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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nc. 11 De. Vlochs Wochenschrift. Seite 169 kam Reinhardt an das „Deutsche Theater" in Berlin. Während dort unter Brahm vornehmlich Dramen von Ibsen und G. Hauptmann über die Bretter gingen, nahm Reinhardt Schauspiele von A. Strindberg, L. Tolstoi, Wedekind, Maeterlinck, L. Thoma, Gorki, Oskar White. Aber auch klassische Stücke, wie Lessings „Minna von Barnhelm", Schillers „Wallenstein", und selbst die altgriechischen Tragödien wußte er durch neue Art der Aufführung zu neuem Leben zu erwecken. Bei Reinhardt vereinigt sich der tüchtige Theaterdirektor mit dem ausgezeichneten Regisseur. Nach Reinhardt soll der Schauspieler der Handlanger des Dichters sein und das Volk soll durch die Bühne zur lebendigen Teilnahme an der Dichtung erzogen werden. In Reinhardt ist der Maler mit dem Musiker vereinigt, so versteht er es auch vortrefflich, nach Hebbels Worten das Übersinnliche anschaulich zu machen. Reinhardt ist ein Talent der unbegrenzten Möglichkeiten, von dem wir wohl noch ausgezeichnete Leistungen zu erwarten haben. In ruhiger, sachlicher Weise, gänzlich fern von jeder Effekthascherei, verstand der Redner das lautlos lauschende Publikum zu fesseln. Der Vater des Philosophen Bergson. Anläßlich der Wahl Bergsons zum Mitgliede der französischen Akademie erinnert „Jewish Chronicle" daran, daß sein Vater Michel Bergson viele Jahre hindurch als Musikprofessor in London lebte, wo er bis zu seinem Tode Mitglied der Synagogengemeinde von Hammersmith war. Er tat sich als Komponist hervor und hat insbesondere in Gemeinschaft mit dem vor ungefähr zwei Jahren verstorbenen Oberkantor der Londoner großen Synagoge Reverend Hast eine musikalische Bearbeitung hebräischer Hymnen und Gebete herausgegeben. Theodor Roosevelt und die Juden von Vucnos-Aires. Anläßlich seiner Reise durch Südamerika hielt Theodor Roosevelt auch in Buenos-Aires Station. Hier empfing er eine Abordnung der dortigen Judenschaft, welche die Gelegenheit wahrnahm, um die stets bewiesene Judensreundtichkeit des großen amerikanischen Staatsmannes zu ehren. Der Führer der Deputation Rabbiner Dr. F. H a l f o n überreichte dem Erpräsidenten zum Andenken an diesen Besuch eine künstlerisch entworfene Plakette in Gold und gedachte in seiner Ansprache der großen Verdienste, die Roosevelt Um Freiheit und Gleichberechtigung erworben hat. In seiner Antwort sagte Roosevelt unter anderem: „Mit Recht weisen Sie auf meine Sympathien für die Juden hin. In meiner Heimat zähle ich sehr viele Juden zu meinen Freunden. Während meiner Präsidentschaft hatte ich sogar einen jüdischen Minister, Mr. Oscar Strauß, der gleichzeitig mein Freund ist. Auch in meinem Regimente hatte ich 25 jüdische Soldaten. Eines Tages, nach einer Schlacht, lieh ich fünf Soldaten, die sich durch besonderen Mut hervorgetan batten, vorrücken. Ich habe hierbei selbstredend nicht nach dem Bekenntnisse dieser Soldaten gefragt. Aber ich erfuhr später zufällig, daß von diesen Soldaten 2 Katholiken, 2 Protestanten und einer Jude waren. Was ich fordere, ist nicht bloß die Duldung der Konfessionen, sondern die vollständige Freiheit der Religionen. Ich werde auch in Zukunft nicht aushören, dafür zu kämpfen, daß niemand für sein religiöses Glaubensbekenntnis verfolgt werde, und daß jeder Mann und jede Frau Gott nach ihrem eigenen Gewissen anbeten können. Ich bin ein Freund derjenigen, die ihre Mitmenschen dieselbe Religionsfreiheit zubilligen, die sie für sich in Anspruch nehmen. Ich werde nicht aufhöcen, daran zu arbeiten, daß der glückliche Tag, wo alle Religionen Freunde, alle Männer Brüder und alle Frauen Schwestern sein werden, so bald als möglich anbreche." Zum Schlüsse dankte Roosevelt dem Rabbiner und der Abordnung für das hübsche Geschenk, welches er stets in Ehren halten werde. Ein Rededuell zwischen dem Einwanderungsminifter und Jacob H. Schiff. Vorige Woche fand in Newyork die 25. Jaüresversammlung der großen jüdischen Einwanderungssürsorgegesellschaft „Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society" statt, an welcher unter anderen illustren Ehrengästen auch der Minister für Handel und Arbeit William S. Wilson, dem auch die Einwanderungsagenden unterstehen, teilgenommen hat. In einer längeren Rede versuchte Wilson seine einwanderungsfeindliche Politik zu rechtfertigen, worauf der gleichfalls anwesende jüdische Philanthrop Jacob H. Schiff mit einer wegen ihrer offenen und entschiedenen Sprache aussehenerregenden Rede reflektierte. Schiff erklärte sich einverstanden mit dem Minister in seinem Bestreben, zwischen dem Arbeiter und dem Arbeitgeber eine Harmonie herzustellen, sei mit ihm aber nicht einverstanden in der Einwanderungsfrage. Immer gab es Menschen, sagte Schiff, welche gegen eine freie Einwanderung in Amerika Stellung nahmen. Den Versuch, Einwanderer auszuschließen, finden wir schon zu jener Zeit, als unsere Vorväter in Plymouth landen wollten, von den Indianern daran gehindert wurden. Immer fanden sich solche Gegner der Einwanderung und immer fanden sie auch eine Begründung dafür. Ich selbst kam vor 50 Jahren als armer Junge in dieses Land. Ich habe keine Arbeit vorbereitet gesunden. Vier Monate lang mußte ich auf eine kleine Arbeit warten, und ich kann wohl heute sagen, daß es mir in diesem Lande und diesem Lande mit mir nicht schlecht ergangen ist. Gerade so wie ich es in meinem ganzen Leben für das Nützlichste angesehen habe, in jeder Angelegenheit jedem Menschen so lange Vertrauen entgegenzubringen, bis ich überzeugt werde, daß man ihm nicht trauen dürfe, ebenso bringe ich auch jedem Einwanderer, der daher kommt, ich sage jedem Einwanderer, Vertrauen entgegen, ob er lesen und schreiben kann oder nicht, wenn er nur kräftige Arme und ehrliche Absichten mitbringt. Von allen den Arbeitern, die ich im Laufe der vielen Jahre kennen gelernt habe, gibt es nur sehr wenige, die hier durchgefallen wären. Was wollen Sie mit dem Bildnngsexamen? Der jüdische Einwanderer ist nicht ungebildet, denn der Jude bietet seinen Kindern Bildung selbst dann, wenn er selbst deshalb hungern müßte. Wollen Sie etwa diese Juden deshalb, weil eine intolerante Regierung sie aus ihren Schulen ausschloß, auch aus diesem Lande ausschließen? Schiff schloß seine Rede wie folgt: Dieses Land ist ein materialistisches Land und der Kampf um den Dollar wird hier Tag und Nacht in viel zu starkem Maße geführt. Wir brauchen Ideale. Und der russich-jüdische Einwanderer, der weiß, was Leiden sind, bringt uns diese Ideale. Er bringt diese Ideale her und sie bilden ein Gegengewicht gegen den Materialismus, der hierzulande schon überwiegt. Wir deutschen Juden fühlen mit ihnen nicht nur, weil wir denselben Glauben haben, sondern weil wir wissen, daß auch unsere Eltern aus denselben Gründen, wie jetzt diese russisch-jüdischen Glaubensbrüder einst in den Ghetti von Deutschland gelitten haben. Die Rede Schiffs wurde von den Anwesenden, 2000 an der Zahl, mit stürmischem Applaus ausgenommen. Juden als Begründer neuer Industrien in Amerika. Vorige Woche starb in Newyork Herr Bernhard I. Salomon, der bedeutendste Lederhändler und Lederfabrikant von Amerika. Die englische Tagespresse widmet dem Heimgegangenen lange Artikel und weist insbesondere darauf hin, daß Salomon der erste war, der vor dreißig Jahren gefärbtes Leder in die Vereinigten Staaten eingeführt und dadurch der Schöpfer einer ganzen Anzahl heute blühender Industrien in Amerika geworden ist. Die Blätter erinnern daran, daß nicht nur Salomon, der ein guter Jude war und sich der jüdischen Wohltätigkeitsbewegung mit Hingabe widmete, sondern auch andere Juden in Amerika neue Industrien begründet und Handelszweige ins Leben gerufen haben, welche dem amerikanischen Staate Millionen-Einküufte sichern. Salomon war als Kaufmann nicht nur in Amerika, sondern auch in Rußland, Frankreich, England und Oesterreich bekannt. Er hinterließ verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten bedeutende Summen.

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