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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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31 r. 14 Dr. Btochs Wochenschrift. Scite 231 da dieser Ausdruck „Freuden" nur eiu Deckmantel für den düsteren Titel „Ebel" Trauer bedeutet. Weit hinauf reicht also die Geschichte der „Ehewra Kadischa", aber mit dem Abschlüsse des Talmud versiegen plötzlich auch diese schwachen Spuren. Ein Jahrtausend geht vorüber, ohne daß uns irgend eine nähere Kenntnis hiervon geboten wird. Ist dies jedoch verwunderlich!?. Es ist doch die Zeit des Mittelalters, diese für Israel schwärzeste Zeit. Nirgends zu Hause, von allen Seiten bedrängt, verschoben sich die Zentren von Babylon nach Spanien, von dort nach dem Orient und in die unwirtlichen Länder des Okzidents, bis abgesplitterte Teile von ihnen in dem Ländchen am Zuidersee eine ganze und in denösterreichischen Erblanden eine halbwegs sichere Zufluchtsstätte fanden. Da beginnt erst die Geschichte der Friedhöfe eine Geschichte der jüdischen Gemeinden zu werden. Es find monumentale Reste mit sicheren Verzeichnissen, die uns hievon Kunde geben, es sind „Tekanoth", Statuten der ältesten uns geschichtlich bekannten „Chewroth". Da ist die Ehewra Kadischa von Amsterdam; ihre Tekanoth befinden sich als Kopie im British Museum, sie sind vom Jahre 1776. Das Titelblatt zeigt die interessanten Vignetten eines Totenskelettes, die Szene des Todesengels, den Grabscheidt und die „Mitta", die Bahre. Bei Strafe durften die Chewra-Mitglieder nur in schwarzen Kleidern erscheinen. Zehn Männer mußten immer bei jedem Begräbnisse, ob arm oder reich, altwesend sein, und daß die Bestattung der Armen kostenlos veranstaltet werden mußte, ist wohl selbstverständlich. Im Jahre 1693 wurde eine Ehewra in Prag gegründet, die den ausführlichen Namen „Ehewra Kadischa u- Gemillath-chasodim" führte, welcher zeigt, daß sich ihre Aufgaben nicht auf die Wohltaten an die Verstorbenen allein beschränkten, sondern sich auch auf die Hilfsbedürftigen unter den Lebenden ausdehnten. Nach der traditionellen Ueberlieferung sind die Tekanoth dieser Ehewra noch ans den großen Wundermann, den hohen Rabbi Löw, zurückzuführen. In den Tekanoth ist hervorzuheben, daß auch den Kohanim Gelegenheit gegeben worden ist, in der Ehewra Kadischa persönlich tätig zu sein, da ihnen die Herstellung des Sarges und der anderen ^terbereguifiten zugewiesen war. Die uns Nächstliegende ist die Ehewra Kadischa von Wien, die im Jahre 1763 gegründet wurde und über welche eine ausführliche Monographie von Dr. Bernhard Wach stein im Jahre 1911 veröffentlicht worden ist als Widmung von dem berühmten Philanthropen Salo Cohn, dem Präsidenten der Ehewra Kadischa, für die Teilnehmer an denr Brudermahle. Diese Arbeit ist so ausführlich und gediegen, daß sie als Exempel für andere derartige, sehr wünschenswerte, im Interesse der jüdischen Geschichte höchst verdienstvolle Arbeiten anzuempfehlen ist. Ans den der Ehewra Kadischa zu Wien laut ihren Tekanoth gestellten Aufgaben haben sich im Laufe der Zeit großartige Institutionen abgegliedert, die ihr zu besonderem Ruhme gereichen. Wie sehr unterscheiden sich jedoch die Veranlassungen, die zur Gründung einer „Ehewra Kadischa" führten, in der Zeit, da die Juden im Lande der Väter wohnten, von jenen, die bis in unsere Zeit hineinreichen! Dort war es die rituale Seite, die solche Vereinigungen veranlaßte; hier ist es die böse Not der Zeit, die Verfolgung und Hartherzigkeit, die Gefühllosigkeit und Fremdheit der rein menschlichen Empfindung, die Rohheit und der Barbarismus, die selbst nicht vor der Majestät des Todes Halt machten. Widerwärtige Ereignisse bildeten den Anstoß zur Gründung dieser erhabenen Institution und damit findet sich auch der 'Widerspruch gelöst, wieso es oftmals kommen konnte, daß eine Ehewra Kadischa entstand, noch ehe eine jüdische Gemeinde gebildet war. Eine Totenbestattung ging nämlich oft nicht gefahrlos vorüber uub selbst wenn diese schon glattweg durchgeführt war, hielt der Vandalismus des Hasses auch vor den Grüften und Denksteinen nicht zurück und Gräber- und Friedhofschändungen gehörten nicht zu den Seltenheiten. Von letzteren wird uns erzählt, daß, um solche zu verhüten, oftmals von den Mitgliedern der Ehewra Kadischa abwechselnd zwei Männer vor den Toren des Friedhofes Wache halten mußten. Ein trauriges Beispiel von dem Schwierigkeiten einer Totenbestattung ist uns bekannt aus der Zeit des Rabbi David Jbn Zimra, abgekürzt genannt Radbaz: dieser lebte zuerst in Spanien und war einer der berühmten Exulanten aus diesem Lande. Da heißt es in einer Chronik wie folgt: „In jenen Tagen Rabbi David Jbn Zimras war die Bedrängnis, Verfolgung und Beunruhigung der Juden so furchtbar, daß selbst die Bestattung ihrer Toten auf dem gewöhnlichen Todesacker ihnen unmöglich gemacht wurde und es kam so die Sitte auf, daß man die Leiche versteckt unter anderen Waren einem jüdischen Eseltreiber (die Geschichte spielt in Nordafrika bei Fez) übergab, der sie in eine entfernte Gemeinde, wo sie anstandslos beerdigt werden konnte, zu bringen hatte." „Da kam es nun manchmal vor, daß der Treiber aus Furcht vor Entdeckung der Leichenverbergung den Toten auf die Straße hinwarf, um fein eigenes Leben zu rettcm. Dieses Aergernis gab den Aeltesten und Berufsgenossen unseres verehrten Lehrers Radbaz die Veranlassung, eine Versammlung der hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde zu berufen, in der für das Begräbnis der Toten bestimmte Anordnungen getroffen und ein Verein (sie!) gebildet wurde, durch dessen Vermittlung eine gewisse Zahl von Männern sich in der Erfüllung der Leichenzeremonien ihrer israelitischen Glaubensbrüder ablösen sollten. - So kamen die Chewroth in den Gemeinden der ostarabischen und moghrebinischen Juden trotz heftigsten Widerstandes der Mohammedaner zustande und wurde das Bestattungswesen geregelt, dank der Bildung dieser Beerdigungsvereine, um die unser gelehrter Meister Rabbi David ibn Zimra s. A. sich mitverdient gemacht hatte." Dieses eine, so ausführlich dargestellte Ereignis mag als Paradigma gelten für die vielen unzähligen anderen, die die Geschichte verschweigt, das uns aber Aufschluß gibt über die oftmals sehr traurigen Veranlassungen, die religiös fühlende, pietätvoll empfindende Männer zu allen Opfern an Zeit, Mühe, Geld mit Feuereifer und Begeisterung für die heilige Sache erfüllte, um dem Beerdigungswesen in ihrem Kreise Ordnung, Sicherheit, Ansehen und Würde zu verschaffen. Literatur. Chad Gadja. Das Pessachbuch. Herausgegeben von Hugo Herrmann. 224 'Seilen. Oktav. Jüdischer Vertag, Berlin 1914. Preis br. Mk. 3, geb. Mk. 5. Mit dem Buche „Chad Gadja" macht der jüdische Vertag einen Versuch, den Typus eines modernen Buches für das jüdische Haus zu schaffen. Es ist eine Sammetschrift, eine Auswahl aus dem gesamten jüdischen Schrifttum. Wir finden darin neben Stücken aus der Bibel der Pesfachhagadah und dem Talmud auch eine Reihe von falkloristischen Schilderungen. Wir erfahren vom Pessach in Rußland vor 70 Jahren, den die greise Verfasserin der bekannten „Memoiren einer Großmutter", Pauline Wengeroff, schildert. Wir lesen einen Bericht über das Pesfachfest in Jerusalem kurz vor iä&üüi

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