufen und Austritte aus der jüdischen Religionsgemeinschaft beschäftigt. Die Vorstände sämtlicher jüdischen Vereine wurden Zu einer Besprechung eingeladen. Ein seit Bestehen der Breslauer Gemeinde noch nicht dagewesener Fall trat ein. Abgesehen von Zwei Gesellschaften, beteiligten sich sämtliche Vereine an der Besprechung und der Saal der Lessing-Loge erwies sich für die Versammlung als Zu klein. In der Versammlung billigten sämtliche Teilnehmer bis auf drei die aufgestellten Leitsätze: „Unsere Stellungnahme im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben gegenüber den Renegaten muß immer beeinflußt sein durch den Verrat, den sie an unserer Glaubensgemeinschaft begangen haben. Getaufte Juden sollen an keiner Stelle und zu feiner Seit uns Berater sein. Einem getauften Juden dürfen wir niemals unser Vertrauen bekunden, eher einem anständigen Andersgläubigen. Die Helfershelfer der Abtrünnigen werden von der Schädlichkeit ihres Denkens und Handelns überzeugt werden; als Helfershelfer sollen diejenigen betrachtet werden, die es sich Zur Ehre anrechnen, wenn ihnen ein durch Taufe Hochgekommener die Hand drückt, und die für diese oder jene Gruppe von Juden nach Entschuldigungsgründen für Taufe und Austritt suchen. Juden, die ihre unmündigen Kinder taufen lassen, müssen gebrandmarkt werden und sind von jeder Tätigkeit in der jüdischen Gemeinschaft grundsätzlich auszuschließen. Väter, deren erwachsene Kinder sich taufen lassen, sollen als nicht geeignet betrachtet werden, Führerstellen in der jüdischen Gemeinschaft einzunehmen." (Es müßte doch vor dieser Degradierung eine Schuld der betreffenden Väter an dem Uebertritt ihrer erwachsenen Kinder nachgewiesen werden. Anm. d. Redaktion.) Größter Wert wird aus die religiöse Erziehung der Jugend gelegt und eine größere Einwirkung unserer Frauen in bezug auf jüdische Interessen erstrebt. Der Vortrag, in dem Herr Freund die Leitsätze bekannt gab, war von stürmischem Beifall begleitet, und die Versammlung' beschloß, das' Komitee Zu vergrößern und chm die Aufgabe zu stellen, die Leitsätze zu präzisieren und einer neuen Versammlung vorzulegen. Die Führer der Bewegung forderten von dem Vorstande der jüdischen Gemeinde die Veröffentlichung der Namen der Ausgetretenen, eventuell unter Zufügung der Familienzugehörigkeit; dieser Forderung stand der Vorstand Zunächst schroff ablehnend gegenüber, unter dem Drucke der Bewegung hat er indes nachgegeben und seine Bereitwilligkeit zur Erfüllung der Forderung ist nunmehr außer Zweifel. Ikorrespondenzen. Festsitzung des Vereines Zur Unterstützung israelitischer Hansmrerker und Kleingewerbetreibender in Wien?^ Am 229 d. M. fand im Sitzungssäle dev''Wiener israelitischen Kultusgemeinde eine Fessiitzung, verbunden mit der 25. ordentlichen Generalversammlung des „Vereines Zur Unterstützung israelitischer-- Handwerker und Kleingewerbetreibender in Wien" (IX., Berggasse' 4) statt. Das große Ansehen, welches dieser hervorragend humanitäre Verein sich im Laufe seiner 25jährigen segensreichen Tätigkeit erworben hat,' veranlaßte eine große Zahl von Festgasten, der Einladung der' Vevemsleitung Folge zu leisten. Der Präsident des Vereines, Dr. Beta T ausssg eröffnete die Festversammlung, begrüßte die zahlreich Erschienenen und insbesondere den Vertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Kultusvorsteher Ernst Hirsch. Er benützte die Gelegenheit, dem Kultusvorstande für das seit dem Bestände des Vereines demselben bekundete Wohlwollen und für die Ueberlassung des Sitzungssaales den Dank auszusprechen. Zwischen dem Vereine und der Kultusgemeinde bestanden von Anbeginn erfreuliche Berührungspunkte, haben sich doch die unvergeßlichen Begründer und Förderer des Vereines, wie Baurat Stiaßny, Hofrat Taussig, Baurat Ritter v. G old schm idt und Emil Horner auch im Kultusvorstande unvergängliche Verdienste erworben. Der Vorsitzende begrüßte ferner den Großpräsidenten des Verbandes der humanitären Vereine B'nai B'rith, Professor Dr. Ehrmann, den Präsidenten des Humanitären Vereines „Wien" B'nai B'rith, Rudolf Kohn, den Präsidenten des Humanitären Vereines „Eintracht" B'nai B'rith, Direktor Heller, den Brünner Stadtrat Dr. Michael F e i t h, Gemeinderat Melcher, die Vertreter des Hilfsvereines für die notleidenden Juden in Galizien, Dr. Löwy und Sonnenschein, Schriftsteller Dr. I. S. Bloch u. m. a. Hierauf entwirft der Vorsitzende einen Rückblick auf die vor 25 Jahren erfolgte Gründung des Vereines. Den interessanten Ausführungen entnehmen wir die folgenden wichtigeren Stellen: Ohne dem Rechenschaftsberichte vorgreifen zu wollen, sei es 'mir gestattet, so führte der Präsident Dr. Taussig aus, zum ewigen Gedächtnisse die Verhältnisse zu schildern, welche zur Gründung unseres Vereines vor 25 Jahren führten, war es mir doch gegönnt, an der Seite der bedeutenden Männer, welche dieses Werk ins Leben riefen, in bescheidener Weise mitzuwirken. Weder konfessionelle, noch nationale, noch auch politische Gründe waren es, welche den Anlaß zur Gründung unseres Vereines gaben. Es war die Zeit, wo die Wiener Demagogie sich des „kleinen Mannes" bemächtigte und die Ursachen von dessen Not und wirtschaftlicher Bedrängnis in die Schuhe schob. . . Doppelt- 1 und vielfach schlechter ging es aber den jüdischen Handwerkern und Kleingewerbetreibenden. Litten sie doch unter den gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen wie ihre christlichen Kollegen, und nebstbei unter dem gegen sie mit den abscheulichsten Mitteln geführten Kampf der Radauantisemiten. -Speziell bei den 'Bauhandwerkern wuchs die Notlage am -stärksten, da das jüdische Kapital, eingeschüchtert, sich von jeder Bautätigkeit ferne hielt, und die zu jener Zeit wirklich vorhandenen, zumeist oder ausschließlich von Stiaßny erzogenen und großgezogenen, hervorragend tüchtigen jüdischen Bauhandwerker, die bis dahin als voll und gleichwertig bei allen Bauten beschäftigt waren, beinahe ohne jede ErwerbsmöglichkeLt blieben. Die Sorge um die Erhaltung dieser überaus wertvollen Faktoren veranlaßte die Gründung .unseres Vereines. Statt demagogischer Redensarten und Beschuldigung anderer — werktätige Hilfe: das war das Leitmotiv'bei der Gründung unseres Vereines. Verteidigung einer Schutzmaßregel, um wirtschaftlich wertvolle Existenzen zu erhalten, vor hem sicheren. Untergänge zu retten, dies und dies allein war die gestellte Aufgabe. Ou r( Stiaßny war es nicht schwer, Mitarbeiter zu finden, war er doch von Freund und Feind anerkannt als selbstloser, idealer Kämpfer auf allen Gebieten, wo es galt, ehrliche Arbeit &it leisten oder Wiischätzencü Treu Zur Seite stand ihm Hofrat T au ssitz-, und Zu ihnen gesellten sich alsbald eine Reihe von Männern, deren wir heute Mit aufrichtiger Dankbarkeit gedenken. Bernhard Kohn, einer der edelsten Menschenfreunde, L Architekt Fleischer, dieser bescheidene, vornehme

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