Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 16 (17.4.1914)
- Date
- 1914-04-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 267 Talmuds die Stunde, wo die Erschaffung des Menschen vollbracht wurde. Ganz willkürlich war die Verlegung der Schöpfung auf 4104 Jahre hinter das Jahr 346 demnach nicht. Denn die jüdischen Weisen der damaligen Zeit haben wohl an der Hand der biblischen Angaben die Begebenheiten seit der Zeit des ersten Menschengeschlechts bis zu ihren Tagen auf einen Zeitraum von ungefähr 4104 Jahren berechnet. Zur genauen Feststellung eines Schöpfungstages aber sind sie von dem Jahre der Sonnenfinsternis 346 ausgegangen und haben 4104 Jahre zurück dasjenige Jahr als Schöpfungsjahr gewählt, dessen mittlerer Neumond für den ersten Monat Tischri an einem Freitag, morgens 8 Uhr, stattgefunden hat. Jedenfalls ist nach dem Verfasser die Zählung nach Jahren des Schöpfungsjahres, die sich weder in Bibel noch in der Mischnah, sondern in aus einer relativ späten Zeit stammenden Zitaten des Talmud findet, nicht vor dem Jahre 346 üblich gewesen. Ljutostansky. Kein russischer „Gelehrter" hat in der Politik gegen die Juden eine solch verhängnisvolle Rolle gespielt als Hippolyte Ljuiostansky.j Jahrzehnte hindurch hat er allen Rassefanatikern und Eeschäftsantisemiten, allen Pogromisten und Ritualmordjägern die „wissenschaftliche" Grundlage der Pogromnotwendigkeit gewährte Lange Zeit war auch die russische Bureaukratie von seiner großen Gelehrsamkeit überzeugt, und selbst Alexander III. hatte ihn ausgezeichnet..- So oft es gar einen Ritualmordprozeß gab, hieß es seitens der Vertreter der Ritualmordanklage immer wieder: „Siehe Ljutostansky, Band soundso, Seite soundso." Roch in den achtziger Jahren hatte Ljutostansky zur Widerlegung seiner sämtlichen antisemitischen dickleibigen Bücher ein kleineres Werk perfaßt, er hatte es selbst drucken lassen und war damit an die Juden um Unterstützung herangetreten. Als er aber von den Juden zurückgewiesen wurde, da stampfte er das Anti-Ljutostansky-Werk ein, und nur einzelne Exemplare davon sind in private Hände gelangt. Von da ab hatte er sich an alle möglichen jüdischen autoritativen Persönlichkeiten mit ähnlichen Angeboten herangemacht und sich anheischig erklärt, seine in früherer Zeit geschriebenen antisemitischen Hauptwerke der Vernichtung preiszugeben., Nie hat er jedoch mit seinen Angeboten bei den Juden Gegenliebe gefunden. So blieb er für die Antisemiten nach wie vor die große Kapazität des Ritualmordgedankens, der Kabbalagelehrsamkeit und des Talmuds und wurde selbst noch im Kiewer Prozeß oft zitiert. I (Jetzt ist nun Ljutostansky in einem Prozeß endgültig entlarvt worden«, Kein geringerer als der bekannte Politiker Roditschew erzählte unter Eid, wie Ljutostansky eines Tages zu ihm gekommen hei und ihm vorgeschlagen hätte, die neue Auflage seines > Werkes über den „Gebrauch christlichen Blutes durch Juden", das der Verfasser selbst als' ein schädliches Werk bezeichne, für 7000 Rubel anzukaufen. Als ihm dann Roditschew bemerkte, daß er keinen Bedarf dafür habe, da meinte Ljutostansky, er besäße ja viele bekannte Juden, denen er den Kauf vorschlagen könnte. Ljutostansky leugnete naturgemäß vor Gericht die ganze Erzählung Roditschews, es stellte sich aber dabei heraus, daß er mit dem gleichen Ansinnen an den Dumaabgeordneten Gegetschkori herangetreten war. Korrespondenzen. Generalversammlung des isr. Synagogenvereines „Beth Israel". Am 29. März l. I., 3 Uhr nachmittags, fand die 32. ordentliche Generalversammlung des isr. Synagogenvereines „Beth Israel" im Sitzungssaale des Vereines, II., Leopoldsgasse 29, unter zahlreicher Beteiligung der Mitgliederschaft statt. Der Vorsitzende Herr Ignatz Iolles eröffnete die Versammlung, konstatierte die Beschlußfähigkeit und richtete eine Ansprache an die Mitglieder, worauf der Rechenschaftsbericht pro 1913 erstattet, sodann über Antrag der Herren Rechnungsrevisoren dem Vorstande das Absolutorium erteilt und für dessen Mühewaltung Dank und Anerkennung ausgedrückt wurde. Währenddessen erschien der Delegierte der^ israel. Kultusgemeinde, Herr Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber, der, vom Vorsitzenden herzlichst begrüßt, in seiner hiefür dankenden Entgegnung »namens der isr. Kultusgemeinde hervorhob, daß dieselbe wachsamen Auges das gedeihliche Mrken des Bethausvereines „Beth Israel" verfolgt und anerkennt und verspricht, daß die isr. Kultusgemeinde nach Möglichkeit bestrebt sein wird, diesen Bethausverein zu stützen und zu fördern. Der Vorsitzende Herr Ignatz Zolles dankte dem Redner und setzte mit Bestimmtheit voraus, daß gegebenenfalls dem Versprechen gewiß auch die Tat folgen wird. __ __ Bei der sodann vorgenommenen Wahl des Vorstandes wurden die ausgelosten Vorstandsmitglieder resp. Bethausvorsteher, und zwar die Herren Julius Brecher, M. H e u b l u m, Dr. Leo Landau, Jakob B r a m m und Alerander Landau wieder-, Osias I u e r und Jakob Weichselbaum neugewählt, worauf narb Entfall der Eventualien die Generalversammlung geschlossen wurde. In der am 5. April l. I. stattgefundenen konstituierenden Vorstandsfitzung sind einstimmig die Herren Ignatz I oll es zum Obmann. Alerander Landau zum Obmannstellvertreter, Emil P o m e r a n z zum Schriftführer, Dr. Carl Lifczis zum Schriftsührerstellvertreter und Jakob W e i ch s e l bäum zum Kassier gewählt worden. Chewra-Kadischa Fünfhaus. Am 13. April fand im Sitzungssaale, XV.. Turnergasse, die 49. Generalversammlung des Vereines statt, welche eine besonders rege Beteiligung aufwies. Der Vorsitzende Präses Herr Weinberg er begrüßte die Anwesenden, insbesondere den jüngst installierten Rabbiner der Bezirke XII—XV, Se. Ehrwürden Herrn Dr. I. T a glich t, wie auch den Delegierten des Kultusvorstandes, den Kultusvorsteher Herrn Samuel Steiner, und das langjährige Mitglied Herrn Siegfried S t e i n, dessen Anhänglichkeit zürn Bezirke der Redner besonders würdigend erwähnte. Vor Nebergang zur Tagesordnung widmete der Präses den beiden Ehrenmitgliedern, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl und dem vieljährigen Präses Herrn Heinrich Neufeld, einen tiefenrpfundenen Nachruf, welcher von der Versammlung stehend angehört und zu Protokoll genommen wurde. Hierauf hielt der Präses folgende Ansprache: „Sehr geehrte Generalversammlung! Aus dem Jahresberichte dürften Sie die Tätigkeit des Vorstandes im verflossenen Jahre erfahren haben. Was ineine Leistungen selbst betrifft, kann ich leider bis jetzt nichts mitteilen, da ich erst seit kurzer Zeit die Ehre habe, an der Spitze des Vereines zu stehen. Doch soll es mir an dem guten Willen nie fehlen. Gutes zu leisten. So habe ich mir unter anderem zur Aufgabe gemacht, stets für die kranken und notleidenden Mitglieder als auch für Nichtmitglieder nach Tunlichkeit Sorge zu tragen." 'Die Ausführungen des Redners wurden von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall ausgenommen.) Weiters teilte Redner mit. daß in der letzten Vorstandssitzung einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, Herrn Josef Löwy als mehrsährigem Kassier des Vereines für seine Bemühungen und hervorragenden Leistungen zum Ehrenmitaliede des Vereines zu ernennen. lLebh. Beifall.) Herr Löwy ist bereits Ehrenmitglied des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XII.—XV. Bezirk, ein Beweis, daß Herr Löwy auf diesen Gebieten unermüdlich tätig ist. Herr Löwy dankte für die Auszeichnung mit den Worten: „Mehr noch als die hohe Auszeichnung selbst freut es mich, daß Sie. geehrte Herren, die Bekanntmachung meiner Ernennung zum Ehrenmitgliede des Vereines geradezu mit ungeteilter Sympathie zur Kenntnis genommen haben." Redner versichert, daß er auch fernerhin seine Kräfte dem Vereine nach Möglichkeit zuwenden werde.