Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 14 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 329 bestätigt. Nach Durchführung der weiteren Programm- Punkte, die einstimmig angenommen wurden, schloß die 6. Generalversammlung, nachdem Herr Dr. S. Schaff aus Lemberg den einzelnen Vorstandsmitgliedern den herzlichsten Dank aussprach für deren ersprießliche Tätigkeit. Das rege Interesse, das die zahlreichen Anwesenden dem Wirken des Asylvereines entgegenbrachten, berechtigt zu der sicheren Erwartung, daß das Genesungsheim, dank seiner vielen Gönner und Freunde, auch weiterhin die vollste Unterstützung und Förderung in den weitesten Kreisen finden werde. Marienbad. Samstag Abend fand, einer Anregung unseres Rabbiners Herrn Dr. I. Diamant folgend, im großen Varieteesaale des Hotel Continental eine überaus gelungene Purimfeier statt, welche dem Regisseur Herrn Ernst Stingl zur besonderen Ehre gereicht. Aufgeführt wurden mehrere Einakter, die ungeteilten Beifall fanden. An diese Feier schloß sich am folgenden Tag unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Diamant, dem ein vornehmes Herren- und Damenkomitee hilfreich zur Seite stand, ein Kinderfest an, an dem sich gleichfalls die ganze Gemeinde beteiligte. Die Kinder überboten einander mit Duetten und humoristischen Vorträgen und ernteten mit der Aufführung eines Theaterstückes stürmischen Beifall. Mehr als 80 Kinder erhielten sodann eine Gratisjause und vergnügten sich bis in später Abendstunde bei Spiel, Tanz und Tombola. Die beiden Veranstaltungen warfen einen nicht bescheidenen Reingewinn ab, von dem mehrere Hundert Kronen den Armen des Ortes und des Bezirkes und 104 Kronen der israelitischen Jugendbibliothek zufielen. Marienbad. Sonntag, den 22. v. M., fand im Zeichensaas der hiesigen Bürgerschule eine öffentliche Religionsprüfung statt, an der sich fast alle Mitglieder der hiesigen Gemeinde beteiligten. Alle Erschienenen waren von den Leistungen der Kinder sehr angenehm überrascht und Herr Kultusvorsteher Otto Wolfner dankte dem Herrn Rabbiner in besonders warmen Worten für die glänzenden Erfolge seines Unterrichtes und ermahnte sodann die Kinder, die schönen Lehren der Religion im ganzen Leben zu beherzigen, auf daß die Kinder einst dem Judentum zur Ehre gereichen. Zur Erinnerung an die gelungene Prüfung überreichte der Vorstand jedem Kinde ein schönes Buch. — In den jüngsten Tagen spendeten Herr Franz Beck, Tempelvorsteher unserer Kultusgemeinde, vereint mit seiner biederen Frau Gemahlin, ferner Herr und Frau Artur Holub anläßlich der Geburt ihres Töchterchens Ruth je ein herrliches Thoramäntelchen für unser Gotteshaus. Vorher hatten bereits Herr und Frau Emil B a r u ch den silbernen Thoraschmuck, Herr und Frau Direktor L e v i einen schmucken, reichgestickten Tischpolster, Herr Hugo Holub eine Tischdecke und Frau Rosa Holub ein sehr kostbares farbiges Doppelfenster unserem Tempel zugeführt. Gott lohne allen Spendern ihr gottgefälliges Wirken. Proßnitz. Montag, den 23. v. M., fand hier die konstituierende Sitzung der neugewählten Vertretung der hies. polit. Jsraeliten-Stadtgemeinde statt. Hiebei wurde Herr Dr. Gustav Zweig, Advokat, einhellig zum Bürgermeister gewählt. Derselbe versieht dieses Ehrenamt nunmehr durch 15 Jahre und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. In den Gemeinderat wurden die Herren Dr. Oskar Wolf, Carl Springer, Leopold M e i t n e v und Heinrich Latus berufen, von denen die drei Erstgenannten bereits als Gemeinderäte fungierten. Hollefchau. Samstag, den 29. März, feierte Herr Heinrich Beer, Seniorchef der allgemein bekannten hervorragenden Fabriksfirme Lion B e e r's Witwe u. Söhne in vollster Rüstigkeit fein 70. Geburtsfest. Der Jubilar, einer sehr alten Patrizierfamilie entstammend, deren Mitglieder schon im vorigen Jahrhundert an der Spitze der altehrwürdigen Gemeinde Holleschcku gestanden und auch gegenwärtig stehen (der Bruder des Jubilars, Herr Carl B e e r, ist Kultusvorsteher), hat von seiner frühesten Jugend an seine schätzenswerte Kraft in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Ein gemeinnütziges Streben, Gutes zu tun, war dessen Lebensaufgabe. Als Präses der Chewra-Kadischa beUeidet er auch das Ehrepamt eines Tempelvorstehers, zählt als Mitglied der Repräsentanz der pol. Israeliten- und Kultusgemeinde zu den eifrigsten Förderen derselben und ist Obmann des Turnvereins. Dessen vornehme Lebensgefährtin, Frau Johanna, Präsidentin des Frauenvereines, wirrt segensreich in Milde und Güte an dessen Seite. Anläßlich der vielen hervorragenden Verdienste des Jubilars zeichnete die Kultusgemeinde diesen Wackeren'in Israel durch vielfache Ehrungen aus. Herr Heinrich Beer wurde zum Ehrenmitglieds der Kultusgemeinde u. zum Ehrenbürger der politischen Jsraelitengemeinde ernannt, und die sehr alte, nach Hunderten von Jahren zählende Chewra-Kadischa widmete dem würdigen Jubilar einen silbernen Pokal mit Widmung. Bei dem Mussafgottesdienste spendete Herr Heinrich Beer für die Beheizung der Synagoge 5000 Kr., der Chewra-Kadischa 5000 Kr., der Talmud-Thora 1000 Kr. und der Armenunterstützungskassa 1000 Kr. Nach dem Gottesdienste wurden dem Jubilar die Ehrendiplome überre'.cht, wobei 2e. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. F r e i m a n n eine sehr sinnreiche Ansprache an den verdienstvollen .Herrn Heinrich Beer, dessen edles Wirken hervorhebend, hielt. Besondere Erwähnung verdient die Hochherzigkeit des Jubilars, indem derselbe einen Fonds zur Unterstützung von Waisen und Witwen seiner Angestellten im Betrage von 20.000 Kr. stiftete. Zahlreiche Gratulationen von nah und fern, darunter von dem -Humanitären Geselligkeitsvereine der Holleschauer in Wien, dessen Mitglied der Jubilar seit dem Bestände dieser Körperschaft^ ist. und nun durch eine Spende zu den Begründern zählt. Viele Telegramme und Blumenspenden sind eingelangt. Herr Weinberger, Talmud-Thora-Vorsteher, sprach im Namen der Anstalt für die den armen Kindern zugewendeten Kleidungsstücke und Geldspenden den herzlichsten Dank aus. So möge denn dieser edle Jubilar seinen Lieben und seiner ihn liebenden Gemeinde lange ungetrübte Jahre erhalten bleiben, stark in Tugend und Gottesfurcht. A. B. Krakau. (Buchdrucker Josef Fischer in Krakau gestorben.) In Krakau starb vorige Woche der in der gesamten jüdischen Gelehrten- und Literatenswelt bekannte Buchdrucker Josef Fischer, im Alter von 73 Jahren. Fischer stammte aus Rußland, bekleidete in Krakau auch den Posten eines Kantors, gaU selbst als ein ausgezeichneter Kenner des hebräischen Schrifttums und hat der Förderung der hebräischen und jüdischen Literatur in den letzten 35 Jahren unvergängliche Dienste geleistet. Es i£' bekannt, daß viele hebräische Schriftwerke der Neuzeit, so unter anderem Dr. Berliners Kasch-Kommentar, Bachers Agadah und eine endlose Zahl anderer bedeutender Schriften nicht hätten erscheinen können, wenn Josef Fischer es nicht durch sein Entgegenkommen und seine Liebe für die hebräische Wissenschaft möglich gemacht hätte. Seiner Anregung verdankten auch mehrere, inzwischen allerdings eingegangene hebräische und jüdische Zeitschriften ihre Entstehung. Auch in seiner Eigenschaft als Kantor hat er hauptsächlich in konservativen Kreisen sich aufrichtige Sympathien zu verschaffen gewußt. Sein Leichenbegängnis fand vorigen Donnerstag unter Teilnahme von vielen Tausenden Menschen in Krakau statt. Den Hinterbliebenen kamen aus Anlaß des Ablebens ihres Familienhauptes aus allen Weltrichtungen zahlreiche Beileidskundgebungen zu. Tie Fischersche Buchdruckerei in Krakau wird von dem Sohne Moriz Fischer, der seit vielen Jahren schon an der Leitung des Unternehmens teilgenommen hat, weitergesührt werden. Der Chefredakteur des Krakauer jüdischen Tagblattes „Tog", Jonas Krepel, betrauert in dem Verstorbenen den Verlust seines Schwiegervaters. Oderberg-Bhf. Auf Einladung des Literaturvereines sprach Sonntag Abend im dichtgefüllten Saale des Hotel „Austria" Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Mar Dienemann aus Ratibor über „R. Jochanan ben Sakkai". In geistreicher Weise lieg er diese wichtige Persönlichkeit der jüdischen Geschichte an der Hand einiger markanten Aussprüche vor den Augen der Zuhörer