Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022102--22966-3048140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 188 Dr, Blschs WochMchrW. Nr. 12 Frankfurt, der Ir wofm b’l-roel, wo der Bewegung viele Sympathien entgegengebracht werden, zu verlegen und das große Wert nicht nun, wo es angebahnt sei, unvollendet liegen zu lassen. Herr Dr. Jacques Faitlowitsch ergänzte die Ausführungen des Herrn Oberrabbiners Dr. Margulies und gab einen eingehenden und klaren Bericht über seine dritte Expedition im Jahre 1913; der Bericht bewies nicht nur, welchen Strapazen sich dieser unermüdliche Vorkämpfer für die Falascha-Sache seit Jahren im Interesse d;s heiligen Werkes unterzieht, er zeigte auch, welche Erfolge bereits erzielt sind und welche Verantwortung die jüdische Gesamtheit auf sich nehmen würde, wenn sie die Falaschas dem Schicksal des Unterganges und der Aufsaugung überlassen würde. In der folgenden Diskussion, an der sich die Herren Professor Dr. LHajes zu Triest, Justizrat Dr. Apfel, Köln, Landgerichtsrat Stern, Stuttgart, die Herren Stiel und Simon zu Köln, B o ll a g - Feu chtw an ger, Basel, Julius G o l d s ch m i d t, Dr. Sondheimer, Rabbiner Dr. Nobel, Rabbiner Dr. Horovitz, Rabbiner Dr. Lazarus, Dr. Feuchtwanger und Rechtsanwalt Horovitz zu Frankfurt a. M. beteiligten, in der außerdem schriftliche Vorschläge der Herren Professor Mittwoch und Dr. Elbogen zu Berlin Vorlagen, wurde insbesondere festgestellt, daß für die verschiedenen Schulbauten ein Baufonds von Frs. 50.000.— aufgebracht werden müsse, daß im übrigen ein jährliches Budget von etwa M. 30.000.— bis M. 35.000.— siche^ustellen ist, wurden im übrigen Fragen der Organisation und Propaganda erörtert. Von größeren Organisationen waren in der Sitzung der Hilfsverein der Deutschen Juden durch Herrn Salomon Epstein zu Frankfurt a. M., das Zionistische Aktionskomitee durch Herrn Fritz South eimer, und die Agudas Jstoel durch Herrn Dr. Feuchtwanger zu Frankfurt a. M. vertreten; auch diese Organisationen brachten ihre Sympathie und ihren Willen zur Mitarbeit an dem großen Werk zum Ausdruck. Es wurde beschlossen, Herrn Dr. F a i t l o w i t s ch um weitere Mitarbeit an dem Profalaschawerk zu bitten mit der Aufgabe insbesondere, dank seiner Beziehungen zu der Falascha- Bevölkerung das Band mit den Falaschas fester zu knüpfen, die Schule, sobald die finanzie.Ie Basis sichergestellt ist, weiter zu fördern und einzurichten und propagandistisch tätig zu sein; auch die Anstellung eines Generalsekretärs wurde beschlossen. Zum Sitz der Zentrale wurde Frankfurt a. M. nach ausgedehnter Debatte gewählt. Nachdem Herrn Oberrabbiner Dr. Margulies das Ehrenpräsidium übertragen war, übernahm Herr Julius E o lösch m i d t zu Frankfurt a. M., der schon lange Jahre den tatkräftigsten Anteil an der Falaschabewegung nimmt, das Amt des ersten Vorsitzenden des Jnterna!iyna!en Komitees. Im übrigen wurden in den geschäftssührenden Vorstand die Herren Dr. Sondheimer, Frankfurt a. M., Landgerichtsrat Stern zu Stuttgart, Moritz Stiel zu Köln, Salomon E p st e i n zu Frankfurt a. M., Bollag-Feuchtwanger zu Basel, Professor E h a j e s zu Triest, Stadtältester Wiener, Kattowitz, Prof. Mittwoch und Dr. I. E ins b erg, Berlin, sowie Rechtsanwalt Horovitz und Prof. Dr. B o n d i zu Frankfurt a. M. gewählt. Die endgültige Konstituierung des geschäftsführenden Vorstandes, des Ausschusses und des Zentralkomitees wird demnächst erfolgen. Es wird nun Sache der Glaubensgenossen aller Länder sein, darüber zu entscheiden, ob das unter den günstigsten Auspizien begonnene Werk Weitergeführt werden kann, oder ob die ohnehin dezimierte Judenheit es geschehen lassen will, daß ein nach Zehntausenden zählender Bruchteil unserer Gemeinschaft uns endgültig verloren geht, weil die Judenheit nicht gewillt ist, die Hilferufe dieser versprengten Brüderschar zu hören. Das internationale Profalafcha-Komitee bittet um Gründung von Lokalkomitees an allen Orten, wo .solche noch nicht bestehen, um Zeichnungen zum Baufonds, um Spenden und um Beitritt als Mitglied. Alle Mitteilungen sind an Herrn Julius Goldschmid 1, Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 12, oder an Herrn Rechtsanwalt H o r o v i,tz, Frankfurt a. M., Zeil 123 (Zeilpalast), zu richten. Geldsendungen wollen an den Schatzmeister der Zentrale, Herrn Salomon Epstein, Frankfurt a. M., Uhlandstraße 39, oder unter der Adresse d e s'G e n a n n t e n auf das Konto „Profalascha" der Pfälzischen Bank, Frankfurt a. M., Depositenkasse, Zeilpalast, übermittelt werden. Monismus und Judentum. Von Professor Dr. L. S t e i n. Die Israelitische Gemeindebibliothek in Nürnberg veranstaltete jüngst einen sehr interessanten Vortragsabend. Herr Professor Dr. Ludwig . Stein aus Berlin, früher Professor der Philosophie in Bern, sprach über „Die monistische Bewegung und das Judentum". Der Redner wies auf das große Sehnen hin, von . dem die gesamte Gegenwart erfüllt sei, nach den letzten Gründen alles Seins und Geschehens. Der Referent.streifte..kurz die pluralistischen Erklärungsversuche des Daseinsdie Atomlehre der alten Philosophie/, die. MvNädenlehre bei Leibniz/die Realen bei Herbart. Alle diefp Mklärupgsversuche vermögen das größte WuWr, -da^ sichf uns tagtäglich darbiete und daher von uns nicht.»mehr als Wunder empfunden werde, nicht genügend, .aüfzuhellen, nämlich die wunderbare Tatsache, daß'die Welt, sich uns darstelle als ein wohlgeordneter Kosmos- Jede plürattfstische oder auch dualistische Wettanschauung, müsse -im letzten Grunde doch das eine ordnende Prinzip' suchen, werde also auch monistisch. Den konsequentesten Monismus habe von jeher das Judentum, in seinem Monotheismus vertreten. Auch in der zum M Geburtstage Haeckels erschienenen Festschrift sei darauf , hingewiesen worden, daß der Monotheismus die älteste Form -des Monismus darstelle. Ihm sei der Gott, aus den die logische Ordnung im Kopf des Individuums zurückzuführen ist, derselbe, dem wir die physikalische Ordnung in der Wett der Erscheinungen zuschreiben müssen; ein einziger Gott sei also das ordnende Prinzip in der Fülle des Weltgeschehens. Wenn Lotze sagt, die Juden haben die Geschichte entdeckt, so habe er mit Recht daraus hingewiesen, daß den Propheten des Alten Testaments die Weltgeschichte nicht als Spiel des Zufalls erscheint; sie künden und predigen die Macht, die den Völkern ihre Aufgabe zuweist, sie schauen weit über ihre Tage hinaus und sehen in dem scheinbaren Wirrwar der Weltgeschichte einen Weg, der von dem tiefsten Kannibalismus hinaufführt zu den glücklichen Tagen der messianischen Zeit, da die gesamte Menschheit eine Einheit bildet, die nicht durch Kriegsgetümmel und Rassenbefehdung gestört wird. Wenngleich das Judentum in seinem Monotheismus uns die älteste und reinste Form des Monismus lehre, so lehne es natürlich dennoch mit aller Entschiedenheit /-die kirchenfeindliche Richtung ^qb> die ^die monistische Bewegung angenommen habe; ihm sei die letzte Ursache alles Daseins der lebendige. Gott, der in..der von ihm geschaffenen Welt wirke, aber nicht eine Kraft oder Energie, oder welchen Namen auch immer man dem letzten Prinzip bellegen möge. Der Vortrag bot in seiner gewandten Form eine Fülle von Anregungen und wurde von den zahlreichen Hörern mit lebhaftem Beifall ausgenommen. „Die Predigt im Judentum." Das neue Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, herausgegeben vom Verband der jüdischen Literaturoereine, enthält u. a. eine interessante Studie von Rabbiner Dr. Eschelbacher- Düsseldorf über die jüdische Predigt. Wir entnehmen ihr folgende beachtenswerte Momente: Die Predigt trifft gepflügten Boden und weckt , überall halboergessene Erinnerungen. Darum ist der Prediger in günstigerer Lage als der Vortragende. Der Vortrag ist eine sporadische. Erleuchtung. Wie ein Meteor taucht irgend eine, interessante , Frage im Gesichtsfeld des Hörers auf, für eine flüchtige Stunde, wird die Aufmerksamkeit gefesselt, dann verschwindet der- Gegenstand/ um vielleicht nie mehr in der Erinnerung belebt zu werden.- Kr kam ohne Vorbereitung und geht ohne Nachhall. Die. Predigt aber knöpft an die Arbeit der Schule anan die Gedanken und. . Ideen, die jm Volke leben. Was sie. bietet, kann.sie überall än. Bekanntes anlehnen, es bleibt nicht vereinzelt. ..Sie chird dadurch picht zur Kunstleistung eines /Rhetors,.- foiweri»./zu---iekneus/.tOrgan/Her Volkserziehung. .. - /,..'. ' ,/'/ // ,/ - Sie wird ferner ein SymbolfürdieEinheitdes Judentums. Wir können das heute am -eigenen Leibeerleben, wenn ivir/einjüdische Predigt in einem fremden Lande, /m. fremder,, Sprachepernehmen. .Ich hörte einmal/im Tempel der.Sephärdim, zu/Wien eine Predigt in spaniolischer; Mundart. ,. Die Worte/.waren./ mir völlig unbekannt und. völlig unverständlich, aber Är häufig' /wiWrkehrende Schriftvers und die/ zahlreichen Midraschim.ließen- /doch gut erkennen, was der Prediger wollte. Jhr Anteil7an/der^ Herligev Schrift und an der. rabbinischen Ueberlieferung gliedert auch,, heute noch jede .einzelne' Rede im Gotteshaus« ein in' das große -Gefüge und Gebäude der jüdischen Predigt- .zsa .dem älle^Zeitenünd pander Bausteine geliefert Haben.. So verMdet/die./BMl/-alhL./Dp'Men der jüdischen Predigte Die - vielen .Jahrhündpte. unserer GeschHte