Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 16 (17.4.1914)
- Date
- 1914-04-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 273 „Beth Haam" (Jüdisches Volksheim). Wien, XVI., Wurlitzergasse 11. Der segensreich wirkende Verein „Beth Haam" hielt am 7. d. M. seine diesjährige Generalversammlung ab, die einen äußerst würdigen Verlaus nahm. Die Beteiligung seitens der Mitglieder und Gönner war sehr groß. Es waren u. a. erschienen: als Delegierter der Kultusgemeinde der Obmann der Bezirkskommission Herr Dr. Jakob Deutsch, der Obmann-Stellvertreter der Bezirkskommission Herr Alexander Goldblat't, der Obmann des Tempelvorstandes Herr S. W e i tz m a n n, ferner von der „Chewra-Kadijicha" der Obmann Herr S. Weiler und der Obmann-Stellvertreter Herr Siegfried Stein; der Verein „Kinderfreunde" war durch den Obmann Herrn Dr. Alois Hauser und die Vorstandsmitglieder Herren Rudolf Urbach und Jakob Holzer «vertreten; im Namen des „Ausspeisungsoereines" erschienen der Obmann-Stellvertreter Herr Bened. S ch nl i d e k und die Herren Ottomar 5k a tz und Sam. Fischer; es waren noch anwesend der Obmann des „Greisenschutz" Herr Th. Blau und der Obmann des Vereines „Gemilus Chesed" Herr M. Silbe rst e i n. Das distinguierte Publikum folgte mit regem Interesse dem Berichte des Obmannes Herrn Dr. Martin Förster. Nachdem der vom Herrn kassier Gustav Hager erstattete Kassabericht und ber Revisionsbericht des Herrn kais. Rates Edwin Skall zur Kenntnis genommen wurde, wurde über Antrag des Herrn Dr. Jakob Deutsch dem abtretenden Vorstände das Absokutorium einstimmig erteilt. Bei den hieraus stattgefundenen Neuwahlen wurden per Akklamation gewählt: städt. Lehrerin Frau Emilie Strauß, Frau Dr. I. Deutsch, Frau Dr. Alois Hauser, Frau I. Holzer, Frau S. W e i tz m a n n, Frau Gisela P a ttner, Frau E. Drab und Frau Franzi Strauß; ferner die Herren Dr. Martin Förster, Sigmund Schickler, Gustav Hager, kais. Rat Edwin S k a 11, Dr. S. B o h i n, Rabbiner- Kandidat Bela Fischer, Gottlieb Drab und Heinrich Massar i k. Der Verein „Beet Haam", der das eminent wichtige Zzel verfolgt, das geistige Niveau der sozial gedrückten jüdischen Bevölkerung der Bezirke 16, 17 und 18 zu heben und die Zusammengehörigkeit aller Juden dieser Bezirke neu zu beleben, verdient die weitestgehende Förderung seitens der maßgebenden Kreise. Aasiritie aus dem Judentum. Vom 5. April bis 11. April 1914. Bauer Elisabeth, Private, geb. 26. Juni 1872, Wien, II., Valeriestraße 2. Berstl Hans. Student, geb. 16. April 1894, Neunkirchen, N. Ö., XIII., Hadikgasse 142. Fleischner Olga geb. Brass, Private, geb. 23. Februar 1872, Brünn, VIII. , Langegasse 20. Gottlieb Adolf, geb. 2. September 1887, Wien, XII., Pohlgasse 23. Geiger Paula, geb. 13. Juni 1886, Lackenbach, XX., Karajangusse Nr. 11/18. Herner Elsa, Private, geb. 26. August 1890, Parkassy, II., Valeriestrasse 2. Herner Emanuel, Redakteur, geb. 15. Jänner 1862, Budapest. II. Valeries!raße 2. Hirschl geb. Pollak, Private, geb. 16. Februar 1886, Kuttenbeig, VII., Neubaugasse 44. Hirscbl Josefine, geb. 4. De.ember 1909, Wien, VII., Neubaug. 44. Koch Adolf, Hörer des Techn. Gewerbe-Museums, geb. 16. Jänner 1875, Wien, VIII., Langegasse 30. Meider Felix, Privatbeamter, geb. 14. Jänner 1891, Wien, II., Im Werd 4. Morawitz Thekla, von, geb. 13. Mai 1891, Orgenbausen bei Baden, N.-Ö., I., Schwarzenbergplatz 17. Pick Julia Henriette, Private, geb. 28. Dezember 1871, Uugvar, VII., Hermanngasse 31. Pick Karl Rudolf, Student, geb 26. Jänner 1896, Erlau, VII., Hermanngasse 31. Pick Maria Elisabeth, Schülerin, geb. 3). Jänner 1900, Erlau, VII., Her nanngasse 31. Steiner Alfred, Reisender, geb. 23. März 1882, Wien, XVI., Veronikagasse 7. Stern Sidonie geb. Goldstein, geb. 26. Dezember 1870, Budapest, IX. , Eisengasse 13. Wasserberg Adolf, Juwelier, geb. 10. November 1887, Krakau, VI., Stumptrgasse 31. Pi nutz. (Spend e.) Bon Herrn M. Kohn sind uns für den jüdischen Soldaten in Tuzla -1 Kronen und für Leopold Hilsner 2 Kronen zugekommen. Sereth. Nach etwa lOjähriger Vakanz des hiestgen Rabbinatspostens wurde endlich am 9. April d. Iin Anwesenheit des Bezirkshauptmannes I o f e f o w i c z derselbe mit dem Oberrabbiner von Eifenstadt, Herrn Dr. Hermann Klein, besetzt. Feuilleton. Moritz Hazarnt? Auiobiographir. Das Elternhaus des berühmten belehrten. Anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages des berühmten Völkerpiychologen Moritz Lazarus ( io. April 1903) veröffentlichte seine Witwe, die bekannte Schriftstellerin Nahida Lazarus, unter dem Titel „Aus meiner Jugend" eine Autobiographie ihres Gatten mit einem Vorwort und einem Anhänge ans ihrer Jeder, lFrankfurt a. M., Verlag von I. Kaufsmann, 1913.) Lazarus hat diese Blätter, die sich nur mit seiner Jugend, mit den Jahren int Elternhause und der so entbehrungsreichen Studienzeit des berühmten Gelehrten beschäftigen, als alter Mann Iran Nahida persönlich diktiert. Vielleicht das interessanteste Kapitel dieses autobiographischen Buches sind die Erinnerungen an seine früheste Jugendzeit, weil sie einen Einblick in das eigenartige Leben eines jüdischen Hauses jener Tage gewähren. Sie klingen vielfach verwandt an Auerbachs Jugenderinnerungen an. Filehne, erzählt Lazarus in der Schilderung seines Elternhauses, liegt da, wo drei Provinzen zusammentreffen, Posen, Preußen, Brandenburg, im Winkel der Netze, und hat ungefähr dreitausend Einwohner, zu fast gleichen Zahlen Deutsche, Pölert, Juden, was sich deckt mit den drei Religionen. Am 15. September 1824 bin ich geboren, nach dem Mondjahr der Juden am 22. Elul 5584, also acht Tage vor dem Rüsttage des Neujahrfestes. Infolgedessen fiel das Beschneidungsfest auf ein Halbfasten. Zu einer religiösen Feier geladene (Käste sind des Fastens ledig. Der Vater ließ nun die ganze Gemeinde zu dem Teste einladen: so waren sie alle vom Fasten frei, da sie an dem Festmahl teilnahmen. Das wurde später immer als Vorbedeutung wiederholt: ein gründliches Zeugnis für des Vaters weitgespanntes Wohlwollen. Ich erhielt den Namen Moses. Wie immer bei den Juden nach einem verstorbenen Vorfahren, da mein älterer Bruder den Namen meines Großvaters bekommen hatte, so ward mir der des Urgroßvaters, eines Stisträbbiners zu Berlin, bestimmt. Auf diesen kontinuierlichen Zusammenhang der Geschlechter in der Namensgebung wird ein großes Gewicht gelegt: meist wird sogar eine halb traditionell durch Erzählung, halb mystisch vorbereitete Erbschaft der Charakterzüge daraus erwartet. Wie oft hat meine Großmutter und deren Schwester, die Töchter des Urgroßvaters, mir aus dem Leben dieses ihres Vaters erzählt! In der ganzen Generation, die vor mir war, hatte der Großvater (Saide) Moses geheißen, und nie wurde ich anders gerufen. Noch bei Lebzeiten seiner Eltern wurden mir die silbernen Leuchter geschenkt, welche von demselben Ahnen ererbt waren. Sein Grab befindet sich hier in Berlin aus dem altert -Friedhof in der Großen Hamburger Straße in der vordersten Ehrenreihe. Die Haushaltung war außerordentlich charakteristisch: noch ganz in dem alten patriarchalischen Zusammenhang der aus mehreren Familien und Generationen zusammengesetzten Familie. Die beiden Frauen, meine Großmutter und ihre ältere Schwester, Estherchen und Gitelchen geheißen, ivaren die eigentlichen Haushaltungsvorstände, die Regenten und Besitzer von Haus und Hof in einem für die.kleine Stadt ziemlich ausgebreiteten Geschäfte. Die ältere hatte den eigentlichen Betrieb, die jüngere die Buchhalterci und die Korrespondenz. Jede der beiden Schwestern hatte mehrere Kinder. Als ich geboren wurde, waren alle verheiratet und außerhalb des Hauses, meist auch außerhalb der Stadt. Aber jede hatte einen Sohn, meinen Vater also und seinen Vetter. Diese beiden Familien lebten gemeinschaftlich