Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 16 (17.4.1914)
- Date
- 1914-04-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 268 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 Bei der Neuwahl wurden die ausgelosten Herren: Komm.-Rat Alexander Simon, Jacob Duschinsky und Ignatz Löffler auf eine dreijährige Mandatsdauer wiedergewählt; ferner Herr Emanuel Schnabel mit einer dreijährigen Mandatsdaucr und Herr Otto Rad in g er mit einer einjährigen Mandatsdauer neugewählt. Die beiden Rivisoren, Herr Siegfried Dörfler und Herr Isidor Spitz, wurden per Akklamation wiedergewählt. Das 25jährige Jubiläum des Kultusvorstehers Herrn kaiserl. Rates Josef Stein, Zwittau. Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums des Herrn kaiserlichen Rates Josef Stein als Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Zwittau fand am 25. März in dem herrlich dekorierten hiesigen Tempel eine solenne Feier statt, an der Statthaltereirat Ritter von Kho.ß, Bürgermeister Karl Schuster, Reichsrats- und Landtagsabgeordneter Hugo A l b r e ch t, die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, Vereine, Körperschaften sowie die Vertreter der evangelischen Kultusgemeinde und einiger auswärtiger israelitischer Kultusgemeinden teilnahmen. Einige Monate vorher bildete sich unter dem Vorsitze des Vorsteher-Stellvertreters Herrn Fabrikanten Ferdinand Beamt ein Festkomitee, dem u. a. angehörten: Rabbiner Dr. Felix Kanter, Dr. Jellinek, Brüsau, Emil Wagner, Zwittau, und einige Mitglieder des Vorstandes. Das erwähnte Komitee stellte sich?zur Aufgabe, alle nötigen Vorarbeiten zu inszenieren, um die Feier zu einer in jeder Beziehung würdigen zu gestalten, was ihm auch tatsächlich gelang. Die Begrüßungsrede hielt Rabbiner Dr. Kanter, worauf Statthaltereirat Ritter von K h o ß den Jubilar begrüßte und ihm zu dem ihm von Sr. Majestät verliehenen Titel eines kaiserlichen Rates gratulierte. Es sprachen darauf: Bürgermeister Kommerzialrat Karl Schuster, der unserem Vorsteher die Glückwünsche der Stadtgemeinde überbrachte, sowie der ObmaNir des Zwittauer Lehrervereines Herr Fachlehrer Be ran, der den Jubilar, welcher Mitglied des Orts- und Bezirksschulrates ist, Namens der Lehrerschaft beglückwünschte. Hieraus hielt Vorsteherstellvertreter Ferdinand Beamt folgende Ansprache, die hier im Wortlaute folgt. Rede des Vorsteherstellvertreters Ferdinand Beamt: Hochverehrter Herr Kultusvorsteher! Die zahlreichen vielseitigen Verdienste, die Sie sich im öffentlichen Leben erworben haben als Angehöriger des Zwittauer Gemeindeausschusses, als Bezirks- und Ortsschulrat, als starker, gewichtiger Förderer unserer heimischen Tertilindustrie, sind bereits allgemein bekannt und auch mehrseits, insbesonders von unserem geistlichen Oberhaupte in seiner glänzenden Rede anerkannt und gewürdigt worden. Als Ihr derzeitiger Stellvertreter weih ich, welcher Unsumme von Arbeit und Liebe zur Sache eine gedeihliche Entwicklung bedarf und wir Mitglieder der Zwittauer Kultusgemeinde finden nicht genug Worte des wärmsten und herzlichsten Dankes für Ihre opferfreudige und selbstlose Tätigkeit als unser Vorsteher. Ein volles Vierteljahrhundert ist verflossen, seit Sie unserer Kultusgemeinde vorstehen. Ich möchte diese Gelegenheit benützen und in aller Kürze an die Zeit erinnern, in der die äußeren Rechtsverhältnisse der Israeliten im Lande Mähren, wie in ganz Oesterreich, einer reichgesetzlichen Regelung noch entbehrten. Die .Glaubensgenossen einzelner Städte und Bezirke schlossen sich zu sogenannten Kultusoereinen zusammen, zu privaten Vereinigungen, die unter keinen besonderen Schutz der Gesetze gestellt waren. — Die Ausgestaltung der Bet- und Kultusvereine zu Kultusgemeinden und die Festlegung der Rechtsverhältnisse war das Ziel, dem die Männer jener Zeit, die an der Spitze der Kultusvereine standen, zustrebten. Schon damals standen Sie, verehrter Herr Kultusvorsteher, an der Spitze des Zwittauer Kultusvereines, und bereits in dile Zeit Ihrer Wirksamkeit fällt das Erscheinen des Reichsgesetzes vom Jahre 1890 uitd der ministeriellen Verordnung für das Land Mähren vom Jahre 1891, mit denen die Rechtsverhältnisse der religiösen Gemeinschaften der Israeliten ihre gesetzliche Regelung fanden. . Die Anwesenheit unseres hochherzigen Monarchen in Brünn, der vor etwa 20 Jahren gerade dort weilte, benützten Sie mit anderen gleigesinnten Männern des Landes, um in einer Audienz bei Sr. Majestät den Dank der neu geschaffenen mährischen Kultusgemeinden ehrfurchtsvoll abzustatten. Mit rastlosem Eifer wandten Sie sich einer neuen großen Ausgabe zu: der Erbauung eines der Gemeinde würdigen Gotteshauses. Auch diese schwierige Aufgabe wußten Sie in kürzester Zeit zu lösen, denn bereits im Jahre 1902 fand die feierliche Eröffnung unserer neuen, schönen Synagoge statt. Ebenso fällt unter Ihre Aera die Schaffung des neuen Friedhofes sowie die Kreierung einiger Wohltätigkeitsstiftungen, von denen insbesondere die aus Anlaß des allerhöchsten 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät geschaffene Kaiser Franz Joseph-Stiftung hervorzuheben wäre, Doch damit ist Ihre Tätigkeit, verehrter Herr Vorsteher, noch lange nicht erschöpft. Immer tätig und hilfbereit, gewannen Sie sich alle zu Freunden. Einer besonderen Hervorhebung bedarf, da es den Menschen in Ihnen so charakteristisch offenbart, Ihr mildtätiger Sinn und die Mitwirkung bei zahlreichen Wohltätigkeitsvereinen und Anstalten in Gemeinschaft mit Ihrer von gleichen Grundsätzen beseelten hochverehrten Frau Gemahlin, da Sie stets von Mitgefühl geleitet, nie dem Jammer und Elend der Armen und Kranken Ihr edles Herz perschließen. Mit diesen wenigen Worten versuchte ich, ein bescheidenes Spiegelbild Ihrer arbeitsreichen und fruchtbringenden Tätigkeit zu bieten. Wenn ich Ihnen jetzt, hochverehrter Herr Kultusvorsteher, diese Adresse überreiche, welche pon allen unserer Gemeinde angehörenden Glaubensbrüdern gezeichnet ist, so wollen Sie derselben den Ausdruck des innigsten Dankes und der Verehrung jedes einzelnen entnehmen. Ich erlaube mir, mit dem Wunsche zu schließen, daß unserem Gemeinwesen noch lange, lange Ihre segensreiche Arbeitsfreudigkeit ungeschwächt erhalten bleiben. Hochansehnliche Festversammlung! In meiner Eigenschaft als Kultusvorsteher-Stellvertreter an die Spitze des Festausschusses gestellt, kann ich es mir nicht ver-- sagen, Sie, verehrte Anwesende, gleichfalls zu begrüßen. Zur besonderen Ehre rechnen wir uns an, den Herrn Statthaltereirat Khoß von Ster"egg namens der politischen Behörde, den Herrn Bürgermeister Kommerzialrat Karl Schuster, Vizebürgermeister Dr. Budig samt dem verehrlichen Gemeinderate der Stadt Zwittau, den Herrn Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Hugo Alb recht, die Spitzen der lokalen Behörden, Anstalten, Korporationen, die Herren Vertreter der evangelischen Gemeinde sowie die Deputationen auswärtiger Kultusgemeinden und alle übrigen werten Gäste von näh und fern begrüßen und ihnen den Dank abstatten zu können für ihr zahlreiches Erscheinen, iwodurch sie den Glanz der heutigen Feier erhöht haben. Wir haben uns hier versammelt, einen Mann zu ehren, der wohl als das Muster eines Bürgers bezeichnet werden darß der sein Können und Wollen in den Dienst feiner Heimatsgemeinde' und den seiner Glaubensbrüder gestellt hat und dem es nun gegönnt ist, die Früchte seiner selbstlosen Tätigkeit herangereist zu sehen,. Mit berechtigtem Stolze kann ihn das Bewußtsein erfüllen^ seine Mühe und Arbeit nicht nur durch die Dankbarkeit feiner Mitbürger belohnt zu wissen, sondern auch die überaus ehrende Anerkennung unseres erhabenen .Monarchen zu besitzen, der selbst als hehrstes Muster aller Bürgertugenden an der Spitze unserer großen Völkerfamilie steht. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Schlesinger aus Olmütz init einem trefflich geschulten Chore unter Assistenz des hiesigen Kantors Ehrlich. Die Feier ilahm einen glänzendelt Verlauf und lvird allen Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. schließlich sei noch erwähnt, daß dem Jubilar eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreicht und ihm zil Ehren eine Gedenktafel in der Vorhalle angebracht wurde. Der Obmann der ChewraK discha, Herr Leopold L u st i g, spendete aus dem gleichen Anlasse eine herrliche Thorakrone mik der Widmung für den Jubilar. Zehn Vorlesungen Mer neuhebräische Dichtkunst. Der junge ungarische jüdische Schriftsteller Dr. Ludwig Scabolcsi hat soeben einen Zyklus von zehn Vorlesungen abgeschlossen, welche er in verschiedenen ungarischen Städten über die neuhebräische Dichtkunst abgehalten hat. Diese Vorlesungen wurden in den meisten Städten nicht nur von einem überaus zahlreichem jüdischen Publikum, sondern.auch von der christlichen Intelligenz besucht und mit außerordentlichem Beifall ausgenommen. In diesen Vorträgen hat Dr. Scabolcsi die nachbenann-