Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr- 14 Dr. Blochs Wochenfchrtst. Sette 23b spanische Konsulat in Saloniki allen jenen Juden, die mit dem Erlöschen der ottomanischen Herrschaft die Emigration nach Spanien dem Verbleiben unter hellenischer Herrschaft vorzogen, auf Befehl der spanischen Regierung mit Rat und Tat an die Hand ging. Und diese Sympathie der spanischen Regierung erstreckt sich nicht nur auf die sephardischen Juden des hellenisch gewordenen Teiles des ottomanischen Reiches, sondern auf alle jene Länder, in welchen die Nachkommen der einst aus Spanien vertriebenen Juden sich ansässig gemacht haben. So hat sich z. B. vor nicht langer Zeit in dem andalusischen Sevilla eine Judengemeinde marokkanisch-spanischen Ursprungs in aller Form Rechtens als Religionsgemeinde konstituiert. Dank dem Wohlwollen der spanischen Regierung wurde der gelehrte Berliner Orientalist Dr. A. S. Aahuda nach Madrid berufen, um über die spanisch-jüdischen Beziehungen an der Akademie der Jurisprudenz einen Zyklus von Vorlesungen zu halten. Dr. Aahuda hat seinen ersten Vortrag bereits am Dienstag, den 24. März, gehalten. Diese erste Vorlesung kündigt die in Madrid erscheinende „Correspondencia de Espanna" tu ihrer Stotnter vom 22. März mit folgenden, von echter Toleranz zeugenden Worten an: „Das erstemal seit 400 Jahren werden wir wieder einmal das Wort eines jüdischen Gelehrten in einer spanischen Versammlung hören, unter der Aegide der spanischen Regierung, in Anwesenheit einer von echter Toleranz beseelten Menge. Zum erstenmale wird ein Jude zu uns sprechen von der glorreichen Vergangenheit seines Volkes in Spanien. Wahrlich eine edle, quasi offizielle Reparation der vor Jahrhunderten begangenen unseligen Fehler... Wenn Dr. Aahuda in der spanischen Akademie der Jurisprudenz seine stimme erheben wird, um den Ruhm seiner Rasse, welcher auch der Ruhm Spaniens ist, zu verkünden, wenn er der ehrfurchtsvoll lauschenden Menge , erzählen w.ird von Jbn Gabirol, Abarbanel, Ungrela und Maimonides und von so vielem anderen, wird dies wahrlich die feierliche und öffentliche Annullierung des verhängnisvollen Ediktes vom Jahre 1492 bedeuten! Von neuem wird die Sonne jener glorreichen Zeiten, in welcher der Genius beider Rassen die Fackel des Triumphes schwang, über Spaniens Himmel aufgehen! Und die Juden des Orients, die von Amerika, ja die Juden der ganzen Welt werden dem Herzen Spaniens begeistert zujubeln und Spanien wieder jene Liebe entgegenbringen, die sie dem Lande ihrer Väter Jahrhunderte hindurch treu bewahrt haben! Die Vorlesungen Dr. Iahudas werden herrliche Folgen haben und wir sagen der Regierung Dank dafür, daß sie uns Gelegenheit bietet, die geistige. Macht des sephardischen Genius zu bewundern, und tiiankann sich wohl kein innigeres Band echter Humanität denken, als daß inmitten eines christlichen Reiches der Ruhm Israels verkündet wird. Und inmitten des stürmischen Applauses im Saale der Akademie der Jurisprudenz werden unsere jüdischen Brüder nichts anderes hören, als das Echo der Harmonie, des Friedens und der Eintracht!" Der Großrabbiner der Türkei beim russischen Botschafter. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Großrabbiner Chaim Nahum hat dieser Tage dem Botschafter v. Giers den Besuch, den dieser vor kurzem dem Großrabbiner abgestattet hatte, in der russischen Botschaft erwidert. Der Besuch währte länger als eine Stunde. Wie „L'Aurore" zu melden weiß, drehte sich die Unterhaltung hauptsächlich um die nach Palästina eingewanderten russischen Juden. Der russische Botschafter. wollte wissen, ob ihre landwirtschaftlichen Versuche in Palästina von besserem Erfolge begleitet sind als in Argentinien, von wo sehr viele Emigranten, von Heimweh ergriffen, nach Rußland zurückgekehrt sind.. Großrabbiner Nahum erwiderte hierauf, daß die russischen Juden in Palästina durch ihre Liebe zu dem Boden zurückgehalten werden. Auch soll der Botschafter seiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben haben, daß aus dem Sprachenstreit die hebräische Sprache siegreich hervorgegangen sei. Schließlich hat der Großrabbiner wegen Erleichterung des Durchzuges ottomanischer Juden durch russisches Territorium, besonders auf ihren Reisen nach Persien, interveniert. Heute müssen diese Juden in Rußland oft ein bis zwei Wochen warten, bis sie vom russischen Minister des Auswärtigen die Erlaubnis zur Weitersahrt erhalten, und der Großrabbiner wünscht nun, daß es genüge, wenn die Pässe der ottomanischen Juden von den russischen Konsulatsbehörden im türkischen Reiche vidiert werden. Fürst Mefchtschersky gegen die Resolution der Adeligen. Das Organ des Fürsten Meschtschersky, „Graschdanin", tritt in einer seiner letzten Nummern in einem sehr scharf gehaltenen Artikel dem Beschlüsse der vereinigten Adelsverbände, betreffend die Ausschließung der Juden von der Armee, entgegen: „Einen törichteren Gedanken," heißt es in diesem Artikel, „als den, welchen die Adeligen hier gefaßt haben, hätten sie wirklich nicht fassen können. Ist es nicht jedem Menschen mit gesundem Verstände offenkundig und klar, daß die Armee die beste Schule ist, um die Juden mit den Russen zu vereinigen? Der Einwurf, daß die Juden in der Armee Revolution treiben und die revolutionäre Propaganda verbreiten, ist absolut grundlos, und es sind auch hierüber niemals ernste Klagen erhoben worden. Ueberhaupt muß hier offen gesagt werden, daß der Adeligenkongreß allmählich eine in höchstem Grade unanständige Institution geworden ist und immer mehr zu dem Typus der nur zu gewöhnlichen Organisationen der Schwarzen Hundertschaften mit ihren wilden „Prinzipien" und Schlagworten: „Erwürget die Finnländer und schlagt die Juden tot" herabsinkt." Studienreise des Großrabbiners von Serbien in neuserbische Gebiete. Dr. Alkalay, der neugewählte junge Großrabbiner von Serbien, bereist gegenwärtig im Aufträge seiner Regierung die jüdischen Gemeinden Neuserbiens, um ihre Wünsche und Bedürfnisse aus eigener Wahrnehmung kennen zu lernen. Bei seiner Ankunft in Uesküb wurde Dr. Alkalay nicht nur von dem Vorsitzenden der dortigen Judengemeinde, welche mit sämtlichen Schülern und Schülerinnen zu seinem Empfange ausgerückt waren, sondern auch von den Vertretern der serbischen Behörden aufs freundlichste empfangen. Dr. Alkalay erklärte dem Präsidenten der Gemeinde gegenüber, daß er von der Regierung den Auftrag habe, die Mittel und Wege festzustellen, durch welche die kulturelle und materielle Entwicklung der jüdischen Gemeinden und ihrer Institutionen in den neuserbischen Gebieten herbeigeführt werden könnte. Die Regierung sei bereit, auf Grund seines Berichtes im Rahmen der finanziellen Möglichkeit diese Entwicklung zu fördern. Auch in den anderen Städten, Monastir re., wurde Rabbiner Dr. Alkalay enthusiastisch empfangen. Der Militärdienst der Juden in Neuferbien. Die Gemeindevorstände der Judenschaft von Neuserbien, und zwar in Uesküb, Monastir, Jstip und andere, haben im Wege des neuernannten Großrabbiners an den serbischen Ministerpräsidenten das Ersuchen gestellt, die Juden der eroberten Gebiete auf eine bestimmte Zeit, so wie dies in Griechenland geschehen ist, vom Militärdienst zu befreien. Die Juden wollen diese Zeit benützen, um so rasch als möglich die Landessprache zu erlernen und auf solche Weise auch den Militärdienst