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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-10 · 15 (10.4.1914) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
15 (10.4.1914)
Date
1914-04-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 254 Dr. Blochs Wochenschrift. Nki 15 K r e u z z ü g e, er steht da als Sieger, als Held und als Judenfreund, der ihnen die Pforten des Landes ihrer Sehnsucht öffnet — und der Erfolg? Wir wollen ihn wörtlich — nach der Uebersetzung aus dem Hebräischen lesen aus dem zitierten Buche des Zeitgenossen dieser Epoche, aus den Versen des tiefaufseufzenden, des klagenden und vor innerem schmerze laut aufstöhnenden Alcharisi: ,^Jch sprach zu mir, zu lange schon hast du der Ruhe gepflegt und saßest am häuslichen Herde. Ich will nun fort aus dem Elend Mizraims, um zu schauen die Herrlichkeit Jeruscholaims; ich wendete meine Sehnsucht nach dem Berge Gottes, nach der Stadt, von Gott erwählt, wo einst Verdienste und Rechtlichkeit thronten und voransaßen im königlichen Angesichte im Reiche." „Als ich nun kam in sein Gebiet und dessen Westen überschritt, die Ruine küßte und an deren: Staube mich begeisterte, sprach ich: Wie schön sind deine Zelte, o Berg Zion, deine Wohnungen, wie lieb dein Boden und dein Heim. Nun will ich sterben, nachdem ich dich erschaut! Und ich stimmte mein Huldigungslied an . . . ." „Als ich dasselbe geendet, erhob ich mich von meinen Knien, um durch die Stadt zu wandern. Da erloderte ein Brand des Schmerzes und flammte in mir auf, meine Augen badeten sich in Tränen. Ich erschaute den Ort des Heiligtums, wo durch unsere Sünden die heilige Lampe erlös eh e n und an deren Stelle s r e m - des Feuer b r a n n t e." „Als ich so, mit Trauer im Gemüte, dahinschlich, mit Tränen, gleich Bächen fließend, sah ich vor inir einen Mann von den Einwohnern der Stadt. Dieser sprach zu mir: Ich denke, du bist einer von denen, die im Galuth leben, aus fernen Landen. Ich antwortete: So ist es. Ich hätte als solcher eine Frage an dich zu richten. Sage mir, mann kommen die Juden wieder in diese Stadt? Dieser erwiderte: Von dem Tage an, da die Jsmaeliten sie erobert, haben Israeliten in ihr Ich (wieder) niedergelassen. „Ich srug: Warum besetzten sie sich nicht zur Zeit, da sie noch in der Hand der Christen war? Dieser sprach: Weil sie sagen, wir haben ihren Gott erschlagen und haben ihnen Schande angetan. Hatten diese uns in derselben vorgefunden, sie würden uns lebendig verschlungen haben." „Ich srug ihn: Wie kam es, daß ihr nun wieder hier wohnt. Er aber antwortete: Gott ist voll eifernder Vergeltung, dies ist sein Name. Er erbarmte sich seines Vol cs und sprach: Nicht richtig ist es, daß die Söhne Csaus die Herren des A lerheiligsten seien, wahrend die Söhne Jakobs dara::? vertrieben bleiben; damit nicht die Völker sprechen, Gott habe seinen Erstgeborenen in Haß verjagt und den Sohn der Fremden ihm vorgezogen. Da erweckte Gott den Geist des Königs der Jsmaeliten im Jahre 4959 nach der Zeitrechnung der Schöpfung, ließ aus ihn ruhen den Geist der Einsicht und der Kraft und er zog mit seinem Heere aus Egypten heran, belagerte Jeruscholaim und Gott gab es l;i seine Hand." „Dieser König gebot nun, in asllen Städten den iAn fr u s e r g e h e n z u l a s s e n an groß und klein, mit d.n Worten: Redet zum Herzen Jeruscholaims, daß dahin iomme jebermaitn aus jüdischem 'Stammc, wer immer sich noch besindet in Assur oder Mizraim, alle die Verstoßenen nach aäm Himmelsrichtungen, daß sie sich sammeln von allen Enden zu ihr (der Stadt) und sich lagern in ihrem Gebiete." „Seither würden wir woR im süßen Schatten der Ruhe wohnen, wenn diese nicht zerrissen und erstickt werden möchte. Denn wir haben die b"sen Werke zu fürchten, die sich da vollziehen durch die Gewalt- und Freveltaten. Es ist das Feuer des Hasses und des Streites, das in der Stadt lodert und die Herzen ihrer Bewohner au seinander reiß t." „Denn alle wollen Häupter sein und sind verstockte Gewalthaber. Jedermann wünscht das Unglück seines Nächsten. Der Vater haßt seinen eigenen Sohn, der Sohn seinen Vater. Die Jungen sammeln das Holz zum Brande und die Väter eilen es anzuzünden. Alle Handlungen geschehen geteilten Herzens und niemand führt etwas um Gottes Namen willen aus. Tag für Tag mehren sich die Streitigkeiten und der Zwist und alle Herzen sind zwiespältig, so daß ich den Namen der Stadt als den Stein des Anstoßes bezeichne; die über sie gesetzten Häupter beißen mit ihren Zahnen; das eine Haupt sucht das andere zu Schaden zu bringen und der andere dem Nächsten, so daß sie einander wie Dornen in die Seiten stechen." „Außerdem sind auch unter ihnen Angeber und V c r l e u m d e r, die unter den Brüdern Unheil stiften.. Der eine breitet sein Netz aus, der andere spannt drohend seinen Bogen. So bleibt uns nur das Gebet zu Gott, daß er die Disteln ausreiße aus unserer Mitte, daß er, vor diesem Tode uns bewahrend, uns seine Hilfe noch mit unseren Augen erschauen lassen möge!" „Und er fiiiiimte sein Lied an und sprach:" „Das Feuer des Streites lodert in uns Tag und Nacht und -die Herzen lieben den Zwist." „Wenn ihn nicht auslöschen Männer von Recht und Ehrlichkeit, wird Gottes Zorn entbrennen!" „Gegen jede Krankheit gibt es eine Heilung; jedoch der Eifer bricht den Menschen nieder und verdirbt ihn." „Alle Sünden erträgt Gott und ist langmütig, jedoch d'.e Uneinigkeit ist selbst dem Ewigen unerträglich." „Als der Redner geendet und ich ihn nach seinem Namen srug, sieh! es war Cheber, der Kanite; voll der Freude schloß ich mich ihm an während der Zeit ineines Aufenthaltes aus heiligem Boden." Braucht es zu dieser Darstellung noch weiterer Worte!? Siebenhundert Jahre sind seither verflossen, und wenn heute A l ch a s i r i wieder käme nach Jeruscholaim, er würde den alten Cheber, denKaniten, wiederfinden mit denselben Worten, mit denselben Anklagen. Das alte, mehr als 3909jährige Motto, das Moses int Galuth-Mizraim so tiesverwundert vor seinen streitenden Brüdern ausgerusen, es würde wieder in unseren Ohren schmerzlich klingen: m px „Fürwahr, ich begreife sie, die ungelöste jüdische Weltfrage!" Erst der Judensriede, dann das Judenland! Literatur. „Leitfaden zur Uebersetzung hebräischer Lehrterte aus dem Pentateuch." Im Aufträge des Vorstandes der israelitischen ftultusgcmeinde Wien bearbeitet auf Grund des Lehrplanes für den israelitischen Religionsunterricht an den Volks- und Bürgerschulen in Wien von Julius Braun, Inspektor der hebr. Sprach- und Bibelschuken in Wien. 1., 2. und 3. Heft. Preis: 1. Heft 36 Heller, 2. Heft 50 Heller, 3. Heft 80 Heller, ft, k. Schulbücherverlag, Wien. Es ist heute nicht leicht, ein neues hebräisches Lehrbuch für den Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen zu schreiben. Seit Jahrzehnten wird an dieser wundesten Stelle des jüdischen Religionsunterrichtes herumerperimentiert, und jedes solche Experiment schließt mit einem Neuen Rezept zur Heilung des Grundübels in unserem öffentlichen Unterrichtswesen. Genützt haben alle diese noch so angepriesenen Heilmittel, mögen sie unter welchem Titel immer in Verkehr gebracht worben fein, nicht viel. All die Fibeln, Leitfäden, Lehrbücher rc., welche in den letzten Jahren vor den diversen Religionsschulen um Einlaß baten, weisen nämlich den Fehler auf, daß sie das Problem, dessen Lösung es gilt, verkennen, mißdeuten oder einfach verrücken, um ihm dann eine Lösung auszuoktroyieren, die keine ist. Die meisten dieser Bücher stellen den Versuch dar, dem Schüler in wöchentlichen nicht vollständigen zwei Stunden 'so viel Bibel und hebräische Grammatik in der Ursprache,

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