Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 205 kaufen dort ein jüdisches Stadtviertel „Mainrrrni" sowie ein den Namen dieses großen Gelehrten tragenden talmudisches Lehrhaus zu erbauen. Auch soll eiir Verlag „Mairnonia" zur Herausgabe talmudischer und jüdisch-wissenschaftlicher Schriften ins Leben gerufen werden. An der Spitze des Kornitees steht der bekannte sephardische Gelehrte I. M. T o l e d a n o und der frühere Rabbiner in Bäja (Tunis), Jachja Nagari. Der Name Ballin. Durch den Leiter der Hamburg-Amerika-Linie hat der Name Ballin in den letzten Jahren eine häufige Erwähnung gefunden. Einige Angaben über die Herkunft dieses Namens, der sprachlich gleichen Ursprungs wie die Formen Balin, Belin, Blin, Btün und Blüen ist, dürsten deshalb nicht ohne Interesse sein. Sie sind einem von Dr. Oskar Ballin veröffentlichten Buche „Die Familie Ballin" (Gandersheim, Druck von C. F. Hertel) entnommen. — Um 1450 wird in zwei gleichzeitigen hebräischen Urkunden erstmalig eine Rabbinerfamilie B'—lin erwähnt, die von Südfrankreich nach Italien auswandert. Es handelt sich um einen Raphael B'—lin in Nizza und seinen Sohn Siinson, der sich in Parma ansässig machte. Obgleich diesem Worte B'—lin der hebräischen Schrift die Vokale fehlen, steht doch seine Aussprache fest: als französische Wortbildung kann es nicht anders als Baläng, Beläng oder Bläng gesprochen werden. Bei dem allgemein geübten Brauche, sich nach dem Herkunftsorte zu bezeichnen, dürfen wir das auch bei dieser Familie annehmen. Und in der Tat liegt in Südfrankreich in der Nähe von Bordeaux ein kleines Städtchen, das sich Belin nennt. Hier lebten bis zur allgemeinen Judenvertreibung aus Frankreich (im Jahre 1394) jüdische Familien, und in ihnen dürfen wir die Stammväter auch der deutschen Familien des Namens sehen. Zweige dieses Geschlechtes wunderten nämlich über Metz und das Elsaß nach Worms, wo wir den Namen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart vorfinden. Auf diese Wormser B'—lin gehen die deutschen Familien des Namens zurück, insbesondere auch das Hamburger Geschlecht Ballin, das in der alten Hansestadt schon seit dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts nachweisbar ist. Korrespondenzen. Generalversammlung der „Einheit". Die diesjährige Generalversammlung des jüdischen Vereines „Einheit", welche am 24. d. M. im Turnsaale der „Talmud Thora" in der Malzgasse stattfand, nahm, wie alle Veranstaltungen dieses vornehmen, Humanität in modernem, großem Stile übenden Vereines, einen glänzenden Verlauf. Der Einladung des Vereinsvorstandes war ein zahlreiches distinguiertes Publikum gefolgt. Es waren erschienen: der Obmann Bernhard Hofbauer, Obmann-iStellvertreter Moritz Felfenburg, erster Schriftführer Direktor Dr. Krenberger, zweiter Schriftführer Dr. Dagobert R y b a c z e v s k i, Kassaverwalter Max Hofbauer, Kassier-Stellvertreter Hermann K u n e r, Oekonom Adolf Fischer, die Ausschußmitglieder: Bezirksrat Philipp Bak, Alexander E i g e r, Leopold F ü r st, Samuel G o l d m a n n, Professor Dr. Heinrich Neumann, Dr. Wolfgang P o l l a c z e k, Dr. I. Reiniger, Nathan Schiff, Hofrat Dr. Julius Schlag, Salomon S t r a s s e r und Dr. Ignaz Weintraub. Nach Eröffnung der Sitzung begrüßte der Obmann die Gäste, insbesondere den Vertreter der Wiener Kultusgemeinde Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber, die Rabbiner Dr. G r u n w a l d, Dr. Bauer:,Reich, Flesch. Schenk und Gold stein, Gemeinderat Dr. S chw arz-H il l e r und Bezirksrat S. M. Rübner, die Vertreter der Humanitätsvereine „B'nai B'rith": Dr. Josef. Bon di und Kommerzialrat S. R o s e n z w e i g, Religionsprof. A n t s ch e r l, Amtsleiter Frei stadt, den Chef des Wohltätigkeitsamtes Rudolf K r a u s, Sekretär Siegfried F l e i s ch e r, die Oberkantoren Bauer, Morgenstern und Müller sowie die Delegierten der übrigen Vereine und Organisationen. Hierauf gedachte der Obmann des Hinscheidens des verewigten Rabbiners Dr. Sch mied l, des Oberkantors Mayer S ch o r r, in dem der Verein einen Freund und Gönner verloren hat, ebenso des Hinscheidcns des Vereinsmitgliedes kais. Rat Alfred M c s s i n g e r. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen wies Redner auf die erfreuliche Tatsache hin, daß dank der vorsichtigen und rationellen Wirtschaft der Verein keine Passiven hat, was hauptsächlich der unermüdlichen fachkundigen Tätigkeit des Oekonomen Adolf Fischer zu danken sei, der sich in selbstlosester Weise oft mit Hintansetzung feiner eigenen Interessen in den Dienst der guten Sache stellte. Der Verein habe noch ein großes Ziel vor Augen, und zwar die Errichtung eines eigenen Hauses, in welchem die Anstaltsküche, die sich trotz wiederholter Erweiterungen als zu klein erweist, untergebracht werden soll. Er ist in der angenehmen Lage, Mitteilen zu können, daß bereits zwei Persönlichkeiten, die vorläufig ungenannt sein wollen, je 1000 Kronen und andere zwei je 500 Kronen für diesen Zweck zugesagt haben. Von großem Interesse war die weitere Mitteilung des Obmannes, daß die Speisehalle des Vereines heute bereits sowohl im Jnals auch im Auslande als Muster für ähnliche Institutionen gilt. So wurden in Preßburg und in Budapest genau nach hiesigem Muster solche Speisehallen errichtet und in Brünn, Berlin und Frankfurt steht die Errichtung solcher Anstalten bevor. Dem von der Generalversammlung genehmigten Jahresberichte entnehmen nur die folgenden wichtigeren Daten: Im Jahre 1908 betrugen die Beiträge und Spenden zusammen 3424,29 Kr., im Fahre 1913 zusammen 10.809,36 Kr., die größte Ziffer seit 1909. 1909 war die Neuordnung des Vereines, der erste Aufruf für unsere Küche, bei den Gebern und Empfängern der erste und größte Eifer. Aber 1913 muß unterstrichen werden. Es zeichnet sich auch ferner aus. Unter den bis nun genannten Spenden verstehen wir freiwillige Gaben von einzelnen. Daneben verzeichnen wir noch: 1. Bethausspenden. , Sie waren in den Jahren 1909: 271,08 Kronen, 1910: 423,66 Kronen, 1911: 684 Kronen, 1912: 487,72 Kronen. 1913: 652,94 Kronen. Diese Einnahme ist stetig gewachsen, war 1911 am größten, steht aber 1913 nicht weit zurück. Im Jahre, da die Beiträge und allgemeinen Spenden am geringsten waren, sind die Bethausspenden am größten gewesen. 2. Telegrammablösungen und Hochzeilsspenden. 1909: 875,29 Kronen, 1913: 1564,31 Kronen. 3. Büchsensammlungen. 1909: 117,85 Kronen. 1913: 1470,28 Kronen. Das Jahr 1913 brachte mehr als doppelt so viel als die vier anderen Jahre zusammen! Das ist das Verdienst der Agitation und Organisation. Alle diese drei Arten von spenden sind in den 5 Jahren um nur 1000 Kronen größer als die allgemeinen Spenden des einen Jahres 1913 und sie sind um fast 3000 Kronen geringer als Beiträge und Spenden von 1913. Wahrlich, diesem Jahre gebührt ein besonderes Lob. Dieses Jahr hat die Opferwilligkeit und die Gebelust unserer Freunde und Wohltäter aufs schönste bezeugt, denn durch Versendung von Kalendern bekamen wir auch schon bis Ende 1913 2012 Kronen und von einem Theaterkomitee 1778,58 Kronen. Im ganzen brachte das Jahr 1913 an Gaben, Spenden und Zuflüssen 20.691 Kronen. Das ist die Hälfte unserer Betriebsspesen. So war das Resultat des bösen, schweren, an Krisen reichen Jahres 1913. Wir folgern daraus, daß die neuen, „fetteren" Jahre uns in unseren Einnahmen weiter fördern werden, denn das budgetäre Ziel des Vorstandes muß es sein, alle Betriebsspesen durch die freiwilligen und wohltätigen Zuflüsse zu decken. Auch in den Ausgaben war das verflossene Jahr das größte. Der Umsatz der „Einheit" hat sich von 36.147,95 Kronen des