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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-10 · 15 (10.4.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
15 (10.4.1914)
Date
1914-04-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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©eile 244 Dr. Vlochs Wochmfchrift. Nr. 15 Eine jüdische Dame zur Jugendrichterin ernannt. Die „Newyork Times" meldet aus Washington: Richter Lottimer hat das noch junge Fräulein Sidy Atlas zum Sherif an dem Jugendgerichte und gleichzeitig zur Gerichtssekretärin an demselben Gerichte ernannt. Richter Lottimer ließ sich bei dieser Ernennung, wie er erklärte, von dem Umstande leiten, daß Miß Atlas sich in der öffentlichen Jugendfürsorge der Juden von Washington mit großem Erfolge betätigt, demzufolge die Verhältnisse in diesen Kreisen genau kennt und daher, abgesehen von ihren sonstigen Qualitäten, die sie zu dem Richteramte geeignet machen, bei der Behandlung von Strafprozessen gegen jüdische Jugendliche gute Deinste werde.leisten können. Ehrung jüdischer Gelehrten. Im Newyorker Chemikerklub wurde vorige Woche unter besonderen Feierlich reiten dem j üdischen Professor der Chemie an der Michiganer Universität Dr. M. Gomberg für seine Forschungen und Entdeckungen auf dem Gebiete der organischen Chemie die große goldene Medaille der Gesellschaft überreicht. Professor Gomberg ist ein aus Rußland eingewanderter Jude. Er kam vor ungefähr 20 Jahren nach Absolvierung des Gymnasiums aus der südrussischen Stadt Elisabethgrad nach Amerika, wo er heute zu den hervorragendsten Chemikern der Vereinigten Staaten zählt und das wissenschaftliche Gebiet der Chemie mit einer Anzahl in der ganzen Fachwelt anerkannten Arbeiten bereichert hat. An diese Feier schloß sich eine zweite, und zwar die Enthüllung der Büste des im Vorjahre verstorbenen Gründers und Förderers dieser wissenschaftlichen Gesellschaft, Professors Moris Loeb, dessen Bedeutung für die Forfchungstätigk'eit auf dem Gebiete der Chemie seinerzeit in der ganzen zivilisierten Welt entsprechend gewürdigt wurde. Professor Loeb war nicht nur der Begründer dieser Gesellschaft, sondern hat auch chre Zukunft durch ein reiches Legat für alle Zeiten gesichert. Ein Jude, dem der Antisemitismus genützt hat. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! In Ihrer Nummer vom 27. März 1914 bringen Sie auf Seite 204 unter der Rubrik „Vom Jahrmarkt des Lebens" eine Notiz mit dem Titel: „Ein Jude, dem der Antisemitismus genützt hat". In dieser Notiz wird über meine Klientin, die k. u. k. Hofhandschuhfabrik I. E. Zacharias, eine Mitteilung gemacht, die den Tatsachen absolut widerspricht. Im Vertrauen auf Ihre Loyalität ersuche ich Sie daher, in der nächsten Nummer Ihres Blattes an der gleichen Stelle diese Mitteilung, die auf vollständig unrichtiger Information beruhen muß, zu widerrufen. Denn es ist ganz ausgeschlossen, daß Herr I. E. Zacharias, der stets zur liberalen Partei gehört hat und seit vielen Jahren Mitglied des Vereines der Fortschrittsfreunde war, eine derartige Aeußerung gemacht hat. Im übrigen ergibt sich schon aus der Tatsache, daß in dem Geschäfte der Firma I. E. Zacharias 5 Juden und 2 Jüdinnen teils in führenden Stellungen tätig sind, daß bei der Firma niemals die Anstellung von konfessionellen Gründen abhängig gemacht oder abgelehnt wurde. Auch kann ich durch Einvernehmung der ältesten Beamten beweisen, daß sich innerhalb eines Zeitraumes von mehr als 40 Jahren niemals ein Herr Sende um eine Stellung beworben hat. Es muß sich daher um ein Mißverständnis oder um eine Verwechselung handeln, und ich wiederhole daher nochmals mein Ersuchen um Richtigstellung der Notiz. In vorzüglicher Hochachtung ergebenst Dr. Heinrich S h e i n i tz. Hvs- und Cierichtsadvokat. Wien, 2. April 1914. Dem Wunsche des Einsenders entsprechend haben wir der Zuschrift Raum gegeben, bemerken jedoch, daß die bestrittene Meldung in einer Anzahl ungarischer Zeitungen erschienen ist, ohne dort dementiert worden zu sein. Zum Kapitel des Wafcheus der Hände. Bon Rabbiner Berisch Winter—Wien. Unter obiger Ueberschrift hat die Redaktion dieses Blattes im Briefkasten der vorwöchentlichen Nummer 11 den Bericht über ein in einer der letzten Sitzungen oer Academie des Sciences von dem mit der Bekämpfung der im Kanton Neuwille-sur-Saone wütenden Epidemie betrauten Arzt gehaltenes Referat, in dem das Waschen der Hände beim Verlassen der Aborte als vorzüglichstes Mittel empfohlen wird, mit der Bemerkung begleitet: „Uns ist damit nichts Neues gesagt. Darüber enthält schon unser Schulchen Aruch ein besonderes Kapitel mit der Ueberschrift: Das Waschen der Hände." Eine ebenso wichtige wie richtige Bemerkung, denn nicht nur zur Beseitigung mancher Vorurteile unserer Feinde, sondern auch zur Weckung der Glaubensbegeisterung in unserer eigenen Mitte ist es nötig, diese Tatsache immer wieder in den Vordergrund zu rücken. Wie es noch erinnerlich sein dürfte, ging vor Jahren ein Schrei der Entrüstung durch alle Welt, als man Kenntnis nahm von den Zuständen in den Konservenfabriken Amerikas. Im ganzen Lande gab es Agenten, deren Aufgabe darin bestand, alles gelahmtes, krankes Vieh ausfindig zu machen, dessen Fleisch in Büchsen eingemacht werden könne. Da gab es Tiere, die mit häßlichen Beulen und Geschwüren bedeckt waren — alles wurde zerhackt und gepfeffert, damit es nach etwas schmeckt. Damals' wurde unwillkürlich der Blick auf die jüdischen Speisengesetze gerichtet und auch denjenigen, die sonst über die Kleinigkeiten und minutiösen Observanzen unserer Gesetze eine verwerfliche Miene machten, gingen die Augen guf und priesen sie als weise. Lange natürlich hält ein derartiges Lob nicht an, die Zeitströmung schwemmte es mit sich weg. Nun hat tue 'Academie des Sciences wieder einmal unseren Gesetzen recht gegeben und so die Tiefe des alten Wahrwortes nachempfinden lassen rii =py mora, daß auch die unbeabsichtigten Folgen der jüdischen Gesetzeserfüllung hinter ihren eigentlichen Zwecken an Bedeutungsgröße kaum zurückstehen. Für uns sind allerdings unsere Thoragesetze keine sanitären Maßregeln, sondern “ibon rma göttliche Gebote, deren Grund wir nicht kennen und nicht zu kennen brauchen. Darin liegt eben die Größe des Judentums, die Gesetze der Thora zu befolgen, auch wenn sie sich mit unseren Anschauungen nicht decken, weil wir an dem Glauben unerschütterlich festhalten, daß jedes Gebot viel höhere Zwecke in sich birgt, die der menschliche Geist unmöglich fassen kann. So gewiß aber auch unsere Gesetze direkt mit der Hygiene nichts zu tun haben, so fest steht es doch andererseits, daß derjenige, der nach den Vorschriften unserer Thora lebt, auch seinen Körper vor so mancher Gefahr bewahrt, der andere viel leichter ausgesetzt sind, und es dürfte von Interesse sein, in diesem Zusammenhang auf ein bereits im Jahre 1890 er- *) Evidences of the Communicability of consumption By. G. A. Heron Dr. med., London; Longmäus Green and Co., 163 S.

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