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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 220 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. U großen Lettern den Satz prangen: „Kill the Jews!- (Erschlaget die Juden!) Der Professor verlor seine Geistesgegenwart nicht und erledigte die Angelegenheit damit, daß er zu seinen Schülern, sprach: „Ich finde diesen Vorgang recht merkwürdig, ja sogar komisch. Die ganze Woche hindurch beschimpft ihr die Juden und wollt sie gar erschlagen lassen, und am Sonntag geht ihr in die Kirche und vergöttert sie. Wißt ihr denn nicht, wer Jesus gewesen ist? Und umgekehrt, wißt ihr denn überhaupt, wer die Juden sind? Wohlan denn, ich will euch hierüber einiges sagen." Und der Professor, der selbst ein frommer Christ ist, hielt anstatt des stundenplanmäßigen Vortrages einen Vortrag aus der Geschichte der Juden. Und während dieses ganzen Vortrages blieben die schändlichen Worte auf der Tafel stehen. Die Ausführungen des Professors übten einen so mächtigen Eindruck auf die Schüler, daß sich fast alle zu gleicher Zeit, so wird in der „Newyork Times" berichtet, gedrängt fühlten, zur Tafel zu eilen, um den beschämenden Satz abzulöschen, weil sie seinen Anblick nicht mehr ertragen konnten. Jahrhundertfeier der Emanzipation der dänischen Juden. Aus Kopenhagen meldet die „N. I. K.": Die Juden Dänemarks rüsten sich, die hundertste Jahreswende ihrer Emanzipation feierlich zu begehen. Am 29. März d. I. waren es nämlich 100 Jahre, seit ihnen durch ein Dekret des Königs Friedrich VI. die Bürgerrechte verliehen worden sind. Aus diesem Anlaß gibt die Dänemark-Loge des Ordens B'nei B'rith eine Festschrift heraus, und die jüdische Gemeinde in Kopenhagen veranstaltet eine Gedenkfeier in der Synagoge mit anschließendem Bankett. Es sollen auch wohltätige Stiftungen zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag errichtet werden. Jüdische Stadträte in Alexandrien. Aus Alexandrien wird berichtet: Bei den Wahlen in die Munizipalität, die Anfang März hier stattfanden, wurden die Juden Dr. Valensin Bey und Bankier Alfred Campos zu Stadträten gewählt. Valensin Bey gehörte dem Stadtrat schon früher an und hat sich um die Entwicklung der Stadt Alexandrien namhafte Verdienste erworben. Alfred Campos erfreut sich als großherziger Förderer aller Wohlfahrtsbestrebungen auch in christlichen und mohammedanischen Kreisen allgemeiner Wertschätzung. Jüdische Wohltätigkeit in Newyork. Der soeben erschienene Jahresbericht der „United Hebrew Charities" in Newyork macht einen überwältigenden Eindruck. Man ersieht daraus, welch großes Elend in dem Ghetto von Netvyork herrscht, über auch wie hilfsbereit die Zentralstelle für das jüdische Wohltätigkeitswesen in Newyork diesem Elend zu steuern trachtet. An momentaner Hilfe, also für sogenannte Handbeteilung, wurden im abgelausenen Jahre von der genannten Organisation nicht weniger als 1,230.000 Kronen ausgegeben und die Gesamtausgaben an Unterstützungen betrugen über 2V2 Millionen Kronen. In dieser Summe sind jedoch die Erhaltungskosten der Bureaus sowie die Unterstützungen, welche von einzelnen Spezialfonds, so z. B. vom Fonds zur Aufrichtung von Existenzen, vom Fonds zur Bekämpfung'der Tuberkulose rc., geleistet werden und die eine selbständige Gebarung haben und zum allergrößten Teil von dem unermüdlichen Philanthropen Jakob H. Schiff munifiziert werden, nicht mitinbegrisfen. Germanischer Antisemitismus in Rußland. Ungeachtet der bekannten Tatsache — so wird aus Petersburg gemeldet — daß die Deutschen in Rußland sowie alle Minoritäten unter großen Drangsalierungen der russischen Bureaukratie zu leiden haben, können es diese deutschen Nationalisten nicht übers Herz bringen, wenigstens in Rußland von ihrem Antisemitismus abzulassen. Auf der deutschen Kolonie Katschinowka fand dieser Tage eine Versammlung der Deutschen statt, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, bei der kompetenten russischen Behörde bittstellig zu werden, daß Juden aus dieser Kolonie vertrieben werden mögen. Diese Haltung der Deutschen erscheint umso gehässiger, als sie fast ausschließlich die Kolonie bewohnen, auf welcher sich nicht mehr als drei jüdische Familien befinden. Ein jüdischer Legationsrat. Am 15. März feierte der kaiserliche Legationsrat Dr. Wilhelm C'ahn in Berlin seinen 75. Geburtstag. Cahn, der jüdischer Religion ist, wurde in Mainz geboren, war erst Philologe, kam dann in den sechziger Jahren nach Paris zur bayrischen Gesandtschaft und war 1870/71 während der ganzen Belagerung in Paris; er hat darüber zwei Bände „Pariser Gedenkblätter" geschrieben. Er wurde später ständiger Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt in Berlin mit dem Titel kaiserlicher Legationsrat. Außerdem hat er einen Kommentar zum Staatsangelhörigkeitsgesetz geschrieben und arbeitet jetzt an einem Kommentar zu dem neuen Gesetz. Cohns Großvater war schon in Mainz ein bekannter Rabbiner, der als erster die Ghettotore einriß und ins Christenviertel zog. Sein Vetter war Eduard Lasker. Die Verfolgung der Juden in Jemen. Die Jemeniten sind in jüngster Zeit ziemlich zahlreich in Palästina eingewandert, weil sie in Jemen, ihrer Heimat, infolge der Verfolgung des Herrschers in Jemen, des Imam Jabia, keine Existenzmöglichkeit knehr hatten. Die türkische Regierung ist gegen diese Umtriebe machtlos, da sie. dem Imam Jabia. ausdrücklich die uneingeschränkte Herrschaft über Jemen eingeräumt hat. Nun hat.der Chacham Baschi der Türken, Nahum, mit Zustimmung der Hohen Pforte ein offizielles Schreiben in Arabisch an den Imam geschickt, das er durch eine Abordnung hervorragender Juden in Sanaa, der Hauptstadt von Jemen, überreichen ließ. Diese Abordnung wurde von einer bewaffneten türkischen Eskorte begleitet. Vor einigen Tagen nun erhielt der Grand Rabbin der Türkei, Nahum, von den: Rabbiner in Sanaa einen Brief mit dem Originalschreiben des Imam, das dieser als Antwort auf das Gesuch Nahums der Abordnung eingehändigt hat. Das Schreiben des Imam ist nicht ohne Interesse. Im Eingang begrüßt er die Gelegenheit, mit dem geistlichen Chef der Juden in der Türkei offiziell zu verkehren. Gemäß der Lehre Mohammeds, sagt er, ist es seine Pflicht, die Juden in seinem Reiche zu beschützen. Alle Klagen über ungerechte Behandlung der Juden seitens der Kadi in Jemen seien unbegründet. Die Schuld liege vielmehr an deren eigenen Streitigkeiten in Religions- und Gemeindeangelcgenheiten. Er selbst ersucht sogar den Chacham, diesen Händeln ein Ende zu bereiten. Zum Beweise seiner judenfreundlichen Gesinnung erklärt er sich mit dem Gesuch Nahums einverstanden, daß eine Schule der Alliance Jsraelite in Sanaa eingerichtet werde, in welcher arabisch, hebräisch und eine europäische Sprache gelehrt wird. Jedoch lenkt er die Aufmerksamkeit des Chacham Baschi darauf, bei etwaiger Einrichtung der Schule die Gemeindebehörden bei Einführung von fortschrittlichen Reformen zur Vorsicht zu mahnen, damit durch diese die religiösen Gefühle der Muhammedaner nicht verletzt werden. Mit der Ermächtigung der Pforte will Oberrabbiner Nahum eine ziveite Abordnung an den Jmanr senden, um ihm für die gütige Berücksichtigung seines Gesuches Lu danken.

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