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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. IS Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 203 „Chronik der Königreiche Zafath und Togarma", verfaßt von dem in Italien lebenden Josef H a k o h e n. Lassen wir ihn selbst erzählen; es ist die ausführlichste Darstellung d^r Geschichte Standerbegs wie sie sonst so klar, so einleuchtend, so frei von jeder abenteuerlichen Entstellung sich in keiner anderen Geschichtsquelle vorfindet. Wir übersetzen seine Erzählung, so weit als möglich, wörtlich und sinngemäß: „Juan Kastrioti, Fürst von Albanien, war ein Kriegsheld und kämpfte gegen Murad (1440) lange Zeit. Jedoch Juan konnte nicht standhalten, so ließ er sich herbei, Frieden zu schließen und gab ihm seine Söhne als Geiseln. Da sah Murad unter denselben den G e o r g, er war der Jüngste unter den Söhnen, und dieser fand Gunst in den Augen des Sultans. Er liebte ihn, ließ die Circumcision an ihm vornehmen und gab ihm den Namen Skander-Beg, das heißt so viel als F ü r st A l e x a n d e r, bis auf diesen Tag." „Sein Aussehen glich dem eines Königssohnes: erließ ihn in der Sprache und Literatur der Türken unterrichten, er fand auch Gunst in den Augen aller, die ihn sahen, und ward von M u r a d wie ein ^ohn angenommen. Acht Jahre war der junge Prinz alt zur Zeit seiner Aufnahme in den nwhammedanischen Glauben." „Der Knabe wuchs heran, wurde ein großer Held, Murad freute sich mit ihm und machte ihn zum Feld- Herrn. So bekämpfte er die Feinde des Sultans in Anatolien, die von ihm geschlagen wurden; wohin er sich wandte, siegte er, denn Gott war mit ihm. Der Herrscher bezeichnete ihn als seine rechte Hand und die Türken liebten ihn sehr." „In jener Zeit bekämpften die Ungarn die Städte des Murad, um in ihnen Beute zu holen. Da schickte der Sultan ihnen den Skanderbeg entgegen, so daß sie sich zurückzogen, denn es kam über sie die Furcht vor Skanderbeg. Es waren jepoch mit ihm viele von den'Dienern des Königs/seines Vaters, diese lehrten ihm die christliche Religion und redeten ihm zu Herzen, tagtäglich, sodaß er ihnen Gehör gab, und aus diesem Grunde verfolgte er die geschlagenen Ungarn nicht weiter, denn er Erbarmte sich ihrer und wollte kein Christenblut vergießen; so kehrte er nun zurück nach Adrianovel und wurde sehr geehrt." „Sein Vater Kastrioti starb nun, und Murad schickte seinen Heerführer Scheich-Aliah nach Albanien, stark gerüstet, da nahm er die Stadt K r o j a und alle anderen Städte des Juan Kastrioti im Namen seiner Kinder in Besitz und legte Besatzung in die Städte. Scheich-Aliah sprach aber zu den Bewohnern, ihr habet nichts zu fürchten, denn die Söhne eures Herrn werden zu euch kommen und jedermann wird ruhig unter seinem Weinstocke wohnen. Murad jedoch tat nichts von alldem, was sein Heerführer versprochen hatter Er nahm wohl alle Städte in Besitz/ jedoch die Brüder Skanderbeg s ließ er vergiften, redete aber zu Skanderbeg Worte der Beruhigung; dieser aber merkte sich die Sache, dachte von diesem Tage an weiter nur daran, in sein Land zurückzukommen und zu seiner Religion, sagte aber keinem Menschen hievon, da er für sein Leben fürchtete." „Eine Zeit nachher (1442) zog Ladislaus, der König von Ungarn und Polen, gegen Serbien und Bulgarien stark ausgerüstet in das Stromtal Chimo, um gegen Karam-Bey und Skanderbeg, die Heerführer des Murad, zu kämpfen. Die Türken wurden von ihm geschlagen, viele bedeckten das Schlachtfeld in diesem Kampfe, Karam-Bey wurde lebendig ergriffen, der in Gefangenschaft gesetzt wurde, aber Skanderbeg und die Ueberlebenden ergriffen die Flucht." „Skanderbeg jedoch freute sich des Unglückes und sprach in seinem Innern, jetzt ist die Zeit der Freude für mich gekommen! Am Abend gesellte sich zu ihm einer der Schreiber des Sultan und sprach zu chm: Was ist nun hier mit dir, Held Skanderbeg, da wir dich bisher noch nie aus der Flucht gesehen haben!?" „Dieser antwortete: Die höheren Schicksalsmächte haben es so beschlossen, denn der Krieg ist Gottes Sache, wer kann da widerstehen! Skanderbeg jedoch befahl hieraus, den Schreiber des Sultans in Fesseln zu schlagen. Da sprach der Schreiber: Was ist meine Sünde und was mein Verbrechen, daß du so mit mir verfährst? Da sprach Skanderbeg: Du hast mich nicht betrogen und hast nichts verschuldet gegen mich, aber damit du mir nicht entfliehst, habe ich dies dir angetan. Ünd nun schreibe mir einen königlichen Brief, versehen mit dem Siegel des Königs, gerichtet an den Feldherrn, der in Kroja, der Stadt meines Vaters, sich befindet, mit dem Aufträge, daß er mir die Stadt und ihre Umgebung im Namen meines Herrn, des Sultans, übergebe, denn eilt solcher königlicher Befehl ist nicht zu umgehen; nachher gehst du mit mir und ich w-erde deinen Namen groß machen, und wirst mir allezeit ein Bruder sein. Da sprach der Schreiber: Wie kann ich eine solche Schandtat ausüben, ich verwirke durch eine solche meinen Kopf vor dem Sultan! Da zog Skanderbeg sein Schwert und drohte ihn niederzusäbeln. Hierüber erschrak der Schreiber, daß er ihm alles tat, wie er es wünschte. Nun sprach Skanderbeg zum Schreiber: Komm mit uns! Dies jedoch verweigerte der Schreiber und er wurde nun umgebracht." „Kein Mensch jedoch wußte von der Sache. Skanderbeg eilte nun, um nach Albanien zu ziehen. Dort begrüßten ihn die Türken sehr freundlich, aßen und tranken mit ihm; als sie so guter Laune waren, sprach» er zu ihnen: Wisset ihr, weshalb ich hierhergekommen bin? Sie antrvorteten: Wir wissen es nicht. Und Skanderbeg sprach: Unser Herr, der Sultan, schickte mich hieher, um in Kroja zu wohnen an Stelle des Feldherrn, der dort ist. Sie glaubten ihm, denn es war bekannt, daß Murad ihn liebte, wie man Frauen liebt. Da sprach der eine von ihnen mit ihm gehen zu wollen, da freute sich Skanderbeg sehr und sie zogen nach Kroja, dort übergab er den Brief dem Feldherrn, der ihm die Stadt übergab." „Skanderbeg kam nun in die Stadt, und bei 300 Albanesen zogen mit ihm ein, jedoch die Türken zogen ab und gingen ihres Weges. Als er in die Stadt kam, nahm er die Fahne des Sultans herab und pflanzte seine Fahne auf, auf welcher sich ein schwarzer Adler mit zwei Köpfen befindet, und die Leute riefen: Es lebe Skanderbeg!" „So fiel er um diese Zeit ab vom Sultan, seinem Herrn, erschlug die Türken, die noch dort geblieben waren, nahm an sich alle Städte seines Vaters und auch alle anderen Städte, die Murad in Albanien hatte, und wurde ihr König. Die Albanesen freuten sich sehr, denn sie hatten innerlichen Groll gegen die Türken, und sie riefen: Es lebe Skanderbeg, unser Herr, ewiglich!" „Als Murad dies hörte, kränkte er sich sehr, konnte aber nichts tun. Skanderbeg wurde sehr berühmt, und sein Ruf verbreitete sich im ganzen Lande! „Im Jahre 1450 zog der Sultan gegen Skanderbeg, der ihn verraten hatte, er nahm auch seinen Sohn Mohammed mit, belagerte Kroja lange Zeit, beschoß die Festung, konnte aber nichts ausführen. Da zog er von dort ab, kehrte in sein Land zurück, wurde vor Gram krank und starb in Adrianopel." Meran, den 19. März 1914

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