Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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®<Mte 226 Dr. Biochs Wochenschrift. Nr. 14 in der serbischen Armee erfüllen zu können. Der Ministerpräsident nahm dieses Ansuchen wohlwollend entgegen und hat die endgültige Erledigung von der Zustimmung des Kriegsministers abhängig gemacht.. Eine griechische Mahnung an die Regierung in Athen. 'Aus Saloniki wird uns geschrieben: Peinlich berührte es hier, daß die der Regierung nahestehende griechische Zeitung „Nea Ellas" bei der Besprechung ausländischer Zeitungsmeldungen über die bevorstehende Massenauswanderung der Juden aus Saloniki diese so wichtige Frage mit dem kurzen, aber vielsagenden Satze abtat: „Lasset sie ziehen." Das Organ der griechischen Intelligenz „Fos" richtet deshalb eine ernste Mahnung an die Regierung in Athen. Das Blatt schließt seine Ausführungen wie folgt: Diejenigen, welche sich mit der Frage der Zukunft von Saloniki beschäftigen, hegen aus unverständlichen Gründen die Befürchtung, daß unsere jüdischen Mitbürger aus Saloniki auswandern könnten. Wir unsererseits fassen die Dinge anders auf und sind überzeugt, daß die Juden die Letzten sein werden, die Saloniki verlassen werden. Wenn sie sich gber zu diesem Schritte entschließen, so wird das nur deshalb geschehen, weil ihnen das Leben hier unmöglich gemacht wird, weil sie hier keine Arbeit finden und es an einem kommerziellen Leben mangeln wird. In diesem Falle aber werden nicht nur die Juden auswandcrn, sondern auch sehr viele von den Unsrigen werden das Gleiche tun. Es ist ganz natürlich, daß die Ursachen, welche die Emigration der Juden herbeiführen, dieselbe Wirkung auf sämtliche Bewohner von Saloniki, mögen sie Griechen, Türken oder Juden sein, ausüben. Der Hunger und die Leiden kennen keine Unterschiede, und dies sollte man maßgebenden Ortes endlich begreifen lernen. Die Pogromdrohung des Odessaer Stadthauptes. Der berüchtigte Herr von Odessa, Stadthauptmann Pelikan, besitzt sicherlich das radikalste Mittel, um seine Kritiker mundtot zu machen. Er ließ durch seine Geheimagenten sämtliche jüdische Mitarbeiter der russischen Zeitungen ausforschen und sie auf Grund dieser Proskriptionsliste vor sich laden. Pelikan richtete nun an diese eine ganz kurze Ansprache, in welcher er ihnen klipp und klar erklärte, daß, wenn sie nicht ihre Kritik seiner Tätigkeit sofort einstellen, er nicht garantieren könne, daß Odessa anläßlich der kommenden Osterfeiertage nicht der Schauplatz von Pogromen sein werde. Die jüdischen Journalisten nahmen diese Drohung zur Kenntnis, ohne jedoch dem famosen Pelikan das gewünschte Versprechen zu geben. Der dritte Kongreß der jüdischen Gemeinden in Italien. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde von Florenz hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, das Zentralkomitee des jüdischen Gemeindebundes von Italien aufzufordern, im Sinne des anläßlich des letzten Kongresses in Mailand im Februar 1911 übernommenen Auftrages sofort den dritten Kongreß einzuberufen. Dieser Beschluß ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil er der erste Kongreß seit der Okkupation von Tripolis und der Cyrenaica wäre und der Kongreß in die Lage käme, gegen die antisemitische Politik der italienischen Regierung in Lybien zu protestieren. Ter Florentiner Kultusvorstand hat in seiner Resolution auch der Meinung Ausdruck gegeben, daß das Unterbleiben des Kongresses zum nicht geringen Teile schuld daran ist, daß die italienische Regierung ohne Richtschnur seitens der offiziellen Repräsentanz der Juden Italiens diese nicht nur für die Juden, sondern auch für den italienischen Staat leicht verhängnisvoll werdende rückschrittliche Politik in den eroberten afrikanischen Gebieten duldet oder gar fördert. Vermischtes. Chewra-Kadischa Wien I. Die Chewra-Kadischa versendet folgenden Aufruf: Die Chewra-Kadischa in Wien vollendet Heuer dash u n d e r t f ü n f z i g st e Jahr ihres Bestandes. Zur Feier dieses Ereignisses veranstaltet der Vorstand Sonntag, den 26. April 1914, 7 Uhr abends, im großen Saale des Wiener Konzerthauses, III., Lothringerstraße 20, ein Bruder-Mahl der Mitglieder dieser Vereinigung, und erfolgt einem traditionellen Brauche getreu bei diesem Anlasse die Aufnahme neuer Mitglieder. Dem Aufrufe zum Beitritte entnehmen wir folgendes: „Die Chewra-Kadischa ist die älteste aller in Wien bestehenden Humanitären Vereinigungen. Im Jahre 1764 gegründet, hat sie in einundeinhalb Jahrhunderten zahllose Werke der Nächstenliebe geübt. Ziffern führen eine beredte Sprache; es möge deshalb der Chewra- Kadischa gestattet sein, von ihrem sonst der breiten Oeffentlichkeit entrückten Wirken in wenigen Zahlen Kenntnis zu geben. Seit dem Jahre 1900, also in einer im Verhältnisse zum Bestände der Bruderschaft kurzen Spanne Zeit, wurden mehr als eine Million Kronen für wohltätige Zwecke verausgabt, und zwar: für Unterstützungen .... „ Kurbeiträge. „ Medikamente. „ orthopädische Apparate . „ sonstige humanitäre Zwecke 392.384.— 235.232.— 261.498.— 155.327.— 44.148.— zusammen 1,088.589.— Zu diesen bisherigen Ausgaben kommt vom laufenden Jahre ab noch eine neue: für das Erholungsheim in Badem bei Wien--das-von der Chewra- Kadischa ausjAnlaß ihres 169jährigen Bestandes'gegründet wurde und welches dazu bestimmt ist, in erster Linie unbemittelten Mitgliedern für die Zeit ihres Kurgebrauches in Baden Ausnahme zu gewähren. Die Chewra-Kadischa bat aber neben ihrem Wirken für die Lebenden, für die Armen und Kranken, noch ein anderes großes Tätigkeitsgebiet, das nicht in Ziffern zum Ausdrucke kommen kann: ihre Mitwirkung bei Beerdigungen, die Liebesdienste, die sie den Dahingeschiedenen weiht. Vorstand und eine große Anzahl von Vereinsmitgliedern unterziehen sich der pietätvollen Aufgabe, den Verstorbenen, ohne Unterschied der Person, durch Teilnahme am Leichenbegängnisse die letzte Ehre zu erweisen, den Hinterbliebenen Trost zuzusprechen und ihnen berzustehen. “ Und so erfüllt die Chewra-Kadischa noch heute wie ehedem die ihr aus fernen Zeiten überkommenen Aufgaben, die der verewigte Prediger M a n n h e i m e r zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in folgenden Worten zusammenfaßte: „Kein Alter, kein Geschlecht. Hit Stand ist von den Segnungen des Vereines ausgeschlossen. Das neugeborene Kind im Arme der dürftigen Mutter, wie der sieche und hinfällige Greis erfreuen sich seiner Teilnahme und Unterstützung. Am Krankenbette reicht er die labende Medizin, den: Rekonvaleszenten und Genesenen bietet er die Mittel zur Erholung, am Sterbebette erscheint er als Tröster, den Dahingeschiedenen geleitet er auf seinem letzten Erdengange und schützt noch den Grabhügel, unter dem der tote Bruder ruht." Das ist in wenigen Worten die Chewra-Kadischa, die heilige Genossenschaft, die ihre Bruderhand um alle schlingt, die ihr angehören, das ist ihre Aufgabe und ihr Zweck, welchen Sie, hochgeehrter Herr, durch Ihren Beitritt fördern und kräftigen mögen." Wir wir vernehmen, werden bei dieser Chewra- Sude, für welche sich das regste Interesse kundgibt, hervorragende Kunstkräfte Mitwirken.