Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 16 (17.4.1914)
- Date
- 1914-04-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 366 Dr. Vkochs Wochenschrift. Nr. 16 seine Truppen an Zahl und Ausrüstung den syrischen Truppen gänzlich inferior in moralischer Beziehung aber standen sie hoch über ihnen. Der Kriegsschauplatz und wohl auch die Ueberlieserung gaben Juda die Anhaltspunkte für die Organisation: er trat nicht in großen Haufen auf, sondern zerlegte seine Mannschaften in kleine Abteilungen, zu 10, 50, 100 und 1000 Mann, so daß er stets die Möglichkeit hatte, die Truppen so zu verwenden, wie es der Augenblick gebot. Führer, Unterführer und Mann waren an selbständiges Handeln gewöhnt. Juda konnte daher auch alle Teile zu selbständigen Aufgaben beordern. Er mußte sie nur disziplinieren, damit alle Kräfte in seinen Intentionen handelten. Der Lehrmeister dieses jungen Heeres, vom Feld- Herrn bis zum letzten Mann herab, war der Krieg. Aus dieser taktischen Anordnung, die ganz den modernen Auffassungen entspricht, ergab sich nun: Die Stärke der jüdischen Truppen lag in ihrer Teilbarkeit, welche in Verbindung mit dem ihnen Zünftigen Gelände des Kriegsschauplatzes in den Gebirgen Judäas daraus hinwies, den Gegner im Zustande geringer Kampfbereitschaft überfallartig anzugreifen. Die Juden suchten nicht in der Verteidigung, sondern im Angriff den Erfolg und fanden ihn auch. Den Schluß des ersten Heftes bilden Betrachtungen über Juda Makkabi und den Krieg. Bei dieser Gelegenheit entrollt der Verfasser ein glänzendes Charakterbild des größten jüdischen Feldherrn: „Mit dem Friedensschlüsse zwischen Antiochus dem Fünften und Juda mußte ersterer den Juden freie Religionsübung gestatten. Judas staatsmännische Einsicht, daß nur durch volle Lostrennung vom Seleukidenreiche ein dauernd glücklicher Zustand seines Volkes gewährleistet werden könne und wohl auch sein Ehrgeiz bewogen ihn, die Waffen nicht nieöerzulegen. Als hiebei das Volk aber nicht mehr mitging, mußte er fallen. Die Zukunst "bewies, daß er richtig gedacht hatte, und seine Brüder hatten das Glück, das Ziel, welches ihm vorgeschwebt war, zu erreichen. Moltke nennt die Strategie ein System der Aushilfen und charakterisiert hiemit die moderne Kriegführung, welche, im offensiven Sinne geführt, sich alles zunutze machen muß, was den Erfolg herbeiführen kann. Die Syrier, unfähig ihre Heere anders als aus der althergebrachten Schlachtordnung heraus zum Kampfe zu bringen, werden in dem gebirgigen Terrain des juüäischen Kriegsschauplatzes hilflos und büßen ihren an sich geringen Offensivgeist ein, weil ihnen jede Anpassungsfähigkeit mangelt. Juda hingegen geht seine eigenen Wege und gibt durch seine starke Persönlichkeit und Individualität dem Kriege das ausschließliche Gepräge. Kühn, tapfer und von ritterlicher Gesinnung, ist er von lebhaftem, beweglichem Geiste, der sich in glänzender Entschlußfähigkeit kund tut. Großzügig in der Anlage, rücksichtslos energisch in der Durchführung, weiß er, sich von jeder Schablone freihaltend, die Verhältnisse voll auszunützen und den Bedürfnissen des Krieges dienstbar zu machen seine Kriegführung ist rationell in des Wortes bester Bedeutung. Zur vollen Würdigung dieses Heerführers wird man erst dann gelangen, wenn man bedenkt, daß seine großen kriegerischen Erfolge unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen erfochten wurden. Juda mußte sich stets mit dem taktischen Erfolge auf dem Schlachtfelöe begnügen, weil seine Truppen hiermit ihre Ausgabe als beendet betrachteten und heimkehrten, wodurch es dem Gegner, welcher in seinen Provinzen über reiches Menschenmaterial und Geld verfügte, ermöglicht wurde, in kurzer Zeit abermals auf dem Kricgsplane zu erscheinen, während die Hilfsquellen Judas immer mehr versiegten, bis endlich die Katastrophe eintrat. Der Freiheitskampf hätte anders geendet, wenn Juda souveräner Feldherr gewesen wäre, denn wie er durch die Offensive ins Ostjordanland Ruhe auf Jahre hinaus geschaffen hatte, so hätte er auch durch Verfolgung seiner Siege ins Herz von Syrien, dessen staatliches Gefüge sich seit Antiochus dem Fünften zu lockern begann, dem Gegner das Gesetz diktieren und die Selbständigkeit Judäas erzwingen können. Der militärische Verfasser hat sich mit der Herausgabe dieses Werkes einer dankenswerten Ausgabe unterzogen. Aus berufenem Munde wird durch das Werk dem Märchen der Boden entzogen, daß die Juden zum Waffenwerk minder fähig seien. Juda Makkabi hat bereits vor zwei Jahrtausenden den großen Wert der Agilität und leichten Teilbarkeit der Armee gewürdigt und auf diesem Grundsätze seine Operationen aufgebaut, ein Standpunkt, der zum Grundprinzip der gesamten modernen Taktik im Felde geworden ist. Der Beginn der Schöpfungsära. Der bekannte Astronom an der Straßburger Sternwarte Dr. B. Cohn behandelt in einem Aufsatz, dessen wesentlichen Inhalt wir hier wiedergeben: „Die Anfangsepoche des jüdischen Kalenders" (Sitzungsbericht der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Gesamtsitzung vom 19. Februar), die Frage, nach welchen Gesichtspunkten die Weisen Israels die Anfangsepoche der Zählweise der Jahre nach der Erschaffung der Welt bestimmt haben. Er kommt zu dem Resultat, daß die Zählweise^ der Jahre nach Erschaffung der Welt seit der Mitte des vierten Jahrhunderts der gewöhnlichen Zeitrechnung aufgekommen ist, und zwar gleichzeitig mit der Einführung des konstanten Kalenders im Jahre 346 der üblichen Zeitrechnung unter dem Synhedrial-- präsidium von Hillel II. Der Verfasser verbindet in geistreicher Weise Tradition und Astronomie, um zu seinem interessanten Resultate zu gelangen. Nach den Weisen hatte jede der 12 Stunden des sechsten Schöpfüngstages für den ersten Menschen eine besondere Bedeutung; in der dritten Stunde, also um 8 Uhr morgens, sei die Bildung der Gliedmaßen erfolgt. Mit dieser bedeutungsvollen Stunde wurde die Festsetzung des ersten Neumonds in Beziehung gebracht und auf die dritte Tagesstunde des Freitag, also aus 8 Uhr vormittags, gelegt. R. Obadja zu Kiddusch Hachodesch des Maimonides erklärt daraus, daß der „Neumond der Oede" auf Montag nachts 5 Stunden und 204 Stundenteile festgesetzt wurde. Im Jahre 346 nach der üblichen Zeitrechnung herrschte in Palästina und ganz Kleinasien in den Vormittagsstunden des Freitag, 6. Juni (julianifchen Datums), eine allgemein sichtbare totale Sonnenfinsternis, bei der in Jerusalem das Marimum der Sonnenverfinsterung morgens 6 Uhr 33 stattgesunden hatte. Dieser Sonnenfinsternis, sagt der Verfasser, werden die jüdischen Weisen jener Zeit ihre neu ausgestellten Kalenderregeln zugrunde gelegt haben. Das jüdische Datum jenes Tages war der Tag vor dem Neumonde des Tamus. Wie der Verfasser nachweist, lag für die jüdischen Weisen jener Zeit gar Lein Bedenken vor, den wirklichen Moled von Tamus, also die wahre Konjunktion zwischen Sonne und Mond, wie sie durch die Finsternis gegeben war, auch für den Moled des Monats Tischri jenes Jahres 346 gelten zu lassen und dafür die volle Stunde, also 7 Uhr morgens, anzusetzen. „Die jüdischen Chronologen, denen der 19jährige Schaltzyklus nicht unbekannt war, werden bald herausbekommen haben, daß alle 216 X19 — 4104 Jahre der Moled der einzelnen Monate um eine ganze Stunde zurückweicht." Das Synhedrin unter Hillel II. konnte daher das Jahr 346 d. ü. Z. als das 4105. Jahr nach der Erschaffung der Welt annehmen.. Es ergab sich daraus, daß 4104 Jahre vorher, am Freitag der letzten Woche des Jahres 1 der Schöpfung, der Mensch erschaffen wurde. Am selben Tag fand der Moled Tischri des Jahres L der Schöpfung statt. Ilm wie viel Uhr? Da auf Grund der Sonnenfinsternis des Jahres 364 d. ü. Z. — 4105 nach Erschaffung der Welt der Moled Tischri um 7 llhr vormittags angesetzt wurde und da alle 4104 Jahre der Moled um eine Stunde zurückweicht, mußte der Moled Tischri des Jahres 2 der Schöpfung um L Ahr Vormittags sein. Dies war aber nach den Weisen des