Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 16 (17.4.1914)
- Date
- 1914-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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oG Br. 16 Dr. Bloch’s I«tzrsimg xxxi Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. "■ —O o n. h. Postjp«rllaN»n«mt Q Eleartng-Verkebr «r. 810.976. RedaMon und Administration; Witn ll/i, Praterstraße 9 h 'Telefon 14847 J nr...o% Wien. 17. April 1914 : LrscbeLnt jeden freltag.: Brief-Adreffe: Wie«, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Blocht Wochenschrift, Wie«. OO-1 : : -=DC p «etugepref» für DrfierreUH: Halbjährig 8 Kronen: Sinzelexemplare 50 Heller. Für'» Nusl«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nal gespal-! 2 tene Pelitzeile 4a Heller. O r»Q - —tD Inhalt: Leitartikel: Ein Versuch zur Anwerbung spanischer Juden. — Krakauer Brief — Dr. Viktor Rosenfeld. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Behandlung der jüdischen Emigranten auf den Schiffen der Canadian-Pacific-Railway. Der Dank der rumänischen Juden. Jüdische Kriegsgeschichten. Der Beginn der Schöpfungsära. — Korrespondenzen: Generalversammlung des israelitischen Synagogenvereines „Beth Israel". Chewra-Kadischa Fünshaus. Das 25jährige Jubiläum des Kultusvorstehers Herrn kaif. Rates Josef Sturm. Zwittau. Zehn Vorlesungen über neuhebräische Dichtkunst. Ein jüdischer Dorfrichter in Ungarn. Konfessionelle Eintracht. Konsisiorralversammlung in Serbien. Die Verfolgung polnischer Juden in Deutschland. Die unsichere Lage der Juden in Tripolis. 122 jüdische Advokaten ausgeschlossen. Die Krise der russischen Industrie. Das „Ritualmord"- Märchen. Ljutostansky. Jckob H. Schiffs neueste Widmung. Die Erziehung der Kinder des Beilis. Absolventen des Jaffaer Gymnasiums wandern nach Amerika aus. Die kanadische Regierung erschwert die Einwanderung russischer Juden. — V e r m i s ch t e s. — Feuilleton: Moritz Lazarus' Autobiographie. — Literatur — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. ü» V"Inch jur Anwerbung spanischer Inbe«. Von Manuel Conzalez Hontoria. (Ehemaliger Unterstaatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten.) Seit langer Zeit schon und hauptsächlich seit Dr. Pulido ein Buch veröffentlicht hat mit der Absicht, die Aufmerksamkeit des großen Publikums dafür wachzurufen, weiß Spanien, daß im europäischen Orient und in der asiatischen Türkei eine beträchtliche Anzahl von Juden spanischen Ursprungs — die sogenannten Sefardim — leben. Diese bewahren noch die spräche ihrer Vorfahren sowie die Erinnerung an das Land, in dem jene gelebt haben, und. würden selbst vom Gesichtspunkt nationalökonomischer Interessen aus einen äußerst wertvollen Faktor darstellen, sobald der Kontakt zwischen unserem Lande und ihnen hergestellt und ihre Sympathien für uns wieder belebt werden würden. Zur Verwirklichung dieser Idee wurden verschiedene Wege vorgeschlagen: 1. die Gründung von Schulen, um die kastilische Sprache von den Verbildungen zu reinigen, welche sie bei den Sefardim durch jahrhundertelanges Zusammenleben mit fremden Völkern erlitten hat; 2. das Anwerben der Nachkommen derjenigen für unser Land, die vor vier Jahrhunderten von hier vertrieben wurden; 3. geeignete Mittel anzuwenden, die den Sefardim ermöglichten, sich stolz zu unserer Nationalität zu bekennen, bezw. sich unter spanischer Protektion zu stellen. Was den dritten Vorschlag betrifft, so wurde im verflossenen Jahre, wenn üuch in bescheidenem Maße, etwas erreicht. So haben z. B. Juden spanischen Ursprungs, die nach Beendigung der türkischen Herrschaft in Saloniki unter unserer nationalen Flagge zu bleiben wünschten, auf unserem Konsulat, gemäß den seitens unserer Regierung erteilten Instruktionen, das nötige Entgegenkommen gefunden. Die Ausführung der beiden ersten Vorschläge — Schulen und Emigration — sind, um die Wahrheit!zu sagen, nicht versucht worden. Ersterem Vorschlag standen trotz wiederholter Erwägungen dieselben Hindernisse im Wege, die es unmöglich machen, für das Unterrichtswesen unserer eigenen Landsleute im Auslande zu sorgen, denn die Mittel, die offiziell für solche Zwecke genehmigt werden, sind äußerst spärliche. Was den zweiten Vorschlag betrifft, so war zu bedenken, daß Spanien, das ein Land der Auswanderung geworden ist, sich nicht leicht durch eine Einwanderung besiedeln und kolonisieren ließe, ferner, daß der Jude, der wohl ein hervorragender Kaufmann ist, mit Recht oder mit Unrecht als mittelmäßiger Kolonist gilt, und endlich, daß auch sonst die Meinungen über diesen Punkt weit auseinander gingen. Wenn nun die „Kölnische Zeitung" in einer Korrespondenz aus Madrid vom Anfang November bemerkte, daß „die Sefardim politisch dem Mutterlande am nützlichsten sein können, wenn sie von den Ländern aus Mitwirken, in welchen sie sich seit Jahrhunderten niedergelassen haben, so hat sie gewiß das Richtige erkannt. Abseits von allem diesen drang immer mehr die Erkenntnis durch, daß es gut sein würde, einen Boden vorzubereiten, auf dem Sefardim und Spanier unter dem Gesichtspunkt eines gemeinsamen Interesses zusammentreffen würden, nämlich auf dem Boden der historischen Vergangenheit der Juden in unserem Lande. Wohl ließen sich hier Namen von einigen zeitgenössischen Landsleuten, unter ihnen manche hervorragende, nennen, die diesen Zweig der Geschichte, der Literatur, der Philosophie und selbst der Politik gepflegt haben. Doch diese sind Ausnahmen und der eigentliche innere Wert ihrer Arbeit hebt sich gerade dadurch ab, daß sie ausschließlich die Frucht eines Berufes sind und nicht den Hoffnungen entsprungen waren, auf die öffentliche Meinung Eindruck zu machen, für die schließlich das Interesse für diesen Studienzweig bis auf vor ganz kurzer Zeit auf dem toten Punkt stand. Dieser unvorteilhafte Zustand trat durch neue Umstände noch klarer zutage, als Anfang des Jahres 1913 das spanische Volk, wie es in den einleitenden Worten des königlichen Dekrets vom 3. April heißt, „die Aufgabe übernahm, neue Territorien unter ihren zivilisatorischen Einfluß zu stellen, die von Bekennern des Islams und Israeliten bevölkert sind, die als solche unter Achtung ihrer Institutionen und Glaubensbekenntnisse anerkannt