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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 284 Dr. Blochr Wochenschrift Nr. 17 Ueber den zweiten „Fall" heißt es in dem Gutachten G a n g a n e l l i s: „Ich bemerke jedoch, daß die Diözese von Bressanone vom Jahre 1462 bis zum 15. Dezember 1753 hat warten müssen, um vom Heiligen Stuhl die. Ermächtigung des Osfiziums und der Messe zu erlangen, und erst am 14. Januar 1754 ein vollständiger Ablaß jedem bewilligt wurde, der am Tage des 12. Juli die Kirche Rinnense, in welcher die Reliquien des erwähnten B. Andrea ruhen, besuchen würde. Somit hat die Diözese von Bressanone fast dreihundert Jahre warten müssen, bevor die Verehrung des Knaben B. Andrea von der heiligen römischen Kirche erlaubt wurde." Aus dem Gutachten Ganganellis (als Papst Klemens XIV.) bitte ich folgende Stelle herauszuheben. Der Verfasser schreibt wörtlich: „Ich schäme mich, den Verdacht auszusprechen, aber viel mehr bringt es mich außer Fassung, hiesür den authentischen Beweis, bezeichnet Let. D., darzubieten. Dort lese man, daß ein Vater eine feiner zarten Töchter an verschiedenen Teilen verstümmelte, nach tätlicher Verwundung zwischen Tücher einwickelte und in eine Krippe im Stalle eines Wirtshauses, das nach der Sitte in Polen von Juden gehalten wird, zurückließ! Dort lese man, daß dasselbe Kind, welches durch göttlichen Willen länger lebte, mit eigenem Munde bekannte, vom eigenen Vater mit vielen Wunoen und Verstümmelungen übel zugerichtet worden zu sein. Und doch hatte sich schon der Verdacht gegen die Juden gebildet, schon wollte man gegen die Juden Vorgehen! Es ist nicht nötig, daß ich mich mit dem Mitteilen dessen aufhalte, was der Prälat von Kiew sagt, weil der größere Teil seiner Informationen eine Apologie seines Betragens genannt werden kann, indem er sich gegen die schreckliche Gier des Goldes Verteidigt." Zur „Geschichte" des Andreas von Rinn genügt auf Steubs „Altbayerische Kulturbilder" (Leipzig 1869) hinzuweisen, welcher, Seite 83, kurz sagt: „Ins Jahr 1462 wird der Martertod des kleinen Andreas von Rinn, des Heiligen vom Judenstein bei Hall, verlegt, eine Erfindung, deren Ruhm nach jetziger Meinung dem Haller Damenarzte Hippolyt Guarinoni, einem 1654 verstorbenen Italiener, gebührt." Mit dem Ersuchen um freundliche Ausnahme zeichnet hochachtungsvoll Dr. Josef S. B l o ch." Schon um einem eventuellen späteren Mißbrauch vorzubeugen, wünscht das Präsidium der »Israel. Allianz" ausdrücklich anzumerken, daß hier lediglich eine in der Eile der Arbeit unterlaufene Unachtsamkeit vorliegt. Rumänien. Ein interessantes Kapitel widmet der Allianzbericht der Lage der Juden in Rumänien: Im gleichmäßigen, schweren und erfolglosen Kampfe, den die' Juden Rumäniens gegen die Vergewaltigung durch eine pflichtvergessene Regierung, gegen ditz schamlose Unterschlagung der ihnen im Berliner Vertrag von allen Signatarmächten gewährleisteten bürgerlichen Rechte zu führen gezwungen find, gab es im verfolssenen Jahre zum erstenmal für kurze Zeit eine Abwechsluirg-' Einige Wochen hindurch durften unsere Glaubensgenossen den Lichtstrahl einer neuen Hoffnung genießen und beinahe mit Sicherheit erwartendaß ein erfreulicher Umschwung in ihrer Lage unmittelbar bevorstehe; daß wenigstens ein beträchtlicher Teil von ihnen aufhören wird, als landesfremd und rechtlos behandelt zu werden. Ein ungewöhnliches Glück hatte für Rumänien günstige Umstände zur Einmischung in, die Balkankämpfe geschaffen. Der Appells fin wen Patriotismus der Bevölkerung richtete sich nun, wie nicht anders zu erwarten war, auch an die Juden, die sonst wie Parias behandelt werden. Diese haben wie immer mit rührender Hingebung und Opferwilligkeit ihre Vaterlandsliebe bekundet. Die Zahl der ausgehobenen und der freiwillig unter die Fahnen getretenen Juden wird auf 25.000 geschätzt. Diejenigen Juden, welche nicht selbst eingerückt waren, haben alles getan, um dem vaterländischen Heere zu nützen. Alle jüdischen Spitäler und Schulen, selbst Tempelräüme, wurden dem Kriegsministerium zur Verfügung gestellt und beträchtliche Spenden wurden trotz der wirtschaftlichen Notlage zugunsten der Familien der Eingeriickten gewidmet. Da die rumänischen Staatsmänner schon vorher durch das publizistische Einschreiten eines Mannes wie LuigiLuzzatti für die Emanzipation der Juden, dann durch die publizistischen Kundgebungen von Clamenceau an ihre in den internationalen Verträgen festgelegten Pflichten vor ganz Europa laut erinnert wurden und der begonnene Feldzug — dessen Ausgang man mit Sicherheit ja doch nicht voraussehen konnte — eine Kaptivierung der öffentlichen Meinung notwendig erscheinen ließ, so fingen auf einmal Minister, Senatoren, Parteiführer und Publizisten aller Schattierungen mit Engelszungen an, von einer bevorstehenden Belohnung des nun dokumentierten Patriotismus der Juden durch Verleihüng der Bürgerrechte — zum mindesten an die in den Krieg gezogenen jüdischen Soldaten und deren Familien — zu sprechend Der Senator Lahovary war der erste, der im Juli seine Stimme zugunsten einer Naturalisation der jüdischen Soldaten erhob. Der Minister Marghilom a n erweckte — freilich in diplomatischen Wendungen, deren Hohlheit sich später zeigen sollte — dieselbe Hoffnung, indem er erklärte, das Dienen unter der Fahne sei der beste Titel zur Erwerbung der Bürgerrechte. Welche Stimmung während der Sommerwochen im Lande mit bezug auf die Juden herrschte, darüber mögen einige von den Zahlreichen Aeußerungen Aufschluß geben, welche die „Union der im Lande geborenen Israeliten" provoziert hat. Take I o n e s c «„Minister des Innern: „Anläßlich der Mobilisierung haben sich die Juden sehr gut ausgeführt, nicht etwa weil sie eine Pflicht erfüllt haben, der sie sich nicht hätten entziehen können, sondern weil sie den Takt besaßen, .über ihre besonderen Schmerzen zu schweigen. Die Folge war, Laß von überall und ohne vorheriges Einverständnis das Wort erging, baß die mobilisierten Juden zu naturalisieren seien. Es ist jetzt sicher, daß die Sache sich machen wird und der Beschluß der Sache ist heute von ganz anderer Wichtigkeit. Wenn man bei dieser Gelegenheit das sehr richtige Prinzip annimmt, daß die Naturalisierung. eines Individuums diejenige der Frau und der minderjährigen, Kinder zur Folge hat, wird diese Maßnahme viel größere Folgen, haben, als man davon erwarken konnte." Continescu, ehemaliger liberaler Finanzminister: „Es ist nicht zulässig, daß alle Juden, welche in der Armee dienen und gedient haben, nicht naturalisiert würden. Sie haben dem Vaterlande den größten Tribut gHiM den ein Land von seinen Söhnen fordern kann. Es ist. infolgedessen notwendig, daß ihnen alle Rechte gewährt werden. Ich meine, daß man nach der Revision der Konstitution einen einzigen Artikel aufstellen könnte, welcher alle Juden umfaßt, die unter der Fahne gedient haben. Wir naturalisieren so alle jungen Juden. Die andern werden", später stufenweise zugelassen." C. C. Arion, Domänen- und. Ackerbauminister: „Ich Wünsche, daß die Naturalisation der Juden in großem Maßstabe durchgeführt werde, - mit Freimut und Aufrichtigkeit. Die individuelle Stimmenabgabe nach Listen erfordert zu viel Zeit, was sich mit unserer parlamentarischen Technik durchaus nicht

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