Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 2V7 Abberufung in der allernächsten Zeit bevorstehe. Vor kurzem hat nun „Universul" in Bukarest sich abermals diese „beschlossene Abberufung" Morgenthaus von sicherer Quelle (?) aus Washington melden lassen. Mr. Morgenthau, hierüber befragt, erklärte jedoch kategorisch, daß ihm von einem solchen Wandel in den Intentionen seiner Regierung nichts bekannt sei, und daß die Tatsache, daß er im Austrage seiner Regierung eine Ltudien- Inspektionsreise nach der asiatischen Türkei und Palästina unternehme, sicher nicht dafür sprechen, daß er nicht mehr das Vertrauen seiner Regierung genieße. Diese rumänischen Nadelstiche werden ihn sicher nicht abhalten, für seine Glaubensbrüder, wie es ihm sein Herz gebietet, tätig zu sein. Zur Judenfrage in Rumänien. Das Zentralkomitee des Verbandes der eingeborenen Juden hat an die Blätter folgendes Communianb gesendet: Das Zentralkomitee des „Verbandes der eingeborenen Inden" hielt am Freitag abend, den 28. Februar (11. März) eine Versammlung ab, um über die für die eingeborene jüdische Bevölkerung aus der Tatsache geschaffene Lage zu beraten, daß unter den der Abänderung unterworfenen Artikeln der Verfassung nicht auch der Artikel 7 figuriert. Der Verband beschloß die Aktion für die Lösung der Judenfrage mit der gleichen Energie aus Grund der seit der Gründung des Verbandes gezogenen Richtlinie sortzusetzen. Das Zentralkomitee erklärt, daß die Lösung der Judenfrage nicht unbedingt von der Abänderung des Art. 7 der Verfassung abhängt, da dieser Artikel die Verhältnisse der Fremden in Rumänien regelt, während die eingeborenen Juden entsprechend den alten Gesetzen und Gebräuchen des Landes als Rumänen betrachtet werden und zu betrachten sind. Die rumänische Regierung hat sich übrigens im Jahre 1879 zur Zeit der Diskussion des Art. 7 und nach seiner Votierung durch den damaligen Minister des Aeußern, Basile Boerescu, verpflichtet, daß die eingeborenen Juden, so wie es auch stets in der Vergangenheit der Fall war, als eine Kategorie von Rumänen betrachtet werden würden, und daß man gegen sie keine Ausnahmsgesetze schaffen werde. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wird das Zentralkomitee bis zunr Schlüsse der Konstituante * den allgekündigten Kampf führen und bei den konstituierten Gewalten im Staate dahin einwirken, daß sie entweder durch die Feststellung im Artikel 7, daß die eingeborenen.Juden Rumänen sind, oder durch das Finden einer Modalität gleicher Art in einen der Konstituante zur Abänderung unterworfenen Artikel die Judenfrage lösen. Das Zentralkomitee appelliert neuerdings an die rumänische öffentliche Meinung und an alle diejenigen, welche nicht von Leidenschaft und Haß verblendet sind, daß sie es in dem übernommenen schweren Werke unterstützen, es nämlich. zu bewirken, daß gleichzeitig mit den übrigen Reformen auch die große Reform der Emanzipation der jüdisch-rumänischen Bevölkerung durchgeführt werde. Es kann nicht im Interesse des Landes liegen, und es ist auch nicht gerecht, daß dann, wenn durch die durchzuführenden politischen und wirtschaftlichen Umwandlungen das Aussehen Rumäniens geändert wird, einzig und allein die Judenfrage unerledigt bleibe und in dieser Weise ein unmöglicher Zustand der Dinge fortgesetzt wird, der das Land nach innen und nach außen schädigt." Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg e. V. Zur Feier der Verlegung der Räumlichkeiten nach dem Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee, fand eine Festsitzung statt, in der Rabbiner Dr. Loewenthal zunächst einen Vortrag „Familie und Familienbeziehungen im jüdischen Volksmunde" hielt. Dann folgte die ordentliche Hauptversammlung. Dr. Rieger begrüßte als 1. Vorsitzender und betonte, daß die Gesellschast als wissenschaftliche Vereinigung ein wenig an die Oeffentlichkeit dringendes Dasein führe. Das letzte Jahr war ein sehr stilles und arbeitsreiches. Das Hauptereignis war die Uebersiedlung der Gesellschaft, die bisher mit ihrem Museum heimatlos war, nach den neuen Räumen des Museums für Völkerkunde, wo ihr, dank dein Entgegenkommen des Staates und der Museumsleitung, diese schönen, für ihre Zwecke besonders geeigneten Räume zur Verfügung gestellt wurden, wofür er den Behörden den Dank der „Gesellschaft" öffentlich ausspreche. Eine weitere Veränderung ist mit dem Beginne dieses Jahres eingetreten. Die bisher von dem Begründer und Ehrenvorsitzenden Rabbiner Dr. Mar G r u n w a l d (Wie n) herausgegebenen Mitteilungen der Gesellschaft sind bedeutend erweitert und von ihm in Gemeinschaft mit einem Redaktionskomitee (Rabbiner Dr. L o e w e n t h a l, M. D e u t s ch l ä n d e r, Dr. R i eg e r) redigiert werden. Hauptaugenmerk richtete der Vorstand ferner auf die Vermehrung der Sammlungen. Es ist ihm gelungen, 2 wertvolle Hamburgensien anzukaufen, 2 in Hamburg bezw. Altona gedruckte hebr. Broschüren: eine poetische Darstellung der Leiden der Juden wahrend der Belagerung von 1814 und ein Danklied der Altonaer Gemeinde a. d. I. 1809 zum Geburtstag des Königs Friedrich von Dänemark, ferner ein von Qtto Speckter gezeichnetes Bild von Sal. H e i n e, dem bekannten Philanthropen (wie er von seiner Villa in Oeoelgönne auf die Elbe hinausschaut), eine im seltenen Suhrschen Buntdruck ausgeführte älteste Darstellung des Heineschen Krankenhauses (die deutlich die im Laufe der Jahrzehnte stattgefundene Veränderung der Umgebung vor Augen führt), bildliche Darstellung althamburgischer Typen sowie Photographien aus dem Heiligen Lande. Infolge der ungenügenden Kassenverhältnisse mußte man viele passende Gegenstände zurückweisen. Die Vorstandstätigkeit war sehr rege. An Stelle des wegen Domizilveründerung aus dem Vorstand ausgeschiedenen L. Friede n h e i m wurde Syndikus Dr. Nathan gewählt. Der Jahresbericht wurde mit großem Beifall ausgenommen und genehmigt. Jedes Vierteljahr soll eine größere Propaganda durch Versendung der Mitteilungen stattfinden. Das erste jüdische Mitglied im Landtag von Natal. Bei den jüngst stattgehabten Wahlen iür das Provinzparlament in Natal (Britisch-Südafrika) wurde der angesehene Kaufmann F. C. Holländer ohne Gegenkandidaten gewählt. Mr. Holländer war jahrelang Bürgermeister von Durban und sechs Jahre hindurch Präsident der jüdischen Gemeinde dieser Stadt. Welches Ansehen Mr. Holländer genießt, geht aus dem Umstande hervor, daß in allen Wahlkreisen des Landes sich mehrere Kandidaten gegenüberstanden und Holländer der einzige war, dem kein Gegenkandidat gegenübergestellt wurde. Mr. Holländer ist das erste jüdische Mitglied dieser gesetzgebenden Körperschaft seit der Schaffung derselben. I. M. Halpern s. A. Es hat kaum ein zweiter Jude in Rußland eine sozial so hervorragende Stellung erlangt, als Holpern, der im Alter von 74 Jahren soeben in Nizza gestorben ist. Als Kind aus dem Volke und Sohn eines armen Bäckers in Wilna galt er schon als bemerkenswerter Talmudist. Als Kandidat der Rechtswissenschaft kam er 1869 nach Petersburg, bekam später einen Posten im Justizministerium und wurde 1874 schon zum Leiter des Departements befördert. Nebenbei wirkte er 10 Jahre lang als Juriskonsul am genannten Ministerium, und 1890 wurden ihm vertrauensvoll alle Fragen der Amtsbesetzungen innerhalb desselben zur endgültigen Prüfung