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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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&en. 2S0 Dr. wlochs Wochenschrift N 14 erstehen. Es war ein genußreicher Abend, wofür dem Vortragenden das zahlreich erschienene Publikum am Schlüsse seines Vortrages durch herzliche Beifallskundgebung dankte. Gaming. Am 20. März, kurz vor Eingang des Sabbats starb hier die allseits beliebte und geschätzte Frau Karoline H e i m e r geborene Baumgarten im Alter von 72 Jahren. Die zahlreiche Beteiligung an der Sonntag, den 22. März, stattgehabten Beerdigung war ein beredter Beweis für die Liebe und Verehrung, die sich die Verstorbene in allen Kreisen der Bevölkerung erworben hatte. Um 8 Uhr versammelten sich die Leidtragenden vor dem Trauerhause, wo sich auch alle Gaminger Bürger mit ihren Frauen wie auch eine Menge Trauergäste aus der Umgebung vereinigten. Vor dem Trauerhause hielt Religionslehrer Herr S. Fried aus Purgstall der Verblichenen einen warmen Nachruf, welcher auf die Anwesenden tiefen. Eindruck machte. Dann wurde der Sarg gehoben und mittelst Leichenwagens nach Pbbs a. D. überführt. Eine unübersehbare Menschenmenge folgte der Leiche bis zur Grenze von Gaming, um der Toten das letzte Ehrengelekte zu geben. Auf dem israelitischen Friedhofe in Pbbs hielt Herr Rabbiner Dr. B e r t i s ch aus Amstetten der Verblichenen eine tief empfundene Grabrede, in welcher er ihre Religiosität und stille Wohltätigkeit schilderte. Fast die ganze Kultusgemeinde war bei der Beerdigung anwesend. Ihr Andenken sei gesegnet. Sofia. Der Großrabbiner von Bulgarien Dr. Markus Ehrenpreis, wurde zum Oberrabbiner von Schweden ernannt. Der König von Bulgarien verlieh Dr. Ehrenpreis aus Anlaß seines Scheidens von seinem Posten eine hohe Auszeichnung. Feuilleton. Chewra-Kadifcha*). Eine wissenschaftl che Studie. Bon Rabbiner W Reich in Baden bei Wien. (Schluß). Diesen Tvtenkultus mit den geisttötenden Folgen auszumcrzen und aus dem Herzen des Volkes auszurotten, sollte das frappanteste Gegenteil gesetzlich statuiert werden. Die Toten und ihre Gräber verunreinigen, deren Berührung macht untauglich für die Nähe Gottes, für die göttliche Wohnung, für das Heiligtum Gottes. Je stärker der Wahn, um so kräftiger sollte die Dosis des Gegenmittels sein. Eine siebenfach stärkere Unreinheit, als die eines verendeten Tieres sollte die des Leichnams nach sich ziehen. Während bei den Aegyptern es die Priester waren, die für die Erhaltung der Mumien sorgten, ihre Sorgfalt ihnen zuwendeten, sollten gerade die jüdischen Priester besonders von der Beschäftigung mit den Verstorbenen abgchalten und serngehalten werden, gradatim auswärts bis zum Hohepriester, dem keine einzige Ausnahme in den Verwandtschaftsgraden zugebilligt wurde. So das Kapitel XXI. vom Dritten Buch Mosis, dem Leviticus. Eben in diesem Buche der Priestergesetzc wird es als Einleitung zu dem wichtigen Verbote vom „C h u kkoth-hagoj" betont: „Ihr sollet nicht so tun, wie es im Lande Aegypten geschieht!" (III. B. M. xvm., 3.) Wir begreifen hiedurch auch den Tadel, den Rabbi I e h u d a h a n a s s i über Josef aussprach, obwohl eben er es war, der es ermöglichte, den Wunsch seines Vaters Jakob auszuführen, dessen Leichnam aus Aegypten in die Gruft der Vater nach Palästina zu überführen. Und dennoch heißt es: „Warum starb Jacob früher als alle seine anderen Brüder?" Hierauf sagt Rabbi: Weil er seinen Vater vorher einbalsamieren ließ. Da hatte Gott allsgerufen.- Bin ich nicht imstande, meinen Frommen (vor Verwesung) zu bewahren!? Habe ich es doch ge- *) Aus dem wissenschaftlichen Teile der Festschrift zum 40 jährigen Jubiläum der Ehewra-Kadischa in Baden erweitert und ergänzt. sprochen (Jes. XII., 14): „Fürchte nicht, Wurm <wkob!" Es bedeutet dies, daß Jakob den Wurm (der die Verwesung herbeiführt) nicht zu fürchten habe. (Mid. r. Ber. l00.) Josef wird da getadelt, weil eben jede Art der Nachahmung des Vorgehens der Aegypter mit ihren Leichnamen den Juden strengstens verboten sein sollte. In diesem dem Totenkultus ergebenen Lande Aegypten waren die Juden 400 Jahre eingewohnt gewesen, sie waren dort, wie der midraschische Ausdruck hiefür lautet, „versunken in den 49 Pforten, die zur Unreinheit (Tumeah) führen", in dieser Umgebung waren sie Generationen hindurch herangewachsen. Es mußte alles im Gesetze daran gewendet werden, sie der „Tumeah" zu entreißen und besonders den Boden des heiligen Landes von dieser ägyptischen Finsternis freizuhalten und mit dem Lichte vorurteilsfreier Anschauung zu bestrahlen. Die Berührung einer Leiche machte, nach dem Gesetze, unrein; 7 Tage konnte der Betreffende nicht an den religiösen Uebungen teilnehmen, und wie erst, wenn die großen Wallfahrtsfeste oder gar das Passahfest herannahte. Diese durch die strengen religiösen Vorschriften über „Tummath-Hameth" machten einen Todesfall in der Umgebung zu einer schrecklichen Kalamität, so daß man zu der Annahme berechtigt ist, daß man schon in den ältesten Zeiten durch Beerdigungsbruderschaften für die Besorgung der Leichen bedacht war. Die, Bezeichnung der Vereinigung als eine „heilige" erscheint dann wohl als euphemistische, gleichwie ein blinder „Sage nahor", als ein an „Licht Reicher" bezeichnet wird. Dieser Euphemismus im Ausdruck wurde umsomehr beibehalten, weil er sich gleichzeitig mit dem wirklich pietätvoll heiligen Zweck tiefsinnig deckt. Wir haben Belege hiefür aus anderen Stellen im Talmud. Der Gelehrte Rabbi Hamnuna war in Babylon zu Hause und letzte wohl..erst gm Jahre ALT.der. gegenwärtigen Zeitrechnung. Von diesem wird im biblischen Talmud M. Katon 27 '> erzählt, daß er sich in einer Stadt in Palästina befunden habe, als er plötzlich den Schofar vernahm, welches ihm als Zeichen bekannt war dafür, um damit bekannt zu geben, daß ein Verstorbener im Orte sei. Es geschah dies deshalb, um die Einwohner der Stadt an die Einstellung jeglicher Arbeit zu erinnern. Denn so tradierte es Rabbi Jehuda im Namen Raws: „Wenn jemand in einer Stadt im Sterben liegt, haben die Einwohner jegliche Arbeit einzustellen." Es war dies, wie wenn heutzutage das Zügenglöcklein vom Turme ertönt. Rabbi Hamnuna war nun ganz überrascht, als er merkte, daß trotz der Schofartöne die Arbeit nicht eingestellt wurde und äußerte laut seine Verweisung ob dieses pietätlosen Vorgehens. Da sagte man ihm: „Es ist eine Chewra in der Stadt und darum tritt keine Einstellung der Arbeiten ein." Dies beweist, daß wohl in Babylon solche Beerdigungsbruderschaften noch unbekannt waren, wohl aber, daß sie in Palästina schon existierten. Daß Palästina hier für das Ausland zu dieser Zeit noch nicht beispielgebend war, erklärt sich jedoch dadurch, weil diese Bruderschaften in Palästina schon zur Zeit des Heiligtumes gegründet waren, da durch die Tummath- Hameth dort viel größere Inkonsequenzen entstanden sind/ denen durch die „Chewra" eine Milderung gegeben war. Es wird auch in dem wohl sehr spät entstandenen kleineren Traktat Semachoth. Kap. XII, ersichtlich, daß in Jerusalem besondere Verbindungen bestanden, die sich mit den Trauerfeierlichkeiten beschäftigen, und wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, der wird es herausfinden, daß dort die Rede von Einrichtungen ist, die in Jerusalem noch zur Zeit des Heiligtumes bestanden. Hiebei mag erwähnt werden, daß auch der Titel der Traktates Semachoth sich als ein Euphemimus darstellt,

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