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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. i2 Seite 187 Dr. Blochs Wochenschrift. „Wir wollen unter allen Umständen mit Deutschland gehen, mit Deutschland gegen Frankreich, was auch daraus werde. Die Pfalz ist einmütig bereit, im Notfall lieber unterzugehen als schmachvoll zu bestehen unter dem Schutze Frankreichs." Der diese Worte sprach, war ein Jude aus Landau, der wußte, daß eine Stunde nach der bayerischen Anerkennung des Bündnisfalles die Franzosen vor seinem Haus erscheinen und es dem Erdboden gleichmachen konnten. Jahrzehnte später hatte das im Kriege errungene Elsaß-Lothringen einen Vorschlag für die Besetzung einer Reichsgerichtsratsstelle zu machen. Die Regierung hielt Umschau und wählte den aus, den sie für den Besten hielt. Er war Korpsstudent, war Offizier, war Staatsanwalt gewesen, dazumal gerade Oberlandesgerichtsrat, ein glänzender Jurist. Und auf amtliche Anfrage erklärte er sich bereit, dem Rufe zu folgen. Aber siehe da, in Berlin zog man die Augenbrauen hoch. Wie, ein Jude? Und mag er zehnmal Korpsstudent und Offizier und Staatsanwalt gewesen sein — was er in Preußen niemals geworden wäre —: das Reichsgericht muß judenrein bleiben; so erklärte mit aller wünschenswerten Offenheit der damalige Staatssekretär des Reichsjustizanlts. Der Leiter der elfaß-lothringischen Verwaltung, selbst ein stockkonservativer Altpreuße, — es war kein anderer als Herr v. Koeller — geriet in Harnisch und wollte eine Plenarentscheidung des Bundesrates herbeiführen. Allein der Statthalter wollte keine Aufregung, keine Unruhe, keine Krisis, und man fügte sich schließlich um des lieben Friedens willen. Der Mann, der trotz dem Gesetz von 1869 als Jude unfähig sein sollte, Reichsgerichtsrat zu werden, ist der Sohn jenes Juden aus Landau, der am 19. Juli 1870 gerufen hatte: „Unter allen Umständen : mit Deutschland, im Notfall lieber untergehen als schmachvoll bestehen unter dem Schutze Frankreichs!" Die elsaß-lothringische Regierung hat ihn, den Zurückgewiesenen, zum Landgerichtsdirektor, zum Geheimen Justizrät, später gar, was in Preußen undenkbar wäre, zum Senatspräsidenten am Oberlandesgericht gemacht. Der Unterstaatssekretär der Justiz Dr. Petri, der nach der Zabernaffäre zurückgetreten ist, wie der Staatssekretär ‘ und der Statthalter bewiesen, daß das gleiche Recht für ' sie kein leeres Wort war. Und deshalb wird man es auch nicht für ein leeres Wort halten, wenn jetzt der Kurator der Straßburger Universität im Namen der Regierung erklärt, „daß jede Konfession gleichgeachtet werden soll". Dom Zabrmurkt des Lebens. Ein bisher unbekannter Ausspruch Voltaires über das Judentum. Die „English Review" hat, wie aus der Tagespresse bekannt, vor kurzem einige bisher unbekannt gebliebene Aufzeichnungen Voltaires in englischer Sprache veröffentlicht. Unter diesen befindet sich auch die folgende bezeichnende Notiz: „Wenn ich Christen Juden be- : schimpfen höre, so. ist es mir, als ob Kinder ihren Vater schlügen." Eine bedeutsame griechische Kundgebung in Alexandrien. Fast gleichzeitig mit der Ankunft Beilis in Alexandrien fand im Cercle Hellonique daselbst unter dem Vorsitze d'es griechischen Konsuls eine Versammlung statt, in welcher der griechische.Publizist Anagnostopoulo einen sehr .- interessanten Vortrag über die Ritualmordlegende hielt. Diese Veranstaltung gewann dadurch an Bedeutung, daß ihr der gesamte Lehrkörper der. griechischen Lehranstalten?in Alexandrien sowie die griechischen Aerzte. und Advo- . katen und die Vertreter der hohen Aristokratie mit ihren Damen anwohnten. Der Vortragende wies an der Hand der Geschichte die Haltlosigkeit und Niederträchtigkeit der Ritualmorbeschuldigung gegen die Juden nach und schloß seinen anderthalbstündigen Vortrag damit, daß er die anwesenden Lehrer und die Frauen beschwor, den Kindern von ihrem zartesten Alter an die Liebe für dieses Märtyrervolk, das für seine Religion so viel gelitten, für eine Religion, welche die Grundlage der Zivilisation ist, einzuschärfen. Das Judentum, rief der Vortragende aus, hat zu allererst die Idee der Brüderlichkeit in der Welt verbreitet, so daß man ohne Uebertreibung behaupten kann, daß das Judentum die Grundlage der Moral bilde. Der Vorsitzende Konsul Sachtouris ergänzte die Ausführungen des Vortragenden und erinnerte an den heldenmütigen Patriotismus, den die griechischen'Juden in den jüngsten Balkankriegen an den Tag gelegt haben, sowie an die intime Freundschaft, welche der verstorbene König Georg für eine große Anzahl von Juden und das Judentum überhaupt bekundet hat. Bedenkt man, daß die Griechen in Alexandrien und Port Said wiederholt Arrangeure von großen Judenhetzen waren, so wird man diese Veranstaitung sicher mit Genugtuung begrüßen. Eine Aktion zugunsten der Falascha. Am 8. Mürz vereinigten sich zu Frankfurt a. M. aus Einladung des internationalen Prvsalafcha-Komitees die angesehensten Führer der internationalen Prosalaschabewegung, um die Reorganisation des Profalascha-Komitees und die zurzeit zu ergreifenden Schritte zu beraten. D.e Versammlung präsidierten die Herren Oberrabbiner Dr. M a r g u l i e s, Florenz und Julius Goldschmidt zu Frankfurt a. M., beide Herren, die sich seit Jahren mit grötzter Opferwilligkeit in den Dienst der Prosalascha-Sache gestellt haben. Die Versammlung, zu der eine Reihe von Vertretern aus Deutschland, Italien, Oesterreich und der Schweiz erschienen waren, nahm die ausführlichen Berichte des Herrn Oberrabbiners Dr. Marg u l i e s und des Herrn Dr. Jacques Faitlowitfch entgegen; auch lagen die von Herrn Dr. Faitlowitfch edierten Briefe der Palaschas an die Glaubensgenossen der ganzen Welt, sowie eine Reihe von Missionszeitschriften vor, aus denen sich ergibt, wie ängstlich die in Abessinien arbeitenden Missionare die Fortschritte der Profalascha-Arbeit des Komitees beobachten. Aus allen Teilen der zivilisierten Welt lagen zustimmende Kundgebungen vor, in denen die wärmste Sympathie für die Arbeit des internationalen Profalascha-Komitees ausgedrückt und die Hoffnung ausgesprochen war, daß nun nicht länger mit einer intensiven Arbeit unter den Falaschas selbst gezögert werde. Herr Oberrabbiner Dr. Margulies nahm Gelegenheit, die Geschichte der Profalascha-Bewegung bekannt zu geben und, anknüpfend an die Tätigkeit des verblichenen Dr. Israel Hildesheitner sowie des Professors H a l e v i, Paris, über die Ergebnisse der dritten Erpeditionsreise des Herrn Dr. Faitlowitfch zu berichten, hierbei auch alle die Bedenken zu widerlegen, die gegen die Notwendigkeit einer Aktion zugunsten der Falaschas ausgesprochen worden sind. Es handle sich nicht in erster Linie darum, den Falaschas wirtschaftlich beizustehen, es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, daß dieser versprengte Rest von Glaubensbrüdern nicht wehrlos und endgültig von den christlichen Missionaren ausgesogen und zum Christentum übergeführt werde; die früher auf 200.000 Seelen geschätzte Zahl der Falaschas fei in den letzten Jahrzehnten auf 70.000 bis 100.000 Seelen zurückgegangen, nachdem zahllose der Falaschas, deren Hilferufe ungehört verhallt waren, den Angaben christlicher Missionare Gehör gaben, es gebe überhaupt keine Juden mehr in der weilen Welt und sie seien die letzten, die noch zu dem Gotte Israels beteten. Heute sei dieser Tätigkeit der Missionare ein Damm entgegengesetzt; immerhin müsse vor allen Dingen durch Schulgründungen sowie durch Gründung eines Seminars und durch Verbreitung jüdischer Literatur in der Landessprache Sorge dafür getragen werden, daß die Arbeit eine nachhaltige und erfolgreiche bleibe. Auch müsse ein Könner zwischen den versprengten Elaubensbrüdern und der übrigen Welt herbeigeführt werden. Zu diesem Zwecke habe Herr Dr. Failowitsch eine kleine Schule im Innern Abessiniens, in der Provinz Dembsa, gegründet, der einer der in Florenz und Jerusalem erzogenen Falascha, Jeremias Ghetti, vorsteht; weit wesentlicher wie diese kleine Schule sei aber die Erziehung von geeigneten Lehrern innerhalb des Landes und die Errichtung von Schulen in allen größeren Niederlassungen der Falaschas. Die bisherige Organisation könne aus Mangel an Geldmittel sowie mit Rücksicht darauf, daß Florenz nicht die geeignete Zentrale der Bewegung darstelle, nicht ausreichen, dem Ziele der Bewegung mit der nötigen Beschleunigung nahe zu kommen. Als der Fahnenträger der Bewegung richtete daher Herr Oberrabbiner Dr. Margulies den eindringlichen Appell an die Versammlung, die Zentrale der Bewegung nach Deutschland, und insbesondere nach

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