Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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V Seite 232 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. U der Zerstörung des zweiten Tempels und machen ein schönes Pessachspiel bei den kaukasischen Bergjuden mit. Die Belletristik ist durch mehrere Beiträge vertreten. Unter anderem bringt das Buch das erste Kapitel aus dem „Rabbi von Bacharach" von Heine, eine Geschichte „Der Zauberkünstler" von Per:z und eine Erzählung von Martin Buber, die sich seinen Chassidimbüchern anreiht. Die fünfzig Abbildungen sind meist alten Pessachhagadahs entnommen. Ueber das historisch: und künstlerische Werden der Pessachhagadah orientiert ein Aufsatz von Theodor Zlocisti. Die trennende Brücke. Wiener Roman aus dem Vormärz von Julius v. L u d a s s y. (Schuft er & LoesfIer, Berlin und Leipzig 1913. Die Judenfrage wird in diesem Buche, das eigentlich kein Judenroman im landläufigen Sinne ist, der Autor selbst nennt es einen Wiener Roman, von einem Standorte aus gezeichnet, von welchem diese schon von so vielen mehr oder weniger befähigten Lebens- und Sch.cksalsfchilderern behandelte Frage bisher noch nicht gezeichnet wurde. L u d a s s y hat sich ein besonderes Problem zur Lösung gestellt: Was wad aus dem Schicksal eines Menschenkindes, welches der Vereinigung zweier so grundverschiedener Lebensauffassungen und Lebensbedingungen entstammt, wie es der sephardische Jude Nathan M o r e n o und die vormärzliche Wiener Christin repräsentieren! Das Produkt dieser Vereinigung, Rebelka M o r e n o, bildet den Mittelpunkt des Romanes. Diele Charakterstudie gehört zweifellos zu den hervorragendsten dichterischen Leistungen der jüngsten Zeit. Meisterhaft versteht es Ludassy, den halb bewußten, halb unbewußten Kamps zwischen dem jüdischen Erbteil un? dem gebieterisch befehlenden christlichen Zusatz in dem Charakter Rebekkas zu veranschaulichen. Und so wie sie in ihrem Herzeleid äußerlich zwischen dem ausschweifenden, verschuldeten Grafen Santino v. Tremonti und dem schwärmenden, herzensguten Dr. König hin- und herschwankt, um schließlich dem Juden Dr. König die Hand, aber nicht das Herz zu schenken, so schwankt auch ihre Seele in allen kritischen Momenten, welche sie durchzumachen hat, zwischen der Mystik des Christentums und der Vernunft des Judentums. Wenn sie ihre Sehnsucht nach den erträumten Liebesgenüssen des Grafen Santino quält und niederdrückt, da verirrt sie sich in den Stefansdom, wo sie überwältigt von dem geheimnisvolien Glanze, von dem betäubenden Dufte des Weihrauchs in die Knie finkt. Da sic aber Santino gegenübersteht, wird die jüdisch: Vernunft Herr über sie, und unter den schmerzhaftesten Qualen schleudert sie ihm die Wahrheit ins Gesicht, daß er sie nicht lieben, sondern nur besitzen will, daß er sie nicht lieben kann, weil die „trennende' Brücke" zwischen ihnen steht. Es ist klar, daß ein solches Geschöpf, das weder in sich selbst, noch in der Umgebung festen Boden findet, und dazu noch in einer Zeit lebt, in welcher das scheinbar Festgefügteste ins Wanken gerät, nur in dem selbst gesuchten Tod Ruhe finden kann. Ein solches Geschöpf ist zu nichts nütze, und ist dem frühzeitigen Tode geweiht. Sein Leben muß auf die Gesellschaft verheerend wirken. Nathan Moren o, der Vater Rebekkas, ist gleichfalls eine äußerst geschickt entworfene Figur des Romanes. Dieser sinnesschwache Mensch mußte der' vormärzlichen Wienerin unterliegen, und nur der spaniolische Krämer des Vormärz konnte darüber erstaunt sein, daß dieses Christenmädchen ihn, trotzdem sie seinen Glauben annahm, hinterher betrog. Nur ein solcher sinnesschwacher Mensch kann, trotzdem er Jude ist, nach 18jährigem Nachdenken über seine mit Lori gemachten Erfahrungen an eine Wiedervereinigung mit ihr denken, u'.n das Experiment in umgekehrter Weise zu machen. Hat es vor 18 Jahren nicht geklappt, als Lori Jüdin geworden, fo versuchen wir's halt jetzt, nachdem sie inzwischen Baronin gewesen, indem der Jude Christ wird. Di: nahezu 60jährige Erfahrung, die seit der Zeit gesammelt wurde, da Moreno diesen Schritt getan haben soll, hat uns gelehrt, daß auch diese Methode zu keinem besseren Ende führt. ... Es paßt ganz zu dem Charchkter dieses Nathan Moreno, daß er, um seine- Sinne ungestört zu beWedigen, selbst den Aschkenasi Dr. König, der ihm früher als eine Mesalliance erschienen wäre, zum Schwiegersohn akzeptiert. Und dennoch ist Dr. König, der Chefarzt des jüdischen Spitales, die einzige in sich gefestigte Erscheinung in diesem an labilen Charakteren so reichen Buche. Es scheint uns, daß seine Liebe zu Rebekka, die in manchem Belange mit seinen sonst so vernünftigen Lebensauffassungen nicht übereinstimmt, darin ihre Begründung findet, daß auch er von einer Mutter stammt, die, wie wir so nebenbei erfahren, es mit der Treue zu ihrem Manne nicht strenge nimmt. Damit wollte L u d a s s y andeuten, daß selbst dieser Dr. König etwas von dem Blute einer in sich Zerfallenen hat, und dadurch in diese Gesellschaft hineinpaßt. Wie die Hauptpersonen, so sind auch die Nebenpersonen und das Milieu glänzend geschildert. Es ist deshalb nicht nur ein fesselndes, sondern auch ein lehrreiches Buch. Man mag die Judenfrage von welcher Seite immer betrachten, nur die «Volkstreue kann sie überwinden, und man mag die Assimilation nach welcher Methode immer versuchen wollen, sie führt;zur Auflösung des Judentums. Die Assimilation, die von den Juden verlangt wird, heißt nicht, gleich werden, sondern untergehen. -- Monumenta Hebraica, Monument« Talmndica. Unter Mitwirkung zahlreicher Mitarbeiter herausgegeben von Professor Dr. Karl A l b r e ch t, Oldenburg i. Gr., Dr. Salomon Funk, Boskowitz, Professor Dr. Nivard Schlögl, Wien. Fünfter Band. Geschichte. 1. Teil: Griechen und Römer, bearbeitet von Samuel K r a uß. Erstes Heft. Wien und Leipzig 1914. Orion-Verlaq, Gesellschaft m. b. H. Mar Nordau. Doktor Kohn, ein Lebenskampf. Vierte Auslage. Verlagsbuchhandlung Ernst H o f m a n n L C o., Berlin W. 35, Derfflingerstraße 16. Artur Landsberger. Das Ehettobuch. Die schönsten Geschichten aus dem Ghetto. Mit 18 Bildern von F. Feigl. München 1914. Verlag Georg Müller. Jung-Jllda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. 15. ahrgang. Nr. 5, Prag, den 27. März 1914 (29. Adar 5674). Inhalt: Der Kreislauf. — Ben ^efyuba. — Prof. Dr. Nathan Grün: Die Altneusynagoge und die Altsynagoge in Prag. — Oskar Baum: Erolin, der König aller Zauberer (Schluß). — Hermann Sternbach: Sabbatausgang. — Josef Hart: Die drei Freunde (Fortsetzung). — Von Moses. — Leopold Kutscher: Interessante Uhrwerke. — Erperimentier-Winkel. — Uebersetzungsaufgabe. — Rätsel. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Krirfkasten. Au mehrere Einsender. Das; das zitierte, auch in Albanien gebräuchliche Sprichwort: „Wenn der Stein auf den Topf fällt, wehe d: ii Topfe" :c. sich fast wörtlich im Midrasch Rabbah zu Esther vorfindet, war sowohl dem Fragesteller in der letzten Nummer dieses Blattes, als auch der Redaktion bekannt. Die Frage ging dahin, ob dieses Sprichwort jüdischen Ursprungs ist, oder ob es nicht etwa ans einer anderen nichtjüdischen Quelle stammt. Diese Frage findet auch in den bekannten Sanrmlnngen jüdischer Sprichwörter keine Beantwortung. R. R. Anonyme Briefe werden nicht berücksichtigt. F. in S. Herr Rabbiner Dr. M. Frankfurter aus Daruvar wurde zum Oberrabbiner in Vinkovce gewählt. Alte Erbschaft. Ihre Bemühungen wären vergeblich, denn gerade vorige Woche hat das ungarische Justizministerium sich veranlaßt gesehen,' das Publikum aufmerksam - zu - machen, daß die seit einiger Zeit in der Presse erscheinenden Angebote, den an dem Nachlasse des Kommerzienrates Fränkel Interessierten an die Hand zu gehen, unbedingt auf Irreführung und Schädigung abzielen. Laut Mitteilung des österreichisch-ungarischen Konsulates in Breslau, das in dieser Sache mit Bitten um Informationen bestürmt wird, ist der in Rede stehende Kommerzienrat Fränkel in Breslau schon im Jahre 1846 gestorben. Alle Ansprüche auf seine Verlassenschaft sind daher absolut verjährt. Außerdem sind in der letztwilligen Verfügung des Erblassers' alle Erbberechtigten ganz genau bezeichnet, so daß seither noch niemand nachzuweisen vermochte, daß er auf eine Beteiligung an dem Nachlasse berechtigten Anspruch habe. Notizen. Jüdische Bühne. (Direktion M. Siegler.) Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Freitag, den 3. April: „Die Jesojme", Drama in 4 Aufzügen von I. E o r d i n, Auftreten des Fräuleins Gorskaja. — Samstag, den 4. April: Herzel-Klub. 1. „Zirickgekimmen", von Schalom A sch. 2. „Im Speisewagen", von Theodor Herz l. 3. „Der getaufte Enkel", von Beda. — Sonntag, den 5. April, nachmittags halb 4 Uhr: „Die Straßenkinder". — Sonntag, den 5. April, 8 Uhr abends: „Die Seder-Nacht". — Vis Ostersonntag geschlossen! Ostersonntag, den 12 April: „Der eiserne Mann", von M. Richter. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen unsere yeschätzlen Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnements gebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sick des in. der letzten Nummer beigelegten Postenlagscheines bedienen. Die Administration.