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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 285 N--17 Dr. Stofe vereinbaren läßt. Nach meiner Meinung beläuft sich die Zahl der mobilisierten und freiwilligen Juden auf 15.000—20.000. Angenommen nun die Mindestzahl von 5 Mitgliedern für jede Familie, ergibt sich, datz 70—100.000 Personen der gesunden, assimilierten, kräftigen Bevölkerung zu Bürgern erklärt würden. Das jüdische Problem hätte so viel von seiner Schärfe verloren und es würde für das Land nichts als Gutes daraus entstehen." Fürst Leo Ghica Dumbraveni, Abgeordneter: „Ich bin ein entschlossener und überzeugter Parteigänger der vollständigen Nationalisierung der mobilisierten und freiwilligen 'Juden. Ihr Mut hat einen um so größeren Eindruck aus mich gemacht, als es mir nicht unbekannt ist, datz die Juden wie alle alten intellektuellen Handelsvölker nicht das Temperament des Kriegers besitzen. Der überlegte Mut steht vielleicht noch höher, als der instinktiv oder angeborene, welcher sich fast unwillkürlich äußert. Der überlegte Mut beweist Idealismus und zeugt von einem Geist der Entschiedenheit, welcher um so edler ist, als er das Opfer des Individuums in einer teuern Sache bedeutet." Dr. Jstrati, einstiger Minister der öffentlichen Arbeiten, Domänenminister und Unterrichtsminister, Professor der wissenschaftlichen Fakultät, Mitglied der rumänischen Akademie: „Ich habe den Mut, laut zu erklären, datz die Klasse der intellektuellen rumänischen Juden über der gleichartigen der galizischen und russischen Juden steht. Unsere Juden wurden wahrhafte Menschen, seit sie mit der europäischen Kultur in Kontakt stehen. Deshalb habe ich mich auch in jeder Hinsicht gegen die Infamie — ja Infamie — ausgesprochen, welche begangen wurde, indem man die Juden von unseren öffentlichen Schulen ausschlotz. Nächsten Herbst werde ich eine wirklich patriotische Pflicht erfüllen, indem ich im Senat nicht nur vorschlage, datz man den jüdischen Kindern weit die Türen unserer Schulen öffne, sondern datz man diese Kinder, zu deren Unterhalt übrigens ihre Eltern beitragen, auch ermutige und nötige, rumänische Schulen zu besuchen. Die mobilisierten und freiwilligen Juden müssen gleichzeitig naturalisiert werden, was eine Handlung der Menschlichkeit und Billigkeit ist, wie einer Nation ' zukommt, die eine glänzende Zukunft vor sich hat." M. D. Nenitzescu, ehemaliger Industrie- und Handelsminister, Abgeordneter: „Ich bin der Ansicht, datz die Rechte allen Juden gewährt werden, aber für den Augenblick würde ich mich zufrieden geben, datz man sie denen unter ihnen, welche mobilisiert waren, und ihren schon geborenen Kindern zugänglich macht. Desgleichen ist meine Meinung, daß man 'alle Vorschriften abschaffe, welche sich der Ausnahme der Kinder der Fremden in unsere Schulen widersetzen." S a u l e s c u, Vizepräsident der Kammer: „Für mich gibt es keinen Zweifel, datz wir den Bauern und einheimischen Juden Gerechtigkeitschulden. Ich werde selbst Vorschlägen, datz letztere naturalisiert werden und die Kammer wird iw Anerkennung des patriotischen Eifers der Juden sicher nicht zögern, mir zu folgen. Was die übrigen einheimischen Juden betrifft, wird man auch sie nach der ersten Revision der Konstitution naturalisieren müssen." C. Leni, Abgeordneter von Constanza: .Nicht unsere letzte militärische Aktion ist es, welche eine günstige Beschlußfassung in der Judenftage berechtigt erscheinen läßt.' Diese .Frage hat ein viel älteres Recht zur Grundlage, als die bulgarische Expedition. Es ist gewiß, daß die mobilisierten Juden diesen Sommer einen Anspruch mehr auf den Gememsinn Rumäniens haben, aber ich denke auch, datz alle im Lande geborenen und erzogenen Juden, welche keinem fremden Schutze unterstellt waren, als Rumänen betrachtet werden sollen und müssen. Man begreift kaum, datz ein Mensch, der aus rumänischem Boden geboren wurde, welcher keinen anderen nationalen Rückhalt hat, daß ein tätiger Mensch, welcher dem Lande nützlich ist, dessen Sprache und das Vaterland liebt/welcher hier lebt und stirbt, fortgesetzt als Fremder angesehen werde. Konkurrenz? Uebergriff? Nationale Gefahr? Ich bin in der 'Geschichte noch keiner Nation begegnet, welche durch das llebergewicht' der IJüden untergegangen wäre, wohl aber sehe ich viele, die mit ihrer Hilfe fortschreiten." Doch schon im Herbst änderte sich die Situation. '' (Schluß folgt.) Wochenschrift. vom Jahrmarkt des Lebens. Ehrung eines jüdischen Professors. Vorige Woche sind es zehn Jahre geworden, daß der berühmte Gelehrte Professor Dr. Nahum Slousch an der Pariser Sorbonne seine Vorlesungen über hebräische Sprache und Literatur hält. Aus diesem Anlasse haben die gegenwärtigen und ehemaligen Schüler sowie Freunde und Verehrer des Gelehrten demselben zu Ehren ein Bankett veranstaltet, bei welchem dem beliebten Professor zahlreiche Ehrungen zuteil wurden. Ein Monument für jüdische Kriegshelden. In Konstantinopel hat sich, wie von dort berichtet wird, ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für die mährend der letzten türkischen Kriege gefallenen jüdischen Soldaten gebildet. Die Idee, den jüdischen Helden des türkischen Reiches, welche für ihr Vaterland ans dem Schlachtselde ihr Leben ließen, ein Denkmal zu setzen, hat überall im Reiche großen Anklang gefunden und inan hegt in den interessierten Kreisen keinen Zweifel darüber, daß das Unternehmen einen glänzenden Erfolg haben wird. Gegen das Mifsionsunwesen in Palästina. Das Treiben der Missionäre in Palästina, welche mit allen möglichen Mitteln die in ihren Schulen untergebrachten jüdischen Schüler ihrem väterlichen Glauben abwendig machen, hat nun, wie palästinensische Zeitungen melden, die jüdischen Eltern endlich zu einer Abwehrovganifation veranlagt. In Jerusalem hat sich ein Koinitee gebildet, welches diese wichtige Abwehriätigkeit orgaganisieren will. Es besteht auch die Absicht, in anderen palästinensischen Städten, wo Missionsschulen bestehen, in ähnlichem Sinne tätig zu sein. In Jerusalem allein besuchen mehrere hundert jüdische Kinder die protestantischen Missionsschulen. Ein Herzl-Buch, das nicht erscheinen wird. Dem zionistischen „Lemberger Tagblatt" wird aus Berlin berichtet: Anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages Dr. Theodor Herz l s, welche mit besonderer Feierlichkeit begangen werden soll, hätte laut Beschluß des zionistischen Aktionskomitees ein großes Werk über Theodor Herzl, verfaßt von Professor Leon Kellner, in Druck erscheinen sollen. Wie nun der Berliner Korrespondent des genannten Blattes erfährt, wird das Werk, welches Professor Kellner bereits vollendet hat, nicht erscheinen. Die letzte Sitzung des Aktionskomitees hat sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt. Auch Wolfsohn hat sich gegen die Herausgabe des Werkes ausgesprochen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil Professor Kellner aus den hinterlassenen Briefen und Dokumenten Herzls auch viele solche benützt hat, für bereu Veröffentlichung die Zeit noch nicht gekommen sei. An dem großangelegten Werke, welches demnach nicht erscheinen wird, hat auch der berühmte Wiener Schriftsteller Felix Salten mitgearbeitet. Die Gelausten in der jüdischen Gesellschaft. In- Breslau hat, wie deutsche Blätter melden, in der jüdischen Gemeinde eine Bewegung Platz gegriffen, alle gesellschaftlichen Beziehungen zu Täuflingen zu lösen. Bemerkenswert an der Bewegung sind zunächst zwei -- Momente, nämlich, daß sie von unbestritten liberalen Männern angefacht wurde und daß diese Männer, deren Würdigkeit nicht angezweifelt werden konnte, im jüdischen Gemeindeleben unserer Stadt unbeschriebene Blätter waren. Die Tätigkeit der zu Führern der Bewegung bestimmten Herren Fabrikbesitzer E. S. Freund, Sanitätsrat Dr.

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