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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-17 · 16 (17.4.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
16 (17.4.1914)
Date
1914-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 262 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 16 und regiert werden sollen". Die durch das königliche Dekret geschaffene und dem Ministerium unterstellte (Junta d^ Euseiianza en Alamiccos) „Gesellschaft für das Unterrichtswesen in Marokko" wurde u. a. beauftragt, die Lücke auszufüllen, die sich hinsichtlich der Spezialstudien über das jüdische Volk in unserem offiziellen Unterrichtsprogramm bemerkbar macht, da die Literatur des Judentums in Spanien so überaus reich ist. Es ist logisch, fügt das Dekret hinzu/daß dieses Ministerium (d. h. des Aeußern), das gegenwärtig das größte Interesse an der Einführung der rabbinisch-wissenschaftlichen Disziplin habe, sich damit befaßt, diesem Mangel provisorisch abzuhelfen, ohne der eventuellen Weiterentwicklung, die dieser Gegenstand später durch den Unterrichtsminister erfahren könnte, zu beeinflussen. Und so wurde an geordnet, daß die „Gesellschaft für das Unterrichtswesen in Marokko" in Uebereinstimmung mit der Roal Academia de Jurisprudencia” (der königlichen Akademie für Rechtswissenschaft) mit Unterstützung des Ministeriums des Aeußern in dem „Institute Libre de Carreras diplomätieas y consular y Centro de Estudios Marroquien (Institut für Diplomatie, Konsulardienst und marokkanische Studien) eine Reihe von Konferenzen über spanischjüdische Geschichte und Literatur veranstalten soll, die als Voraussetzung eines ordentlichen Lehrstuhles für diese Materien angesehen werden soll, und zwar in einer Form und unter Umständen, die das Ministerium für richtig erachten wird. Heute existiert, wie bekannt, nur ein Lehrstuhl für hebräische Literatur an der philosophischen Fakultät, der von dem ausgezeichneten Professor der hebräischen Sprache Herrn Caspar Romiro besetzt ist. In einer Sitzung der erwähnten Gesellschaft, der unter anderen unsere ausgezeichneten Orientalisten Ribera und A s i n sowie der Direktor des Instituts Fernandez Prida beiwohnten, wurde nach Befragen auswärtiger hervorragender Gelehrter beschlossen, den Orientalisten Dr. A. S. Iahuda von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, der unter anderem auch durch die Veröffentlichungen des Kitab-al- Hidaya des Philosophen Bachis-ibn-Joses-ibn-Baeuda bekannt ist, zu berufen, dieser wird nunmehr in einigen Tagen seine Konferenzen in dem Institut für Diplomatie und Konsulardienst in der Akademie für Rechtswissenschaften beginnen, nachdem er bereits seit mehreren Wochen einen Kursus für Studierende im Seminar der Universität für historische Studien leitet. Ueber die Qualitäten des Herrn Iahuda haben sich bereits andere Preßorgane im besonderen geäußert. Es ist jedoch angebracht, die politische Bedeutung hervorzuheben, die unserem begonnenen Werke im Auslande beigelegt wird. Es sind verschiedene Zeitungen, die anläßlich der erwähnten Berufung und anderer Vorfälle, wie z. B. der Ankunft der Deputation der Hispano-Hebrea zu Tanger in Madrid, die jüdisch-spanische Frage besprochen haben. Die „Frankfurter Zeitung", die „Kölnische Zeitung" sowie „Deutsches Reich" und „Jewish Chronicle" heben. hervor, daß die so gearteten Beziehungen, die wir im Begriffe sind zu diesem Volke anzuknüpfen, das ohne Land ist, dessen Einheit aber durch vorherrschend geistige Faktoren in der Geschichte dauernd besteht, viel wirksamer sein können als andere überhaupt. Das Bestreben, dem Studium der jüdischen Geschichte in Spanien seinen gebührenden Platz anzuweisen, sowie der Wunsch, dieses eben durch jüdische Elemente besorgen zu lassen, die mit der einzigen Absicht und zu dem einzigen Zweck berufen werden, der Wissenschaft zu dienen, bekunden schon eine aufrichtige Wertschätzung dieser Studien und den guten Willen zu einer gemeinsamen geistigen Arbeit. Ohne die Notwendigkeit, direkte oder indirekte Politik „zu machen", wird dieses Unternehmen, wenn es ausschließlich und uneigennützig in der Suche nach der Wahrheit allein geschieht, Sefardim und Spanier in gemeinsamer Arbeit vereinigen können. Für die marokkanischen Juden aber wird es eine sichere Gewähr dafür sein, daß Spanien zu ihnen kommt, indem es von freundschaftlichen Gefühlen durchdrungen und vom Wunsche getragen ist, Sitten und Gebräuche, die in einer Religion begründet sind, die verschieden ist vom Bekenntnis der Mehrzahl der Spanier, zu respektieren. Außerdem werden sich die Juden aller Länder, die, wenn es ihnen auch bekannt ist, daß der Geist des famosen Archidiakonos von Ecija, Don Ferran Martinez, aus den Zeiten Don Juans I. bald in uns mit großer Gewalt erwachen wird, von ihrem Irrtum überzeugen. Endlich würden die Studienbeflissenen von der magnetischen Kraft der großen Namen ihrer Vergangenheit angezogen und von der Sehnsucht nach den reichen Judengassen und den Orten, wo ihre Vorfahren litten, ergriffen, ihre Schritte wieder nach Spanien, als dem Zentrum ihrer Kultur wenden, wenn die erwähnten Unterrichtsdisziplinen bei uns wirklich erneuert, entwickelt und richtig organisiert sein werden. Es ist selbstverständlich, daß das nicht alles ist, und daß auch nicht eine Reihe von Konferenzen ausreicht, selbst wenn sie von einem Dr. Iahuda gehalten und von der „Gesellschaft für das Unterrichtswesen in Marokko" gefördert werden. Doch der Anfang ist gemacht; der Zweck dieser Zeilen ist, eben die Aufmerksamkeit auf diesen Anfang hinzulenken. Krakauer Kries. Die Zustände hier in Galizien sind leider noch immer arg genug und versprechen gar nicht besser zu werden. Die Kriegsangst ist zwar beinahe ganz geschwunden, allein die Opfer, die wirtschaftlichen Leichen der verflossenen Kriegsfurcht, sind sehr zahlreich und mehren sich noch immer von Tag zu Tag. Zur allgemeinen sehr mißlichen ökonomischen Lage des igalizischen Kronlandes treten die speziellen Umstände hinzu, unter welchen unsere Glaubensbrüder — im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung — bedeutend stärker leiden und seufzen. Alles verschwört sich geradezu, um den jüdischen Bürgern das Leben möglichst sauer, beinahe unerträglich zu machen. Vor kurzem erst erscholl der Mahn- und Klageruf wegen des unerhörten Judenelends im galizischen Landtage aus dem Munde des Präsidenten der Advokatenkammer, Landtagsabgeordneten Dr. Tobias Aszkenazy — sein Widerhall ertönte in der europäischen Presse und erregte allgemeines Aufsehen. Daß dieser Schrei eines fühlenden Herzens kein Gehör gefunden und in die tauben Ohren der judenfeindlichen Landtags-Majorität nicht eingedrungen ist, ist leider wahr, beinahe hätten wir gesagt selbstverständlich. Schlimmer ist, daß die nationalen Ideale zu nationalistischen Hetzereien zwecks fortgesetzter Verfolgung der jüdischen Mitbürger immer mehr mißbraucht werden. Es klingt geradezu unglaublich, wenn man vernimmt, daß ernste Vereine reifer Männer den rüdesten Boykott ihrer jüdischen Mitbürger offen und unehrlich verkünden. Wir müssen uns fragen, wohin soll es denn kommen, wenn eine Vereinigung, welche sich die Hebung der polnischen Stadtbe.völkerung zur Ausgabe gemacht hat, ihre Spitze gegen die Juden in rücksichtsloser Feindseligkeit kehrt. Die „Liga spolszczt nia miast“ (Vereinigung zur Polonisierung der Städte) hat nämlich am 5. April 1913 (vgl. ,.$]owo polskr*. Nr. 139 vom 7. d. M.) unter dem Vorsitze ihres Präsidenten Fürsten Franz Ratz iw il eine Sitzung abgehalten, in welcher sich

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