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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Säte 206 Dr. ztZlochr Wochenschrift Nr. 13 Jahres 1909 aus 210.544,23 Kronen in 1913 gesteigert, das ist in fünf Jahren das Sechsfache. Der Lebensmitteleinkauf stieg von 27.580 Kronen in 1909 auf 151.489,83 Kronen in 1913. Da ist wieder das Verhältnis: 4 fach — 6 fach. Demgemäß auch die Einnahmen in Speisemarken 1909 33.909,85 Kronen, 1913 186.020,65 Kronen. 1910 hatten wir täglich 706 Gäste, 1913 täglich 1165! Die Steigerung der täglichen Besucher unserer Speise- Hallen ist folgende: Von 1910 bis 1913, also in 4 Jahren ist die tägliche Besucherzahl um 459 gestiegen, d. i. um mehr als die Hälfte der Zahl im erstgenannten Jahr. Diese Besuchszahlen beweisen die Größe der Einrichtung, sie beweisen die Notwendigkeit ihres Bestandes, sie beweisen, daß alle öffentlichen Stellen die „Einheit" unterstützen müssen, denn die Speisehallen der „Einheit" müßten geschaffen werden, falls sie noch nicht bestünden. Aus der Geschichte des vergangenen Jahres wäre anzumerken, daß in der Generalversammlung vom 31. März 1913 zu dem bisherigen Vorstand neu hinzugewählt wurden die Herren: Bezirksrat Philipp Back, Leopold Für st, k. k. Universitätsprofessor Dr. Heinrich N e u m a n n. k. k. Hofrat Dr., Julius Schlag und Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Ignaz Weintraub. Aus dem Vorstande schied Herr Direktor Mar Fischer, dem wir für sein Wirken hiemit herzlichst und bestens danken. Der administrative Körper unserer Speisehallen bestand aus folgendem Personal: 1 Verwalterin, 1 Buchhalter, 1 Kassier, 1 Kontoristin, 1 Aufseher, 5 Köchinnen, 5 Hilssmädchen, 10 Kellnern, 5 Abträgern und 1 Hausdiener. Die Armenanstalt der Wiener israelitischen Kultusgemeinde speiste täglich bei uns 300 Studierende, außerdem aßen täglich bei uns auf -eigene Kosten 150 Studierende. In einem eigenen Saale speisten täglich über 200 Handelsangestellte, männliche und weibliche, aller Kategorien. Unsere Speisesäle und unsere Einrichtungen wurden oft von Besuchern besichtigt. Mit Dank verzeichnen wir den korporativen Besuch des Herrn Bezirksoorstehsrs Ingenieur Leopold Blafel und seines Stellvertreters Herrn Ernst Klebinder, denen wir ob des bewiesenen Wohlwollens zu Dan? verpflchtet sind, weiter den korporativen Besuch der verehrten „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", den der Präsidenten des „Ferienheims" und „Seehospizes", der Frau Dozent Sofie G r ü n f e I d, der Damen Bertha Pappenheim und Stefanie Forchh.eimer von der „Weiblichen Fürsorge" in Frankfurt a. M., der zahlreichen Mitglieder des elften Zionisten-Kongresses u. a. m. Zu besonderem Danke sind wir verpflichtet dem löblichen Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, den löblichen Humanitätsvereinen „Eintracht" und „Wien", den Herren Dr. Philipp von E o m p e r z und Dr. Alfons Thp r sch für die Spende von je 500 Kronen, Herrn Baron Eugen Freiherr von K u b i n z k y für 300 Kronen, den Herren Emanuel Eoldmann, I. P r a g a n und Baron Gustav Springer für je 200 Kr., dem löblichen Komitee des Leopoldstädter Bürgerballes und den Leitern des Blumentages für je 100 Kronen. Ein besonderes Wort des ehrfurchtsvollen Dankes widmen wir wie immer unserem Führer und Freund, dem ehrwürdigen Herrn Rabbiner Sigmund F ü r st. Dem unvergleichlichen Walten unseres Oekonomen Herrn Adolf Fischer widmen die Kollegen im Vorstand ein eigenes Blatt dankbarer Verehrung. Sämtliche Redner, die hierauf zu Worte kamen, zollten der Vereinsleitung und namentlich dem §Dbmannc Bernhard Hofbauer, dem Schriftführer Dr. Krenberger, dem Oekonom Adolf Fischer und dem Kassaverwalter -Max H o f b a u e r, welch letztere zwei mit bewunderungswürdiger Energie und Umsicht alle denkbaren Hilfsquellen dem Vereine und seinen Institutionen dienstbar zu machen bemüht sind, uneingeschränktes Lob. Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber sprach die Anerkennung des Kultusvorstandes für die -Tätigkeit des Vereines aus und versicherte denselben auch der weiteren Sympathien des Kultusvorstandes. Die im Verlaufe der Debatte von Dr. Rybaczevski vorgebrachte Bitte, daß der Kultusvorstand seine Subventionen bedeutend Erhöhen möge, nahm Dr. S ch r e i b e r ad referenduui und versprach, dies, soweit es möglich sein werde, zu befürworten. Es sprachen noch Rabbiner Prof. Reich, Hofrat Dr. Schlag, Sekretär Fleische r, Professor A n t s ch e r l, Rabbiner G o l d st e i n u. nt. a. Nach Anhörung des Revisionsberichtes des Herrn Jakob Fuchs wurde dem Vorstande das Absolutorium erteilt und die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Alexander Eiger, Dr. I. Reiniger und Nathan Schiff einhellig wiedergewählt. Purim der Auswanderer. Seit einiger Zeit gibt es in Wien eine jüdische Auswanderer-Halle, die sich durch ihre vorzüglichen Einrichtungen, durch ihre Sauberkeit und durch die brüderliche Liebe, mit welcher der jüdische Durchwanderer dort ausgenommen und behandelt wird, als eine segensreiche Institution erwiesen hat, die man nicht inehr missen möchte und deren weitere Ausgestaltung von großer sozialer Bedeutung wäre und daher von der jüdischen Oeffentlichkeit gefördert zu werden verdient. Es ist dies der Verein „Heim", Pension der orthodoxen Juden, Wien, II., Kleine Schiffgasse 22, an dessen Spitze Reichsratsabgeordneter Bernhard Stern als Präsident und Dr. Josef Zipser als Vizepräsident stehen. Die Bedeutung eines solchen Heims für die jüdischen Wanderer braucht an dieser Stelle wohl nicht besonders betont zu werden, da wir wiederholt auf die Gefahren hingewiesen haben, die in Gestalt von gewissenlosen Agenten, habsüchtigen Auswanderungshyänen und ausbeuterischen Wohnungswucherern den armen jüdischen Wanderern auf ihrem langen Wanderwege auflauern. Es war ein glücklicher Gedanke von der Canadian-Pacific-Gesellschaft, diese jüdische Institution für die mit den Schiffen dieser Gesellschaft zu befördernden jüdischen Emigranten in Anspruch zu nehmen. Durch dieses Arrangement wird das Heim auch unter die Kontrolle der Gesellschaft gestellt, während andererseits die Canadian-Pacific die Beruhigung haben kann, daß ihre Klienten während ihres Aufenthaltes in Wien wirklich gut versorgt und vor den oben geschilderten Gefahren geschützt sind. In diesem jüdischen Heim fand am verflossenen Purim ein den im Heime befindlichen Auswanderern vom Vereinsvorstande gewidmetes Purimfest statt, au welchem die Vorstandsmitglieder sowie mehrere Oberbeamte der Canadian-Pacific teilnahmen. Der Verwalter des Heimes, Herr Mayer Kamm, hat alles aufgeboten, um die Emigranten die Leiden der Wanderung vergessen zu machen und in ihnen die Hoffnung auf baldigen Frieden im freien Lande wach zu erhalten. Es war rührend, zu sehen, wie diese Auswanderer, die ja mit eigenen Mitteln reisen, sowohl dem Verein als auch der Canadian für dieses „Purimgcschenk" dankbar waren. - b - sz. Rumänische Hetze gegen den Botschafter Morgenthau. Der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Henri Morgenthau, hat sich schon während seines kurzen Äusenthaltes in der Türkei das Vertrauen und die Sympathien aller politischen Kreise erworben. Mr. Morgenthau vertritt nicht nur in ausgezeichneter Weise die Interessen seiner Regierung, sondern hält auch das anläßlich seines Abschiedes von .Newyork in einer ihm zu Ehren veranstalteten Festversammlung der jüdischen Notabeln gegebene Versprechen, für unsere Glaubensbrüder im türkischen Reiche werktätiges Interesse zu bekunden, in vollem Maße. Botschafter Morgenthau besucht fleißig die jüdischen Anstalten, unterhält einen regen Verkehr mit den jüdischen Behörden und hat alsbald die Herzen der Juden in der türkischen Hauptstadt besonders dadurch gewonnen, daß seine Tochter, Miß Morgenthau, sich erbötig gemacht hat, in einer jüdischen Mädchenschule unentgeltlich systematischen Unterricht in der englischen Sprache zii erteilen. Dieser Einfluß des Botschafters Morgenthau bei der Hohen Pforte zugunsten der Juden scheint in Rumänien Unbehagen hervorzurufen, denn die offiziösen Blätter in Bukarest hören nicht auf, das Gerücht zu lancieren, daß Morgenthau wegen seiner angeblich prononziert jüdischen Politik den Unwillen der amerikanischen Regierung erweckt habe, und daß seine

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