Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Dr. Btochs Wochenschrift. Seue 1,79 Nr. 11 übrigen großherzigen Förderern und vor allem den Gründern sei der innigste Dank iin Namen der Humanität und Ethik dargebracht, dem Institute selbst der lebhafteste Segenswunsch mit aus dem Weg gegeben! „Beth Haam" (Jüdisches Bolkshenn) XVI.. Wurlitzergasft n. Samstag, den 14. März, l/-ß Uhr abends: Herr Rabbinatskandidat Böla Fischer: „Das Buch Esther historisch beleuchtet". Hierauf Diolin- und Klaviervorträge der jugendlichen Frl. Mizzi und Lilly B e l l a k. Mittwoch, den 18. März, 3/48 Uhr abends: Herr Abraham Groß: „Landwirtschaftliche Verhältnisse in Palast i n a". Anmeldungen von Vorträgen über Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an Herrn Dr. M. F ö r st e r, XVI., Thaliastratze 22, gelangen lassen. Komitee zur Veranstaltung jüdisch-wissenschaftlicher Vorträge im XXI. Bezirke. Mit dem vom Herrn Otto S t r a k o s ch abgehaltenen sehr interessanten Vortrag: „Meine Reisen im fernen Oste n" wurde der erste Vortragszyklus geschlossen. — Ein vom Kultuspräsidium herabgelangtes Schreiben sprach „die besondere Befriedigung" aus über die durchgeführten Veranstaltungen und wurde vom zahlreich versammelten Publikum mit lebhaftem Beifalle aufgenominen. Herr Kullnsvorsteyer Grünwald dankte dem Lbmann Dr. Rosenmann für die Jnitative. Aastritte aas dem Judentum. Vom 1. März bis 7. März 1914 Benisch Max, Schüler, geh. 20. Fehr. 1900, Wien, XVII., Hauptstraße 172 . Ferenczi Katharina, geb. 12. Dez. 1880, Budapest, IX., Eiseng. 13. Haber Jose!, Zimmerputzer, geb. 13. März 1878, Wien, II., Ausstellungsstraße 37. Kunitz-Albertynsk Ignaz Zolkow, geb. 25. Juli 1871, Eischischky, Gouv. Wilna, Rußland, III., Stanislausgasse 4. Krall geb. Spitzer Honora, geb. 20. September 1861, Wien, I., Börsegasse 9. Schapringer de Gsepreg Jessie Elise, geb. 21. September 1889, Wien, XIX., Gebhardtgasse 5. Preßburg. Sonntag bei 15. März l. I., 6 Uhr abends, findet im Prachtsaale des Hotel «König von Ungarn" das 10jährige Jubiläums-Wohltätigkeits-Konzert des „Schir-Chadasch"-Verbandes statt unter Mitwirkung folgender Knnstkräfte: Professor Ar an yi Gyula, Eröffnungsrede, Oberkantor Josef Baffer, H. Reich, Mitglied der k. k. Hofoper in Wien, Max Wiefenthal, Humorist, B a s s e r, Klaviervirtuose, Hhöre unter der Leitung des Herrn I. K i j e v s k y. Pohrlitz. Am 1. März l. I. fand in Nagy-Surany, Ungarn, die Trauung unseres Herrn Kantors L. Fettmann mit Fräulein Sidonie Eiben schütz statt. Beim Festmahle trug ein Bruder der Braut, Herr M. E i b e n s ch ü tz, Oberkantor in Ung.-Ostra, auf allgemeines Verlangen jüdische Lieder vor, die stürmischen Beifall fanden. Nikolsburg. (Verein „Kaiser Franz Joseph I. Israelitisches Versorgungshaus".) Mit Erlaß der k. k. Statthalterei vom 15. Februar 1914 wurde der Vereinsleitung mitgeteilt, daß Se. Majestät unser gnädigster Kaiser gestattete, daß unser Verein nach dem allerhöchsten Namen benannt werde. Budapest. Bei der unter Vorsitz von Hofrat Franz S z e k e l y abgehaltenen Ausschußsitzung des jüdischen Patronagevereines verlassener Kinder wurde beschlossen, in diesem Jahre einen Israelitischen Patronagekongreß einzuberufen. Mit den Vorarbeiten wurde die Zentralkanzlei betraut. Für die -nächste Zeit ist die Gründung einer Besserungsanstalt verwahrloster jüdischer Mädchen in Aussicht genommen. Auszeichnung. Dr. A. S. Hahnda, Dozent der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, der im Aufträge der spanischen Regierung in Madrid eine Reihe von Vorträgen über jüdische Geschichte und Literatur gehalten hat, ist jetzt zum korrespondierenden Mitglied der Madrider Geschichtsakademie ernannt worden. Die genannte Akademie hat in ihrer letzten Sitzung einstimmig Herrn Dr. Iahuda gewählt, als ersten Juden, dem in Spanien diese Ehre zuteil wird. Feuilleton. Chervra-Kadischa*). Eiue wissenschaftliche Studie. Bon Rabbiner W- Reich in B a d e n bei Wien. Der jüdische Kalender kennzeichnet einen Tag als einen festlichen, der die Hoffnungssreudigkeit des jüdischen Wesens und Geistes eigentümlich inarkiert. Es ist der 15. Tag des Monates S ch e w a t, bekannt in jüdi schein Munde als „C h a m i s ch o - O s s o r". Es ist der Neujahrstag der Bäume. Während noch der Humus des hartgefrorenen Erdbodens von Eis und Schnee bedeckt ist, die Schollen leblos in den Banden des Frostes schlummern, die zarten Pflanzen verdorrt und verwelkt sind, die Bäume ihre kahlen Aeste und Zweige stumm und starr in die Höhe strecken — ein Bild der Hoffnungslosigkeit und des Sterbens — erinnert uns die Tradition diesen Tag freudig zu begehen, in dem erhebenden Gedanken, daß die Lebenssäfte der Pflanzenwelt nur scheinbar schlummern, daß aber an diesem Tage schon, wenn auch innerlich verborgen und dem menschlichen Auge unsichtbar, die Triebkräfte sich regen und bewegen, um mit der zunehmenden Erwärmung durch den Sonnenstrahl, sich zu neuem Leben empor zu arbeiten, von neuem zur Verherrlichung der Natur und zur Wonne, wie zum Segen der Menschheit zu erblühen. So wars mit der Hoffnungsfreudigkeit Israels seit jeher bestellt; das ist der berühmte Optimismus, der es nie verlassen und der sich in diesem Bilde reflektiert. Oftmals schon und immer wieder schien der Lebensbaum des jüdischen Volkes verdorrt, wenn er von außen mit dem Frosthauche der Leblosigkeit bereift, mit starrer Abweisung von jeder Lebensmöglichkeit, in seinem Wachstum wie mit Fesseln eingeschlofsen und belastet, unerbittlich verloren schien. Jedoch innerlich arbeiteten die latenten Kräfte unermüdlich fort; Israel hat sich selbst nie aufgegeben; es hat immer mit dem ersten Sonnenstrahl, mit dem ihm das Schicksal leuchtete, sich selbst wiedergefunden und in Männern der Tat, gehoben durch einen nie verzagenden I d e a l i s m u s, die dürren Aeste zum Wachsen und Gedeihen gebracht „und neues Leben blüht aus den Ruine n". Diese sind in der Geschichte der Entwicklung des Judentums wörtlich zu nehmen. Diese Ruinen der Vergangenheit, sie verkörpern sich jedem, der die Geschichte des Judentumes kennt, in dem jüdischen Friedhofe, und wenn derselbe von uns als „B e t h - H a ch a i m" bezeichnet wird, als das „Haus des Leben s", so hat dies auch historisch seine Richtigkeit. Die Stätte, auf der wir Juden unsere Teuren beerdigt haben, hat für uns unvergängliche Lebenskeime geborgen, die zu neuen Lebensbäumen geworden sind, auf denen die herrlichsten Früchte religiöser Kraft und volkstümlicher Stärke gereist. Der drittgrößte Dichter Englands hat wohl' in seinen „Hebrew Melodien" ganz trostlos hievon gesungen: „O Zion, sag, wann wird dein heilig Lied uns wieder grüßen?" „Und deine Stämme mit dem Wanderstabe — ach, die müden," „Wann finden endlich wieder sie ihr Heim im gold'nen Süden?" „Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Kluft," „Der Mensch die Heimat, Juda nur die Gruft." *) Aus dem wissenschaftlichen Teile der Festschrift zum 40 jährigen Jubiläum der Ehewra-Kadischa in Baden erweitert und ergänzt.