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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-17 · 16 (17.4.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
16 (17.4.1914)
Date
1914-04-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 269 ten junghebräischen Dichter vom ästhetischen Gesichtspunkte gewürdigt und seinem Publikum durch! Darbietungen eigener Übersetzung näher gebracht. Es sind dies die folgenden Dichter: Iehuda Lev Sordon (2 Vorträge), Perez (1 Vortrag), Frug (1 Vortrag)., Ezernihorski (2 Vorträge), Bialik (1 Vortrag) und schließlich die junghebräische Novelle und der Roman von Mapu bis Perez (2 Vorträge). Es ist gar kein Zweifel, daß diese Vorträge wesentlich dazu beitragen werden, daß in der ungarischen sIudenschajftchas Interesse für Äie HMäische Sprache und ihre Literatur wach geworden ist._ Ein jüdischer Dorfrichter in Ungarn. In der Gemeinde Harkany, einer Ortschaft in dem von nichtungarischen Nationalitäten stark bewohnten Komitate Baranya, waren die Bewohner mit ihrem bisherigen Ortsrichter unzufrieden. Sie entschlossen sich daher, bei der vorige Woche stattgehabten Neuwahl an seiner Stelle einen anderen zu wählen. Trotz des heftigen Wahlkampfes wurde an Stelle des früheren Richters der Jude Bernhard Sonnenfeld mit allen gegen 9 Stimmen zum Ortsrichter gewählt. Es gibt wohl in Ungarn mehrere Dorfgemeinden, in denen Juden als Ortsrichter fungieren. Die Wahl Sonnenfelds ist deshalb von besonderer Bedeutvna. weil das Komitat Baranya bisher als antisemitisch versucht galt und Sonnenfeld, ein bescheidener Kaufmann, der erste Jude ist. der in dieser Gegend eine solche Vertrauensstellung einnimmt. Konfessionelle Eintracht. Eine zur Seltenheit -gewordene Manifestation der konfessionellen Eintracht war die Rabbinerinstallation in der neben Budavest gelegenen Stadt Monor. Hier wurde dieser Täae der nenaewählte Rabbiner Dr. Samuel Schlesinger installiert. An dem aus diesem Anlasse zu Ehren des Neuen Seelsorgers aeaebenen Festbankette haben auch zahlreiche christliche Persönlichkeiten teilgenommen. Urfter den Festrednern befanden sich auch der christliche Reichstagsabgeordnete Dr. Aurel Förster, der päpstliche Kämmerer Dr. Emmerich Swändula und der reformierte Geistliche Johann Molnar. Diese sowohl als auch der gefeierte Rabbiner huldigten in schwungvollen Reden dem großen Gedanken konfessioneller Eintracht und gelobten, ihre Gläubigen zu demselben zu erziehen. Konsistorialverfassung in Serbien. Der Großrabbiner von Serbien Dr. Alkaly ist von seiner Studienreise in den neuserbischen Gebieten nach Belgrad zurückaekehrt und hat über seine Erfahrungen der Regierung Bericht erstattet. Wie Dr. Alkaly einem Journalisten aeaenüber erklärte, gibt es in Neuserbien ungefähr 20.000 Juden, von denen die meisten in Monastir, Uesküb, Jstip und Prischtina ansässig sind. Der Großrabbiner beabsichtigt, in diesen Städten Rabbiner zu ernennen, welche von der Regierung bezahlt werden sollen. In seinem der Regierung erstatteten Berichte schlug Dr. Alkaly für die Juden in Serbien die Konsistorialverfassung vor. Demnach soll ein Zentralkonsistorium gewählt werden, welches jährlich einmal zu einer Vollversammlung zusammentreten und sich mit den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde von Serbien befassen und in steter Fühlung mit der Regierung bleiben soll. Dieser Vorschlag soll nun bereits die Genehmigung der serbischen Regierung erhalten haben. Die Verfolgung polnischer Juden in Deutschland. Don den Repräsentanten A. L e w i n s k i, Aron Hirsch, Dr. I. Levy, Willibald Löwenthal, Dr. Minden, Siegfried Sachs, Benas L e v y, Oscar Tietz und Oscar Löwenberg ist die folgende Interpellation eingebracht: „Ist den Gemeindebehörden bekannt, daß hunderte jüdische Industriearbeiter, die teilweise seit drei Jahrzehnten hier wohnen, mit der Ausweisung bedroht sind, und was gedenkt der Gemeindevorstand zu tun, um den wirtschaftlichen Untergang dieser Glaubensgenossen zu hindern?" Zur Begründung der Interpellation verweist Herr L e w i n s k i darauf, daß einer ganzen Anzahl von Arbeitern der Firma Garbaty-Rosenthal in Pankow vom Amtsvorsteher das folgende Schreiben zugegangen sei: „Seitens der Abfertigungsstelle der Deutschen Arbeiterzentrale in Berlin wird die Ausstellung einer Arbeiterlegitimationskarte für das Jahr 1914 abgelehnt, weil Sie und Ihr Sohn ... als aus Russisch-Polen stammende Juden von derselben als ausländische Polen betrachtet werden, deren Beschäftigung in gewerblichen Betrieben nach den bestehenden Bestimmungen untersagt ist. Sie werden daher aufgesordert, binnen spätestens 14 Tagen im hiesigen Polizeibureau durch Vorlegung eines amtlichen Schriftstückes Ihrer Heimaisbezw. Konsulatsbehörde den Nachweis zu führen, daß Sie und Ihr Sohn . . . nichtpolnischer Nationalität sind, da andernfalls der Ansicht der Absertigungsstelle diesseits beigetreten und Ihre und Ihres Sohnes weitere Beschäftigung bei der Firma . . . untersagt werden muß." Aus dem Polizeibureau werden sie dann auf ihre Kenntnisse der polnischen Sprache geprüft, und wenn sie polnisch sprechen, so rät man ihnen, sie sollen Landarbeiter werden. Von der Verfügung sind etwa 200 Industriearbeiter betroffen, alles Leute, die politisch unverdächtig sind und nur darauf bedacht sind, sich durch ehrliche Arbeit Brot zu verdienen. Kommen diese Leute jetzt außer Arbeit, so fallen sie der Gemeinde zur Last, und daraus ergibt sich die Legitimation der Gemeinde, für sie einzutreten. Namens des Gemeindevorstandes beantwortet Herr Syndikus L i l i e n t h a l die Interpellation. Der Gemeindevorstand habe sich der Sache angenommen und fei mit der Staatsbehörde in Verhandlungen eingetreten, die Zurzeit noch nicht abgeschlossen sind. Die Sachlage sei die folgende: Im Jahre 1907 sei eine Verfügung ergangen, daß ausländische Arbeiter aus Rußland und Oesterreich-Ungarn inländische Ausweispapiere haben müssen, sofern sie in gewerblichen Betrieben arbeiten. Die Deutsche Arbeiterzentrale habe diese Verfügung auf alle ausländischen Arbeiter ausgedehnt und denen, die keinen Ausweis beibringen, die erforderliche Arbeitskarte verweigert. Es besteht sodann noch eine zweite Verfügung, die aber nicht publiziert sei, die sich gegen die Polen richtet. Polnische Arbeiter sollen im allgemeinen nicht zugelassen werden, es sei denn zur Arbeit in landwirtschaftlichen Betrieben, etwaige Ausnahmen bedürfen in jedem einzelnen Falle der Genehmigung. Diese zweite Verfügung ist neuerdings auch gegen Juden in Anwendung gekommen. Die Leute sind nicht Polen, einige von ihnen haben auch bereits den Nachweis dafür erbracht und die Ausweispapiere erhalten. Daß die Verfügung sich nur gegen Polen richtet, ist auch daraus ersichtlich, daß bei Ehepaaren nur derjenige Teil davon betroffen wird, der Pole war, also nicht Mann und Frau zu gleicher Zeit. Es befinden sich unter ihnen Leute, die 18, 19, 20 und noch mehr Jahre bereits hier ansässig sind. Der wirtschaftliche Ruin dieser Leute wäre in der Tat etwas Schreckliches. Bei den Verhandlungen hat man die Zusicherung erlangt, daß alle Härten vermieden werden würden, insbesondere werden diejenigen, die seit längere Zeit hier wohnen, nicht ausgewiesen werden. Auch die erst seit kurzem hier Weilenden werden von jeder unnötigen Härte befreit bleiben. Der Gemeindevorstand hat sich der Leute angenommen, und es wird gehofft, daß man ein günstiges Ergebnis erzielen werde. Herr Justizrat Cohn will nicht sagen, daß die Maßnahmen gegen die Arbeiter ergriffen seien, weil sie Juden sind, indessen bedauere er die Tatsache, daß die meisten der Betroffenen Juden sind. Der Gemeindevorstand möge, da er in dieser Angelegenheit mit der H^aatsbehörde verhandelt, die Sache zum Gegenstand einer a!;.,neinen Erörterung machen. Er führt einen besonders krassen Fall an, in dem ein junger Mann, der sich nichts hatte zuschulden kommen lassen, trotz aller erdenklichen Mühe ausgewiesen wurde. Es handelt sich hier also um ein ganz allgemeines Kapitel, für welches eine allgemeine Aussprache wünschenswert wäre. Prof. B l a s ch k e spricht den Wunsch aus, der Gemeindevorstand möge zusammen mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in dessen Kompetenz ja die Angelegenheit falle, Vorgehen. Herr Justizrat Breslauer verweist darauf, daß Zentralverein und auch Verband der deutschen Juden in ähnlichen Fällen schon wiederholt Schritte unternommen hätten. Er könne sagen, daß man augenblicklich in den Ausweisungen nicht allgemein vorgehe, sondern jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werde. Sehr häufig sei die Veranlassung zur Ausweisung die Denunziation irgendeines Konkurrenten. Herr Lewinski verweist darauf, daß diese galizisch-russi schen Industriearbeiter eine große und blühende Industrie, die Zigarettenindustrie, erst haben milschaffen helfen. Es wäre ungerecht, die wirtschaftliche Bedeutung dieser Arbeiter nicht auch in Betracht zu ziehen. Er hoffe, daß es dem Gemeindevorstand gelingen werde, die Sache zu gutem Ende zu führen. Herr Direktor Minden verweist unter dem Beifall der Versammlung darauf, daß Zigarettenarbeiter schwerlich Landarbeiter werden könnten, weil sie sich keinesfalls dazu eignen und sie wegen ihrer mangelhaften Leistungen sehr bald brotlos sein würden. Man könne seinen Beruf nicht wie ein Kleid wechseln. Wenn man schon in Verhandlungen mit der Staatsbehörde stehe, so wäre es vielleicht wünschenswert,

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