Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022089-3022103--22983-3048158
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 13 Seite 204 lilom Aabrmarkt des Lebens. Ein Zu-c, dem der Antisemitismus genützt hat. Vor einigen Tagen starb in Budapest der Geneealdirektor der „Ungarischen Allgemeinen Kohlenbergbau- Aktiengesellschaft" Ludwig Szende. Er war einer der tüchtigsten und angesehensten Fachmänner Ungarns, der die genannte Gesellschaft zur höchsten Blüte gebracht hat. Daß Szende zu hoher Stellung, zu solchem Ansehen und zu einem mehrere Millionen betragenden Vermögen gelangte, hatte er mehr oder minder einem Zusalle zu verdanken, über den er sehr häufig gerne sprach. Als junger Mann kam er nach Wien, um sich hier eine Stellung als Beamter zu suchen. Dies gelang ihm auch nach einiger Zeit. Er wurde von dem Handschuhfabrikanten Zacharias mit einem Monatsgehalte von 125 Gulden angestellt. Seine Anstellung war vollzogen, alles schien schon geordnet, da sagte Zacharias zum Schlüsse: „Noch eine Frage, Herr Szende: Welcher Religion gehören Sie an?" Szende antwortete, er sei Jude. „Dann tut es mir sehr leid," erwiderte der Fabrikant, „ich muß die Anstellung rückgängig machen, einen Juden engagiere ich nicht." Stellenlos kam Szende nach Budapest und erlangte dort bei der Ungarischen Allgemeinen Kohlenbergbau-Aktiengesellschaft eine Stellung und stieg infolge seiner hervorragenden Fähigkeiten bis zur höchsten Stufe empor. In Freundeskreisen pflegte er oft zu sagen: Wenn der Wiener Handschuhmacher kein Antisemit gewesen wäre, wäre ich heute bei ihm Buchhalter, hätte höchstens ein Jahresgehalt von 6000 Kronen und wäre nicht Generaldirektor der Ungarischen Allgemeinen Kohlenbergbau-Aktiengesellschaft mit einem Jahreseinkommen von über 100.000 Kronen geworden. So kann einem Juden manchmal der Antisemitismus auch nützen. Das Grab der Stammutter Rachel. (Die Restaurierungsarbeiten nicht bewilligt.) Vor einiger Zeit hatte sich in Ungarn über Anregung des Redakteurs Szabolcsi ein Komitee gebildet, welches sich die Aufgabe stellte, die furchtbar verwahrloste Grabstätte der Stammutter Rachel im Heiligen Lande instand zu setzen und zu erhalten. Die Anregung fiel auf fruchtbaren Boden, denn in entsprechend kurzer Zeit wurden zu diesem Zwecke 3000 Kronen gesammelt und der Plan für die Arbeiten fertiggestellt. Hierauf wurden seitens des Komitees mit den türkischen Behörden die nötigen Unterhandlungen gepflogen, um die Erlaubnis zur Durchführung der erforderlichen Restaurierungsarbeiten an dem Grabe zu erlangen. Lange hatten sich die Pourparlers hingezogen, doch blieben alle diesbezüglichen Bemühungen erfolglos, denn wie uns sowohl aus Budapest als auch aus Jerusalem übereinstimmend gemeldet wird, haben die türkischen Behörden die angesuchte Erlaubnis nunmehr endgültig verweigert. Laut der Jerusalemer Meldung wird diese Ablehnung mit der Erregung der Araber begründet. Die Araber lehnen sich gegen jede Restaurierungsarbeit auf den auch ihnen geheiligten Grabstätten auf. Um nun solche Unruhen zu . vermeiden, haben die türkischen Behörden diese Restaurierungsarbeiten als dermalen unzeitgemäß abgelehnt. Das ungarländische jüdische Komitee hat beschlossen, über das gesammelte Geld nicht anderweitig zu verfügen und seinen Plan auf eine günstigere Zeit zu verschieben. BciliS ist ruhebcdürftig. Einem jüdischen Journalisten gegenüber, der mit Beilis in Jaffa erst vor einigen Tagen eine Unterredung hatte, führte dieser bittere Klage darüber, daß er auch jetzt aus seinem Zufluchtsorte nicht zur Ruhe kommen kann. Jede Post bringt ihm neue Drohbriefe aus Kiew, aber ebenso eine Unmasse von Bittgesuchen von ihm völlig unbekannten Juden, die ihn um Unterstützungen angehen. Diese Leute scheinen zu glauben, daß er Millionär geworden sei, während alle diesbezüglichen Zeitungsmeldungen und Gerüchte den Tatsachen nicht entsprechen und er sehr weit entfernt vom Reichtum ist. Auch könne er es nicht ertragen, daß die Leute noch immer kommen, um ihn anzustaunen, ihn auszufragen?e. Man behandle ihn, wie wenn er ein exotisches Tier wäre, das herumgezeigt und von der Menge angegafft wird. Er sei so müde und schwach und in sehr hohem Maße ruhebedürftig. Wenn er diese Ruhe nicht bald findet, so wird er im Interesse seiner Gesundheit gezwungen sein, sein Domizil zu wechseln, um ungekannt nach kurzer Ruhe ein neues Leben der Arbeit beginnen zu können. Das Modell des jüdischen Schiffingenieurs. Aus Washington wird uns unter dem 16. Februar geschrieben: Die amerikanische Marineverwaltung hat soeben beschlossen, das von dem 23jährigen jüdischen Schifstechniker Abraham Arkin entworfene Modell für einen Dreadnought zu erwerben. Dieses neueste Kriegsschiffmodell soll hauptsächlich vom Gesichtspunkte des leichteren Manöhrierens gegenüber den bisher bekannten Modellen unübertreffliche Vorteile aufweisen. Arkin ist ein aus Rußland eingewanderter Jude, der hauptsächlich deshalb Rußland verlassen hat, weil ihm daselbst das Studium unmöglich gemacht war. Ein Fest der Arbeit in einer jüdischen Farmerkolonie. Der „Newyork Times" Wied aus Edenbridge in Nordwest-Kanada berichtet: Hier fand dieser Tage die feierliche Einweihung der „Hebrew Farmers Hall" statt. Die Kolonie Edenbridge besteht aus lauter .jüdischen Farmern, welche durch jahrelange unerschrockene, zielbewußte, harte Arbeit aus einem als unfruchtbar verschrienen Stück Lande ein blühendes, fruchtbares Land gemacht haben. Nun, nachdem sie nicht mehr mit materiellen Sorgen zu kämpfen haben, haben sie ihrer Hände Arbeit die Krone aufgesetzt, indem sie dieses Repräsentationshaus errichteten, das unter anderem auch ein Museum und eine Bibliothek mit großen: Lesesaal enthält. An der Einweihungsfeier haben auch Vertreter verschiedener Landes- und Staatsbehörden teilgenommen, welche die Juden als das Muster an Arbeitssreudigkeit und Nüchternheit lobten und den Wunsch äußerten, daß Kanada von lauter solchen Emigranten zur Zufluchtsstätte gewählt werden möchte. Der erste jüdische Richter in einem Washingtoner Gericht. Aus Newyork wird uns geschrieben: Präsident Wilson ernannte den Washingtoner jüdischen Advokaten Milton Straßburger zum Richter am Muni ipal-Court in Washington-Distrikt of Columbia. Straßburgers Ernennung hat in allen Kreksen den besten Eindruck gemacht, denn er genießt sowohl als Jurist wie auch als Mensch allgemeines Ansehen. Richter Straßburger, der heute *erst im 38. Lebensjahre steht, ist der erste Jude, der in Washington ein Richteramt bekleidet. Die Grabstätte Maimonides. In Tiberias ist ein Komitee gegründet worden, das sich die Aufgabe stellt, die Grabstätte des Maimonides und die benachbarten Gräber Rabbi Jochanan ben Sakkais und seiner.Jünger sowie des Rabbiners Jesaia Hurwitz, Verfassers des Buches „Sch'ne Imchoth Hab’rith“ (Sch loh) mit einer Schutzmauer zu umgeben, am Grabe Maimonides einen Denkstein zu errichten, die im arabischen Privatbesitz befindlichen Nachbargrundstücke anzu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.