Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 222 Dr.. Blochs Zentralstelle für das jüdische Armenwesen. Imgroßen Sitzungssaalc der Wiener israelitischen Kultusgemeinde fand Donnerstag, den 26. März, 6 Uhr abends, die Delegiertenversammlung der „Z e n t r a lstelle für das jüdische Armen wesen" unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Erschienen waren die Damen und Herren: Frau Professor Roth (Kinderhort I), Frau Professor Tauber, Hermine Kadisch (Taubstummen-Jnstitut und Volksküchenverein), Louise Kuffler (Präsidentin des Ausspeisungsvereines im XX. Bezirk), Leopold Herz, Prokurist der Firma Max Springer, Kultusvorsteher Max Zirner und Frau, Dr. Rudolf Th. Schorstein (Baronin Hirsch-Stiftung), Dr. Arnold Ascher (Baron Hirsch-Stiftung), Heinrich Mendl, Dr. Gustav Kohn, Landesschulrat, Präsident des Kuratoriums, Cäcilie Frankl (Vize- Präsidentin des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenheims), Sofie Deutsch, Regine Kopstein (Präsidentin des „Frauenhort"), Gottlieb Drab, Rudolf Urbach (Verein der Kindermunde Ottakring-Hernals), Dr. Emilie Weiß, Marie Kohn (Frauenverein XX. Bezirk), Lea Bondy, Sofie Waltuch, Emmy Wechsler (Bikur Chaulim), Antonie Eisner (Theresien Kreuzer-Verein), Ignaz Glück (Treubund), Siegfried Fleischer (Oesterr. israel. Union" und „Kinderheim"), kais. Rat Dr. 2. Krüger, Direktor Jakob Mautner (Waisenverein), Reg.-Rat Rosa Wien (Auskunftsstetle für Wohlfahrtsangelegenheiten), Doz. Dr. Sofie Grünfeld, Präsidentin des Vereines „Ferienheim", mit den Vorstandsdamen Jenny Frank und Dr. Friedmann, Emma Hönigsberg, Emma Altmanu (Verein zur Ausspeisung hungernder Schulkinder vom XX. Bezirk), Marta Stiaßny, Frau v. Doctor (Frauenhort), Direltor Regine Ullmann, Helene Kuranda (Mädchen-Unterstützungs-Verein), Selma Peretz-Böhm (Propaganda- Verein), Arnold Lembergcr, Amalie Korany (Pestalozzi- Verein), Dr. Julius Flesch, Dr. Friedrich Welt (Verein für zugereiste kranke Israeliten), Jda Figdor, Frau Professor Gutmann, Frau Dr. Hopfinger (Zuflucht), Rofalie Cahn, Emanuel Beer (Osten), Dr. I. Winter (Chewra- Kadischa, XVIII. Bezirk), Vorsteher S. Goldmanu, Amtsleiter Wilhelm Freistadt, Clotilde Benedikt (Frauenhort), Hermine Gerber, Dr. Nany David, Alexander- Steiner und Frau (Jubiläums-Frauen-Verein), Dr. Isidor Braun, Professor M. R. Salzmann, Apotheker Raditz (Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürftiger), Dr. Helene Deutsch, Berta Brüll (Greisinnenfürsorge), Isidor Trebitsch (Menschenliebe), Dr. Phila Drucker, Moriz Ungar (Zukunft), Salo Lemberger (Donauperle), Josef Kohn (Die Brüder), Dr. Hugo Rosinger, Frau Ingenieur Gelbhaus (Frauen-Verein Mariahilf-Neubau), Margarethe Sternlicht (Frauen-Verein XIX. Bezirk), Frau Dr. Stein und Gisela Weiß (Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürftiger), Amtsleiter Kraus, Charlotte Frischauer (Franz Josef-Kinderhort), Direktor- Laura Krenberger, Jakob Franziska Birmann (Hietzinger Frauen-Verein), Max Hofbauer (Einheit), Josef Freudenberg (Eintracht), Dr. Oskar Jakobowicz (Pestalozzi), Alice Fischer (Frauen-Verein Wieden-Margarethen), Sigmund Rochmis (Chewra-Kadischa, XVI. Bezirk), Herr Schäfer (Gute Herzen), Isidor Frommer (Verein zur Unterstützung kranker Israeliten), Regine Kauder (Israel. Kinderbewahranstalt), Josef Popper (Fides). . Ihre Abwesenheit hatten entschuldigt: Professor Dr. Wilhelm Roth, Karl Freund, Ernst Simon, Rosa Frankl (Verein gegen Verarmung und Bettelei), Julie Zirner (Jugendschutz), Frau Grunwald, Präsidentin des Floridsdorfer Frauen-Wohltätigkeits-Vereines. Der Vorsitzende, Präsident der Kuratoriums Dr. Gustav Kohn, eröfftret die Delegiertenversammlung mit der Begrüßung der Erschienenen und widmet hierauf den Wochenschrift. Nr. U im Berichtsjahre verstorbenen Mitgliedern der Zentralstelle Ignaz B i t t m a n n, Heinrich Egger und Max I e i t e l e s Worte pietätvollen Gedenkens, die von der Versammlung stehend angehört werden. Nach 'Verlesung des Protokolles der vorjährigen Delegiertenversammlnng durch den Sekretär der Zentralstelle Dr. Ai. L ö w y erstattet Vizepräsident Dr. Rudolf Schorstein folgen den Bericht: „Geehrte Generalversammlung! Aus den Ihnen im folgenden vorzulegenden Ziffern werden Sie ersehen, daß die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen im heurigen Jahre auf allen Gebieten normale Fortschritte gemacht hat und auch die im vorigen Jahre erst angeschlossene Sektion für Kurbedürftige zur vollen Ausgestaltung bringen konnte. Es ist die Anzahl der Mitglieder, die Anzahl der Anfragen, die Anzahl der erteilten Auskünfte, die Anzahl der Katasterblätter durchwegs nicht unerheblich gestiegen, und ich glaube der Hoffnung Raum geben zu können, das; die angeschlossenen Vereine und Einzelpersonen mit der Arbeit der Zentralstelle zufrieden sein werden. Möglicherweise könnte Ihnen eine Differenz in den Spenden auffallen, die um Kr. 5500.— int Vorjahre höher waren. Im Vorjahre waren es aber größtentcils Zweckspenden, mit der ganz bestimmten Widmung, sie der Kinderbekleidung zuzuführen, und es wurden auch aus diesen Spenden wieder Kr. 4900.— für diesen Zweck verausgabt, so daß die Zentralstelle als solche nur eine Durchlaufstalion gebildet hat, wie sie es im h'eurigen Jahre im Kurverbande gewesen ist. Die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen sammelt dem Kurverband die Gelder für jene Fälle, welche das Erekutivkomitee für würdig empfiehlt, eir und besorgt dann die vollständige Durchführung der Aktion. Der Verband für Kurbedürftige, welcher seit 19. Dezember 1913 amtiert, hat bisher 90 Fälle behandelt. Von diesen sind bisher 50 mit einem Kostenaufwand von ca. Kr. 7500— erledigt worden, 11 Fälle wurden als nicht für den Kurverband geeignet abgelehnt, 7 Fälle wurden der Krankenfürsorge überwiesen und der Rest ist noch in lausender Behandlung. Beiträge für die Kuraktion sind geleistet worden von der Kultusgemeinde, Chewra-Kadischa, Armenanstalt, Baronin Hirsch-Stiftung, Verein zur Unterstützung Kurbedürstiger, ''cu Fraueiitvohltätigkeltsvereinen l, IV, V., VI., VIII. und XX. Bezirk, Frauenhort, Vikur-Chaulim, Ereisinnenfürsorge, Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenheim, Baron Springer, Ritter v. Gutmann. Was die Kinderbekleidungsaktion betrifft, wurden von 36 Vereinen (gegen 27 angeschlossenen Vereinen im Vorjahre) 2984 Kinder (gegen 2600 im Vorjahre) bekleidet. Dieses Plus ist zum größten Teile der durch die Zentralstelle geschaffenen Organisation zu verdanken, da von derselben nach Abschluß der offiziellen Bekleidungstermine die von den Vereinen mangels Mitteln nicht berücksichtigten Kinder auf gemeinschaftliche Kosten der angeschlossenen Vereine bekleidet wurden. Der neue Kinderkataster erleichterte die Evidenzhaltung der vorgenommenen und angemeldeten Bekleidungen und die rechtzeitige Verständigung der Vereine betreffs bekanntgewordener Doppelbekleidungen, die in 56 Fällen infolge Anzeigen der Zentralstelle verhindert werden konnten. Infolge der seitens der Organisation geschaffenen Vorsichtsmaßregeln ist nicht nur die Zahl der Konstatierung von Doppelbekleidungen um 50 Prozent gesunken, sondern auch die Zahl der faktisch erfolgten Doppelbekleidungen von 19 auf 6 zurückgegangen. Man sollte nun meinen, daß diese Zahlen genugsam beweisen, daß die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen ihrer Aufgabe gerecht wird. Und trotzdem hat uns der Storch ein Brüderchen gebracht, ja, er beabsichtigte, die Familie der Zentralstelle noch mehr zu vergrößern, wenn er nicht durch radikale Eingriffe darin gestört worden wäre. Aber ein Brüderchen ist, wie gesagt, immerhin aus die Welt gekommen und es wird bald stärker und größer und mächtiger sein, als sein älterer Familienmiliengenosse. Das ist der Zentral-Armenkataster der Gemeinde Wien. Sie fanden bereits in allen Tagesblättern Aufrufe an Vereine und Prioatwohltäter, von der Einrichtung des Armenkatasters der Gemeinde Wien Gebrauch zu machen, wie wenn die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen bisher vollständig versagt hätte. Nun wäre der natürlichste Einwand, daß unsere 'Zentralstelle für die Angehörigen mosaischer Konfession, die andere für Katholiken und Protestanten eingerichtet wäre. Das ist ganz unrichtig. Die meisten interkonfessionellen Vereine spielen in ihrer Tätigkeit die Rolle eines Leitungsrohres, welche das jüdische Geld, welches sie vereinnahmen, fremden Zwecken zuführen. Nun wäre es freilich das Ideal humanitärer Anschauung, weder nach Nation noch nach Konfession zu fragen und sich aus den Standpunkt zu stellen, nichts in dem Bedürftigen zu sehen, als einen armen, hilfsbedürftigen Menschen. Lange Jahre ist es mir selbst immer wider den Strich gegangen, erst feststellen zu müssen, welcher Konfession der Hilfesuchende angehört. Aber nach und nach wird jeder, der einige Hebung in Wohltätigkeitssachen hat, zu der Erkenntnis