Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Dt. Bwchs Wochenschrift. Seite 189 Nr. 13 haben' Me'' in ' HM^ eigenen Sprache das Judentum - verkündet, und man kann auch aus der Predigt die Eigenart einer Zeit et? keynem Die Mische Predigt mutz jüdisch sein. Das ist eine moderne.. FprderuvZ. Vor 150 Jahren hätte sie noch fein Mensch erhobest, i Damals lebte und webte der Jude in der Welt des Judentums, und wie nach dem Worte des Talmud die Luft Palästinas : weise :macht, so machte die Judengasse den Menschen zum Juden< Hätte man einem Rabbiner der alten Zeit gesagt, er müsse jüdisch predigen, so wäre er gerade so erstaunt gewesen, wie bei Moliöre Herr Jourdain, der bourgeois geniili ou:me da er erfährt, daß er Prosa spricht. Aber alles das hat sich im Laufe; des 19. Jahrhunderts von Grund aus; geändert. . v ’ Wir sind ganz Kinder unserer Zeit geworden, wir atmen von Jugend aus ihre Luft, wir sind aufs Tiefste von ihr durchdrungen, wir lieben sie, und sie spricht aus jedem unserer Worte. Wir wollen uns auch ihr hingeben, aber wir wollen nicht in ihr versinken. Wir wollen moderne Menschen sein, aber nicht schlechthin, nicht Kosmopoliten, nicht Allerweltsbürger, die überall und deshalb nirgends zuhause sind, sondern wir wollen moderne Juden sein. Unter all den vielen Elementen, die unser Wesen bilden und ausmachen, soll das Judentum stark und kräftig hervortreten. Es soll auch in Zukunft nicht verstummen, sondern weiter aus uns wirken und uns bilden und umgestalten. Darum must ihm eine Stätte bereitet werden, wo es uns bewegen und ergreifen kann. Das ist weder selbstverständlich noch leicht zu erfüllen. Es ist nicht selbstverständlich. Im Gegenteil. Mancher sieht sein Ideal in einer ganz allgemeinen Predigt, die überall gehalten werden könnte. Eine „jüdische" Predigtsammlung der neueren Zeit rühmt sich direkt, dah sie ganz allgemeine Reden ohne jüdischen Charakter bietet. Wir hören auch bisweilen in der Synagoge Predigten, die in .jeder Kirche und'in der Moralstunde einer freireligiösen Gemeinschaft gehalten fein könnten. Das ist eine Verirrung. Eine solche Predigt bietet niemandem etwas. Ihr fehlt der jüdische Gehalt, der ihr erst das Lebensrecht gibt. Sie ist uncharakteristisch. Das ist zunächst ein ästhetischer Mangel, wird aber leicht zu einem ethischen Defekt. Uncharakteristisch und charakterlos sind nahe miteinander verwandt. Die Predigt ist keine beliebige Rede; sie steht im Dienste des Judentums. Fasten wir sie so aus, dann brauchen wir uns um den Erfolg kerne Sorge zu machen. Das ist ja eine große Frage, ob die Predigt Erfolg hat oder ob sie in den Wind hinein gesprochen ist. Es mag ihr wohl ergehen wie der Presse. Das einzelne Zeitungsblatt verfliegt; wir wissen oft nicht mehr, was wir gelesen haben, sobald wir es aus der Hand legen. Und doch ist di^, Presse eine gewaltige,Macht. Auch die einzelnen Predigten mögen verwehen, die Predigt wirkt und bleibt. Sonst hätte sie sich nicht mit voller Kraft durch alle Zeiten erhalten können. .Und wenn sie ihren jüdischen Charakter wahrt, wenn sie ihren Hörern sagt, was sie sonst nirgendwo anders erfahren, wenn sie der jüdischen Weltanschauung auch in unseren Tagen ein Sprachrohr schafft, dann hat sie nicht nur viel erreicht, dann ist sie unentbehrlich und ein Segen für das Judentum. Elektrische Straßenbahnen in Jerusalem. Aus Jerusalem wird der „N. I. K." geschrieben: Wie bereits mitgeteilt, hat das französische Bankhaus Perrier in Paris eine auf 40 Jahre lautende Konzession erhalten zum Bau einer Trambahn von Jerusalem nach Betlehem, zur elektrischen Beleuchtung der Stadt und zur Anlage einer Wasserleitung. Jetzt berichten Jerusalemer Zeitungen folgende Einzelheiten: Der Vertrag zwischen der Stadt Jerusalem und der Banque Perrier in Paris wurde anl 27. Januar unterzeichnet und gleichzeitig wurde dem Unternehmer vom Gouverneur des Mutesfariflik Jerusalem, Medjid Schesket Bey, die Konzession zur Ausführung der Arbeiten erteilt. Diese Konzession umsaht: 1. Den Bau einer elektrisch betriebenen Straßenbahn mit durch Motoren betriebener Kraftstation. Die . Konzession zu einer Wasserkraftanlage wurde von der Regierung verweigert. 2. Eine elektrische Lichtanlage für den Bezirk der Stadt . Jerusalem, 3. Die Wasserversorgung Jerusalems. Ob hierzu die Quelle Ain Fauar oder Ain Arub das Wasser liefern wird, ist noch; nicht entschieden. Wahrscheinlich wird jedoch die Wahl auf W wasserreiche Mn Fäuar fallen, obgleich diese über 500 Meter tiefer liegt ' als Jerusalem, wodurch enorme Pumpenanlagen erforderlich werden, während die Leitung von Ain Arub einiges Gefälle hätte. Mit den Arbeiten an 'der Strahenbahn so'l vier Monate nach Unterzeichnung des Vertrages begonnen werden und ' üachs'ä0mteren' If/z Jahren müssen die Arbeiten beendet sein. Ls handelt fich hierbei um vier obligatorische Hauptlinien, die vom ^.JMätoÄ'^äüsgHeü' und zum jüdischen Hospital Schaare-Zedek, zum ^'Sy1isch»n^HästhWius/ zwN''Acmfe des Mufti und nach Berlehem ksthfey,. /Außerdem find einige fakultative Linien vorgesehen, die , bhisten fünf' Jahren m Betrieh kommen müssen, eine derselben soll hürch^ beW. um die'deutsche . Kolonie nach der griechischen führen. ' Pie' Kmie/ Bahnhof—Betlehem 1 folgt entweder der jetzigen "^Strahdam'c Sultänsteiche und dem englischen Augen-Hospitale Korhei,^dder her vom griechischen Kloster geplanten, zwölf Meter breitem 'Straße dnrchdie Nikoforije. — Mit der Lichtanlage wird 'JMWebfeKuntz' der Straßenbahn begonnen. Der Jeru- "sMirer Küvg'etmeister, Hafsän Efsendi Jl-Husseini, hat der Jerusalemer hebräischen Zeitung „Hacheruth" noch folgendes milgeteilt: Die Konzession wurde auf den Namen des ottomanischen Untertans Mbarmaki Efsendi aus Konstantinopel ausgestellt. Die Regierung ist berechtigt, nach 15 Jahren die Bahn zurückzuerwerben. Das französische Bankhaus hat als Garantie 300.000 Francs deponiert, die verfallen, wenn innerhalb eines halben Jahres die Arbeit nicht begonnen wird. Die Stadtverwaltung hofft dann 80.000 Francs jährlich an Wasser und Petroleum sparen und dabei mehr Wasser als bisher für die Reinhaltung der Straßen verwenden zu können. Es sind auch die Preise für Wasser, Beleuchtung und Fahrt bereits vereinbart worden. Die „Jerusalemer Warte" meint: „Dies ist zwar ein bißchen viel auf einmal, aber es scheint, daß es sich diesmal um keinen blinden Lärm handelt." D'e Jerusalem-Ren e. Die „Newyork-Times" weiß von einem eigenartigen Versicherungsgeschäfte zu erzählen, welches einzelne amerikanische Versicherungsgesellschaften seit einiger Zeit eingeführt haben. Diese Versicherungsgesellschaften verpflichten sich gegen Bezahlung einer Prämie, die nicht allzuhoch bemessen ist, Juden, welche das 65. Lebensjahr überschritten haben und den Wunsch haben, ihren Lebensabend in Jerusalem zu verleben und nach ihrem Tode dort begraben zu werden, mit Kost und Wohnung bis an ihr Lebensende zu versehen und für ihr Begräbnis in Jerusalem Sorge zu tragen. Wie nun der amerikanische Konsul in Palästina berichtet, gibt es in Jerusalem dermalen über 1300 Juden, welche solche Versicherungen eingegangen sind und auf Kosten der betreffenden Versicherungsgesellschaft leben und ihrem Tode in der heiligen Stadt entgegensehen. Der Konsul fügt diesem Berichte noch hinzu, daß die Gesellschaft im großen und ganzen ein schlechtes Geschäft macht, wenn sie damit rechnet, daß der Jude, der den Wunsch äußert, in Palästina zu sterben, wirklich seinem Tode nahe sei; denn viele von ihnen genießen die sogenannte Jerusalemrente viel länger, als es der Gesellschaft lieb ist. Korrespondenzen. Friedrich Pollak. Der am 9. d. M. hier verstorbene Großindustrielle Friedrich P o l l a k war ein Selfmademan im wahren Sinne des Wortes. Im Jahre 1631 in Weltin als Kind armer Eltern geboren, zeigte er schon frühzeitig besondere geistige Begabung, und wurde deshalb zum Lehrerberuf bestimmt; schon mit 11 Jahren mußte er sein Elternhaus verlassen, um sich sein Brot zu verdienen, und er erzählte noch in seinem hohen Alter oft und gern von seiner freudlosen entsagungsreichen Jugend, von seinem bitteren Kampfe ums Dasein, der aber, rascher, als es sonst der Fall ist, seinen Charakter stählte und ihn zu einem hervorragend tüchtigen Menschen gestaltete. Beim Lehrberuf blieb er nicht lange, und mit dem ihm eigenen Fleiße und Ausdauer wußte er sich eine gediegene kaufmännische Bildung anzueignen, mit der ausgerüstet er im Jahre 1861 in Wien mit wenigen ersparten Mitteln eine Tücher-Weberei, die nachmalige?. k. priv. Tücher- und Modewarenfabrik Friedrich Pollak, begründete. Er wußte sein Unternehmen aus kleinen Anfängen zu einem der bedeutendsten und angesehensten Industrie- Etablissements des Reiches zu entwickeln, dank seinem ungewöhnlichen kaufmännischen Scharfblicke, seinem unermüdlichen Flüße, seiner Rechtlichkeit und den soliden Grundsätzen, die stets das Fundament seines Hauses bildeten. Heute haben sich die Erzeugnisse seiner Fabriken in Wien, Fulnek und Wildenschwerdt tatsächlich den Weltmarkt erobert; er hat der heimischen Arbeit einen ehrenvollen Platz im Wettbewerbe der Völker gesichert und ungezählten Familien eine behagliche bürgerliche Cristen; verschafft. Auf der Höhe seiner geschäftlichen Erfolge blieb er aber stets der einfache, bescheidene Mann, der, äußeren Ehren und Titeln abhold, nur in der Arbeit seine vollste Befriedigung suchte und fand. Er war für das Wohl seiner Mitarbeiter und Beamten in wahrhaft väterlicher Weise besorgt und bei seinen Angestellten wie selten ein Chef geliebt und geschätzt. Während seines langen arbeitsreichen und gesegneten Lebens hat er sich seinen idealen Sinn rege erhalten und diesen betätigte er in zahllosen Werken der Nächstenliebe, seine tiefe religiöse Ileberzeugung in seiner überaus verdienstvollen, ruhmvollen Mitarbeit an der Verwaltung des Mariahilfer Tempel-Vereines, dem er fast fünf Jahrzehnte angehörte. Schon zu einer Zeit, wo die wenigen jüdischen Bewohner der Bezirke