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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 19b Nr.- 12 Zeit vom 10. bis 19. Jahrhundert in 154 Nummern vre Gesamtzahl der hierüber von Juden und Nichtjuden erschienenen Werke an. Die hervorragendsten aus jüdischen Kreisen 'erschienenen sind: Benjamin von Tudela, der um 1164 in Jerusalem war. Sein Tagebuch führt den Titel „Massaoth". Petachja aus Regensburg, mit dem Reisebuche „Sibbub" in den Jahren 1178—1185. Jehuda al charisi, der 1216 einen Monat in Jerusalem verweilte. Mose ben Nachman aus Gerona, bekannt unter dem Namen Ramban, kam nach Jerusalem 1260 und verweilte dort sieben Jahre bis zu seinem Tode. Sein Brief über Rahels Grab und anderes im Pentateuch- Kommentar. Jsak Chelo ans Arogon, mit seiner Darstellung „Schebile di Jeruscholaim", am Ende des dreizehnten Jahrhunderts. Obadja aus Bertinoro in Italien, der 1488 nach Jerusalem kam. Es sind hiermit nur die hervorragendsten und bekanntesten Reiseschriftsteller angegeben. Wer sie liest, findet in denselben hauptsächlich die Gräberstätten angeführt. Die Ausbeute zur Kenntnis des jüdischen Lebens, über Organisation der Gemeinden, Darstellung von historischen wichtigen Momenten ist eine minimale. Es sind Geschichten von Friedhöfen und Gräberstätten und Monumenten. An diesen Gedankengang, der unwillkürlich durch die Geschichte geboten wird, muß sich nun in natürlicher Reihung der Gedankenschlüsse die Darstellung der Entwicklung jener mit den Friedhöfen innigst verbundenen Organisationen der Beerdigungs-Bruderschaften ausdrängen. Alten Traditionen nach führt eine solche Veereinigung bis auf den heutigen Tag die unser Gemüt tief ergreifende Bezeichnung als „C h e w r a - K a d i s ch a". Ein hochtönender und ethisch-religiös gewaltig klingender Name. Wenn man bedenkt, was in hebräischem Sinne „Kadosch", heilig, heißt. Wenn wir bedenken, daß nur den Märtyrern, die ihr Leben unter Qualen ließen, um ihrer Religion treu zu bleiben, der Name „Kodausch" konzediert worden ist; daß ferner die höchste Stufe einer religiösen Handlung, die mit „Kiddusch-haschem" bezeichnet wird, die Heiligung des Gottesnamens bedeutet, durch eine Tat, die den Namen des Judentums und seiner Religion vor der gesamten Außenwelt zu Ehren bringt und sie verherrlicht und da der Bruderschaft, die sich doch nur mit der Versorgung Verstorbener für das Grab beschäftigt, schon mit diesen höchsten Ehrentitel ausgezeichnet wird, muß uns dies in Staunen und Verwunderung versetzen. Gibt es doch so viele Vereinigungen im jüdischen Gemeindeleben, die unserem religiösen Empfinden und unserem humanen Fühlen scheinbar näher stehen. Waisenkinder versorgen. Alten und Siechen ihr Lebensende verschönern, Verlassenen und Hilflosen beistehen: wie erst, wenn wir an das Heiligste, das wir haben, denken, an Stätten für Thora und Gottesdienst, die die Religion stets als das Unentbehrliche erkannte zur Erhaltung des Judentums, und doch hat nur die Vereinigung für die Besorgung der letzten dem Verstorbenen geltenden Liebesdienste diesen Ehrentitel erhalten!? Um. diesem traditionellen Titel näher zu treten, können wir vielleicht in die talmudische Zeit zurückgehen. Wir finden den schönen Titel J'aliala. Kadisdia de bijernscliolaim“; heißt: „Die heiligeVersammlung in Jerusalem". Es ist naheliegend, daß mit dieser Bezeichnung ein heiliger Verein gemeint wird. Sie findet sich im Traktat Berachot9b; R. hasch. 19 b: Joma 69a; Beza 27a; Tamid 27 K Im jerusalemischen Talmud Maas. sch. cap. II, wird die Bezeichnung „Edah-Kedoscha" angeführt, was mit der ursprünglichen Bezeichnung des bäb. Talmud als „Kahala Kadischa", im reinen Hebräisch identisch ist. Im Midr. Koh. r. findet sich diese hebräische Ausdrucksweise wieder, und zwar werden dort zwei Gelehrte mit Namen angeführt, R. Jose b. Meschullam und R. Simon b. Menassa, die zu dieser heiligen Gemeinde zählen. Es wird auch die Ursache erwähnt, weil sie ein heiliges Leben führten, indem sie ihre Zeit zu einem Dritteil mit Thora, zu einem mit Gebet und einem mit Arbeit aussüllten. Nun liegt uns die Frage nahe, hat es nur zwei solcher Männer mit einer solchen gewiß höchst lobenswerten Zeiteinteilung gegeben!? Wie viele solcher Gelehrten hat das Judentum aus talmudischer und auch nach talmudischer Zeit auszuweisen, und sie wurden nicht mit diesen! Ehrentitel ausgezeichnet. Es muß auch sonst noch andere, außer diesen Zweien selbst, gegeben haben, die zu ihnen zählten, da doch zur Bezeichnung einer „Edah"-Gemeinde oder ,,Kahala"-Versammlung mindestens zehn Personen gehören! Gewiß, diese zwei genannten Gelehrten gehörten einergrößeren Vereinigung oder Bruderschaft an, und diese zwei Gelehrten waren eben, außer ihren anderen Genossen, auch noch mit den angeführten Eigenschaften ausgezeichnet. Es liegt auch nahe, daß diese Bezeichnung als heilige Genossenschaft sich aus die Beschäftigung mit der Leichenbestattung beziehe, weil sich diese als dringende Notwendigkeit aus den religiösen Lebensverhältnissen schon lange vorher heraus entwickeln mußte. Das jüdische Religionsgesetz hatte nämlich in bezug auf Leichenbestattung eine hohe, in sich konträre Doppelansgabe zu lösen. Einerseits war es die Hoch- Haltung und besondere Weihe der irdischen Hülle eines Verstorbenen, da der Mensch nach der Schöpfungsgeschichte „in dem Ebcnbilde Gottes" (I. B. M. I., 27) erschaffen wurde. Gibt es etwas Höheres, das dem in der ganzen irdischen Welt ebenbürtig an die Seite gestellt werden könnte!? Hiezu kommt noch der erhebende Gedanke von der Auferstehung, der als 13. Glaubens artikel von Moses Maimonides kodifiziert wurde. Daher selbst bei dem mit dem Tode bestraften Misse täter die strenge Warnung, „sein Leichnam soll nicht über Nacht am Holze bleiben, sondern du mußt ihn am selben Tage begraben. Denn ein Gehenkter ist eine Gering schätzung Gottes". (V. B. M. XXI., 23.) Dies wurde selbst kananitischen Feinden gegenüber beobachtet. So wird erzählt: „Und den König von Aj hängte er an einen Pfahl bis zur Abendzeit und als die Sonne unter ging, gebot Josua, und sie nahmen seinen Leichnam vom Pfahle herab." (Jos. VIII., 29.) Als die Gibeoniten zur Sühne für das Unrecht, das Sau! an ihnen verbrochen hatte, den Tod seiner noch lebenden Nachkommen von König David forderten, da heißt es: „Er'gab sie in die Hand der Gibeoniten, und sie hängten sie aus, aus dem Berge vor dem Ewigen und so fielen alle Sieben zusammen. Sie wurden getötet in den ersten Tagen der Ernte, am Anfang der Gerstenernte. Da nahm Rizpa, die Tochter Ajas, einen Sack und spannte ihn aus aus dem Felsen, vom Anfang der Ernte, bis Wasser aus sie herabstürzte vom Himmel und ließ keine Vögel des Himmels darauf ruhen bei Tag und kein Wild des Feldes bei Nacht. Und es wurde dem David berichtet, was Rizpa, die Tochter Ajas, das Kebsweib Sauls, getan. Da ging David und nahm die Gebeine Sauls und die Gebeine Jonathans, seines Sohnes . . -. und sie sammelten die Gebeine der (von den Gibeonitern) Gehängten und begruben sie. . . und Gott ließ sich nachher erbitten von dem Lande." (II. Sam. XXI., 9 ff.) Die Großtat der mütterlichen Liebe, die Rizpa also gezeigt hatte, war entsprechend den jüdischen Empfindungen, einen Leichnam nicht unbeerdigt zu lassen, noch

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