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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 168 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 1»» eigener Sache. Von David Yellin, Jerusalem. Herr Dr. Paul Nathan hat in seiner Darstellung des palästinensiclien Sprachenkampfes sowohl in seinem offiziellen Reisebericht als auch in seiner Broschüre „Palästina und palästinensicher Zionismus“ unter den Lehrern, die er des .Vertrauens- und Wortbruchs beschuldigt, besonders mich namhaft gemacht und schwer zu belasten gesucht. Auf mich wollte er, scheint es, die ganze Schale seines Zornes ausgießen. Rur sehr ungern habe ich mich seinerzeit zu einer Richtigstellung seiner Angaben und Behauptungen in der „Weil", Nr. 5 d. J., entschlossen. Ich hoffte, daß meine dortigen * Darlegungen sowohl für Herrn Dr. Nathan als auch für die von ihm beeinflußten Berichterstatter genügend und bestimmend sein werden, wenn auch nicht zur Zurücknahme ihrer objektiv unwahren Behauptungen, so doch wenigstens zur Unterlassung weiterer Angriffe auf mich. Hierin sehe ich mich leider getäuscht. Obschon durch die Gegenbroschüre des „Zionistischen Aktionskomitees“ („Im Kampf um die hebräische Sprache“) die Motive und der Verlauf des Sprachenkampfes nach allen Seiten aktenmäßig klargestellt wurde und obschon durch die letzten Beschlüsse des Kuratoriums des Instituts für technische Erziehung in Palästina der, erste Schritt zum Frieden und zur Verständigung getan wurde, so hören doch in der Presse una privatim die bald offenen und bald versteckten Angriffe gegen mich nicht auf. So sehe ich mich denn genötigt, noch einmal das Wort in eigener Sache zu ergreifen. Heißt es doch, „Ihr sollt rein sein vor Gott und Israel“. Gilt es doch, nicht nur vor Gott und meinem Gewissen den Schritt, zu dem ich mich entschlossen habe, meine Demission als Prorektor und Lehrer, gerechtfertigt zu sehen, sondern dieses auch vor den vielen ehrenwerten Männern in Europa, die mich 'bis jetzt mit ihrem Vertrauen und ihrer Freundschaft beehrt haben. Herr Dr. Paul Nathan versucht in seiner erwähnten Broschüre das sachliche, d. h. pädagogische Motiv unseres Vorgehens in den Hintergrund zu drängen und zu verdunkeln. Er versucht alles auf rein persönliche und agitatorische Motive zurückzuführen und das Vorgehen der demissionierenden Lehrer als Wort- und Vertragsbruch zu charakterisieren und zu brandmarken. Von diesem Vorwurf werden allerdings alle meine Kollegen und Kolleginnen betroffen, aber auf mich, als den Leiter des Seminars, weist er besonders hin: ich soll das in mich gesetzte Vertrauen ganz besonders getäuscht haben. Dazu kann und darf ich nicht schweigen. Zunächst möchte ich noch einmal feststellen: Das Vorgehen der demissionierenden Lehrer war kein Vertragsbruch schon aus dem einfachen formalen Grunde, weil wir ja gar keine Verträge mit dem Hilfsverein abgeschlossen hatten. Auch ich, der dienstälteste Lehrer unter meinen Kollegen, hatte keinen Vertrag, obschön ich wiederholt wegen eines solchen nachgesucht hatte. Die vier Lehrer, die durch1 Verträge gebunden waren, haben ja auch nicht demissioniert, trotzdem sie sunsere Gesinnung und unseren Standpunkt teilen. Ferner hatten wir keineswegs die Absicht und dachten nicht im entferntesten daran, die Schulen mitten im Semester im Stich zu lassen. Wir wurden vielmehr durch unsere von Herrn Dr. Nathan kurzerhand verfügte Suspendierung daran gehindert, unseren Unterricht, wie wir uns angeboten hätten, noch weitere zwei Monate zu erteilen. Und das kam so: Wir haben vor unserer Suspendierung Herrn Dr. Nathan ein Memorandum überreicht, worin auf die durch die Sprachenverhältnisse geschaffene pädagogisch unhaltbare Situation hingewiesen wurde. Wir verlangten Abhilfe und stellten Herrn Dr. Nathan für seine Entschließungen einen Termin von fünf Tagen. Diese Frist war keineswegs, wie Herr Dr. Nathan behauptet, zu kurz bemessen. Herr Dr. Nathan brauchte ja nur irgendwelche bestimmte positive Zusagen zu machen, irgendwelches Entgegenkommen zu zeigen. Auch für eine telegraphische Verständigung mit Berlin war die Zeit nicht zu knapp, wenn es überhaupt 1>ei seiner Machtstellung einer solchen bedurft hätte; hatte er doch immer plein pouvoir. Beweis: Konnte er doch uns alle mitten im Semester von unserem Amte suspendieren, unbekümmert darum, daß mehr als 500 Schüler und Schülerinnen ohne Unterricht durch richtige Lehrer bleiben njußten. Aber Herr Dr. Nathan zeigte nicht das geringste Entgegenkommen und die geringste Geneigtheit 'zu einem solchen. Und nun sagt er in seiner Broschüre, wir hätten ihm „das Messer an die Kehle gesetzt“. Wir haben, wie bereits bemerkt, unsere Arbeit nicht im Stich lassen wollen. Wir waren ja bereit, noch zwei Monate zu unterrichten und hätten bei weiterem Entgegenkommen uns vielleicht noch zu einer längeren Frist bestimmen lassen —, vielleicht; jedenfalls konnte Dr. Nathan nicht das Gegenteil wissen und als Diplomat hätte er denken müssen: Zeit gewonnen, alles gewonnen. Aber Herr Dr. Nathan beantwortete dieser unser Anerbieten mit sofortiger Suspendierung. Er hat aber auch nicht einmal für nötig gehalten, dafür Sorge zu tragen, daß allen in Frage kommenden Lehrern und Lehrerinnen ihre Suspension rechtzeitig und in klarer Weise bekannt wurde. Die Folge dieser Unterlassung war, daß einige Lehrer nach Ablauf der fünftägigen Frist wie sonst den Unterricht auf nahmen und von Herrn Direktor Ephraim Cohn sozusagen mitten im Satze, unter Assistenz von Polizisten, aus dem Schullokal entfernt wurden. Dieses tief beschämende Vorkommnis wird aber nun von Herrn Dr. Nathan so dargestellt,: als ob die Lehrer trotz ihrer Suspendierung in die Schullokale eingedrungen wären. Ebenso versucht Herr Dr. Nathan die große Beunruhigung und Aufregung sowie manche bedauernswerte Auftritte, die durch dieses Vorgehen hervorgerufen werden mußten, auf das Konto der Lehrer und zionistischer Agitatoren zu setzen. Dr. Nathan stellt jetzt sein unpolitisches Vorgehen als eine notwendige Maßregel hin. Nun, wenn er das glaubte, so kam es daher,, daß er für die idealen Motive unseres Vorgehens kein rechtes Verständnis hat und solche Motive auch gar nicht bei uns voraussetzt. Er hätte auch sonst von meinem Vorgehen in dieser Sache nicht in einem solchen Ton gesprochen, wie es in seiner Broschüre geschehen ist. Konnte ich in einem Augenblick, wie er vielleicht in meinem Leben nie wiederkehren wird, wo ich zeigen sollte, was mir die heilige Sache der hebräischen Sprache bedeutet, aus welchen Motiven mein bisheriges wissenschaftliches und literarisches Streben im Dienste dieser heiligen Sache entsprang, zurückweichen? Konnte ich mich auf Seite derer stellen, die 'für diese Sache wohl freundliche Wort e, aber nicht vollständiges Verständnis zeigten, und meine grauen Haare beschämen lassen, von all den jüngeren Männern, die für ihre Ueberzeugung und ihre Ideale ihre ganze Zukunft aufs Spiel setzten? Gottlob, daß ich nicht zögerte und schwankte, daß ich wußte, was ich zu tun hatte. Und daß ich diesen Schritt gerade in dem Jahre tat, wo ich mein 25 jähriges Dienstjubiläum an der Lämel-Schule hätte feiern können, daß ich alle äußeren Vorteile dieser meiner 25 jährigen Tätigkeit in die Schanze schlug, spricht wahrlich nicht gegen mich, .besonders (nicht in .;;den('Augen aller (derer,, .die für Ueberzeugungstreue und Charakterfestigkeit Verständnis haben. Leider aber scheint, wie bereits bemerkt, Herr Dr. Nathan dieses Verständnis nicht zu besitzen, wenigstens nicht, wenn es sich um unsereins handelt. Uns, meinen Kollegen, Kolleginnen und mir, unterstellt er, daß wir ihm die Frist von zwei Monaten nicht um einen Ausgleich herbeizuführen gestellt haben, sondern um Zeit zu gewinnen, um die Schüler für eine Abwendung von den Hilfsvereinsschulen zu bearbeiten. Ich weise diese Insinuation für meine Person aufs entschiedenste zurück, und glaube fest, daß ich sie auch für alle meine Kollegen und Kolleginnen zurückweisen kann. Und wenn Herr Dr. Nathan zur Begründung seiner Insinuation die Behauptung aufstellt, daß ich „vier Tage nach der Ueberreichung des Memorandums auch die Schüler der obersten Klassen der Lämel- Schule aufforderte, in die neu zu gründende Schule überzugehen“, so ist das einfach eine objektive Unwahrheit, und wer dieses Herrn Dr. Nathan hinterbracht hat, hat sich einer direkten Verleumdung meiner Person schuldig gemacht. Das oben erwähnte Memorandum der Lehrerschaft ist inzwischen durch die eben erschienene Broschüre des zionistischen Aktionskomitees allgemein zugänglich geworden. Die geneigten Leser dieses geschätzten Blattes können sich von dem Ernst und dem Gewicht unserer Gründe jetzt überzeugen. Aber Herr Dr. Nathan hat es nicht nötig gefunden, auf diese Gründe sachlich einzugehen, und obschon er in seiner Broschüre Platz und Raum hatte für die wertlosesten und zweifelhaftesten Zuschriften und Kundgebungen sowie für manchen Klatsch und Tratsch, so hatte er doch für unser Memorandum keinen Platz. Den Text dieses wichtigen Dokuments hat er seinen Lesern vor enthalten. Das bedarf keines Kommentars. Max Reinhardt. Berlin, 3. März. Am 23. v. M. sprach Chefredakteur Fritz Engel in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums (zum Besten des Stipendienfonds) über Max Reinhardt und sein Wirken. Der große Schauspieler, eigentlich Goldmann, ist 1872 in Baden bei Wien geboren und zeigte in seiner Entwicklung deutlich die Vorzüge der jüdischen Art. Frühzeitig besuchte er das Theater und wurde auch in der Wiener Schauspielschule ausgebildet. Frühzeitig von Otto Brahm beeinflußt,

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