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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 224 Nr. 14 D-r. Blocks Wochenschrift. Dr. Schorstein über die interkonfessionellen Wohltätigkeitsvereine zu und erklärt, daß wir Juden auch auf dem Gebiete der Armenpflege oft auf Rechte, die uns betreffs' Inanspruchnahme öffentlicher und allgemeiner Fonds zustehen, verzichten, und es sei höchst dankenswert, wenn die Zentralstelle hier Wandel schaffen würde. Ueber die von den Herren Dr. Flesch und Siegfried Fleischer angeregten Fragen betreffs der Fürsorge für zugereiste Kranke und der Wanderarmenfürsorge entwickelt sich eine eingehende Debatte, an welcher außer den Genannten die Herren kais. Rat Dr. Krüger, Dr. Rud. Schorstein und der Vorsitzende teilnehmen. Frau Clotilde B e n e d i k t richtet an das Kuratorium eine Anfrage, ob es möglich wäre, bei der Aufteilung von Spenden und Widmungen seitens der Kommune eine perzentuelle Berücksichtigung der jüdischen Armen durchzusetzen, worauf der Vorsitzende unter Hinweis auf die dermalen geübte Gepflogenheit der Gemeindeorgane erwidert. Nach Erledigung der Tagesordnung wird hierauf die Versammlung vom Vorsitzenden mit dem Ausdruck des Dankes für die Erschienen geschlossen. - Das aktive und passive Gemeindewahlrecht der Frauen. In der kleinen schlesischen Stadt Kattowitz haben sich die steuerzahlenden Frauen das Recht, ihre Stimme bei den Repräsentantenwahlen der Gemeinde abzugeben, bereits erkämpft. Das Kattowitzer Beispiel fordert zur Nachahmung auf; der preußische Landesverein für Frauenstimmrecht beabsichtigt, gemeinsam mit dem jüdischen Frauenbund der Berliner Gemeinde einen Antrag zu unterbreiten, welcher das volle Gemeindewahlrecht für die st euerzah lenden Frauen anstrebt. Die Zahl der letzteren beträgt in Berlin 4510; die Berliner Verwaltungsgemeinde hat bereits vor längerer Zeit eine' Statutenänderung der Gemeindeverfassüng beschlossen, um Frauen in die Verwaltungskommission wählen zu können. Eine Umfrage, die kürzlich im Amtsblatt der Berliner jüdischen Gemeinde verlautbart wurde: „Wie ist eine regere Teilnahme der Frauen am Gemeindeleben zu fördern?" hat hervorragende Männer der Wissenschaft angeregt, Partei für die Sache der Frauen zu nehmen. So schreibt Justizrat Dr. H. Veit Simon (Mitglied der Repräsentanten-Wersammlung): „Wir müssen, wollen wir nicht ungerecht sein, aus der so glänzend bewährten Wirksamkeit der Frauen den Schluß ziehen, daß es ein Gebot der Pflicht sei, den Frauen in der jüdischen Gemeinde das Stimmrecht zu verleihen." Was Frauen bei uns in Wien auf dem Gebiete der Armen- und Waisenpflege, der Fürsorgeerziehung, der Wohnungs- und Schulpflege, der Ferienkolonien re. leisten, ist bekannt. Es wäre von großem Werte, da nun einmal im Deutschen Reich für die Erlangung des Wahlrechtes agitiert wird, wenn sich auch bei uns Männer und Frauen von Erfahrung zu der Frage des Frauenstimmrechtes in der Gemeinde äußern würden. In Niederösterreich haben steuerzahlende Frauen schon seit Jahren das politische Recht, ihre Stimmen abzugeben; wir in der Haupt- und Residenzstadt Wien, wo so viele Hunderte begabter, unermüdlich tätiger Frauen für das Gemeinwohl wirken, wir stehen hinter den einfachen Landfrauen zurück, denen das politische Recht gestattet, sich an den Wahlen zu beteiligen. Wenn, wie jetzt im Deutschen Reich, die Bewegung der Wählbarkeit der Frau ins Rollen kommt, dürste die Zeit nicht fern sein, in der auch Wiens steuerzahlende Frauen dahin streben werden, ihr aktives und passives Wahlrecht in der Gemeinde auszuüben. Wie viele jetzt brachliegende Kräfte, die sich gern in den Dienst der Allgemeinheit stellen, würden zu segensreicher Tätigkeit angespornt, dann viel Gutes leisten." Jda Barber. Die Neuwahlen in der Pester Chewra-Kadischa. In der vorigen Woche wurde die Hälfte der Mitglieder der Repräsentanz neugewählt. Am 25. v. M. hielt der Verein seine Generalversammlung ab, in der die Neuwahl des Präsidiums und des Vorstandes vorgenommen und der Ausschuß ergänzt wurde. Auf Antrag Dr. Wilhelm G r a u e r s wurden die bisherigen Funktionäre durch Akklamation wiedergewählt, und zwar zum Präsidenten Hofrat Julius Winterberg, zum Vizepräsidenten Jufius Adler, zu Vorstehern Josef B r ü d y, Baron Bele Dirßtay, Anton v. Deutsch und Moritz Lindenbaum. Nach Verkündigung des Wahlresultates wurde Präsident Julius Winterberg von einer Deputation eingeholt. Gustav G. Ehrlich begrüßte in 'warmen Worten das Präsidium, worauf Hofrat Winterberg folgende Programmrede hielt: „Geehrte Generalversammlung! Sehr geehrter Freund! Die schmeichelhafte Art, mit der Sie uns begrüßten, erfüllt uns mit Freude und gerechtem Stolze. Sie gestatten, daß ich Ihnen im Mamen aller Gewählten innigen Dank sage. Eine erste Wahl gleicht dem geschlossenen Briefe, von Fremden den Fremden für unbekannte Wege mitgegeben. Inhalt, Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen offenbaren sich zumeist nur nahe dem Endziele. Erst beim Rückblicke wird mancher zu spät gewahr, daß eben das harmonische Band, der lebendige sympathische Zusammenschluß mit dem befruchtenden Nährboden der Gesamtheit fehlte. Eine Wiederwahl, insbesondere eine mehrmalige, hingegen ist ein offenes Sendschreiben von Freunden dem Freunde als liebevollen Wegweiser mitgegeben, ein Sendschreiben, darin sich bereits erprobter Männer Wertschätzung laut und restlos aüsspricht, und' wie ein Scheinwerfer leuchtet es, die Vergangenheit aufhellend, auch zukunftsfroh dem kommenden Tage entgegen. Enggeschlossen reiht sich die Schar der Brüder um uns, mitraterch, mithelsend, ermunternd, zustimmend zu weiteren Schritten auf der Entwicklungsbahn humanitärer Kultur. Kein Mißton stört unsere Schaffensfreude, opferwillig, edelsinnig bestärkt man unsere Unterbreitungen und all das vollzieht sich so einträchtig, weil Sie, liebe Brüder, unseren Glauben an die höheren Ziele und Zwecke der Chewra-Kadischa teilen. Vertrauenvoll legten Sie die weitere Führung und Leitung der Chewra in unsere Hand, was wunder, daß wir uns frisch erstarkt und neu berufen fühlen, quillt uns doch aus den Wurzeln belebende Tatkraft, die. uns methodisch zu weiteren Schöpfungen leitet. Vernehmt es, ihr Brüder, der Heilige Verein heischt strengen Dienst, erheischt milde Priester, braucht ernste Arbeit und Entsagung, dem hohen Amte wollen wir entsprechen. Hiemit schließe ich die Generalversammlung." Rückberufung der Juden nach Spanien. Seit langer Zeit schon, und speziell seit dem Erscheinen des Werkes Dr. Pulido, welches die Aufmerksamkeit des großen Publikums auf die Judenfrage lenkte, weiß man in Spanien, daß im europäischen Orient und in der asiatischen Türkei zahlreiche Juden spanischen Ursprungs leben — die Sephardim — die infolge ihrer treuen Anhänglichkeit an die Sprache und die Heimat ihrer Väter auch vom Gesichtspunkte der wirtschaftlichen Interessen als überaus wertvolle Hilfsgenossen Spaniens zu begrüßen wären, wenn erst der Kontakt zwischen ihnen und ihrem Vaterland hergestellt und ihre Sympathie geweckt werden könnte. Ein erfreulicher Anfang solchen Bestrebens ist bereits im vergangenen Jahre gemacht worden, und zwar den Juden von Saloniki gegenüber, indem das königlich

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